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Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte


Christliche Gotteslehre als Trinitätslehre

Hauschild -
Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte I.
Alte Kirche und Mittelalter
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Christentum (bezogen nicht auf Jesus als historische Person) hat seine Identität in der Glaubensüberzeugung (Zukunftshoffnung, Heilserwartung usw.): Christusbezug als wesenhafter Charakter der Lehre.

KG des frühen Christentum: Reflexion über die Gestalt Jesu. (1.-4. Jhd.)
Trinitarisches Dogma: Die Gestalt Jesu in der Beziehung zu Gott und Geist
Christologisches Dogma: Das Verhältnis von Gottheit und Menschheit in der historischen Person Jesu.

1. Die Christologie im ersten Jahrhundert
1.1. Kontinuität oder Diskontinuität?
Gibt es einen Zusammenhang zwischen urchristlicher Christologie und dem hist. Jesus?
(Hoheitstitel, hell. Vorstellungen, Dogmatisierung verfremden den hist. Jesus.)

1.2. Die besondere Personenwürde Jesu v. N.:
Historisch greifbar: besondere Dignität der Person Jesu; Predigt und Verkündigung der gegenwärtigen Herrschaft Gottes; Rufen in die Nachfolge.

1.3. Entwicklung unterschiedlicher christologischer Konzepte:
Anhänger Jesu: Kontinuität zwischen Auferstandenen und irdischen Wirken: Es wurde eine Erhöhung zu Gott damit verbunden, die messianische Hoheitstitel (z.B. Kyrios als Gottesbezeichnung aus VXX) auf ihn anwenden ließ:
In der fortwährenden Hoffnung auf Heil (Verbindung Christologie und Soteriologie.
-> 1. Bekenntnis: Jesus als der Christus.

2. Die Christus-Gott-Vorstellung und andere Konzepte im frühen 2. Jahrhundert
Zwischen 90 und 140 keine Neuerungen-
Aber: Vorstellung der Inkarnation (Menschwerdung eines göttlichen Wesens): allein in Jesus Christus offenbart sich Gott; ohne Jesus Christus kein Heil: Gott-sein Jesu (Theologia Christi (Harnack))

Präexistenzvorstellung: im hell. und hell.-jüd. Christentum verbreitet: Ein mit Gott verbundenes Wesen (Sohn, Logos, Geist) wäre inkarniert. (gedacht mit einem Subordinatianismus (Unterordnung): onthologisch nicht gleichwertig)
teilweise. Modalismus: d.h. Christus ist eine Erscheinungsweise (modus) Gottes
Häretiker: Adoptianismus: Jesus wird durch Taufe, Auferstehung/Himmelfahrt als Sohn angenommen, was eine Partizipation an der göttlichen Macht zur Folge hat. (= als Negation der Inkarnationsvorstellung)

2.1. Christus als Gott:
In judenchristl. Gemeinden wegen monotheistischer Tradition nicht machbar, aber in der hell.-röm. Welt.
2.1.1. Ignatius von Antiochia: „Christus als unserer Gott“ (denn er war der einzige Offenbarer Gottes; soteriologische Einheit von Geist und Leib)
2.1.2 2Clem: über Jesus Christus so denken wie über Gott.
2.1.3 Präexistenz: bei Ignatis, Barnabasbrief.

2.2. Geistchristologie:
Identifikation seines vorinkarnierten Wesens mit Geist Gottes.
(Das Wort ward Fleisch)
2.3. Engelchristologie:
Präexistenz als Engel (populär in judenchr. Gruppen: Identifikation mit Erzengel Michael)

2.4. Modalismus: Jesus als Erscheinungsweise Gottes (Verweis auf Paraklet)
2.5. Adoptianismus

3. Die Logoslehre der Apologeten
150/160: neue Entwicklung: Deutung der Weltgeschichte als Heilsgeschichte.
-> Christologie nun als Gegenmodell zur gnostischen Trennung von Gott/Welt, Schöpfung/Heil benutzt.
Logos und Sophia werden auf Jesus bezogen

(Hintergrund: Stoiker: Logos als zentrales Prinzip ihrer rationalen, materialistischen Kosmologie: Weltvernunft (Gott) teilt sich mit im Vernunftsname; Menschen haben Erkenntnis.)
Philo: Verbindung von Logos-Metaphysik mit Schöpfungsvorstellung)

3.2. Christologie und Gotteslehre
Übernahme der Logoslehre mit Bezug auf Jesus Christus (personalisierte Logoslehre, Logoschristologie)
Bedeutet für die Gotteslehre: Gottes Reden und Handeln in Schöpfung und Geschichte als ein zu seinem Wesen gehörender Aspekt.

3.3. Universaler Geltungsanspruch
Die Logoschristologie ist besonders geeignet, um Absolutheitsanspruch
geltend zu machen:
Es gibt nun eine kosmologische wie geschichtstheologische Begründung Christi.

3.3.1
Logos ist: Gottes Schöpfungswort und Gottes Eingreifen in die Geschichte
der Grund für Wahrheitserkenntnis und Anleitung zum Leben
Christus ist: von Schöpfung an präsent

Logos Gottes und prophetischer Geist haben Jesus angekündigt (Ansatz zur Trinitätslehre)

3.3.2 Problem mit Subordinatianismus: gelöst in der These. Christus als erstes Geschöpf, Logos als zweite Instanz unter Gott.

3.3.3 Problem: Logoslehre ist binitarisch (sie beschreibt Verhältnis Gott-Christus bzw. Gott-Logos), aber nicht den Geist. Man findet noch keine strenge Trinitätslehre.

4. Heilsgeschichte und Trinität bei Irenäus
Nach 180: Irenäus und die Konzeption der Verbindung von Schöpfung und Erlösung.
Jesu Inkarnation als Heilsplan Gottes, der als Erziehung und Erlösung abläuft.
Schöpfung - Sündenfall - Wiederherstellung: Jesus als menschgewordener ewiger Sohn als Offenbarungs-, Schöpfungs- und Erlösungsmittler.
ökonomisch-trinitarische Konzeption: Das Wirken Jesu in der Geschichte vermittelt dem Menschen Gottes Geist.

4.1. Anthropologie und Soteriologie:
Christus als das Muster Mensch vor Adams Sündenfall.
-> Mensch alleine hat die Gottesbildlichkeit nicht erreicht. -> Erlösung und pädagogisches Wirken durch einen Schöpfungsmittler, der nach dem Plan Gottes das Heilswerk vollbringt. Jesus Christus wird Mensch und teilt den Menschen den Heiligen Geist mit (in Christus schafft Gott eine Zusammenfassung bzw. einen nochmaligen Durchgang der Menschengeschichte)
Christus als Antithese zu Adam.

4.2. Trinitarische Gotteslehre: Vater, Sohn und Geist
Irenäus übernimmt kosmologisches Konzept: Gott hat die Schöpfung durch Wort und Weisheit bewerkstelligt; Irenäus hat es mit Christologie und Soteriologie verbunden, indem er Logos und Sophia als Sohn Gottes bzw. Geist Gottes identifizierte.
Thesen: Unterschied zwischen Gott und Vater
Gleich-Ewigkeit Gottes und Sohnes
Mit dem Sohn-Logos als dem Schöpfungs- und Offenbarungsprinzip Gottes ist der Heilige Geist verbunden als Gabe Christi gegenüber den Gläubigen.

Keine ausgearbeitete Trinitätslehre.

5. Der „Monarchianismus“: Kampf um den christlichen Monotheismus
Versuch der Verbindung von einer nun komplexeren Christologie mit Monotheismus.
-Zwei Linien: Adoptianismus und Modalismus
Adoptianismus (Theodot): von der Taufe zu Gott erhoben
Modalismus: formuliert gegen den Subordinatianismus der Logoslehre den Sohn als Erscheinungsform.

Beide Bewegungen sind der Grund für die erste große trinitätstheologische Kontroverse (3. Jahrhundert).
5.1. Der modalistische Monarchianismus (Noetus, Praxeas und Sabellius)
5.2. Der adoptianische bzw. dynamistische Monarchianismus (Thodeot)

5.3. Die Einheit Gottes bei Noetus, Praxeas und Sabellius
5.4. Hippolyt: Logoslehre gegen Modalismus
Versuch des Kompromisses: Logos (Christus) ist aus Gottes Wesen gezeugt und damit wesenhaft Gott, aber ihm deutlich subordiniert, also ein selbständiges zweites Sein.

6. Tertullians begriffliche Klärung der Trinitätslehre
213: In Abgrenzung gegen Gnostiker und Monarchianer hat Tertullian erstmals eine Trinitätslehre aufgestellt: Einheit und Dreiheit Gottes.
Vater, Sohn und Geist als Personen (personae), deren Gottheit als einheitliche Substanz (substantia) zu verstehen ist und nach außen als potestas (Macht) und monarchia wirken.
(später heißt es im Trinitätsdogma: una substantia, tres personae)

6.1. Einheit der Trinität als „una substantia“
a. binitarisch:
Gott und Christus verhalten sich wie Quelle und Fluß, Sonne und Lichtstrahl: Es ist eine substantia, aber Christus das Substrat eines Wesens als Träger der gleichen Eigenschaft
b. Erweiterung auf trinitarisch:
Sonne-Strahl-Spitze des Strahls, Quelle-Fluß-Bach: gleiche Substanz, Qualität und Macht, aber Unterschiede hinsichtlich des Ranges
Somit ist die Lehre Tercullians eine trinitarisch erweiterte Logoslehre mit modalistischen Elementen. (Später wurde er als Häretiker verstanden.)

6.2. Vater, Sohn und Geist als „personae“
persona = konkret Gestalt Gottes als eigenständige Individualität.
- Trinität als Begriff, der Unterschiede, nicht aber eine Trennung aufzeigt.

Frage:
Handelt es sich in der Differenzierung in Drei um einen ewigen Sachverhalt oder um eine geschichtliche Differenzierung (Lebzeiten Jesu)?

7. Platonismus und Christentum
Valetin, Justin: Vertreter des Mittelplatonismus: Ziel des Menschen ist Erkenntnis. (rationale Erkenntniswege, keine Offenbarung im Glauben gekannt; Wahrheit nur im Sein, nicht in der Geschichte, Gottheit nicht als Person zu denken)

8. Origenes: Immanet-ewige Trinität und Hypostasenlehre
Hypostase: Grundlage, Wesensart (gr. für lat: substantia)
Origines in Alexandria (2./3. Jahrhundert)
systematisch durchdachte Trinitätslehre
Der Begriff der Hypostase als Gegenbegriff zum Modalismus und zur Betonung der „eigenständigen Wirklichkeit von Vater, Sohn und Geist“.

8.1. Ewigkeit der Schöpfung, Güte Gottes, Pronoia und Paideusis
Gott ist der Grund des Seins (uranfängliches Prinzip), völlig transzendent, überströmende Vollkommenheit
Mitteilung seiner Güter in der Schöpfung (des Sohnes als ewigen Schöpfungsmittler)
Sohn erschafft Geistwesen (logika) (Vorsteher: Heiliger Geist)
Abfall der Logika durch ihre Freiheit
Der gütige Gott begegnet diesem Abfall mit der Schaffung der sichtbaren Welt (zur Inkorporation der Geistwesen). Vorsehung (pronoia) und Erziehung (paideusis) als Mittel, die Menschen wieder auf die rechte Bahn zu bringen.
-> Rückkehr zu Gott durch Geistwerdung.

8.2 Erlösung als Vervollkommnung, Apokatastasis
Der Sohn ist nicht nur Schöpfungs- sondern auch Erlösungsmittler, also Offenbarer der Wahrheit und Erzieher zur Liebe (Arzt und Hirte).
Die Seele Jesu Christi ist die einzige (ausgenommen die des Geistes und die der Engel), die nicht abfiel: Inkarnation, Erziehung des Volkes Israel, Ruf in die Vervollkommnung in der Vergeistigung.
Apokatastasis: Endpunkt : Wiederherstellung der Schöpfung am Ende: Anfang gleich Ende.

8.3 Offenbarungstheologie als Hypostasenlehre

Ohne Christus als Bild Gottes und dessen Mittler ist Gott nicht existent.
Aber er existiert natürlich eigenständig.
Als sein Abbild ist der Sohn natürlich ebenfalls eine eigenständige, aber onthologisch zweitrangige Hypostase. Gott ist er durch die Teilhabe am demselben Sein.
-> gegen den Modalismus: Zeigt Einheit und Verschiedenheit in Gott, mit einer Tendenz zum Subordinatianismus.

8.4 Der Geist als Teil der Trinität
Das erleuchtende Wirken des Geistes führt zur Vervollkommnung.
-> Der Geist gehört zum kosmologisch-ontologisch System
Aber: Origines spricht beim Geist nie von Gott. (der Geist als nochmals abgestufte Gottheit?)

Resümee: Drei konzentrische Kreise:
Das handeln Gottes bezieht sich auf alles Seiende, das des Sohnes auf die logika, das Wirken des Geistes auf alle Heiligen, d.h. die wahren Christen

9. Konflikte zwischen Origenismus und Monarchianismus um 258/268
250-320: trinitarische Hypostasenlehre Origenes im Osten - einzelne Gegner im Westen.

Zwei Konflikte als Vorläufer des arianischen Streites:
Lehre des Dionysis von Alexandria - Absetzung des antionenischen Bischofs Paul von Samosata: Streit um den Begriff des homousios

9.1. Hypostasenlehre des Dionysius von Alexandria
„Streit“ (?) der Dionyse:
der Alexandrianer: Verschiedenheit von Vater, Sohn, Geist durch Subordinatianismus der Logoslehre.
der Römer: Einheit der Trinität, keine drei Hypostasen in Form dreier Substanzen
-> Dionysius von Alexandria lenkt auf den Römer ein.

9.2 Der dynamistische Adoptianismus: Paul von Samosata
Bischof Paulus von Samosata (Synode von Antiochia, 264 und 268): Ablehnung der Präexistenz., Hypostasen- und Inkarnationslehre, dafür Geistchristologie und Adoptianismus.
Widerstand aus dem Osten!

10 Der trinitarische Streit 318-381: Orientierung über die Probleme
Die religiöse Identität des Christentums basiert auf der Deutung der Person Jesu (Christi?).
Im 4. Jahrhundert kommt es zum großen Konflikt.

10.1 Trinitätsdogma, politische Situation, Philosophie
Einheit der Kirche wird im 4. Jhd für den Kaiser als Stabilisationskraft von Bedeutung. Er möchte deshalb eine dogmatisch fixierte Lehrmeinung hören.
(Christentum ist seit 324 als einzig wahre Religion anerkannt.)

Es ist zu fragen nach dem Wesen Gottes anhand der bestehenden Trinitätslehren (metaphysisch-onthologische Reflexion).

10.2. Die Phasen des Streites
318-337:
Auseinandersetzung mit der Lehre des Arius: Konzil von Nicäa (325)
341-355:
- zunehmender Gegensatz von Ost- und Westkirche (Origenisten bzw. Eusebianern und Verteidigern des Nicänum)
- Reichskonzil von Serdika (342) zeigt Zerrissenheit
357-361
Übergangszeit mit Reichssynode in Ariminun 359.
362-381: Durchsetzung des Nicänums auf dem Reichskonzol in Konstantinopel 381

Parteien:
Linke: Arianer; Rechte Nizänern und die Mittelpartei um die Origenisten bzw. Eusebianer.

11 Der arianische Streit 318-325/337
subordinatianische Lehre des Arius (Logos als Geschöpf Gottes)
zurückgewiesen von Alexander von Alexandria

11.1 Die Anfänge des Konflikte bis 324
318: Arius formuliert seine Christologie;
in Alexandria nehmen wohl modalistische Monarchianer Anstoß an seinen Äußerungen: verklagen Arius bei Bischof Alexander (Rechtsorigenist) der Häresie.
324: Versöhnungsversuch von Kaiser Konstantin.
324/325: Synode von Antiochia: Verurteilung Arius als Häretiker (Exkommunikation von dreien seiner Anhänger, u.a. Eusebius)
Einladung zur das ganze Reich umfassenden Synode nach Nicäa.

11.2 Arius’ Lehre:
Kritik an Alexanders Lehre von Gleichewigkeit und Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater.
Arius: nur der Vater ist ohne Anfang und daher ewiglich (Ungewordenheit): Als Schöpfer von allem unterscheide sich der Vater wesensmäßig von Logos als „Gott zweiter Ordnung“, den er geschaffen hat (vor der Welt). Er nimmt den Sohn an (Adoptianismus)
Präexistenz; aber keine Gottesprädikate. (Adoptianismus, verkürzter Origenismus (keine Ewigkeit), Logoslehre)

11.3
Einheit von Vater, Sohn und Geist bei Alexander von Alexandria:
rechtsorigenistische Position: Ewigkeit der Sohnschaft, Wesensgleichheit

11.4 Das Reichsdogma von Nicäa: Gottheit Christi als „Homousie“: 325.
250-300 Bischöfe aus dem Osten, 5 aus dem Westen.
Verurteilung des Arius’ und Rehabilitation von Eusebius.
Alexander und Origenes Einfluß: kosmologisch orientierte Logoslehre des eusebianischen Bekenntnis ist durch eine soteriologisch orientierte Lehre über den Sohn als wahren Sohn abzulösen: Christus wahrer Gott als dem Sein des Vaters, wesenseins mit diesem (homousios)
(Mehrheit der östlichen Theologen können allerdings diese Aussage nicht nachvollziehen: Dogma ohne Konsensus.)

Der Begriff „homousios“ löst die Begriffe substantia und hypostase ab.

11.5 Konstantins Befriedungspolitik nach 325
- Einheit der Reichskirche zur inneren Frieden
Im Osten herrschen weiter die origenistische Mittelgruppe (der Eusebianer), die eigentlich gegen das Nicänum sind. Stechen später die Befürworter (Alexander usw.) kirchenpolitisch aus.
- Im Westen zunächst keine Konflikte.

11.6. Einheit der Trinität bei Markell von Ankyra:
entgegen den Vorwürfen kein Sabellianer
vertrat eine biblisch begründete Theologie eines trinitarischen Monotheismus: Einheit Gottes aus eines einzigen Seins (keine Drei-Hypostasen-Lehre wie bei Eusebius)
Der ewige Sohn wohnte in den Menschen ein und sandte den Hlg Geist, ohne dass Gott sich zerteilte.
Logos und Giest als „Ausdehnung“, aber keine Wesensgleichheit

11.7. Eusebius von Cäsarea: Logos als Offenbarer Gottes
Gegen Markell verteidigte Eusebius einen binitarischen Monotheismus. Zwei Hypostasen: Gott differenziert sich selbst in Offenbarung und Schöpfung, keine Vater-Sohn-Identität (Nicänum), sondern ein strenger Subordinatianismus.
Schwäche: Wie verhält es sich mit dem Wesen? (onthologische Frage)

12 Der Ost-West-Gegensatz seit 341
Nach Tod des Konstantin 337 neuer kirchenpolitscher Kampf:
- Rückkehr exilierter Bischöfe (u.a. Athanasius)
- Rivalität der Kaiser Konstans (West) und Konstantius (Ost) und West-/Ostkirche

Synode von Antiochia: 341: Eusebianer wollen orthodoxes Bekenntnis, das an die Stelle des Nicänums treten soll. -> Spaltung der Synode in westl. Teil (Athanasius und östliche Nizäner) und einen östlichen Teil

Es gab den Verdacht gegen die Eusebianer: sie würden homousios und substantia als Arianismus (drei Wesen) interpretieren.

Synode von Serdika (342): dogmatische Untermauerung der Gegensätze:
- westlich: Verurteilung der Hypostasenlehre als Arianismus \ gegenseitige
- östlich: Ablehnung des Monarchianismus. / Exkommunikation

13. Die Lehre des Athanasius: Gottheit Christi und Erlösung des Menschen
Entscheidender theologischer Beitrag der Nicäner: Athanasius (295-373). (Wurde später normative Autorität der Ostkirche)
(Es ist eine Vereinfachung, wenn der ganze Kirchenstreit als eine Alternativfrage Athanasius v. Arius gesehen wird.)

A.: steht in origenistischer Tradition, aber: eine ganz von der Soteriologie bestimmte Lehre.
Überwindung des Subordinatianismus der Hypostasenlehre und ausdrückliche Verteidigung des Nicänums.
Einbeziehung der Pneumatologie in die Trinitätslehre.

13.1 Menschwerdung Gottes und „Vergottung“ des Menschen
Gottes Logos-Sohn wurde in Jesus Christus Mensch (Inkarnation!) zur Erlösung des gottesfernen und abgefallenen Menschen: „Denn er wurde Mensch, damit wir vergottet würden.“

13.2. Identität der Gottheit in Vater und Sohn
Gegen die Agennesia Gottes, aber ewige Zeugung des Sohnes unter Ausschluß aller kreatürlichen Analogien. Vater kann nicht ohne Sohn, Sohn nicht ohne Vater gedacht werden. (Bgriffspaare: Vater-Sohn, Licht-Abglanz).

13.3. Die Gottheit des Heiligen Geistes:
Gott als Licht offenbart sich nach außen im Abglanz (Christus) und ermöglicht dem Menschen die Erleuchtung (Aneignung der Offenbarung im Geist).

14. Die theologischen Gruppen und das homöische Reichsdogma von 359
Konstantius, inzwischen Alleinherrscher, will ein einheitliches Dogma. Ein einheitliches Dogma kann nur antinichänisch sein: Der Begriff homousios ist zu ersetzen.

357: Verbot der Begriffe Hypostase und homousios -> faktische Aufhebung des Nicänums.
-> Aufleben des Arianismus: Neo-Arianer, durch Ablehnung des Begriffes „homousios“ als Anhomöer bezeichnet:
- Aetius und sein Schüler Eunomius: konsequent onthologischer Monotheismus:
Christus ist Geschöpf Gottes, d.h. ungleich.

Abwandlung in der origenistischen Mittelgruppe: das bisherige Bekenntnis der Übereinstimmung von Gott Vater und Sohn wird verstanden, dass beide gleichen Seins sind, d.h. wesensgleich. (-> Gruppe der Homösusianer)

Es setzen sich zunächst aber die Homöer (keine Arianer!) durch: „Sohn ist Gott aus Gott dem Vater.“
-> 359: Reichkonzil und homöisches Dogma (unpräsize Bestimmung des Vater-Sohn-Verhältnisses): „Sohn ist Gott als Gott dem Vater - gleich, gemäß der Schrift“
-> schließt Nicänum und origenistische Hypostasenlehre aus.

Homöer: Christus - Gott gleich bzw. ähnlich (homoios): gleich nach der Schrift
Homöusianer: Christus - Gott wesensgleich (homoiousios): gleich nach Wesen und Sein

15. Homöische Reichskirche und Neonizäner 362-379
Das homöische Dogma wird nur von einer Minderheit bejaht.
Im Westen: stille Akzeptanz des homöischen Dogmas
Im Osten: Gewaltsame Durchsetzung durch Valens (Nachfolger Konstantinus’)

???? Neo- bzw. Jungnizäner werden Homöer genannt, die Nicänum nicht ganz ablehnen ,sondern von der Homologie im Sinne der Drei-Hypostasen-Lehre verstehen, im Gegensatz zu den Altnicänern, deren überragender Führer weiterhin Athanasius ist.

Synode von Alexandria: 362
Verständigung zwischen Athanasius und Homöusianern über ...
Anerkennung des Nicänums (Zulässigkeit des homousios durch die Formel „drei Hypostasen als Existenzen“)

Pneumatologen lehnen Gottheit des Geistes ab (Abspaltung von der Mittelpartei)

Dennoch weitere Kirchentrennung zwischen Osten und Westen:
Für den Westen bleiben die Neonicäner suspekt
(Im Osten setzen sich zunächst die Jungnizäner durch.)

16. Die Vorbereitung des Trinitätsdogmas durch die „drei großen Kappadokier“

Drei Bischöfe (Basilius von Cäserea , Gregor von Nazianz und Gregor von Nyssa) bereiten das das Trinitätsdogma vor: ein Wesen, drei Existenzweisen. (usia, hypostaseis)
Einheit Gottes (Athanasius), aber Differenzierung der Hypostasen (Origenes)

Basillius: Durchsetzung der neonizänischen Position vorgenommen (gegen Arianer und Homöer)
in der Anthropologie und Soteriologie gründende Trinitätslehre: sündige Mensch allein kann Gemeinschaft mit Gott nicht realisieren, d.h. nur dank Gottes Werk der Offenbarung in Christus und durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes.
Einheit Gottes durch die Einheitlichkeit seiner Wirksamkeit.

Gregor von Nazianz:
nizänisches Konzept, aber stärker an Athanasius als an Origenes orientiert:
onthologische Einheit, drei Hypostasen aber in der Offenbarung Gottes deutlich: Vater als absoluter Ursprung, Sohn als Offenbarer-Zugang und Geist als aktuelle Zugänglichkeit des Menschen in der Erleuchtung: Die Einheit bewegte sich vom Ursprung her zu Zweiheit und kam in der Dreiheit zum Stillstand (innertrinitarische Relation).
Kein Subordinatianismus, sondern: der eine Gott als Ungezeugter, Gezeugter und Hervorgebrachter (d.h. onthologisch).

17 Das Konzil von Kostantinopel und das Trinitätsdogma
Westkirche hatte das Dogma von Nicäa festgehalten und den Arianismus der dortigen Homöer überwunden.
Das Nicaeno-Constanstinopolitanum NC: als Bekenntnistext des Osten (bzw. von den Neonicänern getragen):
Kirchenrechtliche Fixierung des Nicänums verbunden mit einer dogmatischen Interpretation der Homousia durch die Drei-Hypostasen-Lehre und pneumatische Erweiterung des Bekenntnistextes von 325. Namentliche Bestätigung des Nicänums als Dogma.
Pneumatologische Aussagen des Nicaeno-Constantinopelitanum (für den Gemeindegebrauch):
Der Heilige Geist ist
- Herr
- Lebensspender
- er geht aus dem Vater hervor
- er wird zusammen mit dem Vater angebetet (Homotimie)
- er hat durch die Propheten geredet

17.3. Die Pneumatologie als neuer Bekenntnisinhalt:
Gegenüber 325 (binitarisch) nun ein trinitarisches Dogma:
Der Theologen-Text sagt die volle Gottheit des Geistes aus, das Gemeinde-Credo nur die Homotimie (Anbetung des Geistes zusammen mit dem Vater).
-> menschlicher Zugang zu Gott
-> Gottes Geist wirkt nur in der Kirche.
Im 5. und 6. Jahrhundert wir das NC im gottesdienstlichen Gebrauch zum Bekenntnis.

18. Die Trinitätslehre der lateinischen Kirche
Die westliche Tradition war seit Tertullian und Kallist durch den Gedanken der Einheit der Trinität geprägt. Verständnis des nicänischen homousios als una stubstantia.
Hauptdokument: Augustins „De trinitate“ 399-419.

18.2 Damasus von Rom und Ambrosius von Mailand
Westen: Bejahung des Nicänums und una substantia/tres personae.
Ambrosios von Mailand: Orientierung an Athanasius, Baisilius.
(Gegensatz Schöpfer - Geschöpf: Der substantia creaturae steht der substantia Dei gegenüber)

18.4. Augustins epochale Neuformulierung:
Ausgangspunkte: Dogma und biblisches Zeugnis:
Einheit des trinitarischen Gottes (deus trinus).
Ersetzung des Bergriffs Substanz durch Wesen (essentia): Gottes Eigenschaften sind nicht bloß Akzidenzien. Die Eigenschaften treten nicht zum Wesen hinzu, sondern konstituieren es!
Dennoch differenziert er in drei Personae: Eigentlich spricht er lieber von Relatio (Vater-Sohn) in ewiger Beziehung, vom Geist der Liebe (Hlg. Geist) umrahmt.
-> unauflösliche Einheit und Dreiheit Gottes.

Zur Verdeutlichung entwickelt er eine „psychologische Trinitätslehre“: Geist-Erkenntnis-Liebe bzw. Gedächtnis-Einsicht-Wille als kreatürliche Analogien im menschlichen Geistesleben.

19 Zur Nachgeschichte des Dogmas
Entsprechendes Interpretation, Anwendung und Auswirkung - wie bei jedem Dogma. Osten und Westen unterschiedlich.

gr. mia usia - treis hypostases
(dt. eine Substanz - drei Wesensarten)
lat. una substantia - tres personae
Augustin: una essentia - tres relationes
 Einheit und Dreiheit Gottes

§2 Christliche Gemeinschaft als Institution Kirche

Bedeutung des Themas
Der Glaube an Jesus Christus, seine universale Bedeutung und seine Heilsbedeutung konstituiert die Kirche: Kirche als eschatologisches Gottesvolk.
3./4. Jahrhundert: Die Kirche als katholische Kirche als „Großkirche“
Prinzip der Apostolizität als Bezug zum Ursprung.
Halt in - Bekenntnissen/Dogmen
- Kanonisierung
- Kirchenzugehörigkeit durch die Taufe.
- liturgischer Ausbau des Gottesdienstes

1. Die Anfänge der Kirche
Anfänge in der Jesusbewegung (jüd.-apokalyptische Sekte), keine Auflösung nach Tod Jesu durch Auferweckungsglaube: Verkündigungsaufgabe schließt sich an.
Es entstehen die ersten Gemeinden, auch außerhalb Jerusalems.

1.1. Jesus und die Kirche
Ruf in die Nachfolge und Konstituierung des Zwölferkreises als einziger Ansatz einer religiösen Bewegung, also keine Grundlage einer Kirche.
-> grundlegend für das Kirchesein (und der Beginn der KG) ist die konstitutive Beziehung auf Jesus Christus

1.2. Reich Gottes und Kirche
Glaube an die Parusie, d.h. Vorbereitung auf Gericht und Weltende.
(Dies konstituiert die Gemeinschaft).
Trotz Parusieverzögerung (eschatologische Relativierung) entstehen:
- zukünftige Hoffnung auf die Einheit der Kirche
- Erwartung des Reiches Gottes als grundlegende Veränderung der Welt
(Dies war ein kritisches Korrektiv gegenüber einer Verweltlichung der Institution Kirche.)

1.3 Theologische Deutung der Kirche (Ekklesiologie)
ekklesia (Versammlung) als Begriff lokaler und universaler Gemeinschaft
(semantische Nähe in VXX zu Volk (laos) (Die Kirche als neues bzw. wahres Israel? (Justin))

1.4. Die Jerusalemer Urgemeinde: Judenchristen und Hellenisten
Anfänge der Kirche in der Jerusalem (Act 1, 1Kor 15,3-7): Aufgabe der Gläubigen: Verkündigung des Glauben; Erwartung de nahen Weltendes.
Theologische Differenzen und Unterschiede in der religiösen Lebensform machen den Begriff „Urchristentum“ eigentlich unzutreffend.

1.4.1 Neben Petrus und Zwölferkreis beeinflussen bald Jakobus und die Apostel aramäisch sprechende Judenchristen (gesetzestreu, Tempelkult einhaltend). Spezifisch christliches Leben wie in Act 2,42 beschrieben.
1.4.2 Daneben gibt es die Hellenisten (gr.-sprechende Diasporajuden, die zeitweilig oder teilweise in Jerusalem wohnten: Kreis um Stephanus und Philippus. Verfolgungen durch Juden (Steinigung des Stephanus, dann vertrieben) und Streitigkeiten mit den Judenchristen hins. Tempelkult und Gesetzesgehorsam.
1.4.3 Verständigung im Apostelkonzil. -> Heidenmission gleichberechtigt neben Verkündigung gegenüber Juden(Christen).

1.5 „Urchristentum“ - „Frühkatholizismus“ - „Altkatholizismus“
Normierung von Schriften, Fixierung von Ämtern und Ablösung vom Judentum zeigen den Weg des Urchristentum in die Großkirche.
Der Begriff „Frühkatholizismus“ stimmt auf 2. Jahrhundert, wo diese Merkmale noch nicht eindeutig (flächendeckend) ausgeprägt waren. Der Begriff „Altkatholizismus“ stimmt hinsichtlich der Konturierung nach 200.
(Dennoch: Begriffe können dennoch nicht die verschiedenen Aspekte von Kontinuität und Diskontinuität einrahmen.)

2. Mission und Ausbreitung
Mission als Wesen der Kirche, gerade durch die Ausweitung der Heidenmission universialisiert.
1. Gemeinden wachsen oft aus Synagogen heraus
(Philippo, Tessalonike, Korinth und Rom).
2. Gelegenheitsmission (durch die werbende Existenz einzelner Christen, Wanderprediger?) (Alexandria, Nordafrika, Gallien)
3. Christianisierung des Umfeldes der bisherigen Zentren (v.a. in Nordafrika, Kleinasien)
4. Teilweise gezielte Missionsaktionen
Im 2./3. Jahrhundert Ausweitung über das römische Reich hinweg.

2.1 Planmission und Bekehrungsarbeit im 1. Jahrhundert
Universal Gottesvolk sammeln im Horizont des nahen Weltendes. (Verbunden mit Ablösung vom Judentum)
Heidenmission (35-40) beginnt in Antiochia.
Ausweitung durch Paulus (48-60) als Berufsmissionar
Durch Werbung in den Synagogen wie Reisen christlicher Kaufleute (Rom?) breitet sich ebenfalls das Christentum aus
Im 2. Jahrhundert eher Gelegenheitsmission als planmäßige Aktion. (durch Tätigkeit christlicher Lehrer)

2.3 Systematische Christianisierung im 3. Jahrhundert
2.4 Innere Expansion der Reichskirche
Vor allem Christianisierung der Landbevölkerung verstärkt
2.5 Kirchengründungen außerhalb des Reiches

3 Die Ablösung vom Judentum
Diskrepanzen:
1. in der Frage der Messianität Jesu.
Dissens hat theologische und religiöse Folgen:
a) hins. Volk Gottes
b) hins. des Gesetzes
c) hins. der Interpretation der Heiligen Schrift (heilsgeschichtlich-christologische Deutung)

2. durch das Hineinwachsen der Christen in die hellenistisch-römische Welt („Heidenchristentum“)
-> übliche Judenfeindschaft; Christen aus den Synoden verbannt

Folge: Ausgrenzung der Judenchristen (Gesetzestreue, Kult) werden zu Häretikern.
(obwohl die jüd. Einflüsse im Christentum natürlich blieben!)
-> Entstehung eines christl. Antijudaismus (4. Jhd: Teilweise Judenverfolgung)
Verhaßtsein der Juden bei den Christen um 90 (s. Apk 2,9f.)
Barnabasbrief: Juden haben Gesetz von Anfang an falsch verstanden. Sie waren nie Gottes Volk: Taufe und Glaube anstatt Beschneidung und Gesetz.

Andersherum: Im Bar Kochba-Aufstand (132-135) verfolgen Juden die Christen

3.3 Die Auseinandersetzung mit den Juden im 2.-4. Jahrhundert
Ablehnung von Positionen des Judentums mit „Judaismus“ bezeichnet.
Antijudaismus ist die generelle Verurteilung der Juden, die mit der Verwerfung durch Gott geschichtstheologisch begründet wurde: Juden als Gottesmörder (4. Jhd.)

z.B. Tertullian/Origenes hins. Mt 27,25 (Da antwortete das ganze Volk und sprach: Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!): Hier sei eine Straffolge (Vergeltung Gottes) in der Zerstörung Jerusalems und der Vertreibung der Juden angesprochen. -> Als Schuldübertragung verstanden.

3.4. Das Judenchristentum als Häresie
Übernahme jüd. Traditionen in die christliche Religion waren üblich: Verbindung des Christusbekenntnisses mit Gesetz und Bund Israels (Beschneidung, Befolgung der Ritualvorschriften)
Teils synkretistische und gnostische Formen
2. Jahrhundert: friedliche Koexistenz, später Ausgrenzung als Häretiker, im Rahmen der Konsolidierung der Großkirche und Verurteilung der Häretiker (4. Jahrhundert).


4. Die Indentitätskrise des Christentums im 2. Jahrhundert
Eigentlich bildete das Ideal der Einheit eine größere Bedeutung, dennoch gab es schon stets eine Zweiteilung in Hebräer und Hellenisten.
Erst nach der Grundlagenkrise des 2. Jahrhunderts wurde dieser Gegensatz überwunden.

4.1 Pluriformität der Lehren und Lebensformen
Um 90/100 Verschärfung der Gegensätze und Konflikte: unvereinbare Lehrpositionen prallen aufeinander.
Durch die Ausbreitung war aber bereits grundsätzlich eine religiös-kulturelle Pluriformität entstanden.
Bis 120/140 kann angesichts der vielschichtigen Erscheinungsformen des Christentums nicht unterschieden in Orthodoxie und Häresie, auch wenn es keine einhellige Definition von Orthodoxie gab.
Woraus bestand nun das authentische Christentum?

4.2 Häresien als Anstoß zur Klärung der Grundlagen
Gnostizismus, Markionitismus und Montanismus als Zeichen einer Identitätskrise
Dem Ideal der Kircheneinheit praktischen Ausdruck verleihen:
140-200: Bibelkanon, Erstellung von Glaubensregeln, Errichtung von Kirchenstrukturen (Ämter, Gottesdienst, Sakramente, Entstehung von Synoden (um 170/190)) als Normengefüge der Orthodoxie. Nicht neu, aber die Formalisierung war neu!

4.3 Die großkirchliche Institution als apostolische und katholische Kirche
Großkirche existiert mit ersten Konturen um 90-140. Konsolidierung: 140-200.
Für die Institution Kirche stehen zwei Merkmale:
- Apostolizität (als Kontinuum)
- Katholizität (als räumlicher und sachlicher Konsensus: Übereinstimmung aller Christen)

5 Die Gnosis: Christentum als Religionsphilosophie und Mythologie
Verschiedene Randgruppen des Christentums werden als Gnostiker bezeichnet.
Problem ist die Theologie:
Offenbarung und Erlösung
Protest gegen die Welt und die Abwertung der Schöpfung
Erwählungsbewußtsein und elitäres Geheimwissen (Mythologie)
(Es empfiehlt sich die Unterscheidung zwischen Gnosis (weitreichender) und christlichem Gnostizismus)

5.1.2 Merkmale:
a) Unterscheidung zwischen böser Welt und guter Transzendenz
(onthologischer Dualismus)
b) Spaltung des Menschen in zwei Klassen: Lichtmenschen - die der materiellen Weltverhafteten Menschen
c) Der erste Teil wird erlöst durch Wesensgleichheit mit der höchsten Gottheit (Lichtfunke). Durch diesen Lichtfunke ist man zur Gnosis fähig.
d) Die Gnosis ist Einsicht in die von einer Erlösergestalt vermittelte Wahrheit. Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis.
e) Kosmologischer Hintergrund: präexistentes Verhängnis der Gottheit in der Schöpfung als Rückführung zum Pneuma
f)

5.3 Der christliche Gnostizismus des 2. Jahrhunderts
Erste Auftritte: 90-100: mythologische Verwirrungen (ursprünglich in Antiochia und Syropalästina)
Eigentliches Zentrum ab 130: Alexandria

5.4 Der Manichäismus als Weltreligion
Mani (216- ca. 277): Entwicklung eines konsequenten dualistischen Systems; Gnosis als Buch- und Offenbarungsreligion.
Die Weltgeschichte hat zwei Prinzipien (Licht und Finsternis): Geschichte ist eine Vermischung beider Prinzipien.
Seelen werden durch den Lichtfunken erweckt und kämpfen als Apostel des Lichtes gegen die Mächte der Finsternis.

6 Markions Reform: Rekonstruktion christlicher Identität
Verschärfung der Krise der Kirche im 2. Jahrhundert durch Markion (in Rom: 140-160).
- Gegen Synkretismus
- gegen die Übernahme jüdischer Tradition
- für eine „eindeutige christliche Identität.“
-> 144: Organisation einer eigenen Kirche: -das reine Evangelium als Gegensatz zum Gesetz
- Lehre des Paulus als wahre apostolische Lehre
- Zwei-Götter-Lehre: der gute Gott des Evangelium (von Jesus offenbart) und der gerechte (d.h. zürnende) Gott des Gesetzes. (gnostisches Denken: der eine Weltschöpfer, jener als transzendiertes Prinzip des Guten)
-> Verwerfung des AT
-> Neuer Bibelkanon: Betreibung des großkirchlichen Schemas von Verheißung und Erfüllung und Reduzierung auf Evangelien und Apostolikon (Paulusbriefe).

-> Dies war die erste Kanonisierung, die Großkirche antwortete durch ihren Kanon (Schöpfung (AT) und Erlösung (NT) seien untrennbar.)
Es bleibt die Frage, ob man die Theologie Markions als Antijudaismus bezeichnen kann.

7. Der Montanismus als charismatische Reaktionsbewegung
Montanus bezeichnet sich als der in Joh benannte Paraklet: Ruft zu Buße und baldigem Weltende auf.
Neue charismatische Bewegung der „neuen Prophetie“: (Propheten; Priskilla und Maximilla)
charismatische Ämterordnung
rigoristischer Lebensstil
(keine dogmatische und ethische Unterschiedlichkeit zur Großkirche!)
Sie reden in Ekstase, enthusiastischer Prophetie.
Inhalte:
- apokalyptische Naherwartung
- charismatische Relativierung der Institution Kirche
- starke Beteiligung von Frauen
- Verbindung vom ethischem Rigorismus und Kirchenzucht

Mit den Synoden ab 170 in Kleinasien (Ablehnung der Phryger und Kataphryger) wird festgeschrieben: Der Heilige Geist wirkt nicht in besonderen Einzelgestalten, sondern in der apostolischen Kirche als Institution. Er äußert sich in seinen Amtsträgern.
Beginn der Verbindung von Geist und Amt

7.4 Großkirchliche Reaktion: Die Entstehung der Synoden
Institution der Bischofssynoden entsteht auf regionaler Ebene, um sich über die Montanismus auszutauschen. Briefverkehr schafft breiteren Konsens zwischen Bischöfen.

8 Die Kanonisierung der „Heiligen Schrift“
Der Bezug auf die Bibel ist Norm für Lehre und Leben der Kirche.
Ohne die Kanonisierung der biblischen Schriften hätte es eine Institution Kirche auch nicht gegeben.
neutestamentliche Kanonbildung:
a) 1./2. Jahrhundert: Sammlung und Verwendung urchristlicher Texte neben der Schrift (AT + NT)
b) Kurzfristiger Abschluß dieses Rezeptionsprozesses durch prinzipielle Fixierung der normativen Evangelien und der Apostelschriften.
(Der exakte Abschluß der Kanonisierung fällt ins 3./4. Jahrhundert )

8.1 Die Schrift und die Entstehung normativer christlicher Texte
Urchristentum bezog sich normativ auf die VXX. Weissagung und Erfüllung als heilsgeschichtliches Schema der Schrift.
8.1.2 Weitere Norm des Urchristentums: Berichten über den Herrn, die mündlichen Logien.
Kanonisierung beginnt, wo die Briefe gesammelt und die Jesustradition aufgeschrieben wird. (um 50/60)
Bis ins 2. Jahrhundert hinein bleibt aber (zusätzlich) die mündliche Weitergabe.

8.2 Die zweiteilige christliche Bibel
Es wird ein heilsgeschichtliches Nebeneinander von „Schrift“ (VXX) und „Herr“/“Apostel“ festgestellt.
Die VXX als Schrift ist so wichtig, dass sie nach der Kanonisierung des AT nicht kanonisch erneuert wird.
Großkirchliche Kanonbildung kirchenpolitisch wie inhaltlich eine Gegenreaktion auf Markion - keine ausdrückliche, aber allmähliche Lehrentscheidung der Kirche um 150 (um 200 abgeschlossen).
Ab 180/200 Übergang zur bewußten Normierung, wenn auch ohne echte Kriterien für die Aufnahme oder Ablehnung einzelner Schriften.
Offizielle Geltung wurde ihnen beigemessen, wenn
a) die Herkunft aus urchristlicher Zeit vorlag
b) die Schrift inhaltlich mit der apostolischen Lehre übereinstimmte
Die Zahl schwankte (360-410), bis die Zahl auf 27 ntl. Bücher festgelegt wurde.

9. Bekenntnis und Glaubensregel
Bekenntnis entstanden sehr früh, aber erst im 4. Jahrhundert ist von einem wörtlich fixierten Taufbekenntnis (im Mittelalter setzt sich das „Apostolicum“ als Taufbekenntnis durch) die Rede.
-> Als kirchliche Glaubens- und Wahrheitsnorm gilt es in der Alten Kirche nicht nur die Schrift, sondern auch Bekenntnisse:
Schrift und Bekenntnis ordnet sich der apostolischen Überlieferung (als Kern an sich) bei.
Beginn des Verhältnisses zwischen Tradition und Schrift

9.1 Entwicklungen des Bekenntnisses
Im 2. Jahrhundert bereits fixierte B-Texte?
Ntl. Formel als noch ältere Bekenntnis-Sätze?
-> Das „Bekenntnis“ im strikten Sinne bezieht sich im 1. Jahrhundert auf Jesus.
-> Vor einem Taufbekenntnis entstehen regional unterschiedliche Tauffragen-Katalog (2./3. Jhd.)

9.1.1 Homologie und Pistisformel: Jesus ist der Christus - Jesus ist der Sohn Gottes. (90/100)
Daneben: Lehrsätze zur Auferstehung.
9.1.2 Taufe und Bekenntnis: Tauffragen/Bekenntnistext für 1./2. Jahrhundert nicht belegt. 220: Dreiförmige Tauffrage bei Hyppolyt (interrogatorisches Taufbekenntnis). (ähnlich dem 2. Art. des Apostolicums)
9.1.3 altrömisches Bekenntnis, Markell von Aakyra (340): geht nicht unbedingt auf das Romanum (zweite Hälfte 2. Jahrhundert) zurück.
Romanum wird aber zur Grundlage der Taufbekenntnisse der meisten Kirchen im Westen.
9.1.4 Privat- und Gemeindebekenntnis im 3./4. Jahrhundert?
Es gab Lehrbekenntnisse in großer Zahl zur Zeit des arianischen Streites.
-> mehr für den theologischen Diskurs als den gemeindlichen Gebrauch.
9.1.5 Symbolum Apostolicum

9.2 Die Glaubens- und Wahrheitsregel
regula fidei: kein formulierter Text (um 180), sondern eine individuelle, freie Formulierung als Zusammenfassung der apostolischen Verkündigung, als mündliche Tradition!

Inhalt der regula: (heißt so viel wie Kanon: Zusammenschreibung normativer Glaubenselemente)
Gottes- und Schöpfungslehre gegen die Gnosis
Bezug auf Christus als Person und auf das Heilswerk

10 Theologie als kirchliche Funktion
Theologie wird normgebunden!
Wissenschaftliche Theologie neben der Schule nun auch in der Gemeinde.
 Verbindung von Theologie und Kirche!
 Dauerkonflikt zwischen Gemeindefrömmigkeit und Theologie

10.1 Irenäus von Lyon (ca. 130/140 - ca. 200)
Verteidigung der „regula“ (Summe aller authentischen apostolischen Lehren)
Durch das Schema Weissagung -Erfüllung (Gottes Geschichte mit den Menschen als Heilsgeschichte) breitet die Kirche als der Ort der Wahrheit und des Heils die universelle Weltveränderung durch Mission aus: Kirche als Vorhut Christi.

10.2 Tertullian (160-220)
- dogmatische Klarheit und ethischer Rigorismus
- legte seine apologetische Lehre in den Gemeindealltag aus: über Ehe, Keuschheit, Schauspiele
- Traditionsverständnis: Was überall einheitlich gelehrt wird, kann nicht Irrtum, sondern apostolische Verkündigung sein.

10.5. Origenes (184-254)
Entwickelt gegen Spekulation der Gnostiker und Naivität der Gemeindefrömmigkeit eine systematische Theologie (Dogmatik und Exe-gese). Später entstand seinetwegen zwischen Epiphanius und Hieronymus (erster origenistischer Streit 393ff.) Streit.

erste Methodenlehre, erste Hermeneutik:
allegorischer Methode: Die Worte der Bibel drücken die Wahrheit nicht direkt aus, sie enthalten sie aber stets. (die Sprache aus Hinweis auf die Wahrheit, die durch die Erleuchtung des Heiligen Geistes offenbar wird)
 Die Bibel ist verbalinspiriert (kein Irrtum, dafür Widerspruchslosigkeit, aber ein rein buchstäbliches Verständnis führt in die Irre!)
 dreifacher Schriftsinn (nach trichotomischer Anthropologie: Körper, Seele, Geist [Schrift]):
somatisch (wörtl.-historisch): sensus literalis od. historicus
pychisch (moralischen): sensus spiritualis
pneumatischer Sinn (allegorischer/anagogischer Sinn):
(Das dritte Prinzip gibt Auskunft über die eigentliche Aussage des Textes.)



11 Die Entstehung einer kritischen Ämterordnung
Es wurden dauerhaft Aufgaben an bestimmte Personen übertragen. (z.B. Liturgie)
Dann wurden die Ämter theologisch hinterfragt, bis 150 gab es flächendeckend einen dreistufigen Ämteraufbau: Bischof - Presbyter - Diakon

11.1. Urchristentum: Dienste und Funktionen
Im Urchristentum gab es keine Ämter, sondern allenfalls Funtionen:
- Presbyterverfassung (in Jerusalem, Kleinasien und Rom)
- Betreuung von Gemeinden durch Wanderpredigern (Palästina und Syrien)
- funktionale Gemeindeleitung (in paulinischen Gemeinden): versch. Aufgaben je nach Eignung (Charisma). Seit 60: technische Bezeichnung des episkopus (Aufseher) und Diener (diakonos)

11.2 Presbyterverfassung und Entstehung des Monepiskopats
Kollektive Leitung der Gemeinde zwischen 80 und 150.
Theorie der apostolischen Sukzession (1Clem)
Praxis der Ordination (zur Kontinuität und Legitimität der Verkündigung)
Forderung eines Monepiskopats (Gemeindeleitung durch einen Bischof)

11.3 Die Norm der Apostolizität
Fixierung von Bibelkanon und Glaubensregeln wird dadurch legitimiert, dass die so gestaltete Großkirche in Kontinuität zum Ursprung steht: Garant dafür ist ein Bischofsamt als Lehramt und Leitungsinstanz. (Nur eine lückenlose Sukzession der Bischöfe garantiert die Wahrheit kirchlicher Lehre.)
 Vollmacht zur Sündenvergebung, Vollzug der Eucharistie und der Gemeindeleitung

11.4 Der Kleriker als „Priester“
Seit dem 3. Jahrhundert gibt es den Begriff des Priesters: Betonung der kultischen Konzentration des Gemeindelebens, ähnlich wie in der spätantiken Umwelt.

11.5 Bischöfliche Gemeindeleitung: “Monarchischer“ Episkopat
Zentralisation der Aufgaben beim Bischof und Ausbau der kirchlichen Verwaltung: Alle wesentlichen Elemente des Gemeindelebens werden vom Bischof dominiert: Gottesdienste und alle Kasualien (incl. Buße): Der “Monarchischer Episkopat“ als Begriff des 3. Jahr-hundert (2. Jhd: Monepiskopat)
Synoden bestehen zunächst auch nur aus Bischöfen.

11.6 Differenzierung der Ämter im Klerus
Zum Beginn des 3. Jahrhunderts entsteht der Gegensatz zwischen Laien (laios) und Klerus (kerosordo). Klerus: Bischof, Diakone und Presbyter. Laien: Subdiakone, Lektoren
Es entsteht der „klerus maior“ (diakone, Presbyter und Bischof) und der klerus minor (Ostinarius (Pförtner), Lektor, Exozist, Akolyth (Begleiter der Diakone) und Subdiakon.

11.7 Das Amt der Frau: Witwe/Diakonisse und Jungfrau
Frauen werden aus den Ämter der Propheten verdrängt (2. Jhd.), als Witwen (4. Jhd.: Diakonissen) Dienst an Kranken und beim Taufbad. Besonderer Stand der Jungfrauen (Asketinnen).

12. Die Taufe als umfassende Initiation
Von Beginn an konstituiert die Taufe die Zugehörigkeit zur Kirche.
 Taufe als grundlegende Zueignung des Heils durch die personale Bindung an Christus: sein Erlösungswerk wird für gläubige, bekehrte Christen zur existenzbestimmenden Realität.
 Einmaligkeit der Taufe.
Daran hat sich grundlegend bis heute nichts geändert.

12.1. Taufe als Beginn eines neuen Lebens
- Wassertaufe als Reinigung von Sünde (Zeichen der Bekehrung)
- christologischer Bezug: Teilhabe an dem durch Christus vermittelte Heil.

12.1.2 Onomataufe:
Herrschaftswechsel:
- Loslösung von der Welt und ihren Herren, Hinwendung an Christus in einem neuen Lebenswandel. (Analog zur Beschneidung [?]) Gnostischer Einfluß?

12.2. Regionale Unterschiede in der Liturgie

12.3. Grundmuster der Tauftheologie:
Keine besonders starke theologische Deutung der Taufe.
„Taufe als Siegel“, Reinigung, Wiedergeburt, Erleuchtung
Beziehung auf Jesu Tod und Auferstehung als symbolischen Mitsterben und -auferstehen (Rö 6).

12.4. Bekehrung und Katechumenat
Änderung des Lebensstils ist eingeschlossen - nicht nur die Abkehr vom Heidentum:
Es bedarf einer Vorbereitungszeit (z.T. drei Jahre mit abschließender Prüfung vor der Taufe)

12.5. Die Kindertaufe seit dem 3./4. Jahrhundert
Hat die Kirche auch die unmündigen Angehörigen der christlichen Familien getauft? Umstritten!
Seit dem 3. Jahrhundert ist sie als gelegentliche Übung bezeugt. Origenes hält sie für legitim.
Erwachsenentaufe bis 4. Jahrhundert überwiegend.

12.6 der Ketzeraufstand
Schwerer Konflikt (fast Schisma!) im 3./4. Jahrhundert (255 beginnend) zwischen den beiden westlichen Zentren Rom und Karthago: Ist auch die Taufe in einer häretischen Gemeinschaft anzuerkennen?
Seit dem 5. Jahrhundert gilt: Jede Taufe ist wirksam.

12.6.2. Cyprian (Bischof in Karthago) will Konvertiten taufen lassen wie üblich alle Häretiker: Es gibt nur eine Kirche, die die apostolische Vollmacht zur Sündenvergebung hat, d.h. taufen kann.
256: Stephan, Bischof in Rom, kritisiert dies scharf; Christenverfolgung 257 vermeidet das Schis-ma.

13. Institutionalisierung der Buße
Wenn die Taufe als Bußakt einmalig und endgültig ins Heil versetzt, wie ist dann mit sündigen Getauften umzugehen?
Gibt es die Möglichkeit der Wiederholung der Buße? - Institutionalisierung der „zweiten Buße“ im 3. Jahrhundert.
 theologische Begründung: Gottes Güte
 ekklesiologische Begründung: Die apostolische Vollmacht der Sündenvergebung durch den Bischof.

13.2. Die öffentliche Gemeindebuße im 3./4. Jahrhundert
Temporärer Ausschluß von sündig gewordenen und reuigen Gemeindegliedern von der Eucharistie (Exkommunikationsbuße) und Wiederaufnahme zur bestimmten Zeit (Rekonzilliation).
Die „zweite Buße“ kann nur tatsächlich einmal nach der Taufe ausgesprochen werden. (Tertullian)
 Schwere der Tat bestimmt über Dauer der Exkommunikation.

[13.3. Buße für Todsünden? - Gott entscheidet!]

13.4. Der Streit um die Buße für Apostaten 250/1
Todsünden bedeuten den sofortigen Ausschluß aus der Kirche. Todkranke lapsi durften wiederkommen (Gnadenakt der Kirche).
Rigoristen lehnen grundsätzlich die Rekonzilliation ab, liberale Kräfte befürworten sie.
Für den „Mainstream“: Die afrikanische Generalsynode bekräftigt: Gottes Güte wird alle zuteil. (251)
Sie entscheidet:
 Buße gilt auch für schwere Sünden.
 Nicht vom Geist beseelte Charismatiker können Rechtsfragen klären, sondern es gilt das Prinzip der Bindung des Geistes an das apostolische Amt.

14. Theologische Deutung der Eucharistie
Abendmahl wurde von vorneherein gefeiert als Anknüpfung an das Mahl Jesu mit seinen Jüngern. (Inhalte: Eschatologischer Ausblick auf Himmelreich; soteriologisches Deutung des Todes Jesu als Partizipation an Kreuz und Auferstehung)
Drei Kontroversen (reale Gegenwart - Wandlungsvorstellungen - Opferverständnis) erst ab dem 9./10. Jahrhundert, aber deren Fixierung bereits bis zum 4. Jahrhundert.

14.1. Das eucharistische Mysterium
In der Frühzeit zwei Aspekte: Gegenwart Jesu in Brot und Wein - existentielle Auswirkung der Speise auf die teilnehmenden Gläubigen
Läßt den Begriff bzw. sakramentum entstehen. (ähnlich für die Taufe)

Die geheimnisvolle Auswirkung des Abendmahls sah man in einer Heiligung/Teilnahme am ewigen Leben.

14.2 Die Wandlungsvorstellung
Verwandlung von Brot und Wein: seit dem 4./5. Jahrhundert v.a. im Osten.
Im Westen erstmals durch Ambrosius
In den folgenden Jahrhunderten nur selten vertreten.

14.3. Die Eucharistie als Opfer der Kirche
Abendmahl wurde als Opfer (thysia) angesehen durch die Darbringung von Gaben (Brot und Wein).
Seit dem 2./3. Jahrhundert gibt es den Begriff vom „Gaben- bzw. Abendmahlstisch“, d.h. als Altar und Opferstätte.

Die Sündenvergebung spielt zunächst keine Rolle.

15. Gottesdienst, Kirchengebäude, Feste
Seit dem 3. Jahrhundert konstituiert sind:
a) sonntäglicher Gottesdienst (mit den Teilen Verkündigung und Eucharistie)
b) Errichtung von Kirchengebäuden (speziell für den Gottesdienst)

15.1. Der Sonntagsgottesdienst
Verbindung von Wortgottesdienst mit der Eucharistiefeier.
Seit dem 6. Jahrhundert gibt es Begriff der „Messe“ (missa). Deutet zunächst die demissio (Segnung) am Ende des Gottesdienstes.

15.2. Hauskirchen und Neubauten
Man benötigt bei größeren Gemeinden größere Versammlungsräume. Zunächst: Zu Hauskirchen umgebaute Privatgebäude.
Nach 260: mancherorts kommt es zu Neubauten von Anlagen eines bischöflichen Gebäudekomplexes

15.3 Der christliche Festkalender
Festzyklus beginnt sich im 3./4. Jahrhundert zu entwickeln und ist im 5./6. Jahrhundert ausgeprägt:
Zunächst war Ostern (als christliches Passa?) das einzige Fest.
Streit über den Ostertermin (195): Am 14. Nissan (Passa/Gemeinden in Kleinasien) oder am Sonntag danach (Rom)?
Seit dem 2. Jahrhundert: lokale Märtyrerfeste.
Seit ca. 350: Weihnachtsfest im Osten und Westen, das sich im 5. Jahrhundert durchsetzt, teilw. dem Epiphaniasfest untergeordnet.
(Weihnachten ist terminiert auf das Geburtsfest des Sonnengottes bzw. zur Ablösung des heidnischen Saturnalienfest (Geschenke und Lustbarkeiten). Epiphanias entstand im 2./3. Jahrhundert aus gnostischen Gruppen in Alexandrien.

16. Schismatische Gemeinschaft: Reinheit und Heiligkeit der Kirche
Wichtiges Element ist das Gegenüber von Großkirche und opponierenden Gemeinschaften (mit Anspruch, die wahre Kirche darzustellen).
Im 3./4. Jhd gibt es drei exemplarische Konflikte:
251: Schisma der Novatianer, die rigoristische „Kirche der Reinen“.
306 (in Ägypten): Schisma der Melitianer
312 (in Nordafrika): Donatisten

16.1 und 16.2: Die anderen Schisma resultieren aus der Bußfrage hins. Apostaten.
16.3. Das donatistische Schisma in Nordafrika 312:

Es hielt sich ein urchristlicher ethischer Rigorismus mit apokalyptischen Tendenzen (Märtyrerkult).
312: Gegen den Protest der Kleriker wird Cäcilian zum neuen Bischof von Karthago gewählt. Donatus und rund 70 Bischöfe erklärten die Weihe für ungültig (An der Weihe habe ein Apostat teilgenommen: Kann ein Todsünder Sakramente aussprechen?); und setzten einen Gegenbischof ein.
Staatliche Unterdrückung ist der Grund für Rückhalt der Donatisten unter den Christen.

§3 Frühe Christenheit und römisches Reich

Bedeutung des Themas
Verhältnis Staat-Kirche
Lebensgestaltung nach Normen der in JC offenbarten Gottesherrschaft: kann zur Diskrepanz der Normen der staatlichen Herrschaft führen
 Frage nach Diastase (Auseinandertreten) und Synthese
 Weltbejahung und Weltverneinung

- prinzipielle Diastase in Verfolgungssituation
- ab 312/24: Konvergenz von Staat und Kirche: mündete in eine religiös-politische Synthese von Kirche und Staat.

Etappen:
ab 90: Sporadische Christenverfolgungen bis 250
ab 250: Konsequente Verfolgungen (Decius, Valerian)
ab 306: Konstantin und die Synthese von Imperium und Christentum
ab 361: Privilegierte Reichskirche

1. Die Grundursache des Dauerkonflikts
Im Römischen Reich fehlte eine alle Reichsgenossen einschließende Staatsidee.
 Bei den Verfolgungen der Christen ging es eher um die Ausschaltung eines Unruheherdes als um die Durchsetzung eines totalitären Systems (religiös und moralisch eher tolerantes Reich).

Christen entzogen sich dem üblichen Lebensstil (lehnten Staatskult ab, Verweigerung der üblichen Normen!)  kollektive Verdächtigung der Christen!

2. Die politische Funktion der römischen Religion
Wohlergehen (salus) hängt von der Ehrfurcht ggn. den Göttern (pietas) ab und erweist sich in der kultischen Praxis (religio): Religion als öffentliche Sache.
Der salus publica (Staatskult) bezog sich auf die römischen Gottheiten, Kaiserkult eingeschlossen.
Andere Religionen wurden derart akzeptiert, wenn sie bei Eroberung vorgefunden wurden (Judentum): Somit ist das Christentum keine religio licita (zugelassene Religion).

2.2.2 Kult: Opfer, Volksfrömmigkeit und Philosophie

2.4. Haltung der Christen
1./2. Jahrhundert: Ablehnung des Kaiserkultes, stellt aber kein besonderes Thema dar.
Aber Fürbitte für Kaiser und Reich eingeschlossen: 1. Tim 2,2 :“stiller Gehorsam“; 1 Clem 60,4-61,2)

3. Die Verfolgungen im 1. Jahrhundert
im Judentum gilt das Christentum als jüdische Sekte.
Verfolgungen zunächst von Juden (70/135).
Zunächst ist für den Staat mit der Ermordung Jesu der Konflikt gelöst  keine Unterdrückung, zumal das Reich die nachösterliche Bewegung kam vom Judentum zu unterscheiden weiß.
(Es kommt sehrwohl aber zu Konflikten mit der heidnischen Bevölkerung.)

Die neroische Verfolgung (64) traf die Christen Roms nicht wegen ihrer Religion, sondern wegen der angeblichen Brandstiftung. Den-noch war natürlich ein Vorurteil danach verbreitet: Christen als Verbrecher für Staat und Gesellschaft gefährlich.

3.1 Vertreibung der Juden aus Rom (49) unter Claudius.

3.2. Die stadtrömische Aktion unter Nero im Jahre 64 als Präjudiz
Verfolgung zwischen 54-68 unter Nero.
Es handelt sich um ein lokales Ereignis, schließt nicht die reichsweite Verfolgung der Christen durch das Reich ein!
Ist die Verfolgung in Rom „Präjudiz“ für das Vorgehen später oder ein politisches Vorurteil?
Hat Nero den Christen den Brand untergeschoben, den er selber legte, um sie in Verruf zu bringen?
 Christen sind wegen des Feuers bestraft worden.
(Entscheidend ist die Art der Hinrichtung!)
 Nero kann so vorgehen, weil bereits in der Bevölkerung Vorurteile gegen Christen bestanden.
(Taticus)
 Mit Nero beginnt die Praxis der Verfolgung, aber noch nicht entsprechende Gesetzgebung!

3.2.2
Die Christen sind nicht nur der Brandstiftung, sondern auch des Menschenhasses überführt worden (Tatitus), d.h. als „Fundamentalopposition“ gegen das Reich. Damit sind die Christen Verbrecher.
Ein spezielles Gesetz unter Nero gab es nicht, dafür aber wohl Überlegungen, Christen allein ihres Namens wegen zu bestrafen.

3.3 Lokale Verfolgungen unter Domitian
Nur böse Kaiser verfolgen Christen, gute beenden die Verfolgung. (Tertullian).
Nach diesem altkirchlichen Urteil war Domitian der zweite Christenverfolger nach Nero, aber auch unter seiner Herrschaft hat es keine allgemeine Christenverfolgung gegeben, nur lokale Aktionen (Rom und Kleinasien).

4. Die Rechtslage seit dem 2. Jahrhundert: Christsein als strafbarer Tatbestand?
Christentum keine religio licita, politisch aber verdächtig und in der Bevölkerung unbeliebt.
 sporadische Übergriffe der Bevölkerung: „Christsein an sich ist schon strafbar“ als Meinung der Masse.
Prozesse gab es dann, wenn sie die Loyalität zum Staat (z.B. hins. des Staatkultes) verweigerten.

4.2 Der Plinius-Brief von ca. 112/3
Schlüsseldokument für die Rechtsgrundlage der Christenverfolgung: Plinius an Kaiser Trajan. Er fragt als Statthalter von der Provinz Pontus-Bithynia, wie er Mißstände beseitigen soll (u.a. die Frage der Christen).
Ist Christsein ein an sich strafbarer Tatbestand?
 Christen sind eigentlich harmlose Menschen, aber dumme religiöse Sonderlinge.
 Er bestraft die Zugehörigkeit zur einer kriminellen Vereinigung (Angriff nicht gegen Christen, sondern das Christentum als staatszersetzende Kraft).
(Es gab Tests: Verfluchung Christi, römische Kulte ablegen.)

4.3 Trajans Rekript als künftige Rechtsgrundlage (ca. 112/3)
Trajan billigt die bisherige Praxis der Statthalter: keine Grundsatzentscheidung, aber „Anordnung zum Verfahren“:
1. Keine polizeiliche Fahndung nach Christen
2. Bei Anzeige Prozeß (Mißachtung anonymer Anzeigen)
3. Straffreiheit bei Loyalität zum Götterkult
 kein Postulat, dass Christen generell für Staat und Gesellschaft schädlich seien
 Christsein als solches nicht strafbar.

Aber: Es bleibt ein ungeheuriger Zündstoff: Staat und Religion der Antike eins, nun bekommt die Verweigerung und Absolutheitsanspruch der Christen eine politische Dimension.

4.4 Von Hadrian bis Phillippus Arabs: Keine generelle Änderung
- Die Rechtslage bleibt in dieser prinzipiellen Unklarheit bis 249.
- Spontane Progrome.
Gesetze des Kaisers Mark Aurel (167/176): nicht speziell gegen Christentum, kurbeln aber die Verfolgung an: allgemeines Bittopfer angeordnet, dem sich auch die Christen nicht entziehen durften.
Septimus Severus verbat nicht 202 den Übertritt zum Christentum (bisher häufig in der Forschung benannt), sondern erwirkte eine Öffnung zu orientalischen Kulten (kam Christentum günstig).

5. Märtyrerakten und Märtyrerverehrung
Märtyrer erfahren eine besondere religiöse Qualifizierung (Heroden des Glaubens). Es ist Möglichkeit aller Christen, sofern sie verfolgt sind, doch tatsächlich ist die Zahl der Märtyrer nicht sehr groß (einige hundert?).
Nach 160: gottesdienstliche Märtyrerverehrung.

[5.1 Ignatius von Antiochia hat erste Ansätze einer Theologie des Martyriums: M. als treue Zeugen Christi.]

5.2. Märtyrerakten
Texte (ab 2. Hälfte, 2. Jhd.): erbauliche Berichte (Passio) (das standhafte Leiden beschreibend) oder Protokolle des Prozesses (oft ohne historischen Kern) (Acta) .

6. Heidnische Polemik gegen die Christen
Tertullians Apologeticum (197) beschreibt sozialen Hintergrund heidnischer Verdächtigungen:
- Christen kommen häufig zusammen, nennen sich Geschwister
- boykottieren den öffentlichen Kult, entziehen sich überhaupt allem öffentlichen Leben (Schauspiel, Gladiatorenkämpfe, eigene Feier-tage)

Bei Fronto (160) ist die Polemik auf kriminelle Aspekte konzentriert:
Christen fressen kleine Kinder und schlürfen ihr Blut. (Abendmahl)
sexuelle Promiskuität (Brüder und Schwestern)
Bei Clesus (178) ist sie philosophisch umgesetzt.
Christen sind von der Tradition der Väter (Judentum) abgefallen
vom mosaischen Gesetz abgewandt

7. Apologetik und christliche Beurteilung des Staates
Apologetik als Folge der Verdächtigungen und Verfolgungen
Apologetik als spezifische Literaturgattung, um die Wahrheit der christlichen Religion zu behandeln.
 inhaltlich hins. des Staates: entweder generelle Bejahung der staatlichen Ordnungsmacht (seit Röm 13,7) - oder Verurteilung (so Apk 13ff.)

7.1 Die Apologien als Aufklärungsschriften
Apologien auch für heidnische Leser, um christliche Lehre zu erklären.
Bedeutende Apologien: Justin, Tatian, Athenagoras, Theophilus und Tertullian.

7.2 Positive und negative Wertung des Staates
positive Wertung in Fürbitte für die Obrigkeit: Christen als beste Staatsbürger (stellen Segen dar).
7.2.1 Meliton von Sardes: heilsgeschichtliches Nebeneinander von Entstehung und Blüte der Kirche und Blüte des Reiches seit Augustus
Irenäus: Staat nützt dem menschlichen Zusammenleben; staatliche Ordnung resultiert nicht aus der Sündhaftigkeit des Menschen sondern auch aus dem Erhaltungswillen Gottes.
Eusebius v. Chäserea am Ende dieser Gedankengänge: konstantinisches Wende: Lehre der Konvergenz und Kooperation von Staat und Kirche
7.2.2 Eine generelle Ablehnung fand sich im 2. Jahrhundert bei den Gnostikern oder bei Hippolyt. Tertullian: kritische Beurteilung des Imperiums.

8 Allgemeine Christenverfolgung unter Decius und Valerian
Krise des Imperiums unter Decius und Valerian (250-260) (Bedrohung der Grenzen, ökonomische Krise, Auseinanderdriften verschiedener Reichsteile) führt zur zentral gelenkten systematischen Ausschaltung der Christen.
 Reformpolitik mit Stärkung der Reichsidee.  Abkehr vom toleranten Synkretismus.

8.2 Restauration des Staatkultes durch Decius 249-251
Decius (ein „Soldatenkaiser“): Anordnung eines allgemeinen Bittopfers (supplicatio): Desgleichen: Eine kultische Neubelebung oder Christenverfolgung.
Christen nehmen an den Opfern zum großen Teil teil - verleugnen damit ihren Glauben und gefährden die Kirche.

8.2.2 Decius verfolgt also nicht die Institution Kirche, sondern sucht durch das Bittopfer nach Loyalitätsbeweisen. Bei Weigerung des Bittopfer drohte die Entlarvung als Reichsfeinde.
 Nutzen in zwei Richtungen.
(Dennoch: Decius sucht eher die Integration: milde Strafen.) Es stirbt Origenes als Märtyrer.

251: Sofortige Beendigung der Verfolgung, nachdem Decius im Kampf fällt.

8.3 Valerians Aktion gegen die kirchliche Organisation 257-259
Decius’ Nachfolger Trebonianus Gallus zielt auf die Ausschaltung der Institution Kirche und auf den Klerus als Träger der Institution.
257: Todesstrafe festgelegt für Kleriker bei Opferverweigerung. (Hinrichtung Cyprians)
 blutige Verfolgung

8.4 Vierzigjährige Friedenszeit seit 260 (bis 300)
Gallienus braucht angesichts äußerer Bedrohung innere Ruhe  Freilassungen, Rückgabe der kirchlichen Liegenschaften.
Zwar keine grundsätzliche Toleranz, sondern wieder der Schwebezustand wie zur Zeiten Trajans.

9 Diokletians Reichsreform und Christenverfolgung 303-311
Dauerhafte staatliche Reformen erst unter Diokletian: Orientierung an altrömisches Traditionen
Erneute Neubelebung der Religion.
Ausschaltung des Christentums (im Jahrhundert zum Staat im Staate) nun zur inneren Sicherheit.

9.3 Ziele der Edikte von 303/304: Vernichtung des Christentums
Diokletian schließt an Valerian an (Zerschlagung der Institution), geht aber darüber noch hinaus: Ausschaltung der Christen insgesamt.
9.3.1 23.2.303: Zerstörung der Kirche in der Hauptstadt Nikomedia
Nähe des Kaiserpalastes)
entsprechend einem reichsweiten Edikt:
1. Zerstörung aller Kirchengebäuden
2. Auslieferungen und Zerstörungen Heiliger Schriften.
3. Christen dürfen keine Prozesse führen, Testamente machen.
4. Rechtszustand von „Freigelassener“ sollte auf „Sklave“ reduziert werden.
entsprechend eine Propagandaaktion: Schriften (z.B. von Hierokles) gegen Christen.
9.3.2 Zweites Edikt aufgrund der sich anschließenden Unruhen (vor allem in Syrien):
1. Inhaftierung aller Kleriker.
Drittes Edikt (?):
Freilassung bei Götterkult, sonst Todesstrafe.
Zahlreiche Märtyrer (vor allem Bischöfe)
Viertes Edikt (?): 304
1. allgemeines Opfer von allen Christen gefordert, ansonsten Deportation/Zwangsarbeit/ Hinrichtung

 Integration oder Ausrottung ist die Alternative

9.4 Der Verlauf der Verfolgungen
Konstantinus (Gallien): Kirchenzerstörungen, kein Martyrium. Verfolgung schläft nach seinem Tod (306) ein.
Maximian (Italien, Spanien und Nordafrika): kurze blutige Verfolgung
Im Osten systematischer und brutaler:
Diokletians Nachfolger Galerius und Maximians Nachfolger Maximinus Daja setzen Gewaltanwendung gegen Christen fort:
Maximinus Daja (Palästina/Ägypten) mobilisiert gegen die Christen auch die heidnische Bevölkerung.

Im Westen: Konstantin (Sohn des Konstantinus) und Maxentius (Sohn des Maximian) haben aus persönlichen bzw. politischen Motiven kein Interesse mehr an Verfolgungen.

9.5 Das Toleranzedikt des Galerius 311
Die Verfolgungen waren - nicht zuletzt durch die Unterstützung Nichtgetaufter und die gute Kirchenstruktur und die weite Ausdehnung der Christen - gescheitert.
Ein todkranker Galerius verkündigt am 30.4.311 in Nikomedia das Edikt, welches das Christentum als religio licita anerkennt und nimmt somit das Christentum mit in den alten Grundsatz, dass die Religionsausübung für das Heil des Staates entscheidet ist, hinein.
 Damit wurde die Kirche auch mit der Bestandssicherung des Reiches beauftragt.

10. Die „konstantinische Wende“ 312-324
Der Begriff bezeichnet die langfristigen Veränderungen:
Umschwung der staatlichen Religionspolitik
- Nicht nur Tolerierung, sondern Inanspruchnahme des Christentums
(zunehmend anstelle des salus publica!)
- Bevorzugung des Christentums durch den Staat
(damit ist die Entwicklung zur Reichskirche eingeläutet)
Es finden aber noch keine Verfolgung der Heiden statt.

10.1 Konstantins Motive
Bei Konstantin finden wir eigene religiöse Überzeugung und politisches Kalkül vor.
 Er erkannte Nützlichkeit der kirchlichen Organisation und Plausibilität der christlichen Religiosität.

10.2. Konstantins religiöse und politische Entwicklung
Sieht sich in göttlicher Erwählung und Beauftragung (von Sonnenkulten herkommend, dem christlichen Kult zudem hingezogen (synkretistisch)).

10.3 Konstantin: Alleinherrscher im Westen 312
Im Westen Toleranzpolitik des Konstantins, im Osten weitere Verfolgung durch Licinius und Maximinus Daja. Aber auch im Westen Konflikt zwischen Konstantin und Maxentius: Konstantin siegt militärisch vor Rom.

10.4. Vereinbarung von Mailand 313: Toleranz für die Christen im Osten (Toleranzedikt)
Konstantin manövriert die Rivalen Licinius und Maximinus (Osten) aus, Licinius verbündet sich ebenfalls mit Konstantin (  Spannungen im Osten zur Folge).
313: Treffen in Mailand, um politische Fragen zu klären. (Ost-West-Gespräche)
Verordnungen für den Osten, die im Westen schon Realität sind:
Bekräftigung der Religionsfreiheit
Restituierung des beschlagnahmten Privat- und Kirchenvermögens.
Kirche als rechtsfähige Körperschaft
[In der Folgezeit scheint Licinius die christenfreundliche Politik zurückgenommen zu haben.]

10.5 Das religionspolitische Grundsatzprogramm 324
324: Konstantin schafft für die Christen im Osten neues Edikt.
Eine verkehrte Religion hat das Reich in die Krise gestürzt
Sein Einlenken deutet er selber als Handeln Gottes.

10.5.1 Konstantin übernimmt den altrömischen Ansatz der Religion (Einführung des Christentums als Monotheismus und Gleichsetzung mit der salus publica).
10.5.2 Wiedergutmachung: Vergünstigung bei Landkauf (Kirchen bekommen Grundstücke in den Zentren der Städte).

11 Synthese vom Imperium und Christentum unter Konstantin
(Konstantin ließ sich erst auf dem Sterbelager taufen  kein Christ!)
Seine Religionspolitik hatte den Zweck der Reform und Stabilisierung des Reiches.
 Kirche bietet den wahren, staatserhaltenden Kult (auch wenn andere nichtchristliche Kulte und Religionen grundsätzlich ihren Status behielten).

11.1 Anfänge der kirchlichen Privilegierung
- Funktionale Synthese zwischen Religion und kaiserlicher Herrschaft
- Kooperation von Staat und Kirche.

Keine Staatskirche, aber eine konstantinische „Begünstigungspolitik“:
finanzielle Unterstützung (Besoldung, Kirchbau)
Sonderrechte für Bischöfe (Gerichtsbarkeit) und den Klerus (Steuerfreiheit)
Bau von Kirchbauten als repräsentative öffentliche Gebäude

11.2 Christliche Einflüsse auf die Gesetzgebung?
Folge ist eine leichte Tendenz zur Humanisierung (aber keine direkte „Verchristlichung des öffentlichen Lebens: z.B. keine bewußte Besetzung öffentlicher Ämter mit Christen; Oberschicht weiterhin überwiegend heidnisch).
Aber: Einige Gesetze gehen auf christliche Motive zurück: Sonntag als Feiertag (321).

11.3 Restriktive Toleranz gegenüber Heidentum und Judentum
Toleranz: Keine Zwangskonversion für Heiden
Neutrales Gebetsformular für heidnische Soldaten
Aber: Nichtchristlicher Götterkult setzt sich der Verdächtigung von Staatsgefährdung aus:
Führte zur Einschränkung des Tempel- und Opferdienste.
(Probleme für Juden!)

11.4 Die „Stadt Konstantins“ als Symbol
330: Gründung von Konstantinopel: Zeichen für die Synthese durch
Architektur: von christlichen Elementen geprägt: drei große Kirchen, z.B. Hagia Sophia.
Einschränkung der heidnischen Religiosität
Seit dem 5. Jahrhundert ein mit Rom konkurrierendes Zentrum der Christenheit; im 6. Jahrhundert vollends kirchliches Zentrum des Reiches.

11.5 Innerkirchliche Konflikte als politisches Problem
Einheit der Kirche liegt Konstantin am Herzen, um die Einheit des Reiches zu forcieren bzw. zu erhalten.
312: donatistische Kirchenspaltung; 324: Belastung der östlichen Kirche durch Arius.
Die Synthese bedeutet, dass kirchliche und theologische Konflikte eine politisch-öffentliche Relevanz haben.
 Unterdrückung von Gnostikern, Montanisten und Novatianern.
 Konstantin beruft die Synode von Arles ein (314)

12. Auf dem Weg zur Reichskirche
Verbreitete Auffassung: Theodosius hat 380 die Reichs- bzw. Staatskirche geschaffen, indem er das orthodoxe Christentum zur Staatsreligion erklärte und Heidentum und Häretikern zu Staatsfeinden.
Das ist nicht ganz richtig: Schon bei Konstantin gab es staatskirchliche Tendenzen (Eingriff in die Lehre im 325).
Was ist mit dem Begriff gemeint:
Endgültige institutionelle Situation einer Staatskirche: unter Justinian (6. Jahrhundert)
Hier meint Staatskirche: Verweltlichung der Kirche (volkskirchliche Unverbindlichkeit, Dominanz politischer Herrschaftsformen in der Kirche) - wechselseitiger Einfluß von Staatsmännern und Kirchenmännern (von Konstantin an bis Ende des 4. Jahrhunderts)

12.1 Staatskirchliche Tendenzen unter Konstantius 337/353-361
337: Konstantin 
Die Kaiserherrschaft geht an die Söhne Konstantin, Konstans und Konstantius.
Kirchenpolitik wird Innenpolitik: Kaiser entscheiden über Bekenntnisfragen, Besetzung von Bischöfen.
z.B. 359/360: gewaltsam von Konstantius durchgesetztes Dogma.

(12.1.2 staatliche Gewalt ggn. Kräften in der Kirche]

12.2 Unterdrückung des Heidentums unter Konstans und Konstantius
Konstantius: Fühlt von Gott eingesetzt und erwählt: leitet daraus sein absolutistisches Herrschaftsbewußtsein ab. Gibt damit die Toleranz seines Vaters auf (vor allem ggn. den Heiden: 341: Verbot des Opferkultes und Schließung der Tempel).

12.3 Heidnische Reaktion unter Julian 361-363
Situation der Heiden verbessert sich unter Julian:
Julian, dem Christentum abgewandt und dem Sonnenkulten zugewandt, zudem den Gewaltmaßnahmen seines Vorgängers abgewandt, betreibt eine Restauration des römischen Staatkultes und eine Verdrängung der Christen aus dem öffentlichen Leben. Aber ohne Erfolg!

13. Christentum als „Staatsreligion“ unter Theodosius seit 380
Synthese entwickelt sich besonders unter Theodosius weiter.
Sein Edikt 380 wird üblicherweise als Gründung der Staatskirche angesehen, weitaus differenzierter zu beurteilen:
+ verbindliches Reichsdogma mit Fixierung der christliche Lehre als staatliches Element
+ Kirche seitdem noch stärker in Funktion einer Staatsreligion
- Unterschiede zum bisherigen Staatskult:
- religiöser Zweck des Staatkultes war der salus publica allein
- Besoldung beim Staatkult durch Staat
- Kaiser als „pontifex maximus“ kann die Ernennung von Priestern beeinflussen
Dies galt für das Christentum nach 380 nur bedingt.

13.1.3 Das Edikt von 380 des Theodosius:
nizänisches Trinitätslehre festgeschrieben (alle anderen Position sind Häresie)
13.2.3 Konflikt zwischen Theodosius und Ambrosius: Ambronius exkommuniziert den Kaiser (wegen eines in Alexandria angeordneten Blutbades); der Kaiser büßt öffentlich.
13.2.4 391: Theodosius verbietet den Tempelbesuch und die Teilnahme an Opfern.
Die heidnischen Kulte verlagern sich auf die private Ebene und sind praktisch nicht zu kontrollieren.

14. Byzantinische Staatskirche unter Justinian (527-565)
Im 5. Jahrhundert Monopolisierung des Christentums:
Ausschaltung des Heidentums
politische Einflußnahme von Kirchenmännern
Bekämpfung des Judentums

Staatskirchliche Struktur des Ostreichs wird durch Justinian vollendet: Er prägt das byzantinische Christentum bis 1453: eine theologische Begründung von Harmonie von Staat und Kirche.
Inhalt: zwei Institutionen der einen Christenheit unter der Leitung des von Gott eingesetzten Kaisers.

14.2 Justinian: Christliche Universialherrschaft
Kaiseridee im Sinnes des Gottesgnadentums.
Erneuerung des Imperiums mit der Idee der christlichen Universalherrschaft verbunden:
Kaiser als Stellvertreter Gottes auf Erden, der für die Christianisierung des Volkes zu sorgen hat.
Symbol: Neubau der Hagia Sophia in Konstantinopel.
Justinian hat so wie kein anderer Kaiser an allen (kirchlichen) Entscheidungsprozessen mitgewirkt: Scharfe Gesetze und Verboten des heidnischen Kultes.

§4 Christologie und Zerfall der Kircheneinheit

Bedeutung des Themas
Christologie als dogmatische Gretchenfrage - im weiteren Sinne (trinitätstheologische Fragen) wie im speziellen Sinne (rein christologisch).
Trinitätslehre 325/381 (Christus und sein Gott-Sein) gibt der entstehenden Reichskirche ihr Fundament: salus publica in dem durch Christus offenbarten Gott.

Neues Paradigma der Christologie: die Soteriologie: Wie kann man sich das Heil aneignen?
Grundkonflikt: Wie kann der geschichtliche Jesus Christus als vollkommener Gott als vollkommener Mensch zugleich gedacht werden?
Wahrheitsfrage - Machtfrage - Frage nach Einheit der Kirche bzw. des Imperiums prägen die Auseinandersetzungen.
Chalkedonense 451: christologisches Dogma, bringt keine Kircheneinheit sondern aus ihm resultiert die Abspaltung der östlichen Kirchen.

1. Frühformen der Christologie
Die doppelte Seinsweise Jesu muss erklärt werden:
a) Doketismus
b) Tertullian/Origenes: Inkarnationsvorstellungen und Ansätze zu einer Zwei-Naturen-Lehre

1.1 Inkarnation als Paradoxie
„In Gestalt Gottes“ - „nahm Knechtsgestalt an“ - als Mensch (Phil 2,6f.) oder „Das Wort ward Fleisch“: drückt jeweils unreflektierte Inkarnationsvorstellungen aus.
 Die Einheit zweier verschiedener Seinsweisen ist gemeint. (Paradoxon)

1.2 Doketismus (90/100 bis 4.Jhd.)
Paradoxie von Gottheit und Menschheit in Jesu wird aufgelöst und erklärt (Doketismus) :
Negierung des wirklichen Menschseins des Erlösers durch die Behauptung, seine irdische
Gestalt sei ein Trugbild bzw. eine Schein (), d.h. keine irdische Realität. (entspr. helln. Weltverständnis mit Gegensatz zwischen Welt und Transzendenz)
(Vertreter: Verfasser des 1.Joh.; Textbeispiel: 1Joh 4,1-3)

1.3 Die Zwei-Naturen-Lehre
Tertullian und seine paradoxe Formel: Person Christi ist Gottheit und Menschheit als zwei Substanzen (entspr. physikalischen Analo-gien, s. 1.3.3): Gott und Mensch als ein doppelter Zustand.
Origenes: Christus als Offenbarer Gottes und Modell des wahren Menschen (Seele mit Gott verbunden im Ggs. zu allen anderen gefallenen Menschen)
Kritik von Clesus’: Entweder man erklärt mit der Inkarnation, d.h. Gott nimmt leibliche Gestalt an (Verwandlung) oder man erkläre mit der Erscheinung. (präexistenter Geist Jesu)

2. Gottheit und Menschheit Christi im trinitarischen Streit
Ein präexistenter Christus - der Gedanke an eine Inkarnation: Wie ist da die Verbindung zwischen Gottheit und Menschheit vorstellbar?
 Logos-Sarx-Schema: Der göttliche Logos ist das „personbildendes Element“ (bis ins 3. Jahrhundert)
 Einheit des Inkarnierten, d.h. keine menschliche Seele Jesu (gefährliche Nähe zum Doketismus) (bis ins 4. Jahrhundert durch alle theologische Richtungen: Arius, Eusebius, Athanasius)

2.1 Der Logos als Seele Jesu
arianische und eusebische Trinitätslehre:
Logos und Gott-Vater werden onthologisch unterschiedlich angenommen.
(Beim „normalen“ Menschen bestimmt die Seele das Handeln des Menschen:)
Bei Jesus bestimmt dar Logos das Handeln. Defiziten seines Handelns (Hunger, Durst, Leidensfähigkeit) sind dem Logos zuzuschreiben.
 Dies dient dann dem Beweis, dass JC nicht wahrer Gott sein kann, weil Gott vollkommen ist.

Polemik gegen die Arianer: Sie betrieben eine Theologie vom „seelenlosen Leib“ wegen der Leugnung der Gottheit Christi.

2.2 Eustathius von Antiochia: Wahre Menschheit Jesu
Gegen Arianer und Eusebianer:
Eustathius ( 337): Jesus hatte eine Seele. (Ablehnung des Logos-Sarx-Schemas)
Dafür: Los-Anthropos-Modell mit dem Grundgedanken der Einwohnung:
Gottes Sohn/Logos wohnte gemäß Joh 1,14 im Menschen Jesus wie in einem Tempel.

2.3 Athanasius: Der Logos als Lebensprinzip Jesu
Wie selbstverständlich übergingen auch die meisten Nicäner vom Logos-Sarx-Schema her das theologische Thema von der Seele Jesu.
Beispiel: Athanasius: Dominanz der Gottheit und Wirken des inkarnierten Logos in Jesus.
Gottes Logos ist das vorwiegende Prinzip des Handeln Jesu.
Der Leib ist (Instrument) für sein Offenbarungswerk und Heilswerk.
 Keine Reflexion des damit verbundenen anthropologischen Problems.

3. Soteriologisch-anthropologische Christologie bei Apollinaris von Laodicea
Bis 360 keine eigene Christologie an sich, sondern im Streit um Gotteslehre integriert.
Apolonaris: (Bischof in Laidicea): thematisiert Christologie anhand der Soteriologie
 Inkarnationstheologie; biblisches Christusbild zur Geltung bringen.
(pro Nicänum, pro Homousie: Christus als volle Gottheit)
aber: erstmalig anthropologische Reflexion; Person Jesu Christi als Erlöser
Person Jesu als gottmenschliche Einheit (gegen Adoptianismus und Arianismus):
Gott im Fleisch als einzige inkarnierte Natur Gottes des Logos (Monophysitismus)
(Vernunft Jesu kommt von Gott (gegen die Theorie, Jesus fehlte die Seele)
(Jesus kein zweites Sein, sondern volle inkarnierte Gottheit: Zweierlei Vollständiges kann nicht eins werden.)
Als Häretiker mehrfach verurteilt.

3.3 Apollinaris’ Kritiker: Vollständige Menschheit
375: Streit um Christologie. (Aber alle Streithähne standen auf dem Boden des Nicänums, d.h.: volle Gottheit Christi ist vorausgesetzt!)
- Gregor von Nazianz: Volle Menschheit Christi, weil sonst die Erlösung nicht den ganzen Menschen umfasse.

4. Die antiochenische Schule: Wahre Menschheit Christi
Anthiochia: Diodors Schüler (nach 360)

- Theodor: entgegen der alexandrinischen Schule um Origenes:
keine an der platonischen Allegorese orientierte Exegese, sondern eine geschichtstypologische Auslegung.
keine onthologische Verbindung zwischen Gott und Mensch,
dafür Diastase : endliche Natur kann keine Teilhabe haben an göttlicher Unvergänglichkeit!
keine soteriologische Inkakarnationslehre,
dafür ein ethisch-personales Verständnis der Gott-Mensch-Beziehung
(der Gott gehorsame Mensch Jesus)

4.1 „Unterscheidungschristologie“ bei Didor von Tarsus
Von einer Schule in Antiochia kann man erst ab Diodor (  394) sprechen. Sie betont die Menschheit Jesu und differenziert in zwei Naturen:
Gott Logos hat in Jesus einen vollständigen Leib angenommen
aber: keine Vermischung oder naturhafte Vereinigung

4.2 Dyophysitismus bei Theodor vor Mopsuestia
eine gegen Doketismus, Apollinarismus und Arianismus entfaltete Christologie.
Verbindung von wahrer Gottheit und wahrer Menschheit in Person Jesu.
 vollständiges Menschsein als heilsnotwendige Tatsache (keine Leugnung der Seele Jesu!)
 Menschwerdung im Sinne des Logos-Anthropos-Modells: Annahme der menschlichen Natur durch den Gottessohn

4.3 Johannes „Chrysostomus“: Exeget und Erzieher
Spielte in der theologischen Debatte keine Rolle; gilt aus der berühmteste Prediger der alten Kirche zwischen 350 und 407.

5. Der christologische Streit 428-681: Orientierung über die Probleme
Interesse Konstantins: Divergierede Region (Imperium) durch einheitliche Religion zusammenhalten
Interesse des Christentums: Nur in Übereinstimmung mit der Lehre denkbar.
 Theologische Krisen (5.-7. Jahrhundert) mit politischer Dimension:

5.1 Christologische Grundpositionen
5.1.1 Nestorianismus (extremer Dyophysitismus) und Eutychianismus (onthologischer Monophysitismus) als Gegensatzpaare:
d.h. einerseits: Trennung von Gottheit und Menschheit in Christus
andererseits: Vermischung beider zu einer gottmenschlichen Natur

5.1.2 Die domonierneden Schulen sind die der Antiochener und Alexandriner, die von diesen Extrempostionen zu unterscheiden sind.
Logos-Anthropos-Schema für Antiochea: Annahme eines ganzen Menschen, Dyophysitismus
Logos-Sarx-Schema für Alexandria: Annahme des menschl. Leibes ohne Seele, Monophysitismus

Dieses Pauschalurteil schlägt fehl/ist nur ein Rastar:
Antiochener/Ostsyrer und der Westen vertraten eine Zwei-Naturen-Lehre (wahrer Gott und wahrer Mensch: Einheit der Person)
Cyrill von Alexandria: Dominanz des göttlichen Subjekts in Christus (Menschsein wird aber nicht bestritten)

5.1.3 Das Dogma von Calkedon 451: favorisiert Dyophysitismus; begründet die terminologische Differenz zwischen physis (Wesen, Natur) und hypostasis
(Existenz, Person).
Monophysiten sehen darin eine Lehre von zwei Söhnen.

5.2 Kirchliche und politische Machtkämpfe
politische Interessen inklusive:
5.2.1 Axlandria: kämpft um die Vormachtstellung ggn. Konstantinopel. Durch die Christologie entstand ein Streit zwischen dem Reich und Alexandria, im 6. Jahrhundert vollends zwischen Griechen und Kopten.
5.2.2 Westsyrien: Kleinasien wehrt sich gegen Vorherrschaft Konstantinopels.
5.2.3 Westen: politische Abspaltung des Westen (476): Verschärfung zwischen Westen und Osten

5.3 Die Phasen des Streites
5.3.1 1. Phase:
428-451: Gegensatz zwischen Alexandria und Antiochia/Konstantinopel

Nestorianischer Streit (428-433):
weil Nestorius das Prädikat „Gottesgebährerin“ (für Maria) bestreitet
Eutychianischer Streit (448-451)
wegen Eutyches, der Monophysitismus vertritt.
5.3.2 2. Phase:
457-518: Kaiserliche Politik versucht Widerstand der Monopyhsiten gegen Dogma zu brechen.
Schisma zwischen Rom und Konstantinopel
Reichskonflikt zwischen Ost und West wird zum Kirchenkonflikt zwischen Reichskirche und Monophysitismus
5.3.3 3. Phase 519-553
Kaiser Justinian: Politik der Verständigung: Grundlage der Reichskirche seitdem der Neokedoncedonismus, d.h. formelle Geltung des Dogmas von 451, ergänzt durch eine cyrillische Interpreation und flakiert von der Verurteilung der antiochenischen Theologie.
5.3.4 4. Phase: 633-681
Äußere Gefährdung des Reiches  Kompromißphase gegenüber Monopyhsiten.
633: Unionsformel (Christus wird konstituiert aus der Einheit seiner Wirkungsweise und seines Willens) führt zum monergetisch-monotheletischen Streit.
 nach und nach durch die Lehre über zwei Energien/zwei Willen beendet (680/1: Konzil von Konstantinopel als Erneuerung des Chalkedonense)

6. Der nestorianische Streit 428-433