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Christliche Gotteslehre als Trinitätslehre




Wolf Dieter Hauschild: Lehrbuch der Kirchen- und Dogmengeschichte,
Band 1, Gütersloh 1995, § 1-2

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§ 1 Christliche Gotteslehre als Trinitätslehre

Hauptsächliche Probleme:
1) Kontinuität oder Diskontinuität der christologischen Entwicklung vom Urchristentum zum Dogma des 4.Jh.? 2) Verhältnis von Christologie und Soteriologie, 3) Bestimmung des Verhältnisses von Gott und Christus, 4) Bestimmung von Einheit und Differenz in Gott, 5) Monotheismus und Subordinatianismus, 6) Problem der „Hellenisierung des Christentums“: Philosophie und Trinitätslehre, 7) Einbeziehung des Hlg. Geistes: binitarische und trinitarische Ansätze, 8) Unterschied zw. immanent-ewiger und ökonomischer Trinität (Metaphysik und Heilsgeschichte), 9) Klärung der ontologischen Begriffe (ousia + upostasij), 10) Kirchenpolitische Aspekte der Lehrbildung: Schulen und Gruppen, Reichskirche und Reichsdogma, 11) Grundsatzdifferenzen zw. Ost- und Westkirchen.

1. Die Christologie im 1. Jh.
Anfänge der spezifisch christlichen Theologie ergaben sich aus der Verarbeitung der Probleme, die sich mit dem Auftreten Jesu für die an ihn Glaubenden stellten. V.a. Reflexion über die Person Jesus und deren Beziehung zu Gott. Einzelheiten dieser Entwicklung sind umstritten, es gibt keine Grundlinien, oder eine communis opinio, auf der man KG aufbauen könnte. Diese Einschränkung muss gemacht werden, wenn man die These aufstellt, dass die Entwicklung der Christologie und Trinitätslehre bis zur Dogmatisierung im 4./5.Jh. sowohl den Anfängen der Lehrbildung im NT, als auch dem Selbstverständnis Jesu grundsätzlich entspricht.
1.1 Kontinutiät oder Diskontinuität? a) Besteht eine Kontinuität zwischen den beiden altkirchlichen Dogmen und der urchristlichen Christologie?, b) Besteht eine Kontinuität zwischen der urchristlichen Christologie und dem historischen Jesus? Ritschl, Harnack, Bultmann = Diskontinuität: Mit der Übertragung christologischer Hoheitstitel werde der historische Jesus verfremdet. Verfremdung wird im trinitarischen und christologischen Dogma noch gesteigert, durch die Übernahme der antiken Metaphysik.
1.2 Die besondere Personenwürde Jesu von Nazareth Jesus hat die nahe, in seinen Werken schon zeichenhaft gegenwärtige Herrschaft Gottes verkündigt und hat sie, wie auch immer mit seiner Person verknüpft. Frage, ob Auferweckung historisches Ereignis war, ist unerheblich, entscheidend ist, dass frühe Christenheit es geglaubt hat und daraus christologische Folgerungen gezogen hat.
1.3 Die Entwicklung unterschiedlicher Christologischer Konzepte Zunächst entwickelten sich aus dem Auferstehungslauben, der tlw. mit der Vorstellung der Erhöhung zu Gott gedeutet wurde, einfache Glaubensformeln, Hymnen, Bekenntnisse = Christologie, d.h. eine lehrmäßige Interpretation von Jesu Person im Horizont der biblischen Gottesvorstellung. Keine abstrakte Spekulation, sondern im Zusammenhang mit der Heilserwartung. Christologie war von vornherein mit Soteriologie verbunden. Frühform = Hoheitstitel. Wichtig für weitere Entwicklung waren a) Akklamation Jesu als Kyrios, b) Vorstellung der Präexistenz in Übernahme jüdischer Weisheitsspekulation, meist mit dem Titel Sohn Gottes verbunden, c) die Uminterpretation des Messiastitels im Lichte von Passion und Kreuzestod. Mit Frühformen des Bekenntnisses: „Jesus der Christus“ und „Jesus der Sohn Gottes“ war eine erste normative Fixierung gegeben.

2. Die Christus-Gott-Vorstellung und andere Konzepte im frühen zweiten Jahrhundert.
Zw. ca. 90/100 und 140/150 zeigt die kirchliche Literatur keine neue Entwicklungsstufe der Christologie. Traditionelle Bekenntnis- und Hymnusformeln wurden meist wiederholt. Die meisten setzten die Inkarnationsvorstellung voraus, Aussagesinn = Allein in Christus erfolgt die Offenbarung Gottes und ist der Zugang zum Heil möglich. In ihm werde die göttliche Transzendenz präsent. Man konnte vom Gott-Sein Jesu reden, ohne zu problematisieren, dass das vielleicht im Widerspruch zum Monotheismus stehe.
Präexistenzvorstellung war im hellenistischen Christentum verbreitet. Ein mit Gott besonders verbundenes Wesen sei inkarniert: Gottes Sohn, Gottes Weisheit oder Logos, Gottes Geist, Gottes Engel. Im Präexistenzgedanken war in der Regel ein Subordinatianismus enthalten: Das Gott verbunden Wesen ist diesem untergeordnet im Sinne eine ontologischen Nicht-Gleichwertigkeit.
2.1 Christus als Gott Prädikation entstammt der hymnischen Akklamation (Joh 20,28). Redeweise für Judenchristen inakzeptabel. War für Gemeinden in hell.-röm. Welt noch einigermaßen akzeptabel (polytheistische Tradition), obwohl auch sie biblischen Monotheismus voraussetzten.
Ignatius von Antiochien (um 110/115) vertrat diese Denkweise „Christus als unser (oder mein) Gott“. Jesus ist als Sohn Gottes eins mit dem Vater. Jesus als der einzige Offenbarer Gottes und Zugang zu Gott.
auch 2.Clem eine Generation später.
Die für diese Konzeption konstitutive Präexistenzvorstellung klingt bei Ignatius und im Barnabasbrief (um 130) an.
2.2 Geistchristologie Durch jüdische Vorstellungen beeinflusst: Identifikation des vorinkarnatorischen Wesens Christi mit Gottes Geist. Vertreter z.B. Ignatius, 2.Clem., Hermas und Irenäus (um 180)
2.3 Engelchristologie Auch aus jüdischer Tradition (wahrscheinlich Apokalyptik). Definition von Christi präexistentem Sein als Engel Gottes. Aspekt der Personalität gegenüber Gott tritt hervor. Verbreitet v.a. zunächst in judenchristlichen Gruppen, aber später auch bei Herman, Justin und Lactanz (ca. 300). Erweiterung fand die Konzeption bei Judenchristen: Christus und der Hlg. Geist sitzen als Engel zur Rechten und Linken Gottes = archaische Form von Trinität.
2.4 Modalismus Christus gilt hier nur als Erscheinungsweise Gottes. Ist im 2.Jh. wohl nur selten vertreten worden. Evtl. Markion. Alle Zeugnisse gehören nach Kleinasien, dem Entstehungsort des späteren Modalismus.
2.5 Adoptianismus Ob es eine frühe Form des späteren Adoptianismus schon vor 190 gab ist umstritten, Quellen sind dürftig. Die urchristliche Vorstellung von der Erhöhung Christi könnte tlw. in diese Richtung weisen.

3. Die Logoslehre der Apologeten
Eine grundlegend neue Stufe der Lehrentwicklung ergab sich seit 150/160 dadurch, dass in einer Deutung der Weltgeschichte als Heilsgeschichte die Christologie gleichsam wissenschaftlich in Beziehung zur Gotteslehre reflektiert wurde. Damit entstand ein Gegenmodell zur gnostischen Trennung von Gott und Welt, Schöpfung und Heil.
3.1 Philosophische Voraussetzungen Schon früh wurde die hellenistisch-jüdische Vorstellung von Gottes Wort (logoj) und Weisheit (sofia) auf Jesus bezogen. Verbindung zur Philosophie = Für Stoiker war der Logos zentrale Prinzip ihrer rationalen, materialistischen Kosmologie, wurde auch von Popularphilosophen übernommen: Die immanent in allen Dingen waltende universale Weltvernunft, die mit der Gottheit identifiziert werden kann, teilt sich abgestuft als Vernunftsame (logoj spermatikoj) allen Menschen mit und befähigt sie zu gemeinsamer Vernunft und Moral. Mittelplatonismus beraubte die Vorstellung ihrer materialistisch-naturwissenschaftlichen Komponente, für ihn war der logoj primär ein geistig-ethisches Prinzip.
Philo (gest. ca. 45/50): verbindet die platonische Logos-Metaphysik mit der Exegese von Gen 1,1ff = neuer Bezug auf die Gotteslehre.
3.2 Christologie und Gotteslehre Philos Einfluss auf frühchristliche Theologen (2./3.Jh.) führte dazu, dass diese die Logoslehre übernahmen. Gaben ihr einen konstitutiven Bezug auf Jesus Christus = personalisierte Logoslehre. Logoschristologie wurde zum gedanklichen Zentrum der ganzen Theologie: Offenbarungslehre, Geschichtstheologie, Kosmologie, Anthropologie, Soteriologie. So auch konstitutiver Bezug zur Gotteslehre, denn sie begriff Gottes Reden und Handeln in Schöpfung und Geschichte als einen zu seinem Wesen gehörigen Aspekt, der eigenständig gedacht wurde (als Hypostase).
3.3 Universaler Geltungsanspruch Logoschristologie war für die Auseinandersetzung mit der heidnischen Umwelt sehr gut geeignet: Begründung der universalen Geltung Jesu Christi in doppeltem Bezugsrahmen = a) kosmologisch, b) geschichtstheologisch.
Vertreter: Justin (um 155), Tatian, Theophilos von Antiochia, Athenagoras. Später dann: Irenäus, Hippolyt, Tertullian, Clemens Alexandrinus. Origines und dessen Schüler.
Bis ins 4.Jh. war Logoschristologie die am stärksten verbreitete trinitarische Konzeption. Gefahr = Subordinatianismus, der die Einheit des Gottesbegriffes gefährden könnte.
Justin = Logoslehre ist christliche Geschichtstheologie und nicht kosmologische Spekulation. Logos ist: a) Gottes Schöpferwort und Prinzip der Weltordnung, b) göttlicher Ermöglichungsgrund von Wahrheitserkenntnis, c) göttliche Anleitung zum Leben, d) Gottes Eingreifen in die Geschichte durch verschiedene Epiphanien, Prophetie und die abschließende Inkarnation. Er ist von Anfang an in der gesamten Menschheitsgeschichte präsent. Gottes Logos hat ebenso wie der prophetische Geist das Geschick Jesu vorausverkündet. Ansatz einer Trinitätslehre.
Verhältnis Gott-Logos konnte in der vorausgesetzten Konzeption Justins nur als Subordinatianismus gedacht werden. Logos = „Diener und Engel“ Gottes, anderer Gott und Herr.
Logoslehre ist binitarisch konzipiert: Verhältnis Gott und Logos, Vater und Sohn. Hlg. Geist wird dabei anfangs nicht mitgedacht. Tritt hinzu als Element der Heilsgeschichte oder als erlösende Kraft. Keine stringente Trinitätslehre. Theophilus (nach 180) spricht in seiner Schöpfungslehre als erster von einer „trias“ aus Gott, Wort und Weisheit.

4. Heilsgeschichte und Trinität bei Irenäus
Gegen gnostische Spekulationen über den Gegensatz von Gott und Welt, Heil und Geschichte entfaltet Irenäus nach 180 eine Konzeption der Verbindung von Schöpfung und Erlösung. Bewusst als Auslegung der Bibel und der kirchlichen Lehre. Es ist eine Theologie der in Jesus Christus kulminierenden Geschichte Gottes mit der Menschheit, die nach dessen Heilsplan als Erziehung und Erlösung verläuft. Mit der Schöpfung gegebene Gemeinschaft zwischen Gott und Menschen wird durch Adams Fall zerstört, und wird durch J.C. als Antityp Adams wiederhergestellt. J.C. ist der Mensch gewordene ewige Sohn Gottes, der als Logos dessen Offenbarungs-, Schöpfungs- und Erlösungsmittler ist. Er vermittelt durch sein Wirken Gottes Geist, d.h. Vollkommenheit.

„ökonomisch-trinitarische“ Position in der Trinitätslehre.: Reflexion über die heilsgeschichtliche Entfaltung Gottes in Christus als dem Offenbarer und im Geist als der Heilsgabe.
4.1 Anthropologie und Soteriologie Irenäus: Biblischer Schöpfungsbericht als Anfang der Menschheitsgeschichte, die Gott planvoll als Heilsgeschichte konzipiert hat: 2 Wendepunkte, a) Fall Adams, b) Menschwerdung Christi.
Christologisch begründete Imago-Lehre: Christus als das Bild Gottes, das Muster nachdem eigentlich auch alle Menschen geschaffen werden sollten, durch die Sünde erreichen Menschen diese Ähnlichkeit zu Gott nicht mehr, obwohl sie immer noch Gottesebenbildlichkeit haben. Sie bedürfen der Erlösung.
Erlösung soll das Ziel der Schöpfung, die Vollkommenheit des Menschen in der Gemeinschaft mit Gott realisieren. Deshalb muss der Schöpfungsmittler das Heilswerk vollbringen: göttlicher Logos-Sohn/ Christus. Adam-Christus Typologie = Christus steht als Antithese zu Adam als der urbildliche, gehorsame Mensch. Nochmaliger Durchgang der Menschheitsgeschichte zum Heil hin.
4.2 Trinitarische Gotteslehre: Vater, Sohn, Geist Irenäus hat kosmologisch-trinitarisches Konzept übernommen: Gott hat Schöpfung durch sein Wort (logoj) und seine Weisheit (sofia) bewerkstelligt. logoj und sofia werden mit Sohn und Geist Gottes verbunden. Dabei lag ihm an einer offenbarungs- und heilsgeschichtlichen Entfaltung Gottes in Abgrenzung gegen gnostische Emanationsvorstellungen. Sah die Weise der Selbstdifferenzierung als Denkunmöglich an. Betont die Einheit, nimmt sie durch die biblischen Aussagen über den Unterschied von Vater und Sohn als gegeben an. Betont Gleich-Ewigkeit beider. Mit dem Sohn-Logos als dem Schöpfungs- und Offenbarungsprinzip ist der heilige Geist verbunden, als die Gabe Christi, die den Gläubigen die Offenbarung zueignet und die Gemeinschaft mit Gott bewirkt.
Irenäus bot mit ökonomisch-trinitarischem Monotheismus keine ausgearbeitete Trinitätslehre, sondern Vorstellungen Begriffe und Bilder für das Geheimnis der Dreiheit.

5. Der „Monarchianismus“: Kampf um den christlichen Monotheismus
Seit 190: Reiner Monotheismus sollte mit Christologie verbunden werden. Oberbegriff „Monarchianismus“ = 2 Richtungen: a) Adoptianismus, b) Modalismus. Konflikt zwischen beiden Richtungen war die erste große Trinitätstheologische Kontroverse.
5.1 Der modalistische Monarchianismus (z.B. Noetus, Praxeas, Sabellius) Modalisten sahen gegen den Subordinatianismus der Logoslehre, den Sohn als eine Erscheinungsform des Vaters an. In Jesus ist Gott selbst Mensch geworden. Modalismus entsprach weithin Gemeindefrömmigkeit, fand aber entschiedenen Widerspruch bei Hippolyt, Tertullian, Novatian, Origenes, Dionysius.
5.2 Der adoptianische, bzw. dynamistische Monarchianismus
Erstmals gebildeter Schuhmacher Theodot, kam aus Byzanz und gründete um 190 in Rom eine Schule. Lehnt Inkarnationschristologie und damit sowohl die Logoslehre als auch die populäre Bezeichnung Christi als Gott ab: Der besondere Mensch Jesus hätte in der Taufe den Geist Gottes und damit göttliche Kräfte empfangen, wurde in bildhaft-uneigentlicher Weise Sohn Gottes genannt.
5.3 Die Einheit Gottes bei Noetus, Praxeas und Sabellius Älteste Form des Modalismus entwickelte Noetus. Gott heißt nur insofern Sohn, als das er sich sichtbar offenbart.
Praxeas: Sohn als Mensch und Vater als Gottheit. Sohn als sichtbare Seinsweise des unsichtbaren Vaters.
Sabellius: Gott = Sohn-Vater und dessen jeweilige geschichtliche Erscheinungsweise als Person, bzw. Rolle.
5.4 Hippolyt: Logoslehre gegen Modalismus Logos ist wesenhaft Gott, aber subordiniert. Im Logos äußert sich Gott als der in Schöpfung und Geschichte Handelnde. Gegen Monarchianismus engagiert.

6. Tertullians begriffliche Klärung der Trinitätslehre
Erstmals begrifflich exakte Trinitätskonzeption (Traktat „Gegen Praxeas“, ca. 213). Gegen Gnostiker und Monarchianer. Orientierte sich dabei an der triadischen Struktur der Taufe und der Glaubensregel (regula fidei) und an den biblischen Begriffen, die in der Beschreibung der „oikonomia“ für ihn die Wirklichkeit Gottes in heilsgeschichtlicher Differenzierung der Einheit zutreffend aussagen. Seine Definitionen haben die nachfolgende lateinische Trinitätslehre bis ins 4.Jh. stark beeinflusst.
Bezeichnung des Vaters, des Sohnes und des Geistes als personae, deren Gottsein wird als einheitliche substantia verstanden, wirken nach außen als eine potestas und monarchia. Hat trinitarischen Personenbegriff geprägt und den Begriff „trinitas“ gebildet. Hat die Formel „una substantia, tres personae“ zwar nirgends gebraucht, aber sinngemäß umschrieben.
Tertullian gehört zu den Vorvätern des Trinitätsdogmas = Theologen fanden eine terminologisch fixierte Lehrauffassung vor.
6.1 Einheit der Trinität als „una substantia“ Geheimnis der Heilsgeschichte besteht darin, dass Gottes Einheit sich zur Dreiheit entfaltet. Zunächst hat Tertullian die Offenbarung Gottes binitarisch verstanden (=Logoslehre), als Selbstmitteilung. Vater-Sohn Verhältnis = Lichtstrahl der von der Sonne als Teil des Ganzen ausgeht, mindert nicht deren Substanz. Sohn vom Vater geht als Geist vom Geist, als Gott vom Gott aus. Begriff Substanz hängt mit Geist und Gott zusammen.
Trinitarische Erweiterung: Vater, Sohn und Geist sind unum, nicht unus; sie sind una substantia in drei miteinander Verbundenen. Da die drei ein Gott sind, haben sie dieselbe Substanz, Qualität und Macht. Trotzdem sind sie drei und damit unterschieden hinsichtlich des Ranges und der Erscheinungsweise.
6.2 Vater, Sohn und Geist als „personae“ Geist gilt neben Sohn und Vater als dritte göttliche Größe, als persona. Persona = konkrete Gestalt Gottes als eigenständige Individualität. Begriff „trinitas“ soll Unterschiedenheit anzeigen, die keine Trennung ist. Vater ist Ursprung, Fülle und Quelle der Gottheit, bzw. die Substantia, aus der der Sohn hervorgeht, als Ableitung und Anteil, auch der Geist gilt als Anteil. Subordinatianismus. Nicht geklärt ob ewiger Sachverhalt oder geschichtl. Veränderung.
6.3. Substantia und Persona bei Novatian Einzige trinitätstheologische Abhandlung der westlichen Kirche im 3.Jh. Auslegung der Glaubensregel über Gotteslehre, Christologie und Pneumatologie. (gg. Markioniten, Doketisten,...). Verwendet auch Begriff Substantia, um Gottes einheitliches Wesen zu bezeichnen. Differenzierung im subordinatianischen Vater-Sohn Schema. Eigenständigkeit Christi wird gegen Modalisten betont. Heilige Geist bleibt als Geist außerhalb der Betrachtung.

7. Platonismus und Christentum
Zw. 50 v. und 250 n.Chr. dominierte in der Philosophie der Mittelplatonismus. Seit ca. 130 n.Chr. (Basilides, Valentin, Justin) berührt sich die christliche Theologie mit MP, deshalb hat er auch kirchen- und dogmengeschichtliche Bedeutung. Für die Trinitätslehre wurde wichtig, dass die mittelplatonische Metaphysik von der Frage bestimmt wurde, wie die Vermittlung des Transzendenten in die Welt hinein zu denken sei, bzw. wie es von der ursprünglichen Einheit des Seins zur Vielheit komme. Hier spielte die Logoslehre eine große Rolle.
Im 3.Jh. veränderte sich die platonische Metaphysik signifikant. Z. B. Ammonius in Alexandrien. Löste den traditionell-platonischen Dualismus von Ideen- und Sinnenwelt durch ein monistisches System ab, in welchem sich alles Sein durch Abstufung aus dem höchsten transzendenten Prinzip ergibt. Schüler des Ammonius waren sowohl Origenes, als auch Plotin (ab ca. 244: Neuplatonismus = monistische Transzendentalphilosophie).

8. Origenes: Immanent-ewige Trinität und Hypostasenlehre
Alexandria wurde im 2./3.Jh. zum Zentrum wissenschaftlicher Theologie, zumal durch Origenes. Wirkung = Weiterentwicklung der bisherigen Reflexionen über Gott, Christus und Geist zu einer systematisch durchdachten Trinitätstheologie. Für die Folgezeit wichtig wurde seine antimodalistische Verwendung des Begriffes Hypostase zur Betonung der eigenständigen Wirklichkeit von Vater, Sohn und Geist. Für deren Einheit hatte er außer Gott keinen Begriff. Umstritten ist die inhaltliche Frage. Ob seine Trinitätslehre eher den Arianismus, oder die nizänische Orthodoxie vorbereitet hat = es gilt beides: Origenes gilt als Vater des trinitarischen Streites und des Trinitätsdogmas.
Religiöser Denker mit Spannungen und Ambivalenzen. Unausgeglichenheit in seinen Aussagen über die Trinität führten dazu, dass sich im späteren Origenismus unterschiedliche Konzeptionen herausbildeten.
8.1 Ewigkeit der Schöpfung, Güte Gottes, Pronoia und Paideusis O. hat schon früh ein System der theologischen Weltdeutung konzipiert und zwar in Umsetzung bestimmter Grundgedanken des Platonismus, orientiert an den Inhalten der apostolischen Verkündigung und der kirchlichen Glaubensregel.
Trinitätslehre: Das uranfängliche Prinzip ist Gott, der Grund des Seins (Vater), der völlige Transzendenz, Liebe, Vollkommenheit ist. Zu seinem Wesen gehört die Mitteilung seiner Güte, deshalb erschafft er die Welt, zunächst zeugt er aber einen Sohn = Setzt das Prinzip seiner Selbstdifferenzierung als eigene Hypostase aus sich heraus. Sohn = Logos, Schöpfungsmittler = dieser schafft einen Kosmos reiner Geistwesen, ihnen vorangestellt der Heilige Geist und die Engel. Zeugung des Sohnes und auch die Schöpfung sind ewige, zeitlose Sachverhalte. Der Übergang in Zeit und Existenz beginnt mit dem Abfall der Geistwesen, die nicht in der permanenten Hingabe zu Gott verharren und in der Liebe erkalten. Ihrem Fall begegnet Gott mit der Erschaffung der sichtbaren Welt. Inkorporation der Geistwesen, Akt der Bestrafung und göttlicher Pädagogik. Gott will, das die Geistwesen zurückkehren, dies bewirkt er durch Pronoia und Paideusis, durch lenkende Vorsehung der Heilsgeschichte in Verbindung mit der Erziehung der Menschen zur Vollkommenheit, die wieder das werden sollen, was sie waren, reiner Geist.
8.2 Erlösung und Vervollkommnung. Apokatastasis Schöpfungsmittler muss auch zum Erlösungsmittler werden, als Offenbarer der Wahrheit und Erzieher zur Liebe. Seele Jesu ist das einzige Geistwesen, das nicht von Gott abfiel (außer Hlg. Geist und Engeln), deshalb bringt seine Inkarnation die heilsgeschichtliche Wende. Er ruft die Menschen zur Vervollkommnung im Sinne einer Vergeistigung. Heiliger Geist als Kraft der Heiligung und Erleuchtung spielt dabei eine Rolle. Vorgang der Weltschöpfung und -geschichte wiederholt sich solange, bis alles gereinigt zu Gott zurückgekehrt ist (apokatastasis panton). Apokatastasis-Lehre ist viel kritisiert worden, gehört aber zu Origenes System.

8.3 Offenbarungstheologie als Hypostasenlehre Ansatz von Origenes´ Trinitätslehre liegt beim Offenbarungsgedanken: Logos/Sohn ist insofern Funktionsbegriff damit die Selbsterschließung des unzugänglichen Urgrundes des Seins, bzw. die Zuwendung Gottes zur Welt ausgesagt wird. Origenes definiert die Relation zwischen Vater und Sohn mit Hilfe der Metapher von Christus als Bild Gottes ontologisch und personal. Gott ist ohne seinen Mittler nicht existent, deshalb gilt die Zeugung als eine ewige. Vater ist Quelle der Gottheit, er als das Sein-Selbst ist eine Hypostase (existiert eigenständig). Als sein Abbild ist sein Sohn ebenfalls eine eigenständige, aber ontologisch zweitrangige Hypostase. Durch die Teilhabe am selben Sein ist er ebenfalls Gott.
Hypostasenlehre = wichtigster Beitrag des Origenes zur Lehrentwicklung. Gegen Modalismus, aber mit Tendenz zum Subordinatianismus. Der Sohn ist zweiter Gott. Unterschied: Nur der Vater ist anfangslos, Sohn = erstes Geschöpf und Schöpfer. Es gibt aber keinen Moment wo der Sohn nicht existierte.
Binitarische Struktur = Es existiert nur Urbild und Abbild. Mit der Glaubensregel und der Hlg. Schrift spricht O. vom Wirken des Hlg. Geistes, verwendet den Begriff Trinität oder 3 Hypostasen, reflektiert sie aber nicht weiter.
8.4 Der Geist als Teil der Trinität O. pneumatologische Aussagen: Das heiligende und erleuchtende Wirken des Geistes führt zur Vervollkommnung des Menschen. Ziel des Heilsgeschichte besteht in der Rückkehr der Menschen zu Gott durch Vergeistigung. Demgemäss sind die wahren Christen Pneumatiker. Auch Geist ist eine eigenständige Wirklichkeit, eine Hypostase. Als „Gott“ bezeichnet O. den Geist aber nie.
O. sieht Geist in einer eigenartigen Mittelposition zwischen Gottheit und Schöpfung.
Werk des Geistes besteht in der Vervollkommnung der zu Gott strebenden Menschen, Heiligung und Erleuchtung. Menschen, die sich um die Erfüllung der Gesetze etc. bemühen sind Heilige und Pneumatiker. Wirken des Vaters erstreckt sich auf alles Seiende, das Wirken des Sohnes auf alle Vernunftwesen, das Wirken des Heiligen Geistes auf alle Heiligen, d.h. wahren Christen.







9. Konflikte zwischen Origenismus und Monarchianismus um 258/268
Trinitarische Hypostasenlehre des O. fand im Osten viele Anhänger aber auch viele Gegner. V.a. zwei Konflikt: a) Streit um die Lehre des Dionysius von Alexandria ca. 258-260, b) Absetzung des antiochenischen Bischofs Paul von Samosata. Beide Male geht es um die Hypostasenlehre und den Begriff omoousioj (vgl. nach 325).
9.1 Die Hypostasenlehre des Dionysius von Alexandria und ihre Kritiker ca. 258, Konflikt zwischen DvA. und sabellianischen Mönchen in Lybien, in den diese nach 260 den römischen Bischof Dionysius mit einbezogen. DvA betonte die Verschiedenheit von Vater und Sohn im Sinne des traditionellen Subordinatianismus der Logoslehre, DvR stellte die Einheit der Trinität heraus und verwarf die Rede von den drei Hypostasen als Tritheismus (gg. Origenes, verwandte wahrscheinlich den Begriff omoousioj, den Libyer gegen DvA verwandten um Einheit Gottes herauszustellen). DvA schwenkte auf römische Position ein, es kam zu für Trinitätstreitigkeiten im 4. Jh wichtigen Konsens zwischen beiden Metropolen.
in libyscher Pentapolis stritten 2 Gruppen um die Trinität. DvA wurde um eine Stellungnahme gebeten. Kritisierte den Modalismus der einen Partei (evtl. der Sabellianer), warf ihnen Doketismus vor, betonte im Interesse der Realität der Inkarnation die hypostatische Unterschiedenheit von Vater und Logos/Sohn. Monarchianer verklagten ihn darauf bei DvR. DvA reagierte auf dessen Lehrschreiben mit einer Apologie, kam römischer Position entgegen. Verurteilte sowohl Modalismus als auch Tritheismus. Definierte Verhältnis Vater-Sohn als Quelle und Fluß (s. Tertullian), bzw. als Abbildhaftigkeit, akzeptierte den missverständlichen Begriff omoousioj (Versuch einer Verbindung von Tertullian und Origenes). Dogmengschichtliche wichtig = trinitätstheologischer Konsens zw. Alexandria und Rom.
9.2 Der dynamistische Adoptianismus: Paul von Samosata Verurteilung des seit ca. 260 amtierenden antiochenischen Bischofs Paulus durch Synoden in Antiochia 264 und 268. Lehre des P. verbad vermutlich – in Ablehnung der Präexistenz-, Hypostasen- und Inkarnationslehre – Geistchristologie und Adoptianismus. Paulus sah die besondere Personenwürde Jesu (betont Menschsein) als des Christus und Gottessohnes durch die Salbung mit dem Hlg. Geist in der Taufe begründet. Geist identifizierte er mit Gottes Logos, der als Gottes Kraft in diesem bleibe, d.h. keine eigene Hypostase bilde.
An Paulus´ Verbot der Christushymnen (zur Wahrung des Monotheismus) entzündet sich der Streit. Bischöfe, die ihn verurteilten lehnten Begriff omoousioj als häretisch ab. Adoptianismus war damit aber keinesfalls erledigt (s. Arius)
„Rechts-Origenismus“ und „Links-Origenismus“: Unterscheidung aus der älteren Forschung. Richtungen sollen ab 250/60 auftreten. Links: eher kosmologisch-philosophischer Ansatz der origenistischen Lehre, rechts: soteriologisch-kirchlicher Ansatz. Unterscheidung ist für das 3.Jh. kaum durchzuführen, Quellen sind sehr dünn.

10. Der trinitarische Streit 318-381: Orientierung über die Probleme
Streit verdeutlichte krisenhaft zugespitzt, dass die religiöse Identität des Christentums auf der theologischen Deutung der Person Jesu Christi basierte. Entsprechende Lehren waren keine abstrakte Spekulation, sondern auf christliche Existenz bezogen, nur unterschiedlich akzentuiert – heilgeschichtliche, soteriologische oder kosmologische Perspektive.
Lehrdifferenzen und Lehrstreitigkeiten der ersten Jh. kulminieren in dem Konflikt im 4.Jh.
10.1 Trinitätsdogma. Politische Situation, Philosophie Durch die Verbindung mit dem Staat gewannen innerkirchliche Konflikte neue Bedeutung, weil die Einheit der Kirche für die innere Stabilität des Reiches wichtig wurde und die Kaiser an einer dogmatisch fixierten Lehreinheit interessiert waren. Dogmen erhielten politischen Bezugsrahmen, ihre Ablehnung wurde staatlicherseits sanktioniert. Christentum war seit 324 als einzig wahre Religion anerkannt, und dieser Absolutheitsanspruch hing ab von der Lösung der Wahrheitsfrage durch die Gotteslehre. Monotheismus hatte großes Gewicht bekommen. Dieser schien durch den Bezug der christlichen Gotteslehre auf Jesus Christus als Offenbarungs-, Schöpfungs- und Erlösungsmittler alteriert zu werden. Dem Polytheismus konnte man nur durch metaphysisch-ontologische Reflexion entgehen, welche das Sein Gottes mit seinem geschichtlichen Handeln verband. Ontologische Klärung der Gotteslehre als Trinitätslehre.
10.2 Die Phasen des Streites
10.2.1 Erste Phase 318-337: Auseinandersetzung um die Lehre des Arius 318-325. Mittelpunkt ist das Konzil von Nizäa 325. Dies ist der arianische Streit im eigentlichen Sinne. Später nach 325 hat Arius kaum noch Einfluss. 2.Teil der ersten Phase bis zum Tod Konstantins ist vom kirchenpolitischen Kampf der Origenisten gegen die wenigen Vertreter des Nizänums bestimmt.
10.2.2 Zweite Phase 341-355: Zäsur nach 337 durch zunehmenden Gegensatz zwischen Ost- und Westkirche, zwischen Origenisten bzw. Eusebianern („Mittelpartei“) und den Verteidigern des Nizänums. Verstärkt durch die Rivalität zw. Kaisern Konstantius und Konstans. Athanasius spielt wichtige Rolle. Reichskonzil v. Serdika 342 = Zerrissenheit der Kirche. Wende mit Konstantius Alleinherrschaft und Unterdrückung der westlichen Nizäner auf der Synode von Mailand 355.
10.2.3 Dritte Phase 357-361: Übergangszeit durch theologische Veränderungen (Neuformierung des Arianismus, Zerfall der „Mittelpartei“) und Konstantius Politik die Kircheneinheit durch ein neue Dogma zu etablieren. Kulmination = Reichssynode von Seleukia und Ariminum (359). Neue Gruppen = Anhomöer, Homöer, Homöusianer.
10.2.4 Vierte Phase 362-381: Zeit nach Konstantius´ Tod. Gleichzeitig Differenzierung und durch Athanasius geförderte Konzentration und Ausdehnung der Nizäner. Unterschiedliche Religionspolitik Valentinian und Valens = Situation für Nizäner differiert in Ost und West. Theodosius 379/380 = Umschwung, Durchsetzung des Nizänums, Konzil v. Konstantinopel.

11. Der arianische Streit 318-325/337
11.1 Anfänge des Konflikts bis 324 Ausgelöst wurde der Streit wohl 318 durch schroffe, einseitige Formulierungen des Arius zur Christologie, die in Alexandria Anstoß erregten, vermutlich bei einigen Melitianern (vertraten evtl. einen modalistischen Monarchianismus). M. verklagten Arius bei Alexander v. Alexandria wg. Häresie. Synode verurteilte ihn daraufhin (319?). Einflussreiche Freunde (Eusebius v. Nikomedia u.a.) erklärten ihn dann aber auf 2 Synoden in Kleinasien und Palästina für orthodox. Konflikt zw. Arius und Alexander wuchs sich seit 320 zu einem Konflikt zw. Alexandria und Nikomedia aus (Rechtsorigenisten = Alexander, Linkso. = Eusebius v. Cäsarea). Konstantin war die Einheit wichtig, wandte sich gleich nach der Übernahme der Herrschaft im Osten mit einem Schreiben zur Beschwichtigung an beide (Alexander und Arius). Weiterer Vermittlungsversuch durch Konstantins theol. Berater Ossius v. Corduba scheiterte. Ossius verbündet sich mit Alexander und auf einer Synode in Antiochia verabschieden sie ein antiarianisches Lehrbekenntnis, Arius = Häretiker, exkommunizieren drei seiner Fürsprecher (Euseb v. Cäsarea u.a.). Spannungen verschärfen sich, Kaiser lädt zur Synode nach Nizäa.
11.2 Arius Lehre: Monotheismus und Geschöpflichkeit Christi Allein der Vater sei ohne Anfang und deshalb ewig, also mit dem entscheidenden Gottesprädikat der Ungewordenheit versehen. Unterscheidet sich wesensmäßig vom Logos, den er geschaffen hat, allerdings vor aller Zeit und vor der Weltschöpfung. Würde des Logos besteht darin, dass er vom Vater in der Präexistenz als Sohn gnadenhaft angenommen ist und deshalb als Gott gilt, obwohl ihm die eigentliche Gottesprädikate fehlen. Begründete dieses durch die Schrift (Prov 8,22; Mk 13,32; Joh 14,28).
11.3 Einheit von Vater und Sohn bei Alexander von Alexandria

Gegen Arius Logoslehre eine „rechtsorigenistische“ Position, betonte in philosophischer Begrifflichkeit die Ewigkeit der Sohnschaft und die Wesensgleichheit des Sohnes mit dem Vater. Differenzierung erläuterte er mit dem Schema Urbild/Abbild. Exegetische Belege: Kol 1,15; Hebr 1,3; v.a. Aussagen über Vater-Sohn-Einheit Joh 14,9.10.
11.4 Das Reichsdogma von Nicäa: Gottheit Christi als „Homoousie“ Synode in Nizäa Juni/Juli 325 zur Beilegung der theologischen Kontroverse und Demonstration kirchlicher Einheit. 250-300 Bischöfe, überwiegend östliche, nur 5 westliche Bischöfe, darunter Ossius. Verurteilung der arianischen Position. Euseb v. Cäsarea legte ein als rechgläubig angesehenes persönliches Bekenntnis vor und wurde rehabilitiert. Dieser Text wurde von einer Konzilskommission zur Ausarbeitung des offiziellen Lehrbekenntnisses genutzt.
Einfluss Ossius: kosmologisch orientierte Logoslehre des eusebianischen Bekenntnisses wurde durch eine soteriologisch orientierte Lehre über den Sohn als wahren Gott abgelöst. Neues Lehrbekenntnis wurde von allen gebilligt und vom Kaiser als ein reichsweites Dogma approbiert. Kernsatz: Als Sohn ist Christus wahrer Gott aus dem Sein des Vaters, wesenseins (omoousioj) mit diesem. Mehrheit der östlichen Theologen konnte diese Aussage nicht nachvollziehen, dass wurde bald klar = Dogma ohne Konsens. Opponenten wurden exkommuniziert und ins Exils geschickt: Arius, 2 libysche Bischöfe, später auch E. v. Nikomedia.
Evtl. lag Nizänum ein Taufbekenntnis zugrunde, nicht klar. Auch Verhältnis zu Eusebs Bekenntnis nicht klar. Anathema mit Arius-Zitaten ist angehängt.
Herkunft und Bedeutung des Begriffes „Homoousios“ nicht bekannt, seit 362 zentrale Rolle im trinitarischen Streit. In der Vergangenheit nur gelegentlich verwendet. Keine eindeutige Lösung, evtl. hat ihn Alexander schon 320 gebraucht. Arius hat ihn ausdrücklich abgelehnt. Nach Euseb (vgl. seine KG) hat Konstantin auf dem Konzil auf den Begriff bestanden. Wahrscheinliche Einfügung als antiarianische Aussage.
11.5 Konstantins Befriedungspolitik nach 325 Für Konstantins Religionspolitik nach 325 war nicht der Inhalt des Reichdogmas, sondern dessen formale Geltung und damit die Einheit der Reichskirche und der innere Friede maßgeblich. Er begnadigte deswegen 327/28 die exilierten reumütigen Häretiker – auch Arius, nachdem diese sich nicht mehr ausdrücklich gegen das Konzil von Nizäa stellten. Nach 330 wurde Euseb v. Nikomedia kirchepolitische Führer und Euseb von Cäsarea einflussreichster Theologe im Osten. Dort herrschte weiterhin die origenistische Mittelgruppe (Eusebianer), die das Nizänum nicht bejahte, es aber auch nicht direkt ablehnte. Schaltete bis 335/6 die Vertreter des Nizänums durch politische und kirchenrechtliche Vorwürfe aus (Eusthatius von Antiochia, Athanasius von Alexandrien, Markell von Ankyra, Paulus von Konstantinopel).
Fall Athanasius wurde ein wichtiger Faktor des weiteren Streites. Athanasius wurde nach problematischer Wahl Nachfolger des Alexanders in Alexandria, Protest der Melitianer. Unruhen in Ägypten in folgenden Jahren. Auch lehnte A. Wiederaufnahme des Arius in den Klerus ab (kaiserliches Unbehagen). 331/32 Kriminalprozess gg. A. = Verurteilung auf der Synode von Tyrus 335 = 1. Exil in Trier 335-337.
11.6 Einheit der Lehre bei Markell von Ankyra (ca. 280-374) Originelle nizänische Trinitätstheologie. Wohl 336 von Eusebianern abgesetzt. Biblisch begründete Theologie eines trinitarischen Monotheismus. Betonte die Einheit Gottes (monas) als eines einzigen Seins (eine hypostasis bzw. usia). Attackierte eusebianische Drei-Hypostasen-Lehre als unbiblische Philosophie. Gott = in sich differenzierte Einheit, vgl. Heilsgeschichte: Ewiger, ursprungsloser Logos-Sohn wohnte in einem Menschen ein und sandte den Hlg. Geist in die Welt, ohne dass Gott sicht damit zerteilte.
11.7 Eusebius von Cäsarea (ca. 264-ca. 340): Logos als Offenbarer Gottes Hypostasenlehre als binitarischer Monotheismus. Selbstdifferenzierung Gottes in Offenbarung und Schöpfung durch den Logos, den Mittler zwischen Gott und Welt bei Wahrheitserkenntnis und Erschaffung der Welt: Gottes Sein als die strukturierte Einheit von Vater und Sohn, die sich wie Urbild und Abbild zueinander verhalten. Betonung des Subordinatianismus = E. repräsentiert eine im Osten verbreitete Position, der das Nizänum suspekt war.

12. Der Ost-West-Gegensatz seit 341
Tod Konstantins 337, Aufteilung der Herrschaft unter seinen Söhnen. Kirchenpolitischer Kampf entbrennt neu durch a) Rückkehr der exilierten Bischöfe (v.a. Athanasius), b) kirchenpolitischen und theologischen Gegensatz zwischen Ost- und Westkirche, c) Rivalität zwischen Konstans (West) und Konstantius (Ost) seit 340. Seit 340 Einmischung Roms und der westlichen Kirche in östliche Interna. Absetzung von Markell und Athanasius wurde durch Julius v. Rom als irregulär angefochten. Dogmatische Differenz zwischen der origenistischen Hypostasenlehre und den Nizänern. Eusebianer demonstrieren auf der Synode von Antiochia 341 Anspruch auf Orthodoxie durch ein Bekenntnis, dass faktisch an die Stelle des Nizänums trat. Strittige Probleme sollten auf Druck des Westens (Julius, Konstans) auf der Synode von Serdika 342 gelöst werden. Gegensätze führten zur Spaltung der Synode in einen i.w. westlichen Teil (Athanasius u.a.), und einen i.w. östlichen Teil. Wohl noch kein Kirchenschisma wie 1054. Doch Auseinandersetzung nahm neue Formen an. Person Athanasius spielte große Rolle, erschien Konstantius als großer Friedensstörer. Konstantius Alleinherrschaft seit 353: kirchliche Autonomie des Westens wurde unterdrückt.
12.1 Rom und die Origenisten: 337: Exilierte Bischöfe durften unter Konstantin + Konstanz (West) in ihre Heimat zurückkehren, führte zu Tumulten. Origenisten und Konstantius nahmen das nicht hin. Athanasius und Markell mussten ihr Amt 339 wieder verlassen, flohen nach Rom.
12.2 Reichssynode von Serdika: Westliche Zumutung, die Synodalbeschlüsse gegen Athanasius und Markell zu annullieren, führte dazu, dass östliche Bischöfe getrennt tagten. Westliche B. verurteilten die Hypostasenlehre als Arianismus (da sie Hypostasen als Substanzen auffassten), östliche Bischöfe lehnten Monarchianismus ab (da sie Hypostase/Usia so vetanden) gegenseitige Exkommunikation.
Machtverhältnisse zugunsten Konstans brachten Konstantius dazu einzulenken und Athanasius 345 aus dem zweiten Exil (339-345) nach Alexandria zu entlassen.
12.3 Konstantius und Athanasius: A. = Widerpart der kaiserlichen Religionspolitik. Stabilisierte seine Position in Ägypten und gab der Nizänerpartei des Ostens Profil. 352 nahm Konstantius, der jetzt auch über den Westen regierte den Kampf gegen Athanasius wieder auf. Synode von Mailand 355: Erneute Verurteilung des A. Dogmatische Richtungsentscheidung gegen das Nizänum. 357 wurde mit Gewalt eine neuer Bischof in Alexandria eingesetzt. A. hielt sich bis 361 in der Wüste versteckt (3. Exil). Von dort aus Propagandakrieg gegen kaiserliche Politik.

13. Die Lehre des Athanasius (ca. 295-373): Gottheit Christi und Erlösung der Menschen
Entscheidender Beitrag zur Behauptung der Nizäner in kirchenpolitischer und theologischer Hinsicht zw. 337 und 361. Hierarch, Politiker, Praktiker und beachtlicher Theologe. Es ging im Streit nicht um seine Position gegen die der Arianer. In seiner Propaganda bezeichnete er alle Gegner aus den Mittelgruppen sachlich unberechtigt als Arianer.
Hat origenistische Tradition in einer Neukonzeption überführt, die ganz von der Soteriologie bestimmt wurde. Überwand Subordinatianismus der Hypostasenlehre durch die Betonung der Einheit Gottes. Erst seit 350/51 benutzt der den Begriff „omoousioj“. Erst argumentiert er binitarisch, entwickelt aber seit 345/6 eine Trinitätslehre durch Einbeziehung der Pneumatologie.
13.1 Menschwerdung Gottes und „Vergottung“ des Menschen Vgl. Apologie „Über die Menschwerdung des Logos“ (wohl im Trierer Exil verfasst). Sie verdeutlicht, dass die – von Kreuz und Auferstehung her als Erlösung gedeutete – Inkarnation das Zentrum seiner Theologie ist: Gottes Logos-Sohn wurde in Jesus Christus Mensch, damit das gefallene Geschöpf wieder zu Gott gebracht und so erlöst werden kann. „Denn er (d.h. der Logos) wurde Mensch, damit wir vergottet würden“. ( Vergottung = Gemeinschaft mit Gott).
13.2 Identität der Gottheit in Vater und Sohn: A.`s Inkarnationstheologie ist Offenbarungstheologie. Gott redet und handelt stets in seinem Logos, der gleichsam Prinzip seiner Außenbeziehung ist. Enge Verbindung schließt Teilhabe des Logos am Wesen Gottes ein: Findet Ausdruck im Begriffspaar Vater-Sohn. Besagt, dass der Vater nie ohne den Sohn, d.h. nicht der Vater war und ist. Es muss eine ewige Zeugung unter Ausschluss aller kreatürlichen Analogien angenommen werden, weil der Vater nicht seinerseits geboren ist und der Sohn niemals Vater wird.
13.3 Die Gottheit des Heiligen Geistes: Vom binitarischen Denkschema „Licht-Abglanz“ her bezog A. Werk und Wesen des Hlg. Geistes ein: Gott als schlechthinniges Licht offenbart sich nach außen in Christus als dem Abglanz und ermöglicht die Aneignung der Offenbarung als Erleuchtung durch den Geist. Dies ist eine Veränderung der ganzen Existenz, nicht nur ein kognitiver Akt, das verdeutlicht A. mit Aussagen über Heiligung und Belebung durch den Geist. Gegen Polytheismus: Gottheit ist nicht drei Prinzipien (arxai), sondern nur ein Prinzip, Gottheit des Vaters. Sohn und Geist haben an dieser Gottheit teil, als Manifestation Gottes in der Welt.

14. Die theologischen Gruppen und das homöische Reichdogma von 359
Konflikte seit 325 haben gezeigt, dass inhaltliche Fragen gelöst werden mussten. Konstantius verfolgte das Ziel, die Kircheneinheit auf ein von der Mehrheit getragenes neues Dogma zu gründen. Konnte angesichts der theologischen Situation im Osten (er kooperierte schon seit 341 mit den Bischöfen) nur antinizänisch sein. Das homoousios stand zur Disposition. 357 wurde das Nizänum aufgehoben, Näherbestimmung des Vater-Sohn-Verhältnis fehlte. Ersatzschlagwörter waren gefragt, Gruppen:

357/8 = Aufleben des Arianismus mit stringenter philosophischer Begründung. Aetius und seine Schüler Eunomius als Vertreter. Formulieren den Monotheismus konsequent ontologisch so, dass für den Logos-Christus nur die Geschöpflichkeit d.h. das Ungleich-Sein mit Gott-Vater gelten konnte. Wg. Schlagwort anomoioj wurden Neoarianer Anhomöer genannt.
Origenistische Mittelgruppe nahm die ontologische Reflexion auf und interpretierte das bisherige Bekenntnis zur Übereinstimmung von Vater und Sohn dahingehend, dass beide „gleich hinsichtlich des Seins“ (omoiousioj = wesensgleich) seien. Homöousianer scheiterten bei dem Versuch Konstantius für ihr Programm zu gewinnen.
Kirchengeschichtlich durchgesetzt hat sich 359/60 eine konservative Gruppe: Homöer. Versuchten die umstrittene ontologische Reflexion biblizistisch zu überwinden: Der Sohn sei als Gott dem Vater gleich, gemäß den biblischen Aussagen (omoioj kata taj grayaj).
Der Rücknahme der Lehrentscheidung von Nizäa im Jahr 357 folgte die Etablierung des homöischen Dogmas 359 auf einem Reichskonzil, dass nach der Erfahrung von Serdika getrennt abgehalten (Ost: Seleukia, West: Arminium, Fortsetzung am Hof von Konstantinopel). Gegner wurden durch den Kaiser exiliert. Dogma war nicht arianisch, es sagte im Sinne der ewigen Zeugung die Gottheit des Sohnes aus, bestimmte aber das Verhältnis Vater-Sohn nur unzureichend (gleich gemäß der Schrift). Dogma = kleinster gemeinsamer Nenner aller Nichtarianer. Bis 381 offizielle Geltung.

15. Homöische Reichskirche und Neonizäner 362-379
Nach Konstantius Tod: Epoche der allgemeinen Religionsfreiheit unter Julian im Jahre 362, während der alle Exilierten zurückkehren durften (auch mal wieder Athanasius). Schon dort zeigte sich, dass das neue Dogma nur von einer Minderheit bejaht wurde. Seit 364 = unterschiedliche Entwicklung Ost-West.
West (unter Valentinian I) = dank staatlicher Nichteinmischung setzten sich die Nizäner weitgehend gegen die Homöer durch.
Ost (unter Valens) = V. knüpfte an Kirchenpolitik des Konstantius an und versuchte homöisches Dogma mit Gewalt durchzusetzen. Gruppe der Homöer verlor weiter an theologischer Substanz, weil viele nach 362 das Nizänum akzeptierten und sich mit Homöusianern, die das auch taten, verbündeten. Sie interpretierten die nizänische Lehre von der Homousie im Sinne der Drei-Hypostasen-Lehre. Neue Gruppe mit Meletius von Antiochia als kirchenpolitischem und Basilius von Cäsarea als theologischem Kopf kann man als Neo- bzw. Jungnizäner bezeichnen. Im Unterschied zu den Altnizänern, deren Kopf Athanasius blieb. Dieser trug durch die Synode von Alexandria (362) erheblich zur Verständigung mit den Neonizänern bei. Position: Anerkennung des Nizänums mit Anhang über die Gottheit des Heiligen Geistes; Zulässigkeit der Interpretation des omoousioj durch die Formel „drei Hypostasen“ (Existenzen).
Erweiterung der Diskussion durch Einbeziehung der Pneumatologie ergab sich durch die arianische Lehre, aber vor allem durch die Ablehnung der Gottheit des Geistes durch die neue Gruppe der Pneumatomachen (deren Verwerfung wurde von Athanasius 362 zum Bestandteil nizänischer Orthodoxie erklärt). Tlw. kooperierten Alt- und Neunizäner, doch Gegensatz hinsichtlich der Markellianer blieb. Seit 340 bestehende und seit 360 verschärfte Schisma in Antiochia behinderte die Kommunikation.
Westen: Neonizäner blieben suspekt, daran scheiterte die von Basilius betriebene Verständigung. Getrennte Entwicklung beider Kirchenbereiche ging weiter. Nach Valens Tod (378) setzten sich Jungnizäner im Osten durch
15.1 Das Schisma in Antiochia Bischof Meletius wurde von Konstantius abgesetzt, kehrte aber wieder zurück und schloss sich den Nizänern an (363). Eine kleine Altnizänergruppe opponierte gegen Meletius (Eusthatius = Anführer), bekam 362 in Paulinus einen eigenen Bischof, den dritten in Antiochia (für Meletius was Euzoius von Konstantius eingesetzt worden) und hielten Kontakte zu Athanasius und Markellianern. Meletius wurde später nochmal verbannt, aber Basilius machte sich für ihn stark. Antiochenisches Schisma war wichtiger Bestandteil des trinitarischen Streits, blieb bis 413.
15.2 Athanasius Programm seit 362: Erweiterung der Nizänergruppe:
Synode in Alexandria zur Sammlung der ägyptischen Nizäner. Sollte auch eine dogmatische Sprachregelung für die Übereinkunft von Eusthatianern und Meletianern in Antiochia fixieren.
Historische bedeutsames Verständigungsprogramm zw. Alt- und Neunizänern, Grundsätze: 1) Verwerfung des Arianismus und Sabellianismus, 2) Anerkennung des Nizänums als alleiniger Bekenntnisgrundlage, 3) Ergänzende Verwerfung der Behauptung, der heilige Geist sei ein Geschöpf (gegen die Pneumatomachen), 4) Gleichwertigkeit der recht verstandenen Rede von einer Hypostase/Usia bzw. drei Hypostasen in der Trinität. Damit war Gegensatz zwischen origenistischer Hypostasenlehre und Nizänum aufgehoben: besserer Konsens möglich. Öffnete den Weg für eine homöousianische Interpretation des Nizänums.
15.3 Die neonizänische Bewegung
Begriff omoousioj und unklare Definition von hypostasis und usia hatten Origenisten/Eusebianer von einer Zustimmung zum Nizänum abgehalten. Nach homöischem Dogma 359 wollten alle wieder lieber auf Nizänum zurückgreifen. Meletius von Antiochia, Acacius von Cäsarea, Eusebius v. Samosatt und andere ehemalige Homöer erklärten 363 die Zustimmung zum Nizänum. Sie interpretierten omoousioj als omoioj kat ousian.
Auch Homöousianer modifizierten ihre Haltung zum Nizänum unter Leitung von Basilius von Cäsarea. Beide Gruppen verschmolzen und ergaben Sammelbewegung. Führte schließlich zum Erfolg.

16. Die Vorbereitung des Trinitätsdogmas durch die „drei großen Kappadokier“
Kappadokischen Bischöfe Basilius v. Cäsarea (ca 330-378), Gregor von Nazianz (325/9-390) und Gregor von Nyssa (331/9-395) bereiteten das Dogma von 381 vor. V.a. neonizänische Formel, dass Gottheit ein Wesen (ousia) in drei Existenzformeln (upostaseij) sei, die das Nizänum von 325 interpretierte. Basilius (Diplomat und Prakitker) war kirchenpolitisch einflussreich, versuchte Trinität von religiösen Erfahrungen und von der Bibel her zu erschließen. Dachte von der Einheit der göttlichen usia her (wie Athanasius), entfaltete aber mit Origenes Differenzierung der göttlichen Hypostasen. 2 Gregore betonten mit Athanasius die Einheit Gottes, vollzogen stärkere Abkehr vom Origenismus. Haben Basilius´ Werk fortgeführt und für dessen Durchsetzung auf dem Konzil von Konstantinopel gesorgt.
16.1 Trinitätslehre und Kirchenpolitik bei Basilius von Cäsarea Seit 370 Bischof von Kappadokien. Für Reform der Kirche nach dem Modell des Urchristentums aus den Kräften des Mönchtums. Gegen Arianer und Homöer für eine nizänische Trinitätslehre. Beziehung von Lehre und Leben war wichtig für ihn. Trinitätslehre gründet sich in der Anthropologie und Soteriologie: Gottesebenbildlicher Mensch kann diese Bestimmung, die ihn zur Gemeinschaft mit Gott führen soll, nicht von sich aus realisieren, sondern nur Dank Gottes Werk der Offenbarung/Erlösung in Christus und der Erleuchtung/Heiligung im Geist. Einheitlichkeit der Wirksamkeit der 3 Hypostasen entspricht der Einheit des Seins.
Definiert upostasij nur noch im Sinne des Besonderen, bzw. der Existenz und ousia im Sinne des Allgemeinen, des Wesens = Einheit. Gg. tlw. Sabellianismus der Altnizäner.
Hat Gottheit des Hlg. Geistes nicht terminologisch direkt propagiert. War dogmatisch ungeklärt.
16.2 Gregor von Nazianz, „der Theologe“ Von Basilius 372 zum Bischof von Sasima gemacht. War Rhetor und Literat. Ruf als Theologe gründet sich auf seine „Reden zur Gotteslehre“. Begründete darin seit 379 stringent die nizänische Position. Stärker als B. ging er vom Axiom der Einheit Gottes (der einen usia) aus. Sah trinitarische Differenzierung der drei hypostaseis in Gottes Offenbarung begründet: Vater ist der absolute Ursprung, Sohn dessen prinzipielle Wendung nach außen, bzw. Offenbarungszugang, Geist dessen aktuelle Zugänglichkeit den menschlichen Geist = Erleuchtung. Namen (Vater, Sohn) bezeichnen die innertrinitarische Relation: Einheit bewegt sich vom Ursprung her zur Zweiheit und kam mit der Dreiheit zum Stillstand. Abwehr gg. Tritheismus und Sabellianismus: upostasij = idiothj (Besonderheit)
innertrinitarische Proprietäten: Der eine Gott differenziert in Ungezeugtsein, Gezeugsein und Hervorgebrachtsein = auch für Christologie wichtig.
16.3 Gregor von Nyssa: Christliche Metaphysik Basilius´ jüngerer Bruder. Gregor identifiziert die Gottheit mit der Unbegrenztheit und Unendlichkeit im Sinne der absoluten Vollkommenheit und der Unzugänglichkeit für menschliche Erkenntnis. Sohn und Geist waren durch die Bibel mit eingeschlossen (nicht ontologisch begründet). Die Bestimmung des Menschen liegt in der Telhabe und Angleichung an Gott durch einen endlosen Aufstieg der Seelen.

17. Das Konzil von Konstantinopel 381 und das Trinitätsdogma
Trinitarischer Streit fand seinen Abschluss im Osten. Veränderung der politischen Situation (neuer Kaiser Theodosius = östlicher Kaiser, aber westlichem Nizänum verpflichtet) und Überzeugungskraft der Neunizäner fiel zusammen. N (325) erfuhr im Osten durch die Lehrentscheidung von 381 eine präzisierende Modifikation: einerseits kirchliche Fixierung des Nizänums und dogmatische Interpretation der omoousioj durch die 3-Hypostasenlehre, andererseits pneumatologische Erweiterung des Bekenntnistextes von 325 für den Gemeindegebrauch (= Nicaeno-Constantinopolitanum, NC). NC zunächst nur im Osten Bedeutung, als ökumenisch und damit normativ wurde es erst zusammen mit den Konzilien 325, 431 und 451 rezipiert.
17.1 Vorbereitung des Konzils durch Meletius und Theodosius Valens 378: Aufhebung der Verbannungsurteile gg. die Nizäner. Flavius Theodosius I. (Mitregent im Ostteil nach Valens Tod, seit 379) unterstütze neunizänische Orthodoxie, Weg frei für Aufhebung des Dogmas von 359. Meletius = Synode in Antiochia im Frühherbst 379 = 150 neunizänische Bischöfe (dogmatische Klärungen und Verständigung mit dem Westen). Frühjahr 380 Edikt des Theodosius gg. Homöer, Pneumatomachen und Arianermajorität. Rechtliche bedeutete das die Aufhebung des Reichsdogmas von 359, Rückkehr zum Dogma von 325. Theodosius orientierte seine Kirchenpolitik inhaltlich an Meletius Position.

17.2 Der Verlauf des Konzils Quellenlage schlecht, ca. 150 Bischöfe, Vorbereitung Meletius. Keine westlichen und ägyptischen Bischöfe. Konzilsbeschlüsse zu 6 Themenkomplexen: 1) Neuer Bischof von Konstantinopel = Gregor von Nazianz, zeigte sich kirchenpolitischer Taktik nicht gewachsen wurde durch Nektarius ersetzt. 2) Antiochenisches Schisma konnte nicht beseitigt werden, 3) Kirchenverfassung: Einteilung der Kirchenprovinzen, 5 Diözesen = Autonomie (Ägypten/Alexandria, Orient/Antiochia, Asia, Pontus, Thracia). Daraus entwickelten sich die Patriarchate. Bischof von Konstantinopel sollte entsprechend der politischen Einteilung des Reiches auch einen Vorrang bekommen (=Rom) wurde von Damasus (v. Rom) strickt abgelehnt, 4) Als Dogma wurde das N bekräftigt und namentliche Verurteilung gegenteiliger Häresien, 5) Lehrdekret im Sinne der neonizänischen Trinitätslehre: ein Wesen, 3 Existenzweisen, 6) Beschluss eines Glaubensbekenntnisses ist umstritten. Akten des Konzils von Chalkedon bezeugen, dass es 451 ein vom N unterschiedenes Bekenntnis vom Konzil v. K. gab, das NC, evtl. ein aus der liturgischen Praxis stammendes nizänisches Credo. Ergänzung im 2. und völlig neuer 3. Artikel, gg. Pneumatomachen (= Basilius und Gregor von Nyssa-Lehre).
17.3 Die Pneumatologie als Bekenntnisinhalt Dogma ist ein wirklich trinitarisches. Das zeigt das Lehrdekret, das wohl auch das NC enthielt. Für Theologen bestimmter Text sprach die Gottheit des Hlg. Geistes direkt aus, Gemeinde-Credo formulierte im Sinne von Basilius die Homotimie = Zugehörigkeit des Geistes zu Gott und seine Funktion im Heilswerk. Pneumatologie nun Teil der dogmatischen Reflexion. 4.Jh. = erstmals Bekenntnisse mit ausführlicherem 3. Artikel. Man besann sich neu auf die Wirksamkeit des Geistes, v.a. in solchen Kreisen, die Reform des christlichen Lebens forderten. Menschlicher Zugang zu Gott ist nur durch den Hlg. Geist möglich und damit nur in der Kirche, weil er nur dort waltet = Absolutheitsanspruch. Weist auch auf charismatische Realität.
NC setzt sich im 5./6. in Ost- und Westkirche als gottesdienstliches Bekenntnis durch = einziges in der gesamten Kirche verwendetes Credo bis heute.
17.4 Ausschaltung der Häretiker Mit diesem Beschluss setzten staatliche Maßnahmen ein, um die häretischen Gruppen die Macht zu nehmen. Es gab einerseits Versuche Religionsgespräche abzuhalten, jedoch auch klare Gesetze (Versamm-lungsverbot, Verbot von Ordinationen und Ämtern, Beschlagnahmung der Kirchengebäude, Exilierung der Kleriker). Dogma hat einen Zwangscharakter als Lehrgesetz mit allgemeiner Gültigkeit im ganzen Reich. Gegner lösten sich tlw. selbst auf.

18. Die Trinitätslehre der lateinischen Kirche
Westliche Tradition war seit Tertullian und Kallist durch den Gedanken der Einheit der Trinität geprägt. Man verstand deswegen vom Begriff „una substantia“ her das Nizänum mit dem omoousioj problemlos. Aufgeschlossenheit für die östliche Lehre bekundete erstmals v.a. Hilarius v. Poitiers um 358. Seine Trinitätslehre war der Versuch, Einheit und Dreiheit zu begründen. Bischöfe Damasus v. Rom und Ambrosius v. Mailand verteidigten durch lehramtliche Fixierung das N gg. „Arianismus“. Letzterer entfaltete 380-382 den Zusammenhang von Einheit und Dreiheit in Gott positiv. Marius Victorinius realisierte um 360 dieselbe Intention mit Systematisierung der Trinitätslehre durch Modifikation der platonischen Metaphysik. Höhepunkt der westlichen Lehrentwicklung = Augustinus: „de trinitate“ (399-419) = Grundgedanken blieben für lange Zeit maßgebend.
18.1 Hilarius v. Poitiers Vertiefte die traditionell an der Einheit orientierte Lehre: reflektierte neben der Homousie die hypostatische Differenzierung: Vater und Sohn eignen spezifische Eigentümlichkeiten des einen göttlichen Wesens, an denen die Unterscheidung der personae kenntlich wird. Verständnis von personae näher sich „hypostaseis“ an.
18.2 Damaskus v. Rom und Ambrosius v. Mailand Bejahung des N, Verwerfung der Irrlehren, Betonung von Einheit und Dreiheit (= una substantia, tres personae“). Zu deren Interpretation nahm Ambrosius die neonizänische Position auf.
18.3 Marius Victorinus: Sein und Dynamik Gottes Brachte für den Westen erstmals eine metaphysisch-philosophische Begründung der Trinitätslehre (wie Hilarius auch von östlichen Theologen abhängig). Lehnte Begriff personae als sabellianisch ab, stattdessen „una substantia, tres subsistentiae (=Hypostasen)“. Orientierte sich an der neuplantonischen Lehre über die triadische Struktur des ursprünglichen Seins (dynamische Einheit von Sein, Leben und Denken). Gottes Sein (esse) ist eine dreifache dynamische Wirklichkeit: eine geistige Substanz, eine Bewegung, die sich in Gottes Leben (Schöpfertätigkeit) entfaltet und in Gottes Denken zu sich zurückkehrt. Als Logoslehre formuliert: Der eine Gott ist Wort, der Vater Wort im Stillschweigen, der Sohn schon gesprochenes Wort, der Geist Wort des Wortes.
18.4 Augustins epochale Neuformulierung Ausgehend vom biblischen Zeugnis und kirchlichem Dogma hat Augustinus den Versuch unternommen die Plausibilität beider – gegenüber der Kritik der Häretiker wie angesichts der Verständnisschwierigkeiten der Gemeinden – durch denkerische Rekonstruktion zu erweisen. Die Einheit des trinitarischen Gottes voraussetzend hat er deren problematischen Begriff der Substanz durch Wesen (essentia) ersetzt, um den Eindruck zu vermeiden, die göttlichen Eigenschaften wären bloß Akzidentien. Das Handeln der Trinität gegenüber der Welt und Mensch ist einheitlich.
Hat sich besonders mit der Begründung der Differenzierung der Trinität in tres personae beschäftigt. Hat Begriff persona nur zurückhaltend gebraucht, stattdessen hat er von Beziehung (relatio) gesprochen, und seine Verwendung des Relations-Begriffs hat epochal fortgewirkt. Vater und Sohn bezeichnen eine ewige Beziehung, zu der der Hlg. Geist als das beide einende Band der Liebe tritt.
Zum Erweis der Plausibilität des unauflöslichen Miteinanders von Einheit und Dreiheit in Gott hat Augustin ausführlich kreatürliche Analogien erörtert: Ternare (Dreiheiten) im menschlichen Geistesleben, z.B. Geist-Erkenntnis-Liebe, oder Gedächtnis-Einsicht-Wille. Sog. psychologische Trinitätslehre = Augustin wollte das Wesen Gottes als der menschlichen Erfahrung nicht unzugänglich darstellen.
Gott: ein Wesen in drei Beziehungsformen (relationes): Begriff essentia meint die Gottheit, die schlechthin eine ist: Absolutheit, Ursprünglichkeit, Herrlichkeit, Ewigkeit, Wille, Werk. Eigenschaften Gottes treten nicht zu seinem Werk hinzu, sondern konstituieren es. Gegen Polytheismus, Arianismus... Gottes Sein und sein heilsgeschichtliches Handeln gehören zusammen, damit kann subordinatianische Tendenz der griechischen Hypostasenlehre vermieden werden. J.C. als Offenbarer und Erlöser, der in Inkarnation und Kreuz erniedrigte Gott, ist der Ausdruck dafür, dass Ewigkeit und Zeit, Schöpfer und Geschöpf im Heilswerk zusammenkommen. Seine Gabe an die Gläubigen, der Heilige Geist, der identisch ist mit Gott als Liebe bringt die Konkretion von Gottes Gnadenhandeln. das führt zu innertrinitarischem Verhältnis als relatio: Vater und Sohn sind Beziehungsbegriffe; es ist nicht jeder von ihnen selber Vater und Sohn, sondern der eine ist dem anderen. Relatio tritt nicht zu essentia hinzu, kein Akzidens. Sohn wird vom Vater gezeugt, Hlg. Geist geht aus beiden hervor und verbindet beide. Er ist Gemeinschaft von Vater und Sohn, Geschenk beider; Liebe, die beide verbindet.
Kreatürliche Analogien: „psychologische Trinitätslehre“ A. hat die wesensmäßige Zusammengehörigkeit der Dreiheit, mit anthropologischen Analogien zu erläutern versucht. Er verweist von der Selbsterfahrung her auf bestimmte Strukturen des menschlichen Geisteslebens als triadische Entsprechungen, will damit Plausibilität der tradierten Glaubenslehre aufweisen.
18.5 Das sog. Athanasianische Bekenntnis “Symbolum Athanasianum” ist weitgehend von Augustins Lehre abhängig (Herkunft unklar, hat nichts mit Athanasius zu tun). Wirkungsgeschichtliche Bedeutung, da es in der Scholastik mit Nizänum und Apostolikum zusammengestellt wurde, als eines der drei altkirchlichen Bekenntnisse. Auch von der Reformation rezipiert. Lehrt bspsw. „filioque“ Ausgang des Geistes aus Vater und Sohn.

19. Zur Nachgeschichte des Dogmas
Nachgeschichte des Dogmas ist die Geschichte seiner vielfältigen Interpretation, Anwendung und Auswirkung in Theologie und kirchlichem Leben.
Westen: v.a. Aufbau auf Augustins Lehre. Anfänge der Scholastik, Thomas v. Aquin...
reformatorische Theologie: Bedeutung für Luther und Calvin. Bestreitung aber schon von den Antitrinitariern im 16.Jh. Kein positives Verhältnis durch Pietismus und Aufklärung. Idealisten bemühen sich um spekulative Neubegründung (Hegel, Schelling). Im 20.Jh. Aufnahme durch Barth, Tillich, Pannenberg, Moltmann.
§ 2 Christliche Gemeinschaft als Institution Kirche

Hauptsächliche Probleme
1) Kontinuität oder Diskontinuität in der Entwicklung der Kirchenstrukturen; Terminologie „Frühkatholizismus“ vs. „Urchristentum“, 2) Mission und Ausbreitung; Pluriformität des Christentums in den verschiedenen Regionen und „Einheit der Kirche“, 3) Abgrenzung gegenüber dem Judentum, 4) Identitätskrise im 2.Jh.: Frage nach christlichen Normen, 5) Ausbildung der Großkirche gegen Sondergruppen (Häresien): Was sind konstitutive Merkmale?, 6) Erwartung des Weltendes (Chiliasmus, Montanismus, Apokalyptik), 7) Gnosis, 8) Kanonisierung der christlichen Bibel, 9) Gottesdienst, Taufe, Buße 10) Bischöfliche Organisation der Kirche, Gegenüber von Amt – Gemeinde, Geist – Recht.

1. Die Anfänge der Kirche
Nach dem Tod Jesu löste sich die Jesusbewegung nicht auf, weil die Verkündigung der Auferweckung durch Gott eine neue Grundlage schuf. Botschaft wirkte so attraktiv, dass sich schnell Gemeinden über Jerusalem hinaus (Palästina, Syrien, Antiochia) bildeten.
1.1 Jesus und die Kirche Jesus hat Anhängerschaft gefunden und in spezifischer Weise an seine Person gebunden Forderung zur Nachfolge. Evtl. Berufung des Kreise der Zwölf als symbolische Antizipation des eschatologischen Gottesvolkes. Sonst keine Ansätze für religiöse Organisation. Trotzdem legte er die Grundlage der Kirche. Historisch unsicher ist zum Beispiel die Kontinuität zwischen vorösterlicher und nachösterlicher Anhängerschaft Jesu. Entscheidend für die KG ist, dass die konstitutive Beziehung auf J.C. als „Herr“ für das Kirchesein grundlegend war, da es ein Gegenüber bot.

1.2 Reich Gottes und Kirche Vorbereitung auf Gericht, Weltende und Reich Gottes konstituierte die Gemeinschaftsbildung endzeitliches Gottesvolk. Akute Naherwartung erwies sich als unzutreffend, aber Parusieverzögerung rief auch keine substantielle Krise hervor. Erwartung des Weltendes bestand in folgenden Generationen fort. Eschatologische Relativierung erwies sich als in zweifacher Hinsicht für die weitere KG entscheidend: a) Mit der Vorstellung des Reiches Gottes war diejenige von der Einheit der Kirche als Postulat, Hoffnung verbunden, da es nur ein Gottesvolk geben konnte, b) Erwartung des Gottes Reiches als grundlegende Veränderung der Welt, erwies sich als kritisches Korrektiv gegenüber der Verweltlichung der Institution Kirche, wie der individuellen Christenexistenz.
1.3 Theologische Deutungen der Kirche (Ekklesiologie) Bsp. Heilige, Erwählte, Tempel Gottes, Leib Christi. Allgemeine Bezeichnung = Versammlung (ekklesia) a) Septuaginta = Versammlung der Israeliten, semantische Nähe zum Begriff Volk, Volk Gottes b) griech. Kulturkreis = politische Versammlung. Kirche Christi, Kirche Gottes mit heilsgeschichtlicher Bedeutung, Ekklesiologie = nicht nur Organisationsform, sondern theologische Deutung (neue bzw. wahre Israel).
1.4 Die Jerusalemer Urgemeinde: Judenchristen und Hellenisten Vgl. Apg 1,1ff. Konstitutiv für Gruppenbildung in Jerusalem = Erfahrung der Auferstehung, öffentliche Verkündigung, Ausgießung des Geistes, Erwartung des nahen Weltendes, hereinbrechende Gottesherrschaft. Urchristentum = einheitliche Gruppe? Nein, frühe theologische Differenzen, unterschiedliche religiöse Lebensform = Judenchristen und Hellenisten.
1.5 „Urchristentum“ – „Frühkatholizismus“ - „Altkatholizismus“ Unterscheidung der morphologischen Besonderheiten der Kirche des 2./3.Jh. gegenüber dem 1.Jh. (Begrifflichkeiten eingeführt im 19.Jh). Begriffe sind konfessionell belastet und unklar. Historisch verifizierbar ist, dass sich ab 90-120 eine Institutionalisierung und eine morphologische Präzisierung bemerkbar machten, die sich von der Unbestimmtheit und Offenheit der Organisationsform zuvor abhoben: Normierung der Schriften, Fixierung der Ämter, Ablösung vom Judentum Entwicklungen hin zur Großkirche. Gesamtkontur war aber auch im 2.Jh. noch nicht eindeutig. Begriffe bleiben aber insgesamt missverständlich.

2. Mission und Ausbreitung
Mission gehört zum Wesen der Kirche. Prototyp des Missionars am Anfang = Paulus Entscheidung zur Heidenmission brachte die universale Ausweitung als Prinzip. Christliche Gemeinden entstanden anfangs nur vereinzelt (vgl. Paulusmission) aus jüdischen Synagogen in größeren Städten. 2.Jh. = Größe der Gemeinden verstärkte sich, Ausbreitung durch Gelegenheitsmission. Nun Christentum nach Alexandria, Nordafrika und Gallien. 3.Jh. = bischöflich Organisierte Großkirche sorgt für Christianisierung des Umfelds der bisherigen Zentren (v.a. Nordafrika und Gallien). Mit konstantinischer Wende seit 312/324 begünstigten die politischen Rahmenbedingungen die Ausbreitung der Reichskirche: Massenkonversion, Bekämpfung des Heidentums, Intensivierung der Christianisierung (Bekehrung und Erziehung). Außerdem überschreitet das Christentum auch die römischen Reichsgrenzen.
2.1 Planmission und Bekehrungsarbeit im 1.Jh. Diese geschah, da angesichts des nahen Endes, das eschatologische Gottesvolk universal gesammelt werden musste. Antiochia ein wichtiger Ausgangsort. Paulus hat 48-60 die Heidenmission theologisch begründet und durchgeführt. Das „Apostelkonzil“ (48/49) in Jerusalem brachte die notwendige Grundsatzentscheidung für die Heidenmission (Apg 15,6ff; Gal 2,1ff).
2.2 Allmähliche Ausbreitung im 2.Jh. Keine planmäßige Ausbreitung, Gelegenheitsmission durch einzelne ChristInnen, Lehrer in deren sozialer Umgebung. V.a. von Alexandria strahlte das C. wohl nach Ägypten. Evtl. kam es durch kleinasiatische Händler seit ca. 150 nach Gallien (Gemeinden im Rhonetal, Lyon, Vienne) und auch nach Germanien (Trier, Mainz, Köln?). Auch in Nordafrika entstanden vor 180 erste Gemeinden (Karthago...). Jedoch sehr kleine Gemeinden.
2.3 Systematische Christianisierung im 3.Jh. Nun bewusste Förderung der Mission. Bis 312/324 erfasste das C. wohl das ganze Imperium, mit unterschiedlicher regionaler Dichte. Konsequente Christianisierung unter bischöflicher Leitung betrieb man erfolgreich in Nordafrika, Ägypten, Syropalästina, Kleinasien, Mesopotamien. Mission auch von Städten aus auf dem Land. Starkes Anwachsen der Gemeinden in den afrikanischen Provinzen. Am zweitstärksten christianisierte Region war westliches Kleinasien.
Numerische Größenordnung des Christentums um 300 lässt sich nur sehr ungenau sagen. Im Osten weit höher als im Westen (5 Mill vs. 2 Mill ?). Vielleicht 15 % der Bevölkerung des röm Reiches.
2.4 Innere Expansion der Reichskirche Mit konstantinischer Wende konvertierten nicht plötzliche alle Heiden. Strategie der Verbreitung durch Aufbau neuer Bistümer blieb bestehen. Verbunden mit Intensivierung der Bekehrungs- und Erziehungsarbeit. Heidentum behielt noch bis ins 5.Jh. viele Anhänger, zumal in Italien. V.a. in Rom und Athen blieb heidnische Bevölkerung resistent. Christianisierung der Landbevölkerung wird vorangetrieben, oft von Mönchen. Im Westen erlitt die Christianisierung während der Völkerwanderung im 5./6.Jh. Einbrüche, im Osten war sie seit der Zeit Justinians (527-565) abgeschlossen.
2.5 Kirchengründungen außerhalb des Reiches v.a. private Initiativen, aber auch von kaiserlicher Politik unterstützt. Armenien (bereits seit 3.Jh. Mission) = Stabilisierung durch Oberbischof Nerses (ca. 370). Georgien = christliche Einflüsse von verschiedenen Seiten, König konvertierte 350. Perserreich = durch Eroberungen großer Gebiete Mesopotamiens: ostsyrische Kirche. Konstantius förderte die Mission unter den Goten im Donaugebiet. Mit Wulfila erhielten sie ca. 336 einen Bischof, der die Christianisierung und den Aufbau der Kirchenstrukturen vorantrieb.

3. Die Ablösung vom Judentum
Früh kam es zu einer wechselseitigen Trennung von Christen und Juden. War letztlich in der Strittigkeit von Jesu Messianität begründet. Religiöse und theologische Konsequenzen a) für das Verständnis dessen, was das Volk Gottes wäre, b) für die Haltung zum Gesetz als Lebensform, c) für die Interpretation der Hlg. Schrift. Eintritt des Christentums in die hellenistische Welt, Ausstoßung der Christen aus den Synagogen, unterschiedliche Haltung in den Jüdischen Aufständen (66-70; 132-35) taten ein weiteres für die vollständige Trennung (seit ca. 90/100). Judenchristen wurden im 2.Jh. als Häretiker ausgegrenzt. Jüdische Traditionen lebten aber in Theologe, Gottesdienst und Frömmigkeitsformen auch der Großkirche fort. Theologische Auseinandersetzung mit dem Judentum noch im 2.-4. Jh. Thema, nahm dann an Substanz ab und Polemik zu. Seit dem 4. Jh. = christlicher Antijudaismus und Verfolgungen.
3.1 Theologische Gründe Messianität Jesu, universalistisches Element das zur Ausweitung führte. Kirche Christi als Gottesvolk, deren Zugehörigkeit durch Taufe (nicht Beschneidung, Gesetz) bestimmt wurde. Hlg. Schrift wurde twar beibehalten, aber christologisch gedeutet und ergänzt. Deutung der Heilsgeschichte mit Christus als Zentrum (Alter Bund = Vorgeschichte).
3.2 Wechselseitige Abgrenzung Das Problem der des Konfliktes Ablösung vom Gesetz konnte durch das „Apostelkonzil“ nicht gelöst werden. Es wurde immer dringlicher, besonders nach dem Ketzerprozess gegen Jakobus (62). Die Christen lehnten eine Beteiligung an dem Aufstand gegen die Römer ab und die Niederlage und die Zerstörung des Tempels werden als Gericht Gottes gedeutet und Verwerfung der Juden. So kam es auch immer mehr zur Ausstoßung aus den Synagogen, da sich das Judentum ab 70 unter pharisäischer Führung neuformierte und hell.-jüd. Schriftentum ausgrenzte, darunter LXX (die Bibel der Christen). Um 90 wurde die Häretiker im Achtzehnbittengebet verflucht, worunter auch immer deutlicher die ChristInnen gerechnet werden. Immer mehr Ablehnung und Polemik von beiden Seiten.
3.3 Auseinandersetzungen mit den Juden im 2.-4.Jh. Pauschale Polemik gg. Juden, theologische Abgrenzung und Diskussion über das rechte Schriftverständnis standen nebeneinander und prägten für längere Zeit die Haltung der Kirche. Keine explizit dogmatische Fixierung des Gegensatzes, doch die Ablehnung der religiösen Position des Judentums als „Judaismus“ bildete in der Praxis eine grundlegende Norm, die auch auf christliche Positionen bezogen werden konnte (z.B. Chiliasmus). Zu unterscheiden davon ist der Antijudaismus als generelle Verurteilung der Juden, die mit der Verwerfung durch Gott geschichtstheologisch begründet wurde. Eine solche Position fand sich im 2./3.Jh. erst in Ansätzen, war im 4.Jh. als polemischer Stereotyp weit verbreitet (Juden als Gottesmörder). Seit Konstantin Unterdrückung der Juden
Justin etc.: Versuch exegetisch-heilsgeschichtlich die Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Judentum darzustellen. 170/5 Meliton v. Sardes: Erstmals Juden als die, die Gott getötet haben
Seit Tertullian und Origenes Verweis auf Mt 27,25 bei Schuldvorwurf. Dort angekündigte Straffolge war Zerstörung Jerusalems und die Vertreibung der Juden. Seit dem 4.Jh. Schuldübertragung auch auf die zeitgenössischen Juden.
3.4 Das Judenchristentum als Häresie Judenchristentum = versuchten im Sinne des Nomismus das Christusbekenntnis mit Gesetz und Bund Israels (Beschneidung, Befolgung der Ritualvorschriften) zu vereinen. Im 2.-4.Jh. relativ stark verbreitet, v.a. in Palästina, Arabien, West- und Ostsyrien, Mesopotamien. Beträchtliche Vielfalt in Theologie und Lebensstil. Noch im 2.Jh. friedliche Koexistenz. Großkirchliche Konsolidierung führte seit ca. 180 zu einer Ausgrenzung der Judenchristen als Häretiker.
Bei Irenäus und Hippolyt gibt es erste Belege für Ausgrenzung: „Ebionäer“ und „Nazoräer“ werden mit Gnositkern und Markioniten als Ketzer benannt.

4. Die Identitätskrise des Christentums im 2.Jh.
Von Anfang an verschieden Richtungen (Hebräer vs. Hellenisten) aber auch Ideal der Einheit der Kirche als Korrektiv zur Realität (vgl. Apg). Erst nach der Grundlagenkrise des 2.Jh. entsprach ihm eine praktische Realisierung Herausbildung der Großkirche.

4.1 Pluriformität der Lehren und Lebensformen Literatur des 1./2.Jh. zeigt, dass Differenzierung sich weiterentwickelte. Tlw. standen sich unvereinbare Lehrpositionen gegenüber, was die Konflikte seit 90/100 noch verstärkte. In einigen kleinasiatischen Städten kam es zu ersten Spaltungen, man sprach sich gegenseitig das Kirchesein ab. Auch war durch die Ausbreitung des Christentums in den verschiedenen Regionen eine religiös-kulturelle Pluriformität entstanden, die erst dann zum Problem wurde, als die differierenden Positionen in Kontakt miteinander kamen. Historisch unangemessen hier von Orthodoxie und Häresie zu sprechen, denn es gab noch keine gültig definierte Orthodoxie. Worin das authentische Christentum bestand war unklar.
4.2 Häresie als Anstoß zur Klärung der Grundlagen Mit forschreitender Ausbreitung wuchs auch der Kontakt zwischen den verschiedenen Regionen. Dem Ideal der Kircheneinheit sollte praktisch Ausdruck verliehen werden. Entwicklung wurde dadurch gefördert, dass seit ca. 140 Positionen auftraten, die den christlichen Minimalkonsenus infrage stellten: Gnostizismus, Markionitismus, Montanismus. Signalisierten eine tiefe Identitätskrise, weil die Grundlagen des C. infragegestellt wurden, provozierten aber auch einen innerkirchlichen Klärungsprozess, der schließlich zur Überwindung der Krise führte. Zw. 140-200: Fixierung eines Normengefüges für Orthodoxie und Katholizität durch Bibelkanon, Glaubensregel, Kirchenstruktur (Ämter, Gottesdienst, Sakramente) Klarheit zur Abgrenzung gegen Häresien.
4.3 Die großkirchliche Institution als apostolische und katholische Kirche Dogmatisch fundierte, organisatorisch profilierte Großkirche entstand. Anfänge = 1.Jh., Konturierung = 90-140, Konsolidierung = 140-200. Prozess damit aber noch nicht abgeschlossen (Durchsetzung erst 3.Jh.). Altkatholizismus: 2 Merkmale waren für die so geformte Institution Kirche konstitutiv: Apostolizität (zeitlicher und sachliche Kontinuität als Übereinstimmung mit den Ursprüngen) und Katholizität (räumlicher und sachlicher Konsensus, Übereinstimmung der Gesamtheit der Christen). Katholizität bekam ab 170/190 einen institutionellen Ausdruck in Synoden, die kirchliche Konsens bildeten sollten.

5. Die Gnosis: Christentum als Religionsphilosophie und Mythologie
Im 2.Jh. gab es verschiedene Schulen und Gruppen innerhalb des C. oder am Rande desselben, die zusammenfassend als Gnostiker bezeichnet wurden. Das Problem war die Art ihrer Theologie: Offenbarung und Erlösung, Protest gegen die Welt und Abwertung der Schöpfung, Erwählungsbewusstsein und elitäres Geheimwissen (Mythologie). Unterscheidung von christlicher Form des „Gnostizismus“ und der Gnosis, die über das C. hinausreichte. Keine Forschungskonsens über Näherbestimmung der G.: Wirkt weiter in der KG fort (östliches Mönchtum, mittelalterliche Häresien, neuzeitliche Theosophie).
5.1 Wesen der Gnosis G. = Form der Religiosität, religiöse Bewegung, keine einheitliche Religion. Keine vorchristlicher Gnosis, sie war sowohl eine nichtchristliche, als auch eine innerchristliche Bewegung des 1./2.Jh. vorbereitet durch Prägnosis (synkretistische Frömmigkeit am Rande des Judentums).
6 Merkmale der Gnosis: a) Gegensatz zwischen böser Welt und guter Transzendenz als ontologischer Dualismus. Wird auf Gottesbegriff übertragen (Trennung von Schöpfergott/Demiurg und Erlösergott als höchstem Prinzip), b) Dualismus entspricht Spaltung der Menschheit in 2 Klassen: kleiner Teil, die ontologisch der Transzendenz zugehören (Lichtmenschen, Pneumatiker), Mehrheit, die der materiellen Welt verhaftet sind, c) Erster Teil wird erlöst, sind durch ihre Wesenseinheit mit der höchsten Gottheit der Gnosis fähig, d) Gnosis = Einsicht in die von einer Erlösergestalt vermittelten Wahrheit, e) kosmologischen Hintergrund hat die Erlösung in einem transzendentalen Verhängnis: Fall eines Teils der Gottheit, Abwärtsbewegung des pneumatischen Elements, Gefangenschaft desselben... Daraus resultiert die Weltschöpfung = Notwendigkeit der Rückführung des Pneuma zur göttlichen Transzendenz, f) Darstellung der ganzen Rede a) – e) in mythologischer Redeform. Komplizierter Mythos, Gnosis bedeutet auch die Kenntnis des Mythos und dessen Interpretation.
5.2 Religionsgeschichtliche und chronologische Einordnung synkretistisches Phänomen: jüdische, hellenistische, ägyptische, iranische, christliche Einflüsse. V.a. jüdische Tradition (Apokalyptik, Weisheitsspekulation), Hellenistischer Einfluss (Mantik, Astrologie,etc.). Anfänge, d.h. Bildung von Schulen und Verdichtung von Motiven dürfte um 90-110 liegen. Vorchristliche Gnosis lässt sich nicht beweisen. Innerhalb des C. kommt es seit 130 zur ersten großen Systembildung (Basilides, Valentin).
5.3 Der christliche Gnostizismus des 2.Jh. Erstmals traten Gnostiker um 90-110 in christlichen Gemeinden auf, erregten mit ihrer mythologischen Religionsphilosophie Verwirrung: Faszination oder Ablehnung. Syropalästina und Antiochien wohl Ursprungsgebiete (Satornil um 100-120). Auch in Kleinasien bald gnostische Gruppen. Seit 130 Zentrum = Alexandria. Basilius und Valentin gründeten dort Schulen, fanden im synkretistischen Milieu der Stadt Zulauf. Basilidianer und Valentinianer verbanden Schriftexegese und Mythologie zu Systemen einer spekulativen Theologie, konzentriert auf die Soteriologie durch Betonung von Gnade und Prädestination. Valentin seit 138 in Rom, Lehre verbreitete sich durch Ptolemäus und Herakleon in Italien, Nordafrika, Gallien tlw. noch mit Anbindung an die Großkirche. Valentianer gehörten zu den großen Theologen des 2. Jh.
Vorformen: Simon Magus (Apg 8,9-25), der jedoch kein Gnostiker sondern Wundermann war, jedoch gibt es die gnostische Simonianer als Anhänger. Mandäer (jüd. Taufsekte), die in Mesopotamien gnostische Lehren entwickelte.
Basilides = wenig über die Lehre. Von ihm kommt das erste Mal die Lehre der „creatio ex nihilo“, die sich aus der Idee der absoluten Transzendenz Gottes ergab. Die Schule der Basilidianer wirkte zwischen 130-200 in Alexandria (Reste bis ins 4.Jh.)
Valentin = Lehre schwer zu rekonstruieren: Pessimistische Anthropologie, Erlösung der Pneumatiker durch Gottes Gnade als Prädestination. Valentinianer orientieren sich an Paulus Theologie. Eigentlicher Systematiker ist aber Ptolemäus, lehrte in Rom. Entfaltung des göttlichen Pleroma in 30 Äonen durch Emanation aus der obersten Gottheit und präexistenter Fall der Sophia als Ausgangspunkt der Weltgeschichte = mythologischer Darstellung der Heilsgeschichte: Aus der Schöpfung werden die Pneumatiker durch Christi Offenbarungs- und Erlösungswerk befreit, in dem sie die Zugehörigkeit zum Pleroma erkennen und dorthin aufsteigen.
5.4 Der Manichäismus als Weltreligion Perser Mani (216-ca. 277) = Zusammenfassung des gnostischen Denkens und geniale Neuinterpretation auf dem Fundament der Traditionsvielfalt Mesopotamiens. Man kann M. als großen Religionsstifter bezeichnen. Hat Gnosis als Buch- und Offenbarungsreligion in eine konsequent dualistisches System übertragen. Deutet die Weltgeschichte nach dem Schema der 2 Prinzipien und drei Zeiten soteriologisch: Licht und Finsternis bestimmen die Geschichte als Zeit der Vermischung beider, die im Kampf der Apostel des Lichts und der durch die Gnosis erweckten Seelen (Lichtfunken) gegen dich Mächte der Finsternis der eschatologischen Entmischung zugeführt wird. Kirche des Mani verbreite sich trotz Verfolgungen im Perser- und im Römerreich, hielt sich bis zum 5./6.Jh. in beachtlicher Größenordnung. Im Abendland begann er im 11.Jh. wieder zu wirken = Katharer und andere Nonkonformisten, seitdem immer wieder in der Geistesgeschichte

6. Markions (ca. 90-160) Reform: Rekonstruktion christlicher Identität
Wirkte 140-160 in Rom. Postulierte gegen jede Form des Synkretismus, insbesondere gegen die Übernahme jüdischer Traditionen, eine eindeutig christliche Identität. Bruch mit der römischen Gemeinde 144 (Wollte von seinen Reformvorhaben nichts wissen, Disputation mit Presbytern und Lehrern) Gründung einer eigenen Kirche (nicht wie Gnostiker = Schule). Breitete sich aus (Mesopotamien, Syrien, Palästina, Gallien..) und stellte größere Gefahr für die Großkirche dar als die Gnosis. Wollte das ursprüngliche, reine Evangelium, das er als kontradiktorischen Gegensatz zum Gesetz verstand, zur Grundlage machen: Jesu Botschaft von der Güte und Liebe Gottes, orientierte sich dabei an der Lehre des Paulus (= einzig wahrer Apostel). Aufhebung des Gesetzes durch das Evangelium interpretierte er mit einer 2-Götter-Lehre = Widerspruch des erst mit Jesus geoffenbarten guten, „fremden“ Gottes (transzendentes Prinzip des Guten) gg. den gerechten Gott des AT (Weltschöpfer). Gnostische Züge, M. war aber kein Gnostiker. Zum Beispiel kennt er keine Pneumatiker, die mit gutem Gott wesenseins sind, auch ist der gerechte Gott nicht böse. Er verwarf das AT völlig. Negierte heilgeschichtliches Schema von Weissagung und Erfüllung der Großkirche. Schuf neuen Bibelkanon: Evangelium und Apostolikum (Paulusbriefe). Kein ausgeprägter Antijudaismus. Ethik der Entweltlichung, Askese...
Reaktion der Großkirche = eigener Kanon, christliche Interpretation des AT, Zusammengehörigkeit von Schöpfung und Erlösung.

7. Der Montanismus als charismatische Reaktionsbewegung
Zwei Probleme der Großkirche brachen in der vom Montanismus (seit 160) ausgelösten Krise auf: a) prophetisches Geistwirken, damit die Zuordnung von Geist und Amt, b) apokalyptische Naherwartung, Verhältnis von Eschatologie und Ethik (Buße). M. entstand in Phrygien als Neuaufbruch einer enthusiastischen Prophetie. Montanus (hielt sich für den im Joh verheißenen Parakleten) kündigte das nahe Weltende an, rief zur Buße als Vorbereitung auf = große Resonanz. Als Prophetinnen wirkten neben ihm Priskilla und Maximilia mit Orakeln und Visionen. Bewegung dehnte sich schnell im westlichen Kleinasien aus, erfasste ca. 170 auch andere Regionen. Bis 250 wuchs und bestand sie, dann verfiel sie allmählich. Kleine Gruppen hielten bis ins 4./5.Jh. Gemeinde war organisiert mit charismatischer Ämterordnung und rigoristischem Lebensstil. Unterschied sich im dogmatischen und ethischen Lehrbestand nicht von der Großkirche, deshalb konnte sie nicht als Häresie im üblichen Sinne bekämpft werden. Kirchliche Polemiker versuchten sie mit dem Argument, Propheten dürften nicht ekstatisch reden zu entlarven. Seit 170 = Synoden in Kleinasien verurteilten die Häresien der Phryger und Kataphryger. Damit wurde ein Grundsatz kath. Ekklesiologie weiter fixiert: Hlg. Geist wirkt nicht in besonderen Einzelgestalten, sondern ist der apostolischen Kirche als Institution gegeben, äußert sich durch deren Amtsträger (= Nachfolger der Apostel). 4 Aspekte verdeutlichen paradigmatische Bedeutung des M.: apk. Naherwartung, charismatische Relativierung der Institution, starke Beteiligung von Frauen, Verbindung v. ethischem Rigorismus und Kirchenzucht.

Chronologie: 1. Auftreten wohl ca. 156/7 (Epiphanius), oder 171/2 (Eusebius). Enthusiasmus, Chiliasmus, Rigorismus: „Neue Prophetie“ wurde zunächst als Häresie der „Phryger“, später erst als Montanismus bezeichnet. Eschatologische Bußbewegung. Anknüpfung an urchristliches Prophetentum. Betonung der Ekstase = vgl. Chiliasmus in Kleinasien. M. erwarteten die Herabkunft des neuen Jerusalem auf einem Berg zwischen Pepuza und Tymion in Phrygien. Lebensweise radikalisierte urchristliche Maximen durch strenge Askese Kirchenorganisation: Unterschieden sich selbst als Pneumatiker von der Großkirche, Betonung der Bedeutung der Laien, im Verlauf des 3.Jh. kam es zu einer hierarchischen Struktur mit Zentrum in Pepuza. Reinheit der Gemeinde wurde mit Kirchenzucht durchgesetzt. Großkirche reagierte seit 180 mit Antimontanistischer Literatur (Apollinaris von Hierapolis, Meliton v. Sardes..)
7.4 Großkirchliche Reaktion = Synoden Im antimontanistischen Kampf entstand zur Meinungsbildung auf regionaler Ebene die Institution der Bischofssynoden. Synode wurde seit 170/90 zu einer normensetzenden Instanz, zum Organ von geistgewirkten Entscheidungen, welche die Katholizität der Kirche ausdrückten.

8. Die Kanonisierung der „Heiligen Schrift“
Zwei historische Wurzeln der Kanonbildung: a) 1./2.Jh. = langfristige Sammlung und Verwendung urchristlicher Texte als normativer Größen neben der Schrift, b) um 180-200 der kurzfristige Abschluss dieses Rezeptionsprozesses durch prinzipielle Fixierung der normativen Evangelien und Apostelschriften (wirklicher Abschluss der Kanonisierung erst im 3/4. Jh.). Folge: kirchliche Theologie vollzog sich ab jetzt in Schriftauslegung/Anwendung.
8.1 Die „Schrift“ und die Entstehung normativer christlicher Texte. Urchristentum bezog sich auf die Schrift als Norm, nicht auf hebräische Bibel, sondern im Zuge der Ausbreitung seit 35/40 auf die LXX. Deren kanonische Bedeutung war bis Markion unumstritten. Spezifisch christliche Position legitimierte man durch verschiedene Arten des Schriftbeweises: Weissagung und Erfüllung. Daneben begegnet früh als Norm „der Herr“, d.h. mündliche Logienüberlieferung, die hermeneutischer Schlüssel für die Schrift wurde. Paulusbriefen kam auch tlw. regulative Bedeutung, z.B. als Verlesung im GD. Beginn der Kanonisierung = ab 50-60 wurden Briefe gesammelt und die Jesustradition schriftliche fixiert. Aber mündlich Überlieferung gab es weiter und Sammlung apostolischer Schriften war nicht klar abgegrenzt. Relative Offenheit des Traditionsprozesses.
8.2 Die zweiteilige christliche Bibel Die Zweiteilung normativer Glaubensurkunden war von vornherein angelegt durch das heilsgeschichtlich begründete Nebeneinander von „Schrift“ und „Herr“/„Apostel“. Rabbinische Fixierung des dreiteiligen hebräischen Kanons wurde von der Kirche nicht übernommen = LXX wurde zur Bibel der ChristInnen (Umfang war nicht genau festgelegt, 1. Fixierung durch Damasus v. Rom 382 = 47 Bücher). „Kanon“ meint in der frühen Kirche = Glaubensregel oder Rechtsvorschrift, nicht den Bestand der biblischen Texte (= „Schrift“). Kanonisierung nahm im 2.Jh. als innerkirchliche Entwicklung Gestalt an (v.a. Markions Kanonbildung und Montanismus verlangten Klärung). Seit ca. 150 allmählich sich vollziehende Lehrentscheidung der Großkirche, Abschluss ca. 180-200. Fixierung einer normativ christlichen Schrift, neben der bisherigen Schrift. Tertullian und Irenäus (theologische Begründung der Kanonsidee, Apostolische Verkündigung und Überlieferung als Norm. Schrift = Apg, 13 Paulusbriefe, 1.Petr., 1./2.Joh, Zentrum =4gestaltiges Evangelium; Apostolizität war für I. ein Sachkriterium für die ursprüngliche Lehre der Kirche). Prinzip der bewussten Normierung seit 180/200. „Canon muratori“ (1740 entdeckt, ältestes erhaltenes Kanonverzeichnis aus Rom, entstand wohl um 200 in Privatarbeit zur Verlesung im GD, bis auf Hebr., Jak, 1./2.Petr. und 3.Joh = alle Schriften des NT)., d.h. bis 200 wurde die Kanonsidee in der Großkirche verwirklicht. Keine festen Kriterien für die Auswahl a) Herkunft aus urchristlicher Zeit, b) sachliche Übereinstimmung mit der apostolischen Lehre waren wichtig. Fixierung des Kanonumfangs Umfang des NT schwankte noch lange (Erst 360-410 setzte sich Zahl 27 durch). Origenes bemühte sich um Klärung mit Kategorisierung: allgemein anerkannte – umstrittene – als unecht verworfene Schriften. Ähnlich Euseb v. C. (um 320): faktische Kanonisierung von 21 bzw. 26 Büchern. Apk wurde im Osten weitgehend abgelehnt. Athanasius (367): erstmals 27 Bücher (auch Begriff „Kanon“) = wurde seit 692 in der Ostkirche normativ. Im Westen war nicht Apk, aber Hebr und kath. Briefe umstritten. Römische Synode von 382 unter Damasus fixierte 27 Bücher, neben 47 AT. Dogmatisiert wurde der Kanonsumfang vom Konzil in Trient der röm.-kath. Kirche 1546. Protest. Kirchen haben für AT den kürzeren hebräischen Kanon rezipiert.

9. Bekenntnis und Glaubensregel
Mündliche und schriftliche Überlieferungen der apostolischen Verkündigung entwickelten sich im 1./2.Jh. miteinander. a) Bekenntnisartige Formeln entstanden sehr früh. Erst im 4.Jh. ist belegt, dass die Gemeinden wörtlich fixierte Taufbekenntnisse verschiedenen Typs besaßen dogmatische Bedeutung der Bekenntnisaussagen. Auch das Apostolikum, dass sich im Westen seit dem Mittelalter als Taufbekenntnis durchsetzt, ist in diesem Zusammenhang entstanden. b) Alte Kirche kannte als Norm nie die Bibel allein, immer im Zusammenhang mit apostolischer Überlieferung. Das manifestierte sich seit ca. 180 in der ausdrücklichen Berufung auf die kirchliche Glaubens- bzw. Wahrheitsnorm (regula fidei bzw. veritatis). Verhältnis von Tradition und Schrift war somit ein Grundproblem der folgenden Theologiegeschichte.
9.1 Die Entwicklung des Bekenntnisses Es ist problematisch schon für das 2.Jh. fixierte Bekenntnistexte anzunehmen, oder Formeln in ntl. Texten als Bekenntnisse anzusehen. „Bekenntnis“ im strikten Sinne bezog sich im 1.Jh. nur auf Jesus (Jesus ist der Christus/der Sohn Gottes). Ein deklaratorisches Taufbekenntnis existiert im 2./3. Jh. noch nicht. Es gab drei inhaltlich ausgeführte Tauffragen (über Gott, Christus, Geist in der Traditio Apostolica um 220) als Urform des Credo. Daraus entwickelten sich im 3./4. Jh. lokale Bekenntnisse, im Westen einheitliche Form („Romanum“, altrömisches Bekenntnis, Mitte des 3.Jhs., da Griechisch und ähnlich zur Traditio Apostolica? Wurde zur Grundlage der Taufbekenntnisse in den meisten westlichen Kirchen) im Osten stärker differenziert.
„Symbolum Apostolicum“ Im Westen begegnet der Begriff „symbolum“ für die Bezeichnung der wohl triadischen Taufformel seit dem 3. Jh. Theorie, dass Urform von Aposteln verfasst wurde. Apostolikum unterscheidet sich vom Romanum in manchen Veränderungen und Einschüben (Bsp. „Schöpfer des Himmels und der Erde“, „hinabgestiegen in die Hölle“, „katholische Kirche“, „Gemeinschaft der Hlg.“).
9.2 Die Glaubens- bzw. Wahrheitsregel „regula fidei“ taucht ca. 180 auf (ältester Zeuge = Irenäus). War weder schriftliches Lehrbekenntnis noch ein Gefüge von Lehrsätzen, sondern eine individuelle, freie Formulierung als Zusammenfassung der apostolischen Verkündigung, also der mündlichen Tradition. Drückte einen Konsensus aus, wie er gegen häretische Lehren als selbstverständliche Wahrheit vorausgesetzt werden konnte. Origenes hat seine systematische Konstruktion des christlichen Lehrgefüges bewusst als Interpretation der Regel bzw. der apostolischen Verkündigung konzipiert.
In jüd.-hell. Tradition bezeichnet der Begriff „regula“/“kanon“ einen normativen Maßstab des Denkens und Handelns.
Form und Inhalt: in keiner Überlieferung (Origenes, Irenäus, Tertullian, Clemens) begegnet die gleiche Fassung. Textform und Inhalt waren wohl variabel. Keine triadische Struktur: Irenäus bezieht sich auf Gottes- und Schöpfungslehre vs. die Gnosis, kann das aber auch durch Hinweise auf Christi Person und Heilswerk erweitern. Tertullian = 2teiliges Schema. Trinitarische Ergänzung war möglich.
Regula meint also die normativen Elemente des Glaubensbewusstseins im Sinne eines großkirchlichen common sense. Sitz im Leben ist die Theologie (antihäretisch). Schuf gewisse Einheit, aber keine dogmatisch Einheitlichkeit.

10. Theologie als kirchliche Funktion
Seit 180/200 blühte theologische Produktivität auf, jedoch mit neuem Profil Normengebundenheit. War dezidiert Schriftauslegung und bezog sich dabei auf die kirchliche Lehre (gg. Häresien). Wissenschaftliche Theologie wanderte von „freien Schulen“ in die Gemeinden. Neben großen Lehrern wie Tertullian, Clemens, Origenes traten nun in stärkerem Maße Presbyter und Bischöfe durch theologische Arbeiten hervor (Irenäus, Hippolyt, Cyprian, Novatian und Dionysius v. Alexandrien). Damit entwickelte sich die Verbindung von Theologie und Kirche, aber gleichzeitig auch ein institutioneller Dauerkonflikt zwischen schlichtem Glauben der Gemeindefrömmigkeit und wissenschaftlicher Theologie.
10.1 Irenäus v. Lyon (ca. 130/140-ca. 200) Heimat Kleinasien, Presbyter in Lyon, übernahm nach der Verfolgung v. 177 das Bischofsamt. Zw. 180 und 190, umfangreiches Werk: „Entlarvung und Widerlegung der fälschlich so genannten Gnosis.“ Wollte gegen Gnostiker und Markioniten die Inhalte der regula (Summe der apostolischen Lehre) verteidigen und exegetisch begründen. Sah Gottes Geschichte mit der Menschheit als Bewegung vom Unheil zum Heil (Schema Weissagung-Erfüllung). Kirche als Ort der Wahrheit und des Heils breitet bis zur universalen Weltveränderung die Christusverkündigung durch Mission aus; insofern ist sie Vorhut des Reiches Christi.
10.2 Tertullian von Karthago (ca. 160-220/5) Mit ihm beginnt die lateinisch-christliche Literatur. Dogmatische Klarheit in der Widerlegung der Häresien und ethischer Rigorismus im Kampf gegen Anpassung an die römische Gesellschaft. Christentum = Gegensatz zur Welt. Schloss sich 207 dem Montanismus an. Das hatte zur Folge, dass viele seiner Schriften nicht erhalten sind (= Häresie). Praxisbezug und kirchliche Positivität bestimmt seine Lehre. Apologet. Kritik an Ethos und Religion des Heidentums. Ethisch Traktate für Gemeinde. Dogmatische Traktate basieren auf der regula fidei. Formulierung des katholischen Traditionsverständnisses: Was bei vielen Gemeinden einheitliche gelehrt wird, kann kein Irrtum sein, sondern apostolische Verkündigung.

10.3 Hippolyt v. Rom (ca. 170-235) evtl. geb. in Kleinasien, Schüler des Irenäus, seit 195 Presbyter in Rom. Hauptwerke dienten der Ketzerbekämpfung und der Exegese. Im Konflikt mir Bischof Kallist um Fragen der Kirchenzucht und der Lehre hat seine Anhängerschaft nach 220 eine eigene Gemeinde gebildet, deren Bischof er wurde. Schisma endete mit seinem Martyrium 235. Traditio Apostolica wird oft auf ihn zurückgeführt (unsicher).
10.4 Clemens von Alexandrien (ca. 140-ca. 215) Wahrscheinlich aus Athen. Leiter einer privaten Schule in Alexandria. Großer Beitrag zur kritisch-theologischen Wissenschaft und christlicher Literatur. Er verließ Alexandria aufgrund von Verfolgungen und ging nach Kappadokien. Will griechische Philosophie und biblische Erkenntnis zusammenbringen und wendet sich dezidiert an Heiden. Entwickelt eine Ethik, wonach der Logos die Menschen in einem geistig-sittlichen Prozess erzieht. Der vollkommende Christ ist der vollkommende Gnostiker und lebt bereits in Gemeinschaft mit Gott. Wirkte auf das spätere Mönchtum.
10.5 Origenes (184/5-254) Entfaltung einer systematischen Theologie als Dogmatik und Exegese. Schon zu Lebzeiten berühmt und umstritten. 543/553 ist er kirchenamtlich verurteilt worden. Vernichtung eines großen Teils der Schriften.
Lehre: Interpretation der biblisch-kirchlichen Überlieferung als System theologischer Weltdeutung. Hauptwerk: Über die Prinzipien (de principiis). Zusammenfassung seiner Lehrvorträge mit verschiedenen Durchgängen durch die Themen der apostolischen Glaubensregel (217-222). Versucht mit Hilfe der allegorischen Auslegungsmethode ein konsistentes Lehrgefüge der christlichen Wahrheit zu den Themen Gott, Christus, Geist, Welt und Geschöpfe, Seele und Willensfreiheit, Auferstehung und Weltende zu erstellen, verbunden mit einer die Einheit von AT und NT erfassenden Hermeneutik. Wollte damit wissenschaftlichen Anspruch der Gnostiker übertreffen, philosophische Einwände widerlegen.
Wollte Interpret der Hlg. Schrift sein. Behandelte sie in einer expliziten Hermeneutik. Von platonischer Ontologie her (Idee-Abbild) baut er eine allegorische Methodik aus. Worte der Bibel drücke Wahrheit nicht direkt aus, enthalten sie aber stets. O. hat als erster den Grundsatz der Verbalinspiration der Bibel systematisch vertreten. Theorie vom mehrfachen Schriftsinn: Hinter dem somatischen, d.h. dem wörtlich-historischen Sinn und dem psychischen, d.h. dem moralischen, muss der pneumatische, d.h. der allegorische oder anagogische, als die eigentliche Aussage über das Geheimnis des Glaubens erforscht werden. Allegorese orientiert sich inhaltlich an der kirchlichen Verkündigung. Nicht jede Schriftstelle enthält alle Dimensionen. Enorme Wirkungsgeschichte.

11. Die Entstehung einer kirchlichen Ämterordnung
Charakteristisch für Ämter: a) dauerhafte Übertragung durch – in liturgischer Form geregelte – Einsetzung für die Erledigung bestimmter Aufgaben, b) rechtliche und theologische Begründung für sein besonderes Wesen im Gegenüber zur Gemeinde. Seit 90/100 relativ feste Struktur, seit 150-80 in der ganzen Kirche vorhanden. Dreistufiger Ämteraufbau: Bischof, Presbyter, Diakone.
11.1 Urchristentum: Dienste und Funktionen
Frühzeit = keine Ämter, nur Vielfalt von Funktionen zur Verkündigung, Lehre, Gemeindeleitung und -betreuung. Unterscheidung von 3 Grundmodellen: Presbyterverfassung (in Jerusalem, Kleinasien, Rom), Betreuung durch Wanderprediger (Palästina und Syrien), funktionale Gemeindeleitung (paulinische Gemeinden).
hebräische Jerusalemer Gemeinde: zunächst Leitung bei den „12“ und Apostel, seit ca. 50 Älteste mit Herrenbruder Jakobus an der Spitze; Hellenisten = erst „7“ um Stephanus vermutlich auch Älteste. Presbyterverfassung war am Vorbild der jüdischen Synagogen orientiert.
Syrien, Palästina-Gemeinden wurden durch charismatische Wanderprediger betreut. Wurde als Apostel/Propheten bezeichnet.
Paulinische Gemeinden: Zuerst verschiedene Aufgaben gebunden an die Charismen, ohne feste Kompetenz und persönliche Zuordnung. Seit ca. 60 = Bezeichnungen wie „Aufseher“/„Inspektor“ (episkopos), „Diener“/„Gehilfe“ (diakonos). Seit 80 „Episkopen“ = Leitungsgremium.
11.2 Presbyterverfassung und Entstehung des Monepiskopats Quellenlage im Einzelnen schlecht. Wichtig wurden in Teilen der Kirche die Verbindung der judenchristlichen Presbyterverfassung mit dem Modell der paulinischen Gemeinden: kollektive Leitung war zw. 80 und ca. 150 wohl das meist vorhandene Verfassungsprinzip (1.Clem, Past, Ignatius). Episkopenamt gewann neues Profil. Genannte Quellen bezeugen auch Sachverhalte, die später konstitutiv wurden: apostolische Sukzession, Praxis der Ordination, Forderung nach Monepiskopat. Seit 100 formten zunehmend programmatische Konzeptionen die Verfassungswirklichkeit.
Theorie der Apostolischen Sukzession bezeugt erstmals 1.Clem (Schreiben der röm Gemeinde an die in Korinth, wichtige Quelle für die Ämterlehre). Clem: Fiktion, dass die von Christus ausgesandten Apostel ihre Schüler als Leiter der Gemeinden eingesetzt haben, geben Sukzession an ihrer Nachfolger weiter. Großkirchliche Tendenz der sakralrechtlichen Hervorhebung des Amtes im Gegenüber zu den Laien/Gemeinde. Anfangs aber noch kein Monepiskopat. Erst Irenäus (um 180) sah die apostolische Sukzession der Ortsbischöfe als wichtigstes Element der Kontinuität an, setzte sich im 3.Jh. allgemein durch. Bischofslisten in großen Gemeinden.
seit 90/100 in Kleinasien: Praxis der Ordination. Legitimation durch Handauflegung. Hat auch mit Sukzession zutun.
Past = Tendenzen dazu, dass einer aus dem Kreis der Presbyter besondere Würde erhält = Monepiskopat. Ignatius v. Antiochia = Erstmals Theologie des geistliche Amtes: Kirche = Mysterium der Gegenwart göttlicher Geisteskraft, Bischof = wahrer Pneumatiker, er entspricht Gott. Ämtertrias Bischof-Presbyter-Diakone = irdisches Abbild der himmlischen Hierarchie Gott-Christus-Apostel.
11.3 Die Norm der Apostolizität Nur die Großkirche steht in apostolischer Tradition, Garant dafür ist das Bischofsamt, primär kirchliches Lehramt, aber bald auch zentrale Leitungsinstanz. Irenäus und Tertullian: Sukzession der Bischöfe garantiert die Wahrheit der kirchlichen Lehre. Erst Lehr-, dann Amtskontinuität als entscheidender Inhalt der Sukzession. Als apostolische wurde Kirche zur Bischofskirche. Ordination = sakrale Würde a) apostolische Sukzession, b) apostolische Vollmacht zur Sündenvergebung und zur Weihe, c) Befähigung zur Gemeindeleitung und zum Vollzug der Eucharistie. Cyprian (250/5) = Bischöfe sind Fundament der Kirche und repräsentieren deren Einheit. Bischof wurde von der ganzen Gemeinde gewählt, geweiht von den Bischöfen der Nachbargemeinden. Im 4./5. Jh. trat die Beteiligung der Laien zurück.
11.4 Kleriker als „Priester“ Seit 3.Jh. = Übertragung des Priesterbegriffes. Religionsgeschichtlich bemerkenswerte Annäherung an die spätantike Umwelt, die in der kultischen Konzentration des Gemeindelebens begründet war (Eucharistie als „Opfer“, Buße als „Versöhnung“ mit Gott). Bei Tertullian und Hippolyt erstmals Bezeichnung der Bischöfe und Presbyter als Priester. Bei Origenes schon normal. Theologische Vorbereitung = typologische Beziehung des Christentums auf das AT: Was dort unter P. bezeichnet wird, muss Entsprechung in der Kirche finden. Konkurrierende Überlegenheit mit anderen Religionen. Mit Priestertitel konnte man auch den Presbyter als sakralen Amtsträger legitimieren.
11.5 Bischöfliche Gemeindeleitung: „Monarchischer“ Episkopat Bischöfliche Macht zeigte sich in der zunehmenden Zentralisierung der Aufgaben und im Ausbau der kirchlichen Verwaltung. Alle wichtigen Elemente des Gemeindelebens unterstanden seit dem 3.Jh. dem Bischof (Eucharistie, Taufe, Buße, Rechtsprechung, Armenfürsorge). Monarchischer Episkopat trifft erst für 3./4. Jh. zu, für 2.Jh. eher „Monepiskopat“. Seit 3.Jh. Bischof = Hauptberuf, besoldet von Gemeinde. Mit Entwicklung der Synoden lag auch das Kirchenrecht in bischöflicher Hand, weiterer Machtzuwachs.
11.6 Differenzierung der Ämter im Klerus Beginn des 3.Jh.: Gegensatz zwischen Laien und Klerus war voll ausgebildet. Innerhalb des Klerus spezialisierten sich die Aufgaben von Presbytern und Diakonen, seit 2./3.Jh. noch Lektoren und Subdiakone. Presbyter = Predigt und Katechumenunterweisung, tlw. in größeren Städten auch Eucharistie, Beraterkollegium für Bischof. Diakone = Gemeindeleben, Armenfürsorge, Kranke, Alte (z.B. Rom um 250 = 46 Pres. und 7 Diakone, sowie Helfer).
11.6 Amt der Frau: Witwe/Diakonisse und Jungfrau Beginn des 2.Jh: Frauen tlw. Prophetinnen, wurden nach Konflikt mit den Montanisten verdrängt. Einziges Gemeindeamt (aber außerhalb des Klerus) seit 1.Jh. erkennbar: „Witwe“, seit 4.Jh. = Diakonisse. Versahen mit besonderer Segnung des Bischofs den Dienst an Frauen beim Taufbad, Krankheitsfällen etc. Seit 3.Jh.: „Jungfrauen“ = Asketinnen, die tlw. auch Funktionen in der Gemeinde wahrnahmen. Durch asketische Bewegung des 4.Jh. wurde religiöse Stellung der Frau aufgewertet.

12. Die Taufe als umfassende Initiation
Taufe = grundlegende Zueignung des Heils durch die Bindung an J.C. Prinzip der Einmaligkeit, der Nichtwiederholbarkeit der Taufe. Frühkirchliche Grundlagen der Taufe blieben in der KG im wesentlichen bestehen.
12.1 Taufe als Beginn eines neuen Lebens Urchristentum: Wassertaufe zur Reinigung, d.h. zur Vergebung der Sünden und als Zeichen der Bekehrung, Initiationsritus der Eingliederung in das endzeitliche Gottesvolk. Darüber hinausgehende theologische Konzeptionen waren unterschiedlich, aber durchweg christologischer Bezug. Unklar, ob Taufritus überall gleich war. Mindestens bestand er aus einem symbolisierenden Tauchbad und einer Taufformel (Nur Jesus Christus, oder triadisch ist umstritten). Charakter als Onomataufe bezeichnet den Herrschaftswechsel. Getauften lösen sich von der Welt und deren Herren und unterstellen sich der Herrschaft Gottes in Christus. Taufe = analog der Beschneidung als Siegel, Markierung der Zugehörigkeit zu Christus, Versiegelung der Geretteten fürs Endgericht. Seit 2.Jh.: Martyrium als „Bluttaufe“.

12.2 Taufliturgie aus Quellen des 2./3.Jh. (Justin, Hippolyt, Tertullian), nur zu Ostern stattfindende Taufe hatte vier Teile: a) Vorbereitungsakt mit Gebet über dem Taufwasser, b) eigentlicher Taufakt, 3fache Immersion (Eintauchen) im Baptisterium durch Presbyter mit 3 Credo-Tauffragen als Bekenntnisakt, 3maliges Untertauchen, Salbung und Bekleidung mit weißem Gewand als Zeichen der Neuwerdung, c) Akt der Geistverleihung, Handauflegen des Bischofs, d) Taufeucharistie in der Kirche. Taufe also 2 Bestandteile: Immanation und Handauflegung.
12.3 Grundmuster der Tauftheologie Religiöse Bedeutung der Taufe wurde stark betont, aber theologische Interpretation war nicht intensiv. Taufe als Siegel, als Reinigung (Sündentilgung), Wiedergeburt, Erleuchtung, Gotteskindschaft, Geistbegabung, Beziehung auf Tod und Auferstehung J.C. als symbolisches Sterben und Neuwerden. Seit Augustin wurde die Erlösung durch Christus betont.
12.4 Bekehrung und Katechumenat Seit Beginn des 3.Jh. taufte die Kirche Heiden erst nach längerer Vorbereitungszeit (tlw. drei Jahre) und Prüfung, zu groß war die Veränderung im Lebenswandel. Katechumenen wurden überprüft, hinsichtlich ihres Lebenswandels. Lehrer informierten sie über christliche Dogmatik und Moral und führten Exorzismen durch. 4.Jh. = großer Ansturm, Veränderung des Katechumenats. Katechumenen blieben lange in dem Stand tlw. Taufaufschub bis kurz vor dem Tod.
12.5 Kindertaufe seit dem 3./4. Jh. Umstritten, ob die frühe Kirche auch unmündige Angehörige christlicher Familien taufte. Seit Beginn des 3.Jh. (Tertullian, Hippolyt) ist eine gelegentliche Übung bezeugt. Erwachsenentaufe überwog bis in 4.Jh hinein als Regel. Bei Cyprian kündigte sich theologische Begründung an: Taufe = Ausdruck der Gnade Gottes, niemand dürfe fern gehalten werden. Sündenvergebung gilt auch für Säuglinge. Augustin: Erbsündenlehre förderte Argumentation. Seit 5./6. Jh. wurde Säuglingstaufe zur Regel.
12.6 Der Ketzeraufstreit 255/6 Konflikt zwischen beiden westlichen Zentren Rom und Karthago ob nur die in der Großkirche, oder auch die in häretischen Gemeinschaften gespendete Taufe gültig wäre. Führte fast zum Schisma zwischen beiden Metropolen. Seit 5.Jh. galt im Abendland, dass jede Taufe, die stiftungsgemäß praktiziert würde, durch ihren Vollzug wirksam sei (§ 5; 8.3.1). Blieb i.w. westliche Tradition bis zur Gegenwart. Cyprian (Karthago) 255: Häretiker sollen getauft werden, weil nur die Großkirche Vollmacht zur Sündenvergebung hat, nur in ihr ist der Hlg. Geist präsent. Wer sich von ihr trennt, ist auch von Christus getrennt. Ketzertaufe ist unwirksam, weil es außerhalb der Kirche kein Heil gibt. Stephan v. Rom 256: Attackierte die nordafrikanische Position als unzulässige Neuerung. Cyprian wurde aber von 2 Synoden als katholisch erklärt. Exkommunikationsdrohung Stephans = fast Schisma. Verfolgung kam dazwischen (257).
12.7 Abtrennung der Firmung im Mittelalter Gründe waren Größe der Taufzahl und Änderung der geographisch bedingten Kirchenstruktur: z.B. in germanischen Reichen gab es nur wenige Städte und damit Bischöfe. Wassertaufe wurde von Presbytern durchgeführt. Handauflegen konnte aber nur der Bischof machen. Menschen mussten manchmal mehrerer Jahre warten bis der Bischof kam. In der Scholastik galt die Firmung dann als eigenes Sakrament (1439 und 1547) dogmatisiert.

13. Institutionalisierung der Buße
Taufe setzte Existenzwandel (eine Buße) voraus. Sündenvergebung galt als eschatologisch-einmalig im Blick auf das nahe Gericht. Problem: Was passiert wenn Getaufte sündigen? Unvereinbar mit Heiligkeit und Reinheit der Kirche. 2.Jh.: Diskussion über die Möglichkeit einer Wiederholung der Buße. 3.Jh.: Institutionalisierung der „2. Buße“. Begründet wurde sie theologisch mit Gottes Güte und ekklesiologisch mit der apostolischen Vollmacht zur Sündenvergebung (schlüsselgewalt). Mit ihr konnte der Bestand der Großkirche gewahrt bleiben. Institution Kirche verfügt nun über eine geregelte Möglichkeit der Sündenvergebung, das Sakrament der Buße (röm.-kath.) bzw. Amt der Schlüssel (ev.).
13.1 1./2. Jh. Keine institutionalisierte Buße im Sinne einer kirchlichen Ordnung. Es gab die Möglichkeit des Ausschlusses und der Gemeindezucht. Nebeneinander von Ablehnung (Hebr.) und Bejahung (1.Clem; Didache) der wiederholten Buße.
13.2 Öffentliche Gemeindebuße im 3./4.Jh. Dem Grundsatz der Heiligkeit der Kirche entsprach die öffentlich vor der Gemeinde abzuleistende Exkommunikationsbuße (vgl. Tertullian) = Temporärer Ausschluss reuiger Sünder von der Eucharistie und dann Wiederaufnahme (Rekonziliation anfangs durch Gemeinde später Bischof). Praxis evtl. schon vor 200. Setzte sich im 3.Jh. durch und hielt bis 4./5. Jh. „Zweite Buße“ wurde nur einmal im Leben gewährt. Im Osten gab es mehrere Bußstufen. Je nach schwere der Sünde wurde die Dauer der Buße festgesetzt.
13.3 Buße für „Todsünden“ Bis Beginn des 3.Jh.: Für unvergebbare Sünden (Tertullian nach 1.Joh 5,16f. = Todsünden) gab es keine Buße, sondern nur Gericht. Einige Bischöfe dürften Ausnahmen gemacht haben (Tertullian beklagt als Montanist die laxe Bußpraxis der Kirche).
13.4 Der Streit um die Buße für Apostaten 250/1 Konflikt um die Wiederaufnahme der in der decischen Verfolgung „Gefallenen“ („Lapsi“). Nach bisheriger Praxis = Ausschluss. Rom plädierte für Wiederaufnahme zumal Todkranker. Karthago Konfessoren dekretierten kraft ihres in der Verfolgung bewiesenen Geistbesitzes einen Generalpardon für reuige Apostaten mit sofortiger Wideraufnahme. Gruppe von Rigoristen lehnte jegliche Bußmöglichkeit ab. Cyprian = Mittelposition, Grundsätzliche Möglichkeit zur Buße ja (Gottes Gnade), aber Urteil nach der Schwere des Abfalls (so auch afrikanische Generalsynode 251). Zwei Aspekte wichtig für KG: a) Buße galt seitdem auch für schwere Sünden, göttliche Vergebung wurde nur durch kirchliches Amt vermittelt. b) Gegen Anspruch der Charismatiker (Konfessoren), im heiligen Geist vollmächtig Rechtsfragen entscheiden zu können, setzte sich das Prinzip der Bindung des Geistes an das apostolische Amt durch.
13.5 Verfall der Gemeindebuße 4.Jh. = öffentliche Buße geriet wg. zu großer Demütigung in die Krise. Im Osten entwickelte sie sich zu privatem seelsorgerlichen Gespräch, im Westen wurde öffentliche Buße auf Wochen vor Ostern beschränkt.

14. Theologische Deutung der Eucharistie
Überall wurde von Anfang an das Abendmahl gefeiert. Eschatologischer Ausblick auf himmlische Herrlichkeit und soteriologische Deutung des Todes Jesu. Feier ließ Gemeinde an Tod und Auferstehung Jesu partizipieren. In der Mahl- und Eucharistiefeier wurde die Gegenwart des durch Jesus vermittelten Heils erfahren. Das bestimmte das Leben über die Feier hinaus. Theologische Interpretation: soteriologischer Aspekt im Zusammenhang mit der Christologie. Abendmahl wurde allerdings erst im 9. bzw. 11.Jh. Gegenstand theologischer Kontroversen und Lehrbildung. Drei zusammengehörige Aspekte: reale Gegenwart Christi, Wandlungsvorstellung, Opferverständnis. (Eucharistie (Dankerweis) ab 2.Jh. als terminus technicus.
14.1 Das eucharistische Mysterium Zwei Aspekte der rel. Bedeutung des Abendmahls: a) Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein, b) existentielle Auswirkung der Speise auf die teilhabenden Gläubigen. Dieses konstituierte den Akt als Geheimnis im speziellen Sinn (musthrion seit Origenes, Athanasius, Euseb v. C., sacramentum seit Tertullian und Cyprian wie auch Taufe). Über „sakramentalen“ Charakter wurde erst im 4.Jh. näher reflektiert, doch stand er von vornherein fest. Abendmahlswirkung: pneumatische Umgestaltung, Heiligung, Teilhabe am ewigen Leben. Geheimnisvolle Gegenwart Christi dynamische Realpräsenz. Didache: Speise und Trank sind pneumatisch; Ignatius: Unsterblichkeitsmedizin. Viele Theologen sahen in der E. die Verheißung des ewigen Lebens verbürgt (Origenes = Heiligung). Sündervergebung im 2./3.Jh. nicht (Taufe).
14.2 Die Wandlungsvorstellung Seit 4./5.Jh. setzte sich v.a. im Osten die unreflektierte Annahme einer geheimnisvollen Verwandlung der eucharistischen Elemente in Leib und Blut Christi durch (Gregor v. Nyssa, Johannes Crysostomos). Im Westen wurde sie erstmals von Ambrosius formuliert (später aber nur wenig vertreten bis zur Scholastik).
14.3 Die Eucharistie als Opfer der Kirche Seit 3.Jh. wurde das eucharistische Geschehen häufig als Opfer qualifiziert. Gründe: Verständnis des Todes Jesu als Opfer, Darbringung von Gaben (v.a. Brot und Wein) im GD, religiöse Konkurrenz gegenüber dem heidnischen Kult. 2./3.Jh.: Bezeichnung des Abendmahls- oder Gabentisches als Altar. Auffassung, dass Christi einmaliges Opfer in der Eucharistiefeier als Opfer gegenwärtig wäre. Unter Gregor I (6.Jh.) dann ein eigenes Versöhnungsopfer.

15. Gottesdienst, Kirchengebäude, Feste
Zwei grundlegende Strukturen seit dem 3.Jh. (Vorgeschichte im 1./2.Jh.): a) Aufbau des Sonntagsgottesdienstes mit einzelnen Elementen (bes. Zweiteilung in Wortverkündigung und Eucharistiefeier, b) Errichtung von Kirchengebäuden speziell für den GD.
15.1 Der Sonntagsgottesdienst Große Verschiedenheit in GD-Formen, aber wohl immer Verbindung von Wortgottesdienst und Eucharistiefeier. Liturgische Formen differierten sehr. Seit 4.Jh. = Kirchliche Hauptregionen bildeten spezifische Liturgietypen aus (Syrien/Antiochia, Jerusalem, Ägypten/Alexandria..). Seit 6.Jh: Begriff „Messe“ im Westen. Teile des Wort-GD: AT-Lesungen, Psalmen, Epistellesung, Evangelium, Predigt; Eucharistieteil (ohne Katechumenen und Büßer: Fürbitten, Hereintragen der Opfergaben (Brot und Wein), Präfation, Anamnese (Gedächtnis an Passion und Abendmahlseinsetzung), Anaphora (Darbringung), Epiklese (Anrufung), dann Kommunion (Austeilung). Spende für die Armen (Verzahnung zur Praxis).
15.2 Hauskirchen und Neubauten Größere Gemeinden benötigten größere Versammlungsräume. Im 3.Jh. wohl noch umgebaute „Hauskirchen“ (Privatgebäude), nach relativer Ruhe ab 260 dann auch Neubauten. V.a. nach 324.
15.3 Der christliche Festkalender Festzyklus seit dem 3./4.Jh. in Ansätzen entwickelt, ausgeprägt seit dem 5./6.Jh. Bedeutendes Element im kirchlichen Leben entstand. Zunächst war Ostern das einzige Fest. In Kleinasien feierte viele das Fest als christliches Passa am 14. Nisan (daher bezeichnete man sie als Quartadezimaner). In Rom kam die Feier am folgenden Sonntag auf. Streit um den Ostertermin ca. 195: Viktor v. Rom wollte westlichen Ostertermin (dominikale) gg. die quartadezimanische Praxis in der ganzen Kirche durchsetzen. Auf der Synode von Nizäa wurden Q. verurteilt. Unterschiedlicher Ostertermin blieb aber bestehen. Folgezeit Ausgestaltung v. Ostern mit „Pentekoste“ = 7 Wochen Freudenzeit nach O. mit Pfingsten als Abschluss und Fastenzeit vor Osterm. Seit Mitte 2.Jh. = lokale Märtyrerfeste. Spätes 3.Jh. = Pfingsten als Abschluss der Osterzeit. Wohl auf dem Hintergrund reichskirchlicher Volksmission entstand seit ca. 350 in Rom, danach auch im Osten das Weihnachtsfest am 25. Dezember (Datum = religionspolitischer Bezug auf das Geburtsfest des Sonnengottes, aber auch Bestreben, dass in der Volksfrömmigkeit wg. seiner Lustbarkeiten und Geschenken beliebte Saturnalien fest vom 17.-23. Dez. abzulösen). Setzte sich seit dem 5. Jh. durch. Epiphaniasfest 4.Jh. v.a. im Osten = Fest der Geburt und Taufe Jesu, Ankunft der Magier... Wo sich Weihnachten durchsetzte, wurde das Fest zur Taufe Jesu.


16. Schismatische Gemeinschaften: Reinheit und Heiligkeit der Kirche
Gegenüber von Großkirche und opponierenden Sondergemeinschaften. Im 3./4.Jh. drei exemplarische Konflikte: a) Aus der Opposition gegen die Buße für Apostaten (Abgefallene) entstand seit 251 das Schisma der Novatianer (rigoristische Kirche der „Reinen“), b) Zusammenhang der diokletianischen Verfolgung seit 306 in Ägypten das Schisma der Melitianer, c) Seit 312 in Nordafrika Märtyrerkirche der Donatisten
Zu a) Problem der Reinheit und Heiligkeit der Kirche. Gelehrter Presbyter Novatian opponierte gg. die röm. Praxis (Bischof Cornelius) Apostaten wieder aufzunehmen. Eigene Gemeinde bildete sich mit N. als Bischof 251 und auch in Karthago eigene Kirche. Größte Verbreitung in Kleinasien und Syrien bis ins 4./5. Jh. Im Westen gingen sie mit Donatisten zusammen.
Zu b) Diokletianische Verfolung: Petrus v. Alexandrien floh. Melitius v. Lykopolis beanspruchte 305 dessen Visitationpflichten etc. 306 Petrus regelte Buße für Apostaten. Unter Konfessoren bildete sich eine rigoristische Opposition im Sinne einer Märtyrerkirche, der sich auch Melitius anschloss Schisma: erbitterte Auseinandersetzungen. M. fanden viele Anhänger. Gegen Athanasius führten sie aus kirchenpolitischen Gründen schweren Kampf. Ideal einer reinen Kirche verband sich tlw. mit Mönchtum.
Zu c) In den Nordafrikanischen Provinzen (v.a. Numidien und Mauretanien) hielt sich der ethische Rigorismus intensiv. 305 = Konflikt um Traditoren, d.h. Kleriker, die Staatsorganen heilige Bücher ausgeliefert hatten. Viele hielten sie nun für amtsunwürdig. 312 = Streit, weil gegen große Widerstände Cäcilian in Karthago zum Bischof geweiht wurde. Opponenten unter Führung des numidischen Bischof Donatus (gest. 355), ca. 70 Bischöfe erklärten Weihe für ungültig, weil Traditor beteiligt gewesen sein soll (So auch Problem, ob Sakramente von sündigen Klerikern gültig sind). In Karthago wurde ein Gegenbischof eingesetzt. Spaltung erfasste die ganze Region. Durch Widerstand gegen die staatliche Unterdrückung wuchs der Donatismus zur Protestbewegung an (336 mit 270 Bistümern). Außerhalb Afrikas kaum Verbreitung.e