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Mit dem Logos nahm das Mysterium seinen Anfang



Mit dem Logos nahm das Mysterium seinen Anfang

Die heidnisch, jüdisch und gnostischen Logosvorstellungen eines kosmischen ewigen Seins wurden nach Jesu Tod von christlichen Theologen/Philosophen aufgenommen und auf den präexistenten ewigen Sohn Gottes umgedeutet, welcher als der göttliche Erlöser in Jesus inkarnierte. Erst durch diese Personifizierung und Hypostasierung – Vereinigung göttlicher und menschlicher Natur in der Person Jesu, wurde die weitere Entwicklungsgeschichte der Kirchenväter in Gang gesetzt, welche letztlich zum trinitarischen Dogma führte. Das traditionelle, jüdisch/monotheistische Gottesbild der urchristlichen Gemeinde wurde damit entwürdigt und entweiht.

Die Logoslehre des Philo wurde von christlichen Theologen als sehr hilfreich empfunden. Sie schien besonders gut zum Anfang des Johannesevangeliums zu passen und wurde deshalb, mit einigen Veränderungen, übernommen.
Der Logos und die Vorstellungen der jüdischen Weisheit als eigene Hypostase am Anfang der Schöpfung, wurden nun gleichgesetzt und auf Jesus als den präexistenten göttlichen Sohn übertragen.
Die Übernahme des Logos-Mysteriums wurde zur Geburtsstunde für die weitere christologisch Entwicklung bis hin zu den trinitarischen Gottesvorstellungen und der Zweinaturenlehre, denn nun mußte der Gottmensch in Beziehung zum Vater gesetzt, also über die innergöttliche Seinsweise nachgedacht werden. Gott und Mensch zusammenzudenken, erwies sich als ein hochspekulatives, theologisches Unterfangen mit offenem Ausgang.
Das traditionelle, jüdisch/monotheistische Gottesbild der urchristlichen Gemeinde wurde damit entwürdigt und entweiht.

Wie ist die Einheit von Gott und Mensch zu denken?
Sind Vater und Sohn in ihrem Wesen aus gleicher Substanz ?
Ist Christus, der Sohn in zwei Naturen unvermischt und ungetrennt,
oder wird jede Natur bewahrt ?
Müssen in Jesus nun zwei Formen des Bewusstseins angenommen werden?
Ist der Vater alleine Gott, bzw. der Logos ein Mittler ohne selbst Gott zu sein?
Ist Christus wahrer Gott und wahrer Mensch?
Ist der Mensch Jesus mit einer niederen Seele und etwa der präexistente Logos mit eine höhere Seele ausgestattet?
Gehen nun alle Handlungen in Christus direkt vom Logos aus?
Ist Gott nur scheinbar oder wahrhaftig in Christus bzw. mußte der ewige Logos den Kreuzestod erleiden?
Ist Jesus der Gottmensch gleich Gott, oder ihm untergeordnet?
Ist der vormenschliche Jesus ein Geschöpf, nicht ungeschaffen wie Gott ?

Der Logosbegriff erscheint erstmals bei Heraklit (griech. Philosoph um 550 bis ca 480 vor Chr.) im Sinne einer unveränderlichen kosmischen Gesetzmäßigkeit, nach der aller Wandel und alle Veränderung geschieht.

Von Platon (griech. Philosoph 428 bis 348 vor Chr.) und
Aristoteles (griech. Philosoph 384 bis 322 vor Chr.)
kamen neue Anstöße, durch die der Begriff in der hellenistischen Philosophie in vielerlei Bedeutung genutzt wurde. In der Stoa (um 300 vor Chr. in Athen gegr. Philosophenschule) wird der Logos dann zum Symbolbegriff für die immanente kosmische „Gottheit".

Im Frühjudentum
wird gelegentlich vom Logos gesprochen;
er wird dann meist mit der „Weisheit" gleichgesetzt und kennzeichnet
die demiurgische Kraft, mittels derer Gott den Kosmos und die Menschen schafft.
Der Weisheit/Logosbegriff wird nun personifiziert und schließlich zur Hypostase, zum Zwischenwesen, das schon vor der Schöpfung existierte.

Philo von Alexandrien hellenisierter Jude, und Philosoph
(circa 30 vor Chr. bis 50 nach Chr.)
er bediente sich der Logoslehre, um die Schriften Israels allegorisch zu deuten. Nach ihm geschah bereits die Offenbarung in der Geschichte Israels ganz durch den Logos, den er auch den erstgebornen Sohn des ewigen Vaters nannte. Der Logos ist der Schöpfungsmittler, der alle Dinge gemäß den himmlischen Vorbildern schafft.
Der Logos ist nach Philo göttlich und doch unter dem Vater, die präexistente menschliche Seele Jesu hat sich mit dem Logos vereint.
Philo’s Logosbegriff konnte für die Christologie ausgewertet werden, seine triadische Struktur der Kräfte Gottes für die Trinitätslehre.

Gnosis
In der Sprache der gnostischen Mythologie redet der Johannesprolog bzw. seine Quelle, und sein Logos ist jenes Zwischenwesen, das eine zugleichkosmologische und soteriologische Gestalt ist, jenes Gottwesen, das, von Uranfang her beim Vater existierend, um der Erlösung der Menschen willen Mensch ward. In den christlich gnostischen Systemen ist der menschgewordene Erlöser mit Jesus identifiziert und für die Christologie fruchtbar gemacht worden. (Bultmann)

Marcion (geb. 85 gest. 160)
Begründer einer christlich/gnostischen Theologie (gnost. Doketismus)
Christus ist nur scheinbar Mensch geworden.
Vor der Kreuzigung hat er den Leib verlassen.

Ignatius von Antiochien, Bischof (gest. um 110)
Mit Selbstverständlichkeit spricht Ignatius von Antiochien
bereits von Christus als seinem oder unserem Gott oder als dem Gott: Er ist der eine Sohn Gottes, der vor den Weltzeiten beim Vater war und am Ende menschlich erschienen ist zu neuem, ewigem Leben, ist Gott im Menschen. Christus ist aber nicht nur scheinbar, sondern wahrhaftig und wirklich Fleisch geworden, leidend, gekreuzigt und gestorben. Geboren sowohl aus Maria wie aus Gott, zuerst leidend und dann leidlos.

Justin der Märtyrer, christl. Philosoph (geb um 133 gest. 165)
identifiziert das Wesen Christi mit dem philosophischen Weltlogos.
Dieser präexistente Weltlogos, den Gott in die Welt gelegt hat und der sich schon immer in Logos-Samenkörnern gezeigt hat, ist in seiner ganzen Fülle und personhaft in Jesus Christus irdisch erschienen und offenbar geworden.

Irenäus von Lyon, Bischof, Kirchenvater (geb 135 gest. um 202)
Irenäus sagte, daß der vormenschliche Jesus getrennt von Gott existiert und unter ihm gestanden habe. Er zeigte, daß Jesus nicht gleich groß ist wie der „wahre und einzige Gott", der „Höchste über allem, außer dem kein anderer ist".
Irenäus stellt aus der Fülle der ntl. Überlieferung die Einheit des Schöpfer- und Erlösergottes, von Leib und Seele sowie vom Logos Gottes und wirklichem Menschen in Jesus Christus heraus.

Klemens von Alexandrien Theologe (geb. 150 gest. um 210),
der zum Christentum fand, unterscheidet den Logos drei Stadien:
1. Der Logos ist Gedanke Gottes;
2. Er wird eine eigene Hypostase am Anfang der Schöpfung
3. Er verbindet sich mit einem menschlichen Fleisch aus Maria.
Klemens bezeichnete den vormenschlichen Jesus als „ein Geschöpf, aber Gott als den unerschaffenen, unvergänglichen und einzig wahren Gott. Er sagte, daß der Sohn dem einzig allmächtigen Vater am nächsten steht, jedoch nicht gleich groß ist wie er.

Tertullian von Karthago, christl. Theologe – Kirchenvater (160 - 220),
wird Christ und entwickelt ebenfalls eine Logos-Christologie. Der Logos und der Hl. Geist sind nach ihm von der gleichen Substanz wie der Vater, sie stehen aber dem Maß und der Abstufung nach unter ihm. Tertullian spricht von einer Substanz und drei Personen in Gott und von einer Person und zwei Substanzen oder Naturen in Christus.

Origenes von Alexandrien, christl. Theologe (geb 185 gest. um 254)
Auch er sieht den Logos‚ ähnlich wie Philo, und er versucht diese Lehre vom Johannesevangelium her zu begründen
Obwohl Origenes die Göttlichkeit des Logos eindeutig annimmt, der Vater und der Sohn sind zwei hinsichtlich ihrer Substanz und ihres Wesens, ordnet er ihn doch dem Vater unter. Der Logos und der Hl.Geist sind Hypostasen Gottes, die aus dem Willen des Vaters hervorgehen, die niederen Götter (Engel) aber sind geschaffen.
Die präexistente menschliche Seele Jesu hat sich mit dem Logos vereint, deswegen war sie sündlos.

Eusebius von Cäsarea, Bischof (geb. 260/268 gest. 338)
mächtige Stütze der arianischen Partei, er teil die Logoslehre des Origines, nach ihm hat der Logos aber nur einen menschlichen Leib (wie ein Kleid) und keine Seele.

Arius von Alexandrien, Priester (geb. 256 gest.336)
Der Vater allein ist Gott: er allein ist ungezeugt, ewig, weise gut, keiner Veränderung unterworfen. Er ist durch einen unendlichen Abgrund vom Menschen getrennt.
Gott kann die Welt nicht direkt erschaffen, sondern nur durch einen Mittler, den Logos, der selbst geschaffen wurde um die Welt zu schaffen. Der Sohn Gottes ist präexistent, vor aller Zeit und vor der Welt, ist ein Zwischenwesen zwischen Gott und der Welt, das perfekte Abbild des Vaters.

Apollinaris von Laodicea, Bischof (geb. um 310 gest. um 390),
er wich von der nizänischen Lehre ab, dass die Gottheit und Menschlichkeit nicht in einer Person, Jesus Christus, vereint sein könnten - er lehrte, Jesus hätte keinen menschlichen sondern nur einen göttlichen Verstand gehabt.

Athanasius von Alexandrien, Bischof (geb.um 295 gest. 373)
Aus der spekulativen Annahme der im Johannesprolog verwendete Begriff Logos - Wort, sei ein präexistentes, göttliches Wesen, welches bei derGeburt Jesu durch Vereinigung göttlicher und menschlicher Natur in der Person Christi zu einer einzigen Hypostase inkarnierte, entstand ein folgenschwerer theologischer Streit, an dessen Ende Jesus als wahrer Gott und wahrer Mensch - eines Wesens mit Gott, zum Dogma wurde.

Der katholische Theologe Rudolf Laufen beschreibt sehr richtig,
http://www.ifl-muelheim.de/wwwAktuell/Publikationen/aufsaetze_6.pdf
welche Folgen die Leugnung der Dogmen bezügl. der Präexistenz Jesu und der Trinität für die katholische Kirche hätte. (Textauszug)
Es mag deutlich geworden sein, welchen Stellenwert die Präexistenzaussage gesamtchristologisch hat, was mit ihrer Leugnung auf dem Spiel steht. Ohne Präexistenzaussage wären auch die anderen christologischen Spitzenaussagen einschließlich der Trinitätsaussage hinfällig.
Die Kirche hätte dann Jahrhunderte lang zum Götzendienst aufgerufen, denn die Anbetung des Geschöpfes Jesus Christus, die eucharistische Anbetung etwa, wäre dann ein fundamentaler Verstoß gegen das erste Gebot gewesen.

Dass die Präexistenzchristologie seit dem Konzil von Nizäa zum zentralen Glaubensbekenntnis der Christen gehört, hat nicht verhindern können, dass sie sich heute mitsamt der Glaubensaussage vom wahren Gottsein Jesu und der Trinität in einer schweren Plausibilitäts- und Akzeptanzkrise befindet. Nicht nur nichtchristlichen Zeitgenossen erscheint die Aussage, Jesus Christus habe bereits "vor" seinem menschlichen Leben in der Daseinsweise Gottes personal "existiert", als mythologische Rede, sondern auch vielen Menschen innerhalb der christlichen Glaubensgemeinschaft fällt es immer schwerer, dies mit ihrem aufgeklärten Denken zu vereinbaren. Selbst der von den deutschen Bischöfen herausgegebene Katholische Erwachsenenkatechismus kann nicht umhin zuzugeben, dass auch viele Christen "mit diesem zentralen christlichen Glaubensartikel" Schwierigkeiten haben. Wörtlich: "Sie meinen, dieses Bekenntnis sage ihnen nichts. Sie halten es für eine weltferne Spekulation, von der sie oft auch behaupten, sie sei überdies bibelfern und bibelfremd." Eine neue Qualität erlangt die angesprochene Krise allerdings dadurch, dass auch immer mehr (Hoch-schul-)Theologen davon erfaßt werden. Es handelt sich aufs Ganze gesehen wohl um eine Minderheit, aber mit vermutlich erheblicher Dunkelziffer. Bedeutend größer dürfte die Zahl bei den Religionspädagogen, den theologischen Multiplikatoren sein - mit unabsehbaren Folgen für die Zukunft! Wer aufmerksam die theologische Szene beobachtet, stellt fest, dass sich - völlig unspektakulär und von den meisten kaum beachtet - in der Christologie erhebliche, ja den Lebensnerv des christlichen Glaubens betreffende "Mutationen" ereignen. Zitatende.


Ein Resümee:
Die heutige Exegese sieht mit großer Deutlichkeit, dass die Christologie der Logienquelle eine andere ist als die des Paulus, die des Markus eine andere als die des Matthäus und erst recht natürlich als die des Johannes, die Christologie des Hebräerbriefes eine andere als die des 1. Petrusbriefes, die der Offenbarung des Johannes eine andere als die der Pastoralbriefe u.s.w. Unter dem Gesichtspunkt der Präexistenz lassen sich alle diese Christologien zwei Kategorien zuordnen: es gibt Christologien mit, und solche ohne Präexistenzvorstellung.