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Matthäusevangelium bzw. Logienquelle Q


Die im Matthäusevangelium enthaltenen Textanteile
des Markusevangeliums, wurden hier durch
Kursivschrift (kursiv/fett) gekennzeichnet.

Die überschüssigen Textanteile entsprechen sodann
der Spruchquellen Q, dem Sondergut, der redaktionellen
Gestaltung bzw Einfügen des Evangelisten.

DAS EVANGELIUM NACH MATTHÄUS.

Jesu Stammbaum.

1,1 Dies ist das Buch von der Geschichte Jesu
Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams.
1,2 Abraham zeugte Isaak. Isaak zeugte
Jakob. Jakob zeugte (c) Juda und seine Brüder.
1,3 Juda zeugte Perez und Serach mit der
Tamar. Perez zeugte Hezron. Hezron zeugte Ram.
1,4 Ram zeugte Amminadab. Amminadab zeugte Nachschon.
Nachschon zeugte Salmon.
1,5 Salmon zeugte Boas mit der Rahab.
Boas zeugte Obed mit der Rut. Obed zeugte Isai.
1,6 Isai zeugte den König David. David zeugte
Salomo mit der Frau des Uria.
1,7 Salomo zeugte Rehabeam. Rehabeam zeugte
Abija. Abija zeugte Asa.
1,8 Asa zeugte Joschafat. Joschafat zeugte Joram.
Joram zeugte Usija.
1,9 Usija zeugte Jotam. Jotam zeugte Ahas. Ahas
zeugte Hiskia.
1,10 Hiskia zeugte Manasse. Manasse zeugte Amon.
Amon zeugte Josia.
1,11 Josia zeugte Jojachin und seine Brüder um
die Zeit der babylonischen Gefangenschaft.
1,12 Nach der babylonischen Gefangenschaft zeugte
Jojachin Schealtïl. Schealtiël zeugte Serubbabel.
1,13 Serubbabel zeugte Abihud. Abihud zeugte Eljakim.
Eljakim zeugte Asor.
1,14 Asor zeugte Zadok. Zadok zeugte Achim. Achim
zeugte Eliud.
1,15 Eliud zeugte Eleasar. Eleasar zeugte Mattan.
Mattan zeugte Jakob.
1,16 Jakob zeugte Josef, den Mann der Maria,
von der geboren ist Jesus, der da heißt Christus.
1,17 Alle Glieder von Abraham bis zu David sind
vierzehn Glieder. Von David bis zur babylonischen
Gefangenschaft sind vierzehn Glieder. Von der babylonischen
Gefangenschaft bis zu Christus sind vierzehn Glieder.

Jesu Geburt.

1,18 Die Geburt Jesu Christi geschah aber so:
Als Maria, seine Mutter, dem Josef vertraut* war,
fand es sich, ehe er sie heimholte, daß sie schwanger
war von dem heiligen Geist.
1,19 Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte
sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie
heimlich zu verlassen.
1,20 Als er das noch bedachte, siehe, da erschien
ihm der Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef,
du Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine
Frau, zu dir zu nehmen; denn was sie empfangen
hat, das ist von dem heiligen Geist.
1,21 Und sie wird einen Sohn gebären, dem
sollst du den Namen Jesus geben, denn er wird
sein Volk retten von ihren Sünden.
1,22 Das ist aber alles geschehen, damit erfüllt
würde, was der Herr durch den Propheten gesagt
hat, der da spricht (Jesaja 7,14):
1,23 »Siehe, eine Jungfrau wird schwanger sein
und einen Sohn gebären, und sie werden ihm den
Namen Immanuel geben«, das heißt übersetzt: Gott mit uns.
1,24 Als nun Josef vom Schlaf erwachte, tat er,
wie ihm der Engel des Herrn befohlen hatte, und
nahm seine Frau zu sich.
1,25 Und er berührte sie nicht, bis sie einen
Sohn gebar; und er gab ihm den Namen Jesus.

\2\
Die Weisen aus dem Morgenland.

2,1 Als Jesus geboren war in Bethlehem in
Judäa zur Zeit des Königs Herodes, siehe, da kamen
Weise* aus dem Morgenland nach Jerusalem und sprachen:
2,2 Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir
haben seinen Stern gesehen im Morgenland und
sind gekommen, ihn anzubeten.
2,3 Als das der König Herodes hörte, erschrak
er und mit ihm ganz Jerusalem,
2,4 und er ließ zusammenkommen alle Hohenpriester
und Schriftgelehrten des Volkes und erforschte
von ihnen, wo der Christus geboren werden sollte.
2,5 Und sie sagten ihm: In Bethlehem in Judäa;
denn so steht geschrieben durch den Propheten (Micha 5,1):
2,6 »Und du, Bethlehem im jüdischen Lande, bist
keineswegs die kleinste unter den Städten in Juda;
denn aus dir wird kommen der Fürst, der mein Volk
Israel weiden soll.«
2,7 Da rief Herodes die Weisen heimlich zu sich
und erkundete genau von ihnen, wann der Stern erschienen wäre,
2,8 und schickte sie nach Bethlehem und sprach:
Zieht hin und forscht fleißig nach dem Kindlein;
und wenn ihr's findet, so sagt mir's wieder, daß
auch ich komme und es anbete.
2,9 Als sie nun den König gehört hatten, zogen
sie hin. Und siehe, der Stern, den sie im Morgenland
gesehen hatten, ging vor ihnen her, bis er über
dem Ort stand, wo das Kindlein war.
2,10 Als sie den Stern sahen, wurden sie hoch erfreut
2,11 und gingen in das Haus und fanden das Kindlein
mit Maria, seiner Mutter, und fielen nieder und
beteten es an und taten ihre Schätze auf und
schenkten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe.
2,12 Und Gott befahl ihnen im Traum, nicht wieder
zu Herodes zurückzukehren; und sie zogen auf einem
andern Weg wieder in ihr Land.

Die Flucht nach Ägypten.

2,13 Als sie aber hinweggezogen waren, siehe,
da erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum
und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und seine
Mutter mit dir und flieh nach Ägypten und bleib
dort, bis ich dir's sage; denn Herodes hat vor,
das Kindlein zu suchen, um es umzubringen.
2,14 Da stand er auf und nahm das Kindlein und
seine Mutter mit sich bei Nacht und entwich nach Ägypten
2,15 und blieb dort bis nach dem Tod des Herodes,
damit erfüllt würde, was der Herr durch den Propheten
gesagt hat, der da spricht (Hosea 11,1): »Aus Ägypten
habe ich meinen Sohn gerufen.«

Der Kindermord des Herodes.

2,16 Als Herodes nun sah, daß er von den Weisen
betrogen war, wurde er sehr zornig und schickte
aus und ließ alle Kinder in Bethlehem töten und
in der ganzen Gegend, die zweijährig und darunter
waren, nach der Zeit, die er von den Weisen genau
erkundet hatte.
2,17 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch den
Propheten Jeremia, der da spricht (Jeremia 31,15):
2,18 »In Rama hat man ein Geschrei gehört, viel
Weinen und Wehklagen; Rahel beweinte ihre Kinder
und wollte sich nicht trösten lassen, denn es war
aus mit ihnen.«

Die Rückkehr aus Ägypten.

2,19 Als aber Herodes gestorben war, siehe, da
erschien der Engel des Herrn dem Josef im Traum
in Ägypten
2,20 und sprach: Steh auf, nimm das Kindlein und
seine Mutter mit dir und zieh hin in das Land Israel;
sie sind gestorben, die dem Kindlein nach dem
Leben getrachtet haben.
2,21 Da stand er auf und nahm das Kindlein und
seine Mutter mit sich und kam in das Land Israel.
2,22 Als er aber hörte, daß Archelaus in Judäa
König war anstatt seines Vaters Herodes, fürchtete
er sich, dorthin zu gehen. Und im Traum empfing
er Befehl von Gott und zog ins galiläische Land
2,23 und kam und wohnte in einer Stadt mit Namen
Nazareth, damit erfüllt würde, was gesagt ist
durch die Propheten: Er soll Nazoräer* heißen.

\3\
Johannes der Täufer.

3,1 Zu der Zeit kam Johannes der Täufer und
predigte in der Wüste von Judäa
3,2 und sprach: Tut Buße, denn das Himmelreich
ist nahe herbeigekommen!
3,3 Denn dieser ist's, von dem der Prophet Jesaja
gesprochen und gesagt hat (Jesaja 40,3): »Es ist
eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet
dem Herrn den Weg und macht eben seine Steige!«
3,4 Er aber, Johannes, hatte ein Gewand aus Kamelhaaren
an und einen ledernen Gürtel um seine Lenden;
seine Speise aber waren Heuschrecken und wilder Honig.
3,5 Da ging zu ihm hinaus die Stadt Jerusalem
und ganz Judäa und alle Länder am Jordan
3,6 und ließen sich taufen von ihm im Jordan und
bekannten ihre Sünden.
3,7 Als er nun viele Pharisäer und Sadduzäer sah
zu seiner Taufe kommen, sprach er zu ihnen:
Ihr Schlangenbrut, wer hat denn euch gewiß gemacht,
daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet?
3,8 Seht zu, bringt rechtschaffene Frucht der Buße!
3,9 Denkt nur nicht, daß ihr bei euch sagen könntet:
Wir haben Abraham zum Vater. Denn ich sage
euch: Gott vermag dem Abraham aus diesen Steinen
Kinder zu erwecken.
3,10 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel
gelegt. Darum: jeder Baum, der nicht gute Frucht
bringt, wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
3,11 Ich taufe euch mit Wasser zur Buße; der aber
nach mir kommt, ist stärker als ich, und ich bin
nicht wert, ihm die Schuhe zu tragen; der wird
euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer taufen.
3,12 Er hat seine Worfschaufel in der Hand; er
wird seine Tenne fegen und seinen Weizen in die
Scheune sammeln; aber die Spreu wird er verbrennen
mit unauslöschlichem Feuer.

Jesu Taufe.

3,13 Zu der Zeit kam Jesus aus Galiläa an den
Jordan zu Johannes, daß er sich von ihm taufen ließe.
3,14 Aber Johannes wehrte ihm und sprach: Ich
bedarf dessen, daß ich von dir getauft werde, und
du kommst zu mir?
3,15 Jesus aber antwortete und sprach zu ihm:
Laß es jetzt geschehen! Denn so gebührt es uns,
alle Gerechtigkeit zu erfüllen. Da ließ er's geschehen.
3,16 Und als Jesus getauft war, stieg er alsbald
herauf aus dem Wasser. Und siehe, da tat sich ihm
der Himmel auf, und er sah den Geist Gottes
wie eine Taube herabfahren und über sich kommen.
3,17 Und siehe, eine Stimme vom Himmel herab
sprach: Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich
Wohlgefallen habe.

\4\
Jesu Versuchung.

4,1 Da wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt,
damit er von dem Teufel versucht würde.
4,2 Und da er vierzig Tage und vierzig Nächte
gefastet hatte, hungerte ihn.
4,3 Und der Versucher trat zu ihm und sprach:
Bist du Gottes Sohn, so sprich, daß diese Steine
Brot werden.
4,4 Er aber antwortete und sprach: Es steht geschrieben
(5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht vom Brot
allein, sondern von einem jeden Wort, das aus dem
Mund Gottes geht.«
4,5 Da führte ihn der Teufel mit sich in die heilige
Stadt und stellte ihn auf die Zinne des Tempels
4,6 und sprach zu ihm: Bist du Gottes Sohn, so
wirf dich hinab; denn es steht geschrieben (Psalm
91,11.12): »Er wird seinen Engeln deinetwegen Befehl
geben; und sie werden dich auf den Händen tragen,
damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.«
4,7 Da sprach Jesus zu ihm: Wiederum steht auch
geschrieben (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn,
deinen Gott, nicht versuchen.«

4,8 Darauf führte ihn der Teufel mit sich auf
einen sehr hohen Berg und zeigte ihm alle Reiche
der Welt und ihre Herrlichkeit
4,9 und sprach zu ihm: Das alles will ich dir
geben, wenn du niederfällst und mich anbetest.

4,10 Da sprach Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan!
denn es steht geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst
anbeten den Herrn, deinen Gott, und ihm allein dienen.«
4,11 Da verließ ihn der Teufel. Und siehe, da
traten Engel zu ihm und dienten ihm.

Der Beginn des Wirkens Jesu in Galiläa.

4,12 Als nun Jesus hörte, daß Johannes gefangengesetzt
worden war, zog er sich nach Galiläa zurück.
4,13 Und er verließ Nazareth, kam und wohnte in
Kapernaum, das am See liegt im Gebiet von Sebulon
und Naftali,
4,14 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch
den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 8,23; 9,1):
4,15 »Das Land Sebulon und das Land Naftali, das
Land am Meer, das Land jenseits des Jordans, das
heidnische Galiläa,
4,16 das Volk, das in Finsternis saß, hat ein
großes Licht gesehen; und denen, die saßen am Ort
und im Schatten des Todes, ist ein Licht aufgegangen.«
4,17 Seit der Zeit fing Jesus an zu predigen:
Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!

Die Berufung der ersten Jünger.

4,18 Als nun Jesus am Galiläischen Meer entlangging,
sah er zwei Brüder, Simon, der Petrus genannt wird,
und Andreas, seinen Bruder; die warfen ihre Netze
ins Meer; denn sie waren Fischer.
4,19 Und er sprach zu ihnen: Folgt mir nach;
ich will euch zu Menschenfischern machen!
4,20 Sogleich verließen sie ihre Netze und folgten
ihm nach.
4,21 Und als er von dort weiterging, sah er zwei
andere Brüder, Jakobus, den Sohn des Zebedäus,
und Johannes, seinen Bruder, im Boot mit ihrem
Vater Zebedäus, wie sie ihre Netze flickten. Und
er rief sie.
4,22 Sogleich verließen sie das Boot und ihren
Vater und folgten ihm nach.

Krankenheilungen in Galiläa.

4,23 Und Jesus zog umher in ganz Galiläa, lehrte
in ihren Synagogen und predigte das Evangelium
von dem Reich und heilte alle Krankheiten und alle
Gebrechen im Volk.
4,24 Und die Kunde von ihm erscholl durch ganz
Syrien. Und sie brachten zu ihm alle Kranken,
mit mancherlei Leiden und Plagen behaftet, Besessene,
Mondsüchtige und Gelähmte; und er machte sie gesund.
4,25 Und es folgte ihm eine große Menge aus Galiläa,
aus den Zehn Städten, aus Jerusalem, aus Judäa
und von jenseits des Jordans.

\5\
DIE BERGPREDIGT.
(Kapitel 5-7).

Die Seligpreisungen.

5,1 Als er aber das Volk sah, ging er auf einen
Berg und setzte sich; und seine Jünger traten zu
ihm.
5,2 Und er tat seinen Mund auf, lehrte sie und sprach:
5,3 Selig sind, die da geistlich arm sind;
denn ihrer ist das Himmelreich.
5,4 Selig sind, die da Leid tragen; denn sie sollen
getröstet werden.
5,5 Selig sind die Sanftmütigen; denn sie werden
das Erdreich besitzen.
5,6 Selig sind, die da hungert und dürstet nach
der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden.
5,7 Selig sind die Barmherzigen; denn sie werden
Barmherzigkeit erlangen.
5,8 Selig sind, die reinen Herzens sind; denn
sie werden Gott schauen.
5,9 Selig sind die Friedfertigen;* denn sie
werden Gottes Kinder heißen.
5,10 Selig sind, die um der Gerechtigkeit
willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.
5,11 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen
um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden
allerlei Übles gegen euch, wenn sie damit lügen.
5,12 Seid fröhlich und getrost; es wird euch im
Himmel reichlich belohnt werden. Denn ebenso haben
sie verfolgt die Propheten, die vor euch gewesen sind.

Salz und Licht.

5,13 Ihr seid das Salz der Erde. Wenn nun das
Salz nicht mehr salzt, womit soll man salzen? Es
ist zu nichts mehr nütze, als daß man es wegschüttet
und läßt es von den Leuten zertreten.
5,14 Ihr seid das Licht der Welt. Es kann
die Stadt, die auf einem Berge liegt, nicht verborgen sein.
5,15 Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt
es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter;
so leuchtet es allen, die im Hause sind.
5,16 So laßt euer Licht leuchten vor den Leuten,
damit sie eure guten Werke sehen und euren
Vater im Himmel preisen.

Jesu Stellung zum Gesetz.

5,17 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen
bin, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen;
ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.
5,18 Denn wahrlich, ich sage euch: Bis Himmel
und Erde vergehen, wird nicht vergehen der kleinste
Buchstabe noch ein Tüpfelchen vom Gesetz, bis
es alles geschieht.
5,19 Wer nun eines von diesen kleinsten Geboten
auflöst und lehrt die Leute so, der wird der Kleinste
heißen im Himmelreich; wer es aber tut und lehrt,
der wird groß heißen im Himmelreich.
5,20 Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit
nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und
Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich
kommen.

Vom Töten.

5,21 Ihr habt gehört, daß zu den Alten gesagt
ist (2. Mose 20,13; 21,12): »Du sollst nicht töten«;
wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein.
5,22 Ich aber sage euch: Wer mit seinem Bruder
zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber
zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz!, der ist
des Hohen Rats schuldig; wer aber sagt: Du Narr!,
der ist des höllischen Feuers schuldig.
5,23 Darum: wenn du deine Gabe auf dem Altar opferst
und dort kommt dir in den Sinn, daß dein Bruder
etwas gegen dich hat,
5,24 so laß dort vor dem Altar deine Gabe und
geh zuerst hin und versöhne dich mit deinem
Bruder und dann komm und opfere deine Gabe.
5,25 Vertrage dich mit deinem Gegner sogleich,
solange du noch mit ihm auf dem Weg bist, damit
dich der Gegner nicht dem Richter überantworte
und der Richter dem Gerichtsdiener und du ins Gefängnis
geworfen werdest.
5,26 Wahrlich, ich sage dir: Du wirst nicht von
dort herauskommen, bis du auch den letzten Pfennig
bezahlt hast.

Vom Ehebrechen.

5,27 Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose
20,14): »Du sollst nicht ehebrechen.«
5,28 Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht,
sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe
gebrochen in seinem Herzen.
5,29 Wenn dich aber dein rechtes Auge zum
Abfall verführt, so reiß es aus und wirf's von
dir. Es ist besser für dich, daß eins deiner Glieder
verderbe und nicht der ganze Leib in die Hölle
geworfen werde.
5,30 Wenn dich deine rechte Hand zum Abfall verführt,
so hau sie ab und wirf sie von dir. Es ist besser
für dich, daß eins deiner Glieder verderbe und
nicht der ganze Leib in die Hölle fahre.
5,31 Es ist auch gesagt (5. Mose 24,1): »Wer sich
von seiner Frau scheidet, der soll ihr einen Scheidebrief
geben.«
5,32 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau
scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, der macht,
daß sie die Ehe bricht; und wer eine Geschiedene
heiratet, der bricht die Ehe.

Vom Schwören.

5,33 Ihr habt weiter gehört, daß zu den Alten
gesagt ist (3. Mose 19,12; 4. Mose 30,3): »Du sollst
keinen falschen Eid schwören und sollst dem Herrn
deinen Eid halten.«
5,34 Ich aber sage euch, daß ihr überhaupt
nicht schwören sollt, weder bei dem Himmel,
denn er ist Gottes Thron;
5,35 noch bei der Erde, denn sie ist der Schemel
seiner Füße; noch bei Jerusalem, denn sie ist
die Stadt des großen Königs.
5,36 Auch sollst du nicht bei deinem Haupt schwören;
denn du vermagst nicht ein einziges Haar weiß oder
schwarz zu machen.
5,37 Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Was
darüber ist, das ist vom Übel.

Vom Vergelten.

5,38 Ihr habt gehört, daß gesagt ist (2. Mose
21,24): »Auge um Auge, Zahn um Zahn.«
5,39 Ich aber sage euch, daß ihr nicht widerstreben
sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine
rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar.
5,40 Und wenn jemand mit dir rechten will
und dir deinen Rock nehmen, dem laß auch den Mantel.
5,41 Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen,
so geh mit ihm zwei.
5,42 Gib dem, der dich bittet, und wende dich
nicht ab von dem, der etwas von dir borgen will.

Von der Feindesliebe.

5,43 Ihr habt gehört, daß gesagt ist (3. Mose
19,18): »Du sollst deinen Nächsten lieben« und
deinen Feind hassen.
5,44 Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde
und bittet für die, die euch verfolgen,*
5,45 damit ihr Kinder seid eures Vaters im
Himmel. Denn er läßt seine Sonne aufgehen über
Böse und Gute und läßt regnen über Gerechte und
Ungerechte.
5,46 Denn wenn ihr liebt, die euch lieben, was
werdet ihr für Lohn haben? Tun nicht dasselbe auch
die Zöllner?
5,47 Und wenn ihr nur zu euren Brüdern freundlich
seid, was tut ihr Besonderes? Tun nicht dasselbe
auch die Heiden?
5,48 Darum sollt ihr vollkommen sein, wie
euer Vater im Himmel vollkommen ist.

\6\
Vom Almosengeben.

6,1 Habt acht auf eure Frömmigkeit, daß ihr die
nicht übt vor den Leuten, um von ihnen gesehen
zu werden; ihr habt sonst keinen Lohn bei eurem
Vater im Himmel.
6,2 Wenn du nun Almosen gibst, sollst du es nicht
vor dir ausposaunen lassen, wie es die Heuchler
tun in den Synagogen und auf den Gassen, damit
sie von den Leuten gepriesen werden. Wahrlich,
ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
6,3 Wenn du aber Almosen gibst, so laß deine linke
Hand nicht wissen, was die rechte tut,
6,4 damit dein Almosen verborgen bleibe; und dein
Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's
vergelten.

Vom Beten. Das Vaterunser.

6,5 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie
die Heuchler, die gern in den Synagogen und an
den Straßenecken stehen und beten, damit sie von
den Leuten gesehen werden. Wahrlich, ich sage euch:
Sie haben ihren Lohn schon gehabt.
6,6 Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein
und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater,
der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in
das Verborgene sieht, wird dir's vergelten.
6,7 Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern
wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden
erhört, wenn sie viele Worte machen.
6,8 Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn
euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.
6,9 Darum sollt ihr so beten: Unser Vater
im Himmel! Dein Name werde geheiligt.
6,10 Dein Reich komme. Dein Wille geschehe
wie im Himmel so auf Erden.
6,11 Unser tägliches Brot gib uns heute.
6,12 Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir
vergeben unsern Schuldigern.
6,13 Und führe uns nicht in Versuchung, sondern
erlöse uns von dem Bösen.* [ Denn dein ist
das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in

Ewigkeit. Amen. ]**
6,14 Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen
vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch
vergeben.
6,15 Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt,
so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch
nicht vergeben.

Vom Fasten.

6,16 Wenn ihr fastet, sollt ihr nicht sauer dreinsehen
wie die Heuchler; denn sie verstellen ihr Gesicht,
um sich vor den Leuten zu zeigen mit ihrem Fasten.
Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon
gehabt.
6,17 Wenn du aber fastest, so salbe dein Haupt
und wasche dein Gesicht,
6,18 damit du dich nicht vor den Leuten zeigst
mit deinem Fasten, sondern vor deinem Vater, der
im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das
Verborgene sieht, wird dir's vergelten.

Vom Schätzesammeln und Sorgen.

6,19 Ihr sollt euch nicht Schätze sammeln auf
Erden, wo sie die Motten und der Rost fressen und
wo die Diebe einbrechen und stehlen.
6,20 Sammelt euch aber Schätze im Himmel,
wo sie weder Motten noch Rost fressen und wo die
Diebe nicht einbrechen und stehlen.
6,21 Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz.
6,22 Das Auge ist das Licht des Leibes. Wenn dein
Auge lauter ist, so wird dein ganzer Leib licht sein.
6,23 Wenn aber dein Auge böse ist, so wird dein
ganzer Leib finster sein. Wenn nun das Licht, das
in dir ist, Finsternis ist, wie groß wird dann
die Finsternis sein!
6,24 Niemand kann zwei Herren dienen: entweder
er wird den einen hassen und den andern lieben,
oder er wird an dem einen hängen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem
Mammon.
6,25 Darum sage ich euch: Sorgt nicht
um euer Leben, was ihr essen und trinken werdet;
auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.
Ist nicht das Leben mehr als die Nahrung und der
Leib mehr als die Kleidung?
6,26 Seht die Vögel unter dem Himmel an: sie säen
nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die
Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie
doch. Seid ihr denn nicht viel mehr als sie?
6,27 Wer ist unter euch, der seines Lebens Länge
eine Spanne zusetzen könnte, wie sehr er sich auch
darum sorgt?
6,28 Und warum sorgt ihr euch um die Kleidung?
Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen:
sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
6,29 Ich sage euch, daß auch Salomo in aller
seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist
wie eine von ihnen.
6,30 Wenn nun Gott das Gras auf dem Feld so kleidet,
das doch heute steht und morgen in den Ofen geworfen
wird: sollte er das nicht viel mehr für euch tun,
ihr Kleingläubigen?
6,31 Darum sollt ihr nicht sorgen und sagen: Was
werden wir essen? Was werden wir trinken? Womit
werden wir uns kleiden?
6,32 Nach dem allen trachten die Heiden. Denn
euer himmlischer Vater weiß, daß ihr all dessen bedürft.
6,33 Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes
und nach seiner Gerechtigkeit, so wird euch
das alles zufallen.
6,34 Darum sorgt nicht für morgen, denn der
morgige Tag wird für das Seine sorgen. Es ist genug,
daß jeder Tag seine eigene Plage hat.

\7\
Vom Richtgeist.

7,1 Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.
7,2 Denn nach welchem Recht ihr richtet, werdet
ihr gerichtet werden; und mit welchem Maß ihr
meßt, wird euch zugemessen werden.
7,3 Was siehst du aber den Splitter in deines
Bruders Auge und nimmst nicht wahr den Balken in
deinem Auge?
7,4 Oder wie kannst du sagen zu deinem Bruder:
Halt, ich will dir den Splitter aus deinem Auge
ziehen?, und siehe, ein Balken ist in deinem Auge.
7,5 Du Heuchler, zieh zuerst den Balken aus deinem
Auge; danach sieh zu, wie du den Splitter aus deines
Bruders Auge ziehst.
7,6 Ihr sollt das Heilige nicht den Hunden geben,
und eure Perlen sollt ihr nicht vor die Säue werfen,
damit die sie nicht zertreten mit ihren Füßen und
sich umwenden und euch zerreißen.

Von der Gebetserhörung.

7,7 Bittet, so wird euch gegeben; suchet,
so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch aufgetan.
7,8 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer
da sucht, der findet; und wer da anklopft, dem
wird aufgetan.
7,9 Wer ist unter euch Menschen, der seinem Sohn,
wenn er ihn bittet um Brot, einen Stein biete?
7,10 oder, wenn er ihn bittet um einen Fisch,
eine Schlange biete?
7,11 Wenn nun ihr, die ihr doch böse seid, dennoch
euren Kindern gute Gaben geben könnt, wieviel mehr
wird euer Vater im Himmel Gutes geben denen,
die ihn bitten!

Vom Tun des göttlichen Willens.

7,12 Alles nun, was ihr wollt, daß euch die Leute
tun sollen, das tut ihnen auch! Das ist das Gesetz
und die Propheten.
7,13 Geht hinein durch die enge Pforte. Denn
die Pforte ist weit, und der Weg ist breit, der
zur Verdammnis führt, und viele sind's, die auf
ihm hineingehen.
7,14 Wie eng ist die Pforte und wie schmal der
Weg, der zum Leben führt, und wenige sind's, die
ihn finden!
7,15 Seht euch vor vor den falschen Propheten,
die in Schafskleidern zu euch kommen, inwendig
aber sind sie reißende Wölfe.
7,16 An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
Kann man denn Trauben lesen von den Dornen oder
Feigen von den Disteln?
7,17 So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber
ein fauler Baum bringt schlechte Früchte.
7,18 Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte
bringen, und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.
7,19 Jeder Baum, der nicht gute Früchte bringt,
wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
7,20 Darum: an ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.
7,21 Es werden nicht alle, die zu mir sagen: Herr,
Herr!, in das Himmelreich kommen, sondern die
den Willen tun meines Vaters im Himmel.
7,22 Es werden viele zu mir sagen an jenem
Tage: Herr, Herr, haben wir nicht in deinem
Namen geweissagt? Haben wir nicht in deinem Namen
böse Geister ausgetrieben? Haben wir nicht in deinem
Namen viele Wunder getan?
7,23 Dann werde ich ihnen bekennen: Ich habe euch
noch nie gekannt; weicht von mir, ihr Übeltäter!

Vom Hausbau.

7,24 Darum, wer diese meine Rede hört und tut
sie, der gleicht einem klugen Mann, der sein Haus
auf Fels baute.
7,25 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser
kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus,
fiel es doch nicht ein; denn es war auf Fels gegründet.
7,26 Und wer diese meine Rede hört und tut sie
nicht, der gleicht einem törichten Mann, der sein
Haus auf Sand baute.
7,27 Als nun ein Platzregen fiel und die Wasser
kamen und die Winde wehten und stießen an das Haus,
da fiel es ein, und sein Fall war groß.
7,28 Und es begab sich, als Jesus diese Rede vollendet
hatte, daß sich das Volk entsetzte über seine Lehre;
7,29 denn er lehrte sie mit Vollmacht und nicht
wie ihre Schriftgelehrten.

\8\
Die Heilung eines Aussätzigen.

8,1 Als er aber vom Berge herabging, folgte ihm
eine große Menge.
8,2 Und siehe, ein Aussätziger kam heran und fiel
vor ihm nieder und sprach: Herr, wenn du willst,
kannst du mich reinigen.
8,3 Und Jesus streckte die Hand aus, rührte ihn
an und sprach: Ich will's tun; sei rein! Und sogleich
wurde er von seinem Aussatz rein.
8,4 Und Jesus sprach zu ihm: Sieh zu, sage
es niemandem, sondern geh hin und zeige dich
dem Priester und opfere die Gabe, die Mose befohlen
hat, ihnen zum Zeugnis.

Der Hauptmann von Kapernaum.

8,5 Als aber Jesus nach Kapernaum hineinging,
trat ein Hauptmann zu ihm; der bat ihn
8,6 und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause
und ist gelähmt und leidet große Qualen.
8,7 Jesus sprach zu ihm: Ich will kommen und ihn
gesund machen.
8,8 Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr,
ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst,
sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
8,9 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit
untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn
ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er; und zu
einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu meinem
Knecht: Tu das!, so tut er's.
8,10 Als das Jesus hörte, wunderte er sich und
sprach zu denen, die ihm nachfolgten: Wahrlich,
ich sage euch: Solchen Glauben habe ich in Israel
bei keinem gefunden!
8,11 Aber ich sage euch: Viele werden kommen
von Osten und von Westen und mit Abraham und Isaak
und Jakob im Himmelreich zu Tisch sitzen;
8,12 aber die Kinder des Reichs werden hinausgestoßen
in die Finsternis; da wird sein Heulen und Zähneklappern.
8,13 Und Jesus sprach zu dem Hauptmann: Geh hin;
dir geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein
Knecht wurde gesund zu derselben Stunde.

Jesus im Haus des Petrus.

8,14 Und Jesus kam in das Haus des Petrus und
sah, daß dessen Schwiegermutter zu Bett lag
und hatte das Fieber.
8,15 Da ergriff er ihre Hand, und das Fieber verließ
sie. Und sie stand auf und diente ihm.
8,16 Am Abend aber brachten sie viele Besessene
zu ihm; und er trieb die Geister aus durch sein
Wort und machte alle Kranken gesund,
8,17 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch
den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 53,4):
»Er hat unsre Schwachheit auf sich genommen, und
unsre Krankheit hat er getragen.«

Vom Ernst der Nachfolge.

8,18 Als aber Jesus die Menge um sich sah, befahl
er, hinüber ans andre Ufer zu fahren.
8,19 Und es trat ein Schriftgelehrter herzu und
sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst.
8,20 Jesus sagt zu ihm: Die Füchse haben Gruben,
und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber
der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege.
8,21 Und ein anderer unter den Jüngern sprach
zu ihm: Herr, erlaube mir, daß ich zuvor hingehe
und meinen Vater begrabe.
8,22 Aber Jesus spricht zu ihm: Folge du mir,
und laß die Toten ihre Toten begraben!

Die Stillung des Sturms.

8,23 Und er stieg in das Boot, und seine Jünger
folgten ihm.
8,24 Und siehe, da erhob sich ein gewaltiger Sturm
auf dem See, so daß auch das Boot von Wellen zugedeckt
wurde. Er aber schlief.
8,25 Und sie traten zu ihm, weckten ihn auf und
sprachen: Herr, hilf, wir kommen um!
8,26 Da sagt er zu ihnen: Ihr Kleingläubigen,
warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und
bedrohte den Wind und das Meer. Da wurde es ganz stille.
8,27 Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen:
Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer
gehorsam sind?

Die Heilung der zwei besessenen Gadarener.

8,28 Und er kam ans andre Ufer in die Gegend der

Gadarener. Da liefen ihm entgegen zwei Besessene;
die kamen aus den Grabhöhlen und waren sehr gefährlich,
so daß niemand diese Straße gehen konnte.
8,29 Und siehe, sie schrien: Was willst du von
uns, du Sohn Gottes? Bist du hergekommen,
uns zu quälen, ehe es Zeit ist?
8,30 Es war aber fern von ihnen eine große Herde
Säue auf der Weide.
8,31 Da baten ihn die bösen Geister und sprachen:
Willst du uns austreiben, so laß uns in die Herde
Säue fahren.
8,32 Und er sprach: Fahrt aus! Da fuhren sie aus
und fuhren in die Säue. Und siehe, die ganze Herde
stürmte den Abhang hinunter in den See, und sie
ersoffen im Wasser.
8,33 Und die Hirten flohen und gingen hin in die
Stadt und berichteten das alles und wie es den
Besessenen ergangen war.
8,34 Und siehe, da ging die ganze Stadt hinaus
Jesus entgegen. Und als sie ihn sahen, baten sie
ihn, daß er ihr Gebiet verlasse.

\9\
Die Heilung eines Gelähmten (»Der Gichtbrüchige«)

9,1 Da stieg er in ein Boot und fuhr hinüber und
kam in seine Stadt.
9,2 Und siehe, da brachten sie zu ihm einen Gelähmten,
der lag auf einem Bett. Als nun Jesus ihren Glauben
sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sei getrost, mein
Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.
9,3 Und siehe, einige unter den Schriftgelehrten
sprachen bei sich selbst: Dieser lästert Gott.
9,4 Als aber Jesus ihre Gedanken sah, sprach
er: Warum denkt ihr so Böses in euren Herzen?
9,5 Was ist denn leichter, zu sagen: Dir sind
deine Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf
und geh umher?
9,6 Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn
Vollmacht hat, auf Erden die Sünden zu vergeben
- sprach er zu dem Gelähmten: Steh auf, hebe dein
Bett auf und geh heim!
9,7 Und er stand auf und ging heim.
9,8 Als das Volk das sah, fürchtete es sich und
pries Gott, der solche Macht den Menschen gegeben hat.

Die Berufung des Matthäus und das Mahl mit den Zöllnern.

9,9 Und als Jesus von dort wegging, sah er einen
Menschen am Zoll sitzen, der hieß Matthäus;
und er sprach zu ihm: Folge mir! Und er stand auf
und folgte ihm.
9,10 Und es begab sich, als er zu Tisch saß im
Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder
und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.
9,11 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie
zu seinen Jüngern: Warum ißt euer Meister mit den
Zöllnern und Sündern?
9,12 Als das Jesus hörte, sprach er: Die Starken
bedürfen des Arztes nicht, sondern die Kranken.
9,13 Geht aber hin und lernt, was das heißt (Hosea
6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit
und nicht am Opfer.« Ich bin gekommen, die
Sünder zu rufen und nicht die Gerechten.

Die Frage nach dem Fasten.

9,14 Da kamen die Jünger des Johannes zu ihm und
sprachen: Warum fasten wir und die Pharisäer
so viel, und deine Jünger fasten nicht?
9,15 Jesus antwortete ihnen: Wie können die Hochzeitsgäste
Leid tragen, solange der Bräutigam bei ihnen
ist? Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam
von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten.
9,16 Niemand flickt ein altes Kleid mit einem
Lappen von neuem Tuch; denn der Lappen reißt doch
wieder vom Kleid ab, und der Riß wird ärger.
9,17 Man füllt auch nicht neuen Wein in alte Schläuche;
sonst zerreißen die Schläuche, und der Wein wird
verschüttet, und die Schläuche verderben. Sondern
man füllt neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben
beide miteinander erhalten.

Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung
der Tochter des Jaïrus.
9,18 Als er dies mit ihnen redete, siehe, da kam
einer von den Vorstehern der Gemeinde, fiel vor
ihm nieder und sprach: Meine Tochter ist eben gestorben,
aber komm und lege deine Hand auf sie, so wird
sie lebendig.
9,19 Und Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern.
9,20 Und siehe, eine Frau, die seit zwölf Jahren
den Blutfluß hatte, trat von hinten an ihn heran
und berührte den Saum seines Gewandes.
9,21 Denn sie sprach bei sich selbst: Könnte ich
nur sein Gewand berühren, so würde ich gesund.
9,22 Da wandte sich Jesus um und sah sie und sprach:
Sei getrost, meine Tochter, dein Glaube hat dir
geholfen. Und die Frau wurde gesund zu derselben Stunde.
9,23 Und als er in das Haus des Vorstehers kam
und sah die Flötenspieler und das Getümmel des Volkes,
9,24 sprach er: Geht hinaus! denn das Mädchen
ist nicht tot, sondern es schläft. Und sie verlachten ihn.
9,25 Als aber das Volk hinausgetrieben war, ging
er hinein und ergriff sie bei der Hand. Da stand
das Mädchen auf.
9,26 Und diese Kunde erscholl durch dieses ganze Land.

Die Heilung zweier Blinder und eines Stummen.

9,27 Und als Jesus von dort weiterging, folgten
ihm zwei Blinde, die schrien: Ach, du Sohn Davids,
erbarme dich unser!
9,28 Und als er heimkam, traten die Blinden zu
ihm. Und Jesus sprach zu ihnen: Glaubt ihr,
daß ich das tun kann? Da sprachen sie zu ihm: Ja, Herr.
9,29 Da berührte er ihre Augen und sprach: Euch
geschehe nach eurem Glauben!
9,30 Und ihre Augen wurden geöffnet. Und Jesus
drohte ihnen und sprach: Seht zu, daß es niemand
erfahre!
9,31 Aber sie gingen hinaus und verbreiteten die
Kunde von ihm in diesem ganzen Lande.
9,32 Als diese nun hinausgegangen waren, siehe,
da brachten sie zu ihm einen Menschen, der war
stumm und besessen.
9,33 Als aber der böse Geist ausgetrieben war,
redete der Stumme. Und das Volk verwunderte sich
und sprach: So etwas ist noch nie in Israel gesehen worden.
9,34 Aber die Pharisäer sprachen: Er treibt die
bösen Geister aus durch ihren Obersten.

Die große Ernte.

9,35 Und Jesus ging ringsum in alle Städte und
Dörfer, lehrte in ihren Synagogen und predigte
das Evangelium von dem Reich und heilte alle Krankheiten
und alle Gebrechen.
9,36 Und als er das Volk sah, jammerte es ihn;
denn sie waren verschmachtet und zerstreut
wie die Schafe, die keinen Hirten haben.
9,37 Da sprach er zu seinen Jüngern: Die Ernte
ist groß, aber wenige sind der Arbeiter.
9,38 Darum bittet den Herrn der Ernte, daß er
Arbeiter in seine Ernte sende.

\10\
Die Berufung der Zwölf.

10,1 Und er rief seine zwölf Jünger zu sich und
gab ihnen Macht über die unreinen Geister, daß
sie die austrieben und heilten alle Krankheiten
und alle Gebrechen.
10,2 Die Namen aber der zwölf Apostel sind
diese: zuerst Simon, genannt Petrus, und Andreas,
sein Bruder; Jakobus, der Sohn des Zebedäus, und
Johannes, sein Bruder;
10,3 Philippus und Bartholomäus; Thomas und Matthäus,
der Zöllner; Jakobus, der Sohn des Alphäus, und Thaddäus;
10,4 Simon Kananäus und Judas Iskariot, der ihn verriet.

Die Aussendung der Zwölf.

10,5 Diese Zwölf sandte Jesus aus, gebot ihnen
und sprach: Geht nicht den Weg zu den Heiden und
zieht in keine Stadt der Samariter,
10,6 sondern geht hin zu den verlorenen Schafen
aus dem Hause Israel.
10,7 Geht aber und predigt und sprecht:
Das Himmelreich ist nahe herbeigekommen.
10,8 Macht Kranke gesund, weckt Tote auf, macht
Aussätzige rein, treibt böse Geister aus. Umsonst
habt ihr's empfangen, umsonst gebt es auch.
10,9 Ihr sollt weder Gold noch Silber noch
Kupfer in euren Gürteln haben,
10,10 auch keine Reisetasche, auch nicht zwei
Hemden, keine Schuhe, auch keinen Stecken. Denn
ein Arbeiter ist seiner Speise wert.
10,11 Wenn ihr aber in eine Stadt oder ein Dorf
geht, da erkundigt euch, ob jemand darin ist, der
es wert ist; und bei dem bleibt, bis ihr weiterzieht.
10,12 Wenn ihr aber in ein Haus geht, so grüßt es;
10,13 und wenn es das Haus wert ist, wird euer
Friede auf sie kommen. Ist es aber nicht wert,
so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.
10,14 Und wenn euch jemand nicht aufnehmen und
eure Rede nicht hören wird, so geht heraus aus
diesem Hause oder dieser Stadt und schüttelt
den Staub von euren Füßen.
10,15 Wahrlich, ich sage euch: Dem Land der
Sodomer und Gomorrer wird es erträglicher ergehen
am Tage des Gerichts als dieser Stadt.

Die Ansage kommender Verfolgungen.

10,16 Siehe, ich sende euch wie Schafe mitten
unter die Wölfe. Darum seid klug wie die Schlangen
und ohne Falsch wie die Tauben.
10,17 Hütet euch aber vor den Menschen; denn
sie werden euch den Gerichten überantworten und
werden euch geißeln in ihren Synagogen.
10,18 Und man wird euch vor Statthalter und Könige
führen um meinetwillen, ihnen und den Heiden
zum Zeugnis.
10,19 Wenn sie euch nun überantworten werden,
so sorgt nicht, wie oder was ihr reden sollt; denn
es soll euch zu der Stunde gegeben werden, was
ihr reden sollt.
10,20 Denn nicht ihr seid es, die da reden, sondern
eures Vaters Geist ist es, der durch euch redet.
10,21 Es wird aber ein Bruder den andern dem Tod
preisgeben und der Vater den Sohn, und die Kinder
werden sich empören gegen ihre Eltern und werden
sie töten helfen.
10,22 Und ihr werdet gehaßt werden von jedermann
um meines Namens willen. Wer aber bis an das
Ende beharrt, der wird selig werden.
10,23 Wenn sie euch aber in einer Stadt verfolgen,
so flieht in eine andere. Wahrlich, ich sage euch:
Ihr werdet mit den Städten Israels nicht zu
Ende kommen, bis der Menschensohn kommt.
10,24 Der Jünger steht nicht über dem Meister
und der Knecht nicht über seinem Herrn.
10,25 Es ist für den Jünger genug, daß er ist
wie sein Meister und der Knecht wie sein Herr.
Haben sie den Hausherrn Beelzebul genannt,
wieviel mehr werden sie seine Hausgenossen so nennen!
10,26 Darum fürchtet euch nicht vor ihnen.

Menschenfurcht und Gottesfurcht.

Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar wird,
und nichts geheim, was man nicht wissen wird.
10,27 Was ich euch sage in der Finsternis, das
redet im Licht; und was euch gesagt wird in das
Ohr, das predigt auf den Dächern.
10,28 Und fürchtet euch nicht vor denen, die den
Leib töten, doch die Seele nicht töten können;
fürchtet euch aber viel mehr vor dem, der Leib
und Seele verderben kann in der Hölle.
10,29 Kauft man nicht zwei Sperlinge für einen
Groschen? Dennoch fällt keiner von ihnen auf die
Erde ohne euren Vater.
10,30 Nun aber sind auch eure Haare auf dem Haupt
alle gezählt.
10,31 Darum fürchtet euch nicht; ihr seid besser
als viele Sperlinge.
10,32 Wer nun mich bekennt vor den Menschen, den
will ich auch bekennen vor meinem himmlischen Vater.
10,33 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen,

den will ich auch verleugnen vor meinem himmlischen Vater.

Entzweiungen um Jesu willen.

10,34 Ihr sollt nicht meinen, daß ich gekommen
bin, Frieden zu bringen auf die Erde. Ich bin nicht
gekommen, Frieden zu bringen, sondern das Schwert.
10,35 Denn ich bin gekommen, den Menschen zu entzweien
mit seinem Vater und die Tochter mit ihrer Mutter
und die Schwiegertochter mit ihrer Schwiegermutter.
10,36 Und des Menschen Feinde werden seine eigenen
Hausgenossen sein.
10,37 Wer Vater oder Mutter mehr liebt als mich,
der ist meiner nicht wert; und wer Sohn oder Tochter
mehr liebt als mich, der ist meiner nicht wert.
10,38 Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt
und folgt mir nach, der ist meiner nicht wert.
10,39 Wer sein Leben findet, der wird's verlieren;
und wer sein Leben verliert um meinetwillen, der
wird's finden.

Aufnahme um Jesu willen.

10,40 Wer euch aufnimmt, der nimmt mich auf; und
wer mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich
gesandt hat.
10,41 Wer einen Propheten aufnimmt, weil es ein
Prophet ist, der wird den Lohn eines Propheten
empfangen. Wer einen Gerechten aufnimmt, weil
es ein Gerechter ist, der wird den Lohn eines Gerechten
empfangen.
10,42 Und wer einem dieser Geringen auch nur einen
Becher kalten Wassers zu trinken gibt, weil es
ein Jünger ist, wahrlich ich sage euch: es wird
ihm nicht unbelohnt bleiben.

\11\

Die Anfrage des Täufers.
11,1 Und es begab sich, als Jesus diese Gebote
an seine zwölf Jünger beendet hatte, daß er von
dort weiterging, um in ihren Städten zu lehren
und zu predigen.
11,2 Als aber Johannes im Gefängnis von den
Werken Christi hörte, sandte er seine Jünger
11,3 und ließ ihn fragen: Bist du es, der
da kommen soll, oder sollen wir auf einen andern warten?
11,4 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Geht
hin und sagt Johannes wieder, was ihr hört und seht:
11,5 Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige
werden rein und Taube hören, Tote stehen auf, und
Armen wird das Evangelium gepredigt;
11,6 und selig ist, wer sich nicht an mir ärgert.

Jesu Zeugnis über den Täufer.

11,7 Als sie fortgingen, fing Jesus an, zu dem
Volk von Johannes zu reden: Was seid ihr hinausgegangen
in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen,
das der Wind hin und her weht?
11,8 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?
Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern
sehen? Siehe, die weiche Kleider tragen, sind in
den Häusern der Könige.
11,9 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?
Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich
sage euch: er ist mehr als ein Prophet.
11,10 Dieser ist's, von dem geschrieben steht
(Maleachi 3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten
vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.«
11,11 Wahrlich, ich sage euch: Unter allen, die
von einer Frau geboren sind, ist keiner aufgetreten,
der größer ist als Johannes der Täufer; der
aber der Kleinste ist im Himmelreich, ist größer als er.
11,12 Aber von den Tagen Johannes des Täufers
bis heute leidet das Himmelreich Gewalt, und die
Gewalttätigen reißen es an sich.
11,13 Denn alle Propheten und das Gesetz haben
geweissagt bis hin zu Johannes;
11,14 und wenn ihr's annehmen wollt: er ist
Elia, der da kommen soll.
11,15 Wer Ohren hat, der höre!
11,16 Mit wem soll ich aber dieses Geschlecht
vergleichen? Es gleicht den Kindern, die auf dem
Markt sitzen und rufen den andern zu:
11,17 Wir haben euch aufgespielt, und ihr wolltet
nicht tanzen; wir haben Klagelieder gesungen, und
ihr wolltet nicht weinen.
11,18 Johannes ist gekommen, aß nicht und
trank nicht; so sagen sie: Er ist besessen.
11,19 Der Menschensohn ist gekommen, ißt und
trinkt; so sagen sie: Siehe, was ist dieser Mensch
für ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der
Zöllner und Sünder! Und doch ist die Weisheit
gerechtfertigt worden aus ihren Werken.

Jesu Weheruf über galiläische Städte.

11,20 Da fing er an, die Städte zu schelten, in
denen die meisten seiner Taten geschehen waren;
denn sie hatten nicht Buße getan:
11,21 Wehe dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Wären
solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen, wie
sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst
in Sack und Asche Buße getan.
11,22 Doch ich sage euch: Es wird Tyrus und Sidon
erträglicher ergehen am Tage des Gerichts als euch.
11,23 Und du, Kapernaum, wirst du bis
zum Himmel erhoben werden? Du wirst bis in die
Hölle hinuntergestoßen werden. Denn wenn in Sodom
die Taten geschehen wären, die in dir geschehen
sind, es stünde noch heutigen Tages.
11,24 Doch ich sage euch: Es wird dem Land der
Sodomer erträglicher ergehen am Tage des Gerichts
als dir.

Jesu Lobpreis und Heilandsruf.

11,25 Zu der Zeit fing Jesus an und sprach:
Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der
Erde, weil du dies den Weisen und Klugen verborgen
hast und hast es den Unmündigen offenbart.
11,26 Ja, Vater; denn so hat es dir wohlgefallen.
11,27 Alles ist mir übergeben von meinem Vater;
und niemand kennt den Sohn als nur der Vater; und
niemand kennt den Vater als nur der Sohn und wem
es der Sohn offenbaren will.
11,28 Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig
und beladen seid; ich will euch erquicken.
11,29 Nehmt auf euch mein Joch und lernt von mir;
denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig;
so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.
11,30 Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.

\12\
Das Ährenraufen am Sabbat.

12,1 Zu der Zeit ging Jesus durch ein Kornfeld
am Sabbat; und seine Jünger waren hungrig und fingen
an, Ähren auszuraufen und zu essen.
12,2 Als das die Pharisäer sahen, sprachen sie
zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was am Sabbat
nicht erlaubt ist.
12,3 Er aber sprach zu ihnen: Habt ihr nicht
gelesen, was David tat, als ihn und die bei ihm
waren hungerte?
12,4 wie er in das Gotteshaus ging und aß die
Schaubrote, die doch weder er noch die bei ihm
waren, essen durften, sondern allein die Priester?
12,5 Oder habt ihr nicht gelesen im Gesetz, wie
die Priester am Sabbat im Tempel den Sabbat brechen
und sind doch ohne Schuld?
12,6 Ich sage euch aber: Hier ist Größeres als der Tempel.
12,7 Wenn ihr aber wüßtet, was das heißt (Hosea
6,6): »Ich habe Wohlgefallen an Barmherzigkeit
und nicht am Opfer«, dann hättet ihr die Unschuldigen
nicht verdammt.
12,8 Der Menschensohn ist ein Herr über den Sabbat.

Die Heilung eines Mannes am Sabbat.

12,9 Und er ging von dort weiter und kam in ihre Synagoge.
12,10 Und siehe, da war ein Mensch, der hatte
eine verdorrte Hand. Und sie fragten ihn und sprachen:
Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen?, damit sie
ihn verklagen könnten.
12,11 Aber er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch,
der sein einziges Schaf, wenn es ihm am Sabbat
in eine Grube fällt, nicht ergreift und ihm heraushilft?
12,12 Wieviel mehr ist nun ein Mensch als ein
Schaf! Darum darf man am Sabbat Gutes tun.
12,13 Da sprach er zu dem Menschen: Strecke deine
Hand aus! Und er streckte sie aus; und sie wurde
ihm wieder gesund wie die andere.
12,14 Da gingen die Pharisäer hinaus und hielten
Rat über ihn, wie sie ihn umbrächten.

Der Gottesknecht.

12,15 Aber als Jesus das erfuhr, entwich er von
dort. Und eine große Menge folgte ihm, und er heilte
sie alle
12,16 und gebot ihnen, daß sie ihn nicht offenbar
machten,
12,17 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch
den Propheten Jesaja, der da spricht (Jesaja 42,1-4):
12,18 »Siehe, das ist mein Knecht, den ich
erwählt habe, und mein Geliebter, an dem meine
Seele Wohlgefallen hat; ich will meinen Geist auf
ihn legen, und er soll den Heiden das Recht verkündigen.
12,19 Er wird nicht streiten noch schreien, und
man wird seine Stimme nicht hören auf den Gassen;
12,20 das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen,
und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen,
bis er das Recht hinausführt zum Sieg;
12,21 und die Heiden werden auf seinen Namen hoffen.«

Jesu Macht über die bösen Geister.

12,22 Da wurde ein Besessener zu Jesus gebracht,
der war blind und stumm; und er heilte ihn, so
daß der Stumme redete und sah.
12,23 Und alles Volk entsetzte sich und fragte:
Ist dieser nicht Davids Sohn?
12,24 Aber als die Pharisäer das hörten, sprachen
sie: Er treibt die bösen Geister nicht anders
aus als durch Beelzebul, ihren Obersten.
12,25 Jesus erkannte aber ihre Gedanken und sprach
zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins
ist, wird verwüstet; und jede Stadt oder jedes
Haus, das mit sich selbst uneins ist, kann nicht bestehen.
12,26 Wenn nun der Satan den Satan austreibt,
so muß er mit sich selbst uneins sein; wie kann
dann sein Reich bestehen?
12,27 Wenn ich aber die bösen Geister durch Beelzebul
austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?
Darum werden sie eure Richter sein.
12,28 Wenn ich aber die bösen Geister durch
den Geist Gottes austreibe, so ist ja das Reich
Gottes zu euch gekommen.
12,29 Oder wie kann jemand in das Haus eines Starken
eindringen und ihm seinen Hausrat rauben, wenn
er nicht zuvor den Starken fesselt? Erst dann kann

er sein Haus berauben.
12,30 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen
mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Die Sünde gegen den heiligen Geist.

12,31 Darum sage ich euch: Alle Sünde und Lästerung
wird den Menschen vergeben; aber die Lästerung
gegen den Geist wird nicht vergeben.
12,32 Und wer etwas redet gegen den Menschensohn,
dem wird es vergeben; aber wer etwas redet gegen
den heiligen Geist, dem wird's nicht vergeben,
weder in dieser noch in jener Welt.

Vom Baum und seinen Früchten.

12,33 Nehmt an, ein Baum ist gut, so wird auch
seine Frucht gut sein; oder nehmt an, ein Baum
ist faul, so wird auch seine Frucht faul sein.
Denn an der Frucht erkennt man den Baum.
12,34 Ihr Schlangenbrut, wie könnt ihr Gutes
reden, die ihr böse seid? Wes das Herz voll ist,
des geht der Mund über.
12,35 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus
dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser
Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz.
12,36 Ich sage euch aber, daß die Menschen Rechenschaft
geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen
Wort, das sie geredet haben.
12,37 Aus deinen Worten wirst du gerechtfertigt
werden, und aus deinen Worten wirst du verdammt werden.


Die Zeichenforderung der Pharisäer.

12,38 Da fingen einige von den Schriftgelehrten
und Pharisäern an und sprachen zu ihm: Meister,
wir möchten gern ein Zeichen von dir sehen.
12,39 Und er antwortete und sprach zu ihnen: Ein
böses und abtrünniges Geschlecht fordert ein Zeichen,
aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden, es
sei denn das Zeichen des Propheten Jona.
12,40 Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte
im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn
drei Tage und drei Nächte im Schoß der Erde sein.
12,41 Die Leute von Ninive werden auftreten beim
Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden
es verdammen; denn sie taten Buße nach der
Predigt des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.
12,42 Die Königin vom Süden wird auftreten beim
Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und wird
es verdammen; denn sie kam vom Ende der Erde,
um Salomos Weisheit zu hören. Und siehe, hier ist
mehr als Salomo.

Von der Rückkehr des bösen Geistes.

12,43 Wenn der unreine Geist von einem Menschen
ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten,
sucht Ruhe und findet sie nicht.
12,44 Dann spricht er: Ich will wieder zurückkehren
in mein Haus, aus dem ich fortgegangen bin. Und
wenn er kommt, so findet er's leer, gekehrt und geschmückt.
12,45 Dann geht er hin und nimmt mit sich sieben
andre Geister, die böser sind als er selbst; und
wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin; und
es wird mit diesem Menschen hernach ärger, als
es vorher war. So wird's auch diesem bösen Geschlecht
ergehen.

Jesu wahre Verwandte.

12,46 Als er noch zu dem Volk redete, siehe, da
standen seine Mutter und seine Brüder draußen,
die wollten mit ihm reden.
12,47 Da sprach einer zu ihm: Siehe, deine Mutter
und deine Brüder stehen draußen und wollen mit dir reden.
12,48 Er antwortete aber und sprach zu dem, der
es ihm ansagte: Wer ist meine Mutter, und wer sind
meine Brüder?
12,49 Und er streckte die Hand aus über seine
Jünger und sprach: Siehe da, das ist meine Mutter,
und das sind meine Brüder!
12,50 Denn wer den Willen tut meines Vaters im
Himmel, der ist mir Bruder und Schwester und Mutter.

\13\
Vom Sämann.

13,1 An demselben Tage ging Jesus aus dem Hause
und setzte sich an den See.
13,2 Und es versammelte sich eine große Menge
bei ihm, so daß er in ein Boot stieg und sich setzte,
und alles Volk stand am Ufer.
13,3 Und er redete vieles zu ihnen in Gleichnissen
und sprach: Siehe, es ging ein Sämann aus, zu säen.
13,4 Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg;
da kamen die Vögel und fraßen's auf.
13,5 Einiges fiel auf felsigen Boden, wo es nicht
viel Erde hatte, und ging bald auf, weil es keine
tiefe Erde hatte.
13,6 Als aber die Sonne aufging, verwelkte es,
und weil es keine Wurzel hatte, verdorrte es.
13,7 Einiges fiel unter die Dornen; und die Dornen
wuchsen empor und erstickten's.
13,8 Einiges fiel auf gutes Land und trug Frucht,
einiges hundertfach, einiges sechzigfach, einiges
dreißigfach.
13,9 Wer Ohren hat, der höre!

Vom Sinn der Gleichnisse.

13,10 Und die Jünger traten zu ihm und sprachen:
Warum redest du zu ihnen in Gleichnissen?
13,11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Euch
ist's gegeben, die Geheimnisse des Himmelreichs
zu verstehen, diesen aber ist's nicht gegeben.
13,12 Denn wer da hat, dem wird gegeben, daß
er die Fülle habe; wer aber nicht hat, dem wird
auch das genommen, was er hat.
13,13 Darum rede ich zu ihnen in Gleichnissen.
Denn mit sehenden Augen sehen sie nicht und
mit hörenden Ohren hören sie nicht; und sie verstehen
es nicht.
13,14 Und an ihnen wird die Weissagung Jesajas
erfüllt, die da sagt (Jesaja 6,9.10): »Mit den
Ohren werdet ihr hören und werdet es nicht verstehen;
und mit sehenden Augen werdet ihr sehen und werdet
es nicht erkennen.
13,15 Denn das Herz dieses Volkes ist verstockt:
ihre Ohren hören schwer, und ihre Augen sind geschlossen,
damit sie nicht etwa mit den Augen sehen und mit
den Ohren hören und mit dem Herzen verstehen und
sich bekehren, und ich ihnen helfe.«
13,16 Aber selig sind eure Augen, daß sie sehen,
und eure Ohren, daß sie hören.
13,17 Wahrlich, ich sage euch: Viele Propheten
und Gerechte haben begehrt, zu sehen, was ihr seht,
und haben's nicht gesehen, und zu hören, was ihr
hört, und haben's nicht gehört.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann.

13,18 So hört nun ihr dies Gleichnis von dem Sämann:
13,19 Wenn jemand das Wort von dem Reich hört
und nicht versteht, so kommt der Böse und reißt
hinweg, was in sein Herz gesät ist; das ist der,
bei dem auf den Weg gesät ist.
13,20 Bei dem aber auf felsigen Boden gesät ist,
das ist, der das Wort hört und es gleich mit Freuden
aufnimmt;
13,21 aber er hat keine Wurzel in sich, sondern
er ist wetterwendisch; wenn sich Bedrängnis oder
Verfolgung erhebt um des Wortes willen, so fällt
er gleich ab.
13,22 Bei dem aber unter die Dornen gesät ist,
das ist, der das Wort hört, und die Sorge der
Welt und der betrügerische Reichtum ersticken das
Wort, und er bringt keine Frucht.
13,23 Bei dem aber auf gutes Land gesät ist, das
ist, der das Wort hört und versteht und dann auch
Frucht bringt; und der eine trägt hundertfach,
der andere sechzigfach, der dritte dreißigfach.

Vom Unkraut unter dem Weizen.

13,24 Er legte ihnen ein anderes Gleichnis vor
und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Menschen,
der guten Samen auf seinen Acker säte.
13,25 Als aber die Leute schliefen, kam sein Feind
und säte Unkraut zwischen den Weizen und ging davon.
13,26 Als nun die Saat wuchs und Frucht brachte,
da fand sich auch das Unkraut.
13,27 Da traten die Knechte zu dem Hausvater und
sprachen: Herr, hast du nicht guten Samen auf deinen
Acker gesät? Woher hat er denn das Unkraut?
13,28 Er sprach zu ihnen: Das hat ein Feind getan.
Da sprachen die Knechte: Willst du denn, daß wir
hingehen und es ausjäten?
13,29 Er sprach: Nein! damit ihr nicht zugleich
den Weizen mit ausrauft, wenn ihr das Unkraut ausjätet.
13,30 Laßt beides miteinander wachsen bis zur
Ernte; und um die Erntezeit will ich zu den Schnittern
sagen: Sammelt zuerst das Unkraut und bindet es
in Bündel, damit man es verbrenne; aber den Weizen
sammelt mir in meine Scheune.

Vom Senfkorn.

13,31 Ein anderes Gleichnis legte er ihnen vor
und sprach: Das Himmelreich gleicht einem Senfkorn,
das ein Mensch nahm und auf seinen Acker säte;
13,32 das ist das kleinste unter allen Samenkörnern;
wenn es aber gewachsen ist, so ist es größer als
alle Kräuter und wird ein Baum, so daß die
Vögel unter dem Himmel kommen und wohnen in seinen
Zweigen.

Vom Sauerteig.

13,33 Ein anderes Gleichnis sagte er ihnen: Das
Himmelreich gleicht einem Sauerteig, den eine Frau
nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte,
bis es ganz durchsäuert war.
13,34 Das alles redete Jesus in Gleichnissen zu
dem Volk, und ohne Gleichnisse redete er nichts
zu ihnen,
13,35 damit erfüllt würde, was gesagt ist durch
den Propheten, der da spricht (Psalm 78,2): »Ich
will meinen Mund auftun in Gleichnissen und will
aussprechen, was verborgen war vom Anfang der Welt an.«

Die Deutung des Gleichnisses vom Unkraut.

13,36 Da ließ Jesus das Volk gehen und kam heim.
Und seine Jünger traten zu ihm und sprachen: Deute
uns das Gleichnis vom Unkraut auf dem Acker.
13,37 Er antwortete und sprach zu ihnen: Der Menschensohn
ist's, der den guten Samen sät.
13,38 Der Acker ist die Welt. Der gute Same
sind die Kinder des Reichs. Das Unkraut sind die
Kinder des Bösen.
13,39 Der Feind, der es sät, ist der Teufel. Die
Ernte ist das Ende der Welt. Die Schnitter sind die Engel.
13,40 Wie man nun das Unkraut ausjätet und mit
Feuer verbrennt, so wird's auch am Ende der Welt gehen.
13,41 Der Menschensohn wird seine Engel senden,
und sie werden sammeln aus seinem Reich alles,
was zum Abfall verführt, und die da Unrecht tun,
13,42 und werden sie in den Feuerofen werfen;
da wird Heulen und Zähneklappern sein.
13,43 Dann werden die Gerechten leuchten wie
die Sonne in ihres Vaters Reich. Wer Ohren hat, der höre!

Vom Schatz im Acker und der kostbaren Perle.

13,44 Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen
im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und
in seiner Freude ging er hin und verkaufte
alles, was er hatte, und kaufte den Acker.
13,45 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann,
der gute Perlen suchte,
13,46 und als er eine kostbare Perle fand, ging
er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.

Vom Fischnetz.

13,47 Wiederum gleicht das Himmelreich einem Netz,
das ins Meer geworfen ist und Fische aller Art fängt.
13,48 Wenn es aber voll ist, ziehen sie es heraus
an das Ufer, setzen sich und lesen die guten in
Gefäße zusammen, aber die schlechten werfen sie weg.
13,49 So wird es auch am Ende der Welt gehen:
die Engel werden ausgehen und die Bösen von
den Gerechten scheiden
13,50 und werden sie in den Feuerofen werfen;
da wird Heulen und Zähneklappern sein.
13,51 Habt ihr das alles verstanden? Sie antworteten: Ja.
13,52 Da sprach er: Darum gleicht jeder Schriftgelehrte,
der ein Jünger des Himmelreichs geworden ist, einem
Hausvater, der aus seinem Schatz Neues und Altes
hervorholt.

Die Verwerfung Jesu in Nazareth.

13,53 Und es begab sich, als Jesus diese Gleichnisse
vollendet hatte, daß er davonging
13,54 und kam in seine Vaterstadt und lehrte sie
in ihrer Synagoge, so daß sie sich entsetzten und
fragten: Woher hat dieser solche Weisheit und solche Taten?
13,55 Ist er nicht der Sohn des Zimmermanns? Heißt
nicht seine Mutter Maria? und seine Brüder Jakobus
und Josef und Simon und Judas?
13,56 Und seine Schwestern, sind sie nicht alle
bei uns? Woher kommt ihm denn das alles?
13,57 Und sie ärgerten sich an ihm. Jesus aber
sprach zu ihnen: Ein Prophet gilt nirgends
weniger als in seinem Vaterland und in seinem Hause.
13,58 Und er tat dort nicht viele Zeichen wegen
ihres Unglaubens.

\14\
Das Ende Johannes des Täufers.

14,1 Zu der Zeit kam die Kunde von Jesus vor den
Landesfürsten Herodes.
14,2 Und er sprach zu seinen Leuten: Das ist Johannes
der Täufer; er ist von den Toten auferstanden,
darum tut er solche Taten.
14,3 Denn Herodes hatte Johannes ergriffen, gefesselt

und in das Gefängnis geworfen wegen der Herodias,
der Frau seines Bruders Philippus.
14,4 Denn Johannes hatte zu ihm gesagt: Es
ist nicht recht, daß du sie hast.
14,5 Und er hätte ihn gern getötet, fürchtete
sich aber vor dem Volk; denn sie hielten ihn
für einen Propheten.
14,6 Als aber Herodes seinen Geburtstag beging,
da tanzte die Tochter der Herodias vor ihnen. Das
gefiel dem Herodes gut.
14,7 Darum versprach er ihr mit einem Eid, er
wolle ihr geben, was sie fordern würde.
14,8 Und wie sie zuvor von ihrer Mutter angestiftet
war, sprach sie: Gib mir hier auf einer Schale
das Haupt Johannes des Täufers!
14,9 Und der König wurde traurig; doch wegen des
Eides und derer, die mit ihm zu Tisch saßen, befahl
er, es ihr zu geben,
14,10 und schickte hin und ließ Johannes im Gefängnis
enthaupten.
14,11 Und sein Haupt wurde hereingetragen auf
einer Schale und dem Mädchen gegeben; und sie brachte
es ihrer Mutter.
14,12 Da kamen seine Jünger und nahmen seinen
Leichnam und begruben ihn; und sie kamen und verkündeten
das Jesus.

Die Speisung der Fünftausend.

14,13 Als das Jesus hörte, fuhr er von dort weg
in einem Boot in eine einsame Gegend allein. Und
als das Volk das hörte, folgte es ihm zu Fuß aus
den Städten.
14,14 Und Jesus stieg aus und sah die große Menge;
und sie jammerten ihn, und er heilte ihre Kranken.
14,15 Am Abend aber traten seine Jünger zu ihm
und sprachen: Die Gegend ist öde, und die Nacht
bricht herein; laß das Volk gehen, damit sie in
die Dörfer gehen und sich zu essen kaufen.
14,16 Aber Jesus sprach zu ihnen: Es ist nicht
nötig, daß sie fortgehen; gebt ihr ihnen zu essen.
14,17 Sie sprachen zu ihm: Wir haben hier nichts
als fünf Brote und zwei Fische.
14,18 Und er sprach: Bringt sie mir her!
14,19 Und er ließ das Volk sich auf das Gras lagern
und nahm die fünf Brote und die zwei Fische, sah
auf zum Himmel, dankte und brach's und gab die
Brote den Jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk.
14,20 Und sie aßen alle und wurden satt und sammelten
auf, was an Brocken übrigblieb, zwölf Körbe voll.
14,21 Die aber gegessen hatten, waren etwa fünftausend
Mann, ohne Frauen und Kinder.

Jesus und der sinkende Petrus auf dem See.

14,22 Und alsbald trieb Jesus seine Jünger, in
das Boot zu steigen und vor ihm hinüberzufahren,
bis er das Volk gehen ließe.
14,23 Und als er das Volk hatte gehen lassen,
stieg er allein auf einen Berg, um zu beten.
Und am Abend war er dort allein.
14,24 Und das Boot war schon weit vom Land entfernt
und kam in Not durch die Wellen; denn der Wind
stand ihm entgegen.
14,25 Aber in der vierten Nachtwache kam Jesus
zu ihnen und ging auf dem See.
14,26 Und als ihn die Jünger sahen auf dem See
gehen, erschraken sie und riefen: Es ist ein
Gespenst! und schrien vor Furcht.
14,27 Aber sogleich redete Jesus mit ihnen und
sprach: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!
14,28 Petrus aber antwortete ihm und sprach: Herr,
bist du es, so befiehl mir, zu dir zu kommen auf
dem Wasser.
14,29 Und er sprach: Komm her! Und Petrus stieg
aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf
Jesus zu.
14,30 Als er aber den starken Wind sah, erschrak
er und begann zu sinken und schrie: Herr, hilf mir!
14,31 Jesus aber streckte sogleich die Hand aus
und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger,
warum hast du gezweifelt?
14,32 Und sie traten in das Boot, und der Wind
legte sich.
14,33 Die aber im Boot waren, fielen vor ihm nieder
und sprachen: Du bist wahrhaftig Gottes Sohn!

Krankenheilungen in Genezareth.

14,34 Und sie fuhren hinüber und kamen ans Land
in Genezareth.
14,35 Und als die Leute an diesem Ort ihn erkannten,
schickten sie Botschaft ringsum in das ganze Land
und brachten alle Kranken zu ihm
14,36 und baten ihn, daß sie nur den Saum
seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die
ihn berührten, wurden gesund.

\15\
Von Reinheit und Unreinheit.

15,1 Da kamen zu Jesus Pharisäer und Schriftgelehrte
aus Jerusalem und sprachen:
15,2 Warum übertreten deine Jünger die Satzungen
der Ältesten? Denn sie waschen ihre Hände nicht,
wenn sie Brot essen.
15,3 Er antwortete und sprach zu ihnen: Warum
übertretet denn ihr Gottes Gebot um eurer Satzungen willen?
15,4 Denn Gott hat geboten (2. Mose 20,12; 21,17):
»Du sollst Vater und Mutter ehren; wer aber Vater
und Mutter flucht, der soll des Todes sterben.«
15,5 Aber ihr lehrt: Wer zu Vater oder Mutter
sagt: Eine Opfergabe soll sein, was dir von mir zusteht,
15,6 der braucht seinen Vater nicht zu ehren.
Damit habt ihr Gottes Gebot aufgehoben um eurer
Satzungen willen.
15,7 Ihr Heuchler, wie fein hat Jesaja von euch
geweissagt und gesprochen (Jesaja 29,13):
15,8 »Dies Volk ehrt mich mit seinen Lippen, aber
ihr Herz ist fern von mir;
15,9 vergeblich dienen sie mir, weil sie lehren
solche Lehren, die nichts als Menschengebote sind.«
15,10 Und er rief das Volk zu sich und sprach
zu ihnen: Hört zu und begreift's:
15,11 Was zum Mund hineingeht, das macht den
Menschen nicht unrein; sondern was aus dem Mund
herauskommt, das macht den Menschen unrein.
15,12 Da traten seine Jünger zu ihm und fragten:
Weißt du auch, daß die Pharisäer an dem Wort Anstoß
nahmen, als sie es hörten?
15,13 Aber er antwortete und sprach: Alle Pflanzen,
die mein himmlischer Vater nicht gepflanzt hat,
die werden ausgerissen.
15,14 Laßt sie, sie sind blinde Blindenführer!
Wenn aber ein Blinder den andern führt, so fallen
sie beide in die Grube.
15,15 Da antwortete Petrus und sprach zu ihm:
Deute uns dies Gleichnis!
15,16 Und Jesus sprach zu ihnen: Seid denn auch
ihr noch immer unverständig?
15,17 Merkt ihr nicht, daß alles, was zum Mund
hineingeht, das geht in den Bauch und wird danach
in die Grube ausgeleert?
15,18 Was aber aus dem Mund herauskommt, das kommt
aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein.
15,19 Denn aus dem Herzen kommen böse Gedanken,
Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsches Zeugnis, Lästerung.
15,20 Das sind die Dinge, die den Menschen unrein
machen. Aber mit ungewaschenen Händen essen, macht
den Menschen nicht unrein.

Die kanaanäische Frau.

15,21 Und Jesus ging weg von dort und zog sich
zurück in die Gegend von Tyrus und Sidon.
15,22 Und siehe, eine kanaanäische Frau kam aus
diesem Gebiet und schrie: Ach Herr, du Sohn Davids,
erbarme dich meiner! Meine Tochter wird von einem
bösen Geist übel geplagt.
15,23 Und er antwortete ihr kein Wort. Da traten
seine Jünger zu ihm, baten ihn und sprachen: Laß
sie doch gehen,* denn sie schreit uns nach.
15,24 Er antwortete aber und sprach: Ich bin nur
gesandt zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel.
15,25 Sie aber kam und fiel vor ihm nieder und
sprach: Herr, hilf mir!
15,26 Aber er antwortete und sprach: Es ist nicht
recht, daß man den Kindern ihr Brot nehme und werfe
es vor die Hunde.
15,27 Sie sprach: Ja, Herr; aber doch fressen
die Hunde von den Brosamen, die vom Tisch ihrer
Herren fallen.
15,28 Da antwortete Jesus und sprach zu ihr: Frau,
dein Glaube ist groß. Dir geschehe, wie du
willst! Und ihre Tochter wurde gesund zu derselben Stunde.

Weitere Heilungen.

15,29 Und Jesus ging von dort weiter und kam an
das Galiläische Meer und ging auf einen Berg und
setzte sich dort.
15,30 Und es kam eine große Menge zu ihm; die
hatten bei sich Gelähmte, Verkrüppelte, Blinde,
Stumme und viele andere Kranke und legten sie Jesus
vor die Füße, und er heilte sie,
15,31 so daß sich das Volk verwunderte, als sie
sahen, daß die Stummen redeten, die Verkrüppelten
gesund waren, die Gelähmten gingen, die Blinden
sahen; und sie priesen den Gott Israels.

Die Speisung der Viertausend.

15,32 Und Jesus rief seine Jünger zu sich
und sprach: Das Volk jammert mich; denn sie harren
nun schon drei Tage bei mir aus und haben nichts
zu essen; und ich will sie nicht hungrig gehen
lassen, damit sie nicht verschmachten auf dem Wege.
15,33 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Woher sollen
wir soviel Brot nehmen in der Wüste, um eine so
große Menge zu sättigen?
15,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Wie viele Brote
habt ihr? Sie antworteten: Sieben und ein paar Fische.
15,35 Und er ließ das Volk sich auf die Erde lagern
15,36 und nahm die sieben Brote und die Fische,
dankte, brach sie und gab sie seinen Jüngern, und
die Jünger gaben sie dem Volk.
15,37 Und sie aßen alle und wurden satt; und sie
sammelten auf, was an Brocken übrigblieb, sieben
Körbe voll.
15,38 Und die gegessen hatten, waren viertausend
Mann, ausgenommen Frauen und Kinder.
15,39 Und als er das Volk hatte gehen lassen,
stieg er ins Boot und kam in das Gebiet von Magadan.

\16\
Die Zeichenforderung der Pharisäer.

16,1 Da traten die Pharisäer und Sadduzäer zu

ihm; die versuchten ihn und forderten ihn auf,
sie ein Zeichen vom Himmel sehen zu lassen.
16,2 Aber er antwortete und sprach: Des Abends
sprecht ihr: Es wird ein schöner Tag werden, denn
der Himmel ist rot.
16,3 Und des Morgens sprecht ihr: Es wird heute
ein Unwetter kommen, denn der Himmel ist rot und
trübe. Über das Aussehen des Himmels könnt ihr
urteilen; könnt ihr dann nicht auch über die
Zeichen der Zeit urteilen?*
16,4 Ein böses und abtrünniges Geschlecht fordert
ein Zeichen; doch soll ihm kein Zeichen gegeben
werden, es sei denn das Zeichen des Jona*. Und
er ließ sie stehen und ging davon.

Warnung vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer

16,5 Und als die Jünger ans andre Ufer gekommen
waren, hatten sie vergessen, Brot mitzunehmen.
16,6 Jesus aber sprach zu ihnen: Seht zu und
hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!
16,7 Da dachten sie bei sich selbst und sprachen:
Das wird's sein, daß wir kein Brot mitgenommen haben.
16,8 Als das Jesus merkte, sprach er zu ihnen:
Ihr Kleingläubigen, was bekümmert ihr euch doch,
daß ihr kein Brot habt?
16,9 Versteht ihr noch nicht? Denkt ihr nicht
an die fünf Brote für die fünftausend und wieviel
Körbe voll ihr da aufgesammelt habt?
16,10 auch nicht an die sieben Brote für die
viertausend und wieviel Körbe voll ihr da aufgesammelt
habt?
16,11 Wieso versteht ihr denn nicht, daß ich nicht
vom Brot zu euch geredet habe? Hütet euch vielmehr
vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer!

16,12 Da verstanden sie, daß er nicht gesagt hatte,
sie sollten sich hüten vor dem Sauerteig des Brotes,
sondern vor der Lehre der Pharisäer und Sadduzäer.

Das Bekenntnis des Petrus und die Verheißung an ihn.

16,13 Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi
und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die
Leute, daß der Menschensohn sei?
16,14 Sie sprachen: Einige sagen, du seist
Johannes der Täufer, andere, du seist Elia,
wieder andere, du seist Jeremia oder (c) einer
der Propheten.
16,15 Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, daß ich sei?
16,16 Da antwortete Simon Petrus und sprach:
Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn!
16,17 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm:
Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch
und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern
mein Vater im Himmel.
16,18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und
auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen,
und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen.
16,19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs
geben: alles, was du auf Erden binden wirst,
soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was
du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein.
16,20 Da gebot er seinen Jüngern, niemandem zu
sagen, daß er der Christus sei.

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

16,21 Seit der Zeit fing Jesus an, seinen Jüngern
zu zeigen, wie er nach Jerusalem gehen und viel
leiden müsse von den Ältesten und Hohenpriestern
und Schriftgelehrten und getötet werden und
am dritten Tage auferstehen.
16,22 Und Petrus nahm ihn beiseite und fuhr ihn
an und sprach: Gott bewahre dich, Herr! Das widerfahre
dir nur nicht!
16,23 Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus:
Geh weg von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis;
denn du meinst nicht, was göttlich, sondern was
menschlich ist.

Von der Nachfolge.

16,24 Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Will
mir jemand nachfolgen, der verleugne sich selbst
und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir.
16,25 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird's
verlieren; wer aber sein Leben verliert um
meinetwillen, der wird's finden.
16,26 Was hülfe es dem Menschen, wenn er die
ganze Welt gewönne und nähme doch Schaden an seiner
Seele? Oder was kann der Mensch geben, womit er
seine Seele auslöse?
16,27 Denn es wird geschehen, daß der Menschensohn
kommt in der Herrlichkeit seines Vaters mit seinen
Engeln, und dann wird er einem jeden vergelten
nach seinem Tun.
16,28 Wahrlich, ich sage euch: Es stehen einige
hier, die werden den Tod nicht schmecken, bis sie
den Menschensohn kommen sehen in seinem Reich.

\17\
Die Verklärung Jesu.

17,1 Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich
Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder,
und führte sie allein auf einen hohen Berg.
17,2 Und er wurde verklärt vor ihnen, und
sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und
seine Kleider wurden weiß wie das Licht.
17,3 Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia;
die redeten mit ihm.
17,4 Petrus aber fing an und sprach zu Jesus:
Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich
hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und
Elia eine.
17,5 Als er noch so redete, siehe, da überschattete
sie eine lichte Wolke. Und siehe, eine Stimme aus
der Wolke sprach: Dies ist mein lieber Sohn,
an dem ich Wohlgefallen habe; den sollt ihr hören!
17,6 Als das die Jünger hörten, fielen sie auf
ihr Angesicht und erschraken sehr.
17,7 Jesus aber trat zu ihnen, rührte sie an und
sprach: Steht auf und fürchtet euch nicht!
17,8 Als sie aber ihre Augen aufhoben, sahen sie
niemand als Jesus allein.
17,9 Und als sie vom Berge hinabgingen, gebot
ihnen Jesus und sprach: Ihr sollt von dieser Erscheinung
niemandem sagen, bis der Menschensohn von den
Toten auferstanden ist.
17,10 Und seine Jünger fragten ihn und sprachen:
Warum sagen denn die Schriftgelehrten, zuerst müsse
Elia kommen?
17,11 Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Elia
soll freilich kommen und alles zurechtbringen.
17,12 Doch ich sage euch: Elia ist schon gekommen,
aber sie haben ihn nicht erkannt, sondern haben
mit ihm getan, was sie wollten. So wird auch der
Menschensohn durch sie leiden müssen.
17,13 Da verstanden die Jünger, daß er von Johannes
dem Täufer zu ihnen geredet hatte.

Die Heilung eines mondsüchtigen Knaben.

17,14 Und als sie zu dem Volk kamen, trat ein
Mensch zu ihm, fiel ihm zu Füßen
17,15 und sprach: Herr, erbarme dich über meinen
Sohn! denn er ist mondsüchtig und hat schwer zu
leiden; er fällt oft ins Feuer und oft ins Wasser;
17,16 und ich habe ihn zu deinen Jüngern gebracht,
und sie konnten ihm nicht helfen.
17,17 Jesus aber antwortete und sprach: O du ungläubiges
und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei
euch sein? Wie lange soll ich euch erdulden? Bringt
ihn mir her!
17,18 Und Jesus bedrohte ihn; und der böse Geist
fuhr aus von ihm, und der Knabe wurde gesund zu
derselben Stunde.
17,19 Da traten seine Jünger zu ihm, als sie allein
waren, und fragten: Warum konnten wir ihn nicht
austreiben?
17,20 Er aber sprach zu ihnen: Wegen eures Kleinglaubens.
Denn wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben
habt wie ein Senfkorn, so könnt ihr sagen zu diesem
Berge: Heb dich dorthin!, so wird er sich heben;
und euch wird nichts unmöglich sein.*

Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

17,22 Als sie aber beieinander waren in Galiläa,
sprach Jesus zu ihnen: Der Menschensohn wird überantwortet
werden in die Hände der Menschen,
17,23 und sie werden ihn töten, und am dritten
Tag wird er auferstehen. Und sie wurden sehr betrübt.

Von der Zahlung der Tempelsteuer.

17,24 Als sie nun nach Kapernaum kamen, traten
zu Petrus, die den Tempelgroschen einnehmen, und
sprachen: Pflegt euer Meister nicht den Tempelgroschen
zu geben?
17,25 Er sprach: Ja. Und als er heimkam, kam ihm
Jesus zuvor und fragte: Was meinst du, Simon? Von
wem nehmen die Könige auf Erden Zoll oder Steuern:
von ihren Kindern oder von den Fremden?
17,26 Als er antwortete: Von den Fremden, sprach
Jesus zu ihm: So sind die Kinder frei.
17,27 Damit wir ihnen aber keinen Anstoß geben,
geh hin an den See und wirf die Angel aus, und
den ersten Fisch, der heraufkommt, den nimm; und
wenn du sein Maul aufmachst, wirst du ein Zweigroschenstück
finden; das nimm und gib's ihnen für mich und dich.

\18\

Der Größte im Himmelreich.
18,1 Zu derselben Stunde traten die Jünger zu
Jesus und fragten: Wer ist doch der Größte im Himmelreich?
18,2 Jesus rief ein Kind zu sich und stellte es
mitten unter sie
18,3 und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn
ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so
werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.
18,4 Wer nun sich selbst erniedrigt und wird wie
dies Kind, der ist der Größte im Himmelreich.
18,5 Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem
Namen, der nimmt mich auf.

Warnung vor Verführung.

18,6 Wer aber einen dieser Kleinen, die an
mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre
es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt
und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.
18,7 Weh der Welt der Verführungen wegen! Es müssen
ja Verführungen kommen; doch weh dem Menschen,
der zum Abfall verführt!
18,8 Wenn aber deine Hand oder dein Fuß dich
zum Abfall verführt, so hau sie ab und wirf sie
von dir. Es ist besser für dich, daß du lahm oder
verkrüppelt zum Leben eingehst, als daß du zwei
Hände oder zwei Füße hast und wirst in das ewige
Feuer geworfen.
18,9 Und wenn dich dein Auge zum Abfall verführt,
reiß es aus und wirf's von dir. Es ist besser für
dich, daß du einäugig zum Leben eingehst, als daß
du zwei Augen hast und wirst in das höllische Feuer geworfen.

Vom verlorenen Schaf.

18,10 Seht zu, daß ihr nicht einen von diesen
Kleinen verachtet. Denn ich sage euch: Ihre
Engel im Himmel sehen allezeit das Angesicht meines
Vaters im Himmel.*
18,12 Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe
hätte und eins unter ihnen sich verirrte: läßt
er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht
hin und sucht das verirrte?
18,13 Und wenn es geschieht, daß er's findet,
wahrlich, ich sage euch: er freut sich darüber
mehr als über die neunundneunzig, die sich nicht
verirrt haben.
18,14 So ist's auch nicht der Wille bei eurem
Vater im Himmel, daß auch nur eines von diesen
Kleinen verloren werde.

Zurechtweisung und Gebet in der Gemeinde.
18,15 Sündigt aber dein Bruder an dir, so geh
hin und weise ihn zurecht zwischen dir und
ihm allein. Hört er auf dich, so hast du deinen
Bruder gewonnen.
18,16 Hört er nicht auf dich, so nimm noch einen
oder zwei zu dir, damit jede Sache durch den
Mund von zwei oder drei Zeugen bestätigt werde.
18,17 Hört er auf die nicht, so sage es der Gemeinde.
Hört er auch auf die Gemeinde nicht, so sei er
für dich wie ein Heide und Zöllner.
18,18 Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden
binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein,
und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im
Himmel gelöst sein.
18,19 Wahrlich, ich sage euch auch: Wenn zwei
unter euch eins werden auf Erden, worum sie bitten
wollen, so soll es ihnen widerfahren von meinem
Vater im Himmel.
18,20 Denn wo zwei oder drei versammelt sind in
meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.

Von der Vergebung (»Der Schalksknecht«).

18,21 Da trat Petrus zu ihm und fragte: Herr,
wie oft muß ich denn meinem Bruder, der an mir
sündigt, vergeben? Genügt es siebenmal?
18,22 Jesus sprach zu ihm: Ich sage dir: nicht
siebenmal, sondern siebzigmal siebenmal.
18,23 Darum gleicht das Himmelreich einem König,
der mit seinen Knechten abrechnen wollte.
18,24 Und als er anfing abzurechnen, wurde einer
vor ihn gebracht, der war ihm zehntausend Zentner
Silber schuldig.
18,25 Da er's nun nicht bezahlen konnte, befahl
der Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder
und alles, was er hatte, zu verkaufen und damit
zu bezahlen.
18,26 Da fiel ihm der Knecht zu Füßen und flehte
ihn an und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will
dir's alles bezahlen.
18,27 Da hatte der Herr Erbarmen mit diesem Knecht
und ließ ihn frei, und die Schuld erließ er ihm auch.
18,28 Da ging dieser Knecht hinaus und traf einen
seiner Mitknechte, der war ihm hundert Silbergroschen

schuldig; und er packte und würgte ihn und sprach:
Bezahle, was du mir schuldig bist!
18,29 Da fiel sein Mitknecht nieder und bat ihn
und sprach: Hab Geduld mit mir; ich will dir's bezahlen.
18,30 Er wollte aber nicht, sondern ging hin und
warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was
er schuldig war.
18,31 Als aber seine Mitknechte das sahen, wurden
sie sehr betrübt und kamen und brachten bei ihrem
Herrn alles vor, was sich begeben hatte.
18,32 Da forderte ihn sein Herr vor sich und sprach
zu ihm: Du böser Knecht! Deine ganze Schuld habe
ich dir erlassen, weil du mich gebeten hast;
18,33 hättest du dich da nicht auch erbarmen sollen
über deinen Mitknecht, wie ich mich über dich erbarmt
habe?
18,34 Und sein Herr wurde zornig und überantwortete
ihn den Peinigern, bis er alles bezahlt hätte,
was er ihm schuldig war.
18,35 So wird auch mein himmlischer Vater an euch
tun, wenn ihr einander nicht von Herzen vergebt,
ein jeder seinem Bruder.

\19\
Von Ehe, Ehescheidung, Ehelosigkeit.

19,1 Und es begab sich, als Jesus diese Reden
vollendet hatte, daß er sich aufmachte aus Galiläa
und kam in das Gebiet von Judäa jenseits des Jordans;
19,2 und eine große Menge folgte ihm nach, und
er heilte sie dort.
19,3 Da traten Pharisäer zu ihm und versuchten
ihn und sprachen: Ist's erlaubt, daß sich ein Mann
aus irgendeinem Grund von seiner Frau scheidet?
19,4 Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht
gelesen: Der im Anfang den Menschen geschaffen
hat, schuf sie als Mann und Frau
19,5 und sprach (1. Mose 2,24): »Darum wird ein
Mann Vater und Mutter verlassen und an seiner Frau
hängen, und die zwei werden ein Fleisch sein«?
19,6 So sind sie nun nicht mehr zwei, sondern
ein Fleisch*. Was nun Gott zusammengefügt hat,
das soll der Mensch nicht scheiden!
19,7 Da fragten sie: Warum hat dann Mose geboten,
ihr einen Scheidebrief zu geben und sich von
ihr zu scheiden?
19,8 Er sprach zu ihnen: Mose hat euch erlaubt,
euch zu scheiden von euren Frauen, eures Herzens
Härte wegen; von Anfang an aber ist's nicht so gewesen.
19,9 Ich aber sage euch: Wer sich von seiner Frau
scheidet, es sei denn wegen Ehebruchs, und heiratet
eine andere, der bricht die Ehe.
19,10 Da sprachen seine Jünger zu ihm: Steht die
Sache eines Mannes mit seiner Frau so, dann ist's
nicht gut zu heiraten.
19,11 Er sprach aber zu ihnen: Dies Wort fassen
nicht alle, sondern nur die, denen es gegeben ist.
19,12 Denn einige sind von Geburt an zur Ehe unfähig;
andere sind von Menschen zur Ehe unfähig gemacht;
und wieder andere haben sich selbst zur Ehe unfähig
gemacht um des Himmelreichs willen. Wer es fassen
kann, der fasse es!

Die Segnung der Kinder.

19,13 Da wurden Kinder zu ihm gebracht, damit
er die Hände auf sie legte und betete. Die Jünger
aber fuhren sie an.
19,14 Aber Jesus sprach: Lasset die Kinder und
wehret ihnen nicht, zu mir zu kommen; denn solchen
gehört das Himmelreich.
19,15 Und er legte die Hände auf sie und zog von dort weiter.

Die Gefahr des Reichtums (»Der reiche Jüngling«)

19,16 Und siehe, einer trat zu ihm und fragte:
Meister, was soll ich Gutes tun, damit ich das
ewige Leben habe?
19,17 Er aber sprach zu ihm: Was fragst du mich
nach dem, was gut ist? Gut ist nur Einer. Willst
du aber zum Leben eingehen, so halte die Gebote.
19,18 Da fragte er ihn: Welche? Jesus aber sprach:
»Du sollst nicht töten; du sollst nicht ehebrechen;
du sollst nicht stehlen; du sollst nicht falsch
Zeugnis geben;
19,19 ehre Vater und Mutter« (2. Mose 20,12-16);
und: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich
selbst« (3. Mose 19,18).
19,20 Da sprach der Jüngling zu ihm: Das habe
ich alles gehalten; was fehlt mir noch?
19,21 Jesus antwortete ihm: Willst du vollkommen
sein, so geh hin, verkaufe, was du hast, und gib's
den Armen, so wirst du einen Schatz im Himmel
haben; und komm und folge mir nach!
19,22 Als der Jüngling das Wort hörte, ging er
betrübt davon; denn er hatte viele Güter.
19,23 Jesus aber sprach zu seinen Jüngern: Wahrlich,
ich sage euch: Ein Reicher wird schwer ins Himmelreich
kommen.
19,24 Und weiter sage ich euch: Es ist leichter,
daß ein Kamel durch ein Nadelöhr gehe, als daß
ein Reicher ins Reich Gottes komme.
19,25 Als das seine Jünger hörten, entsetzten
sie sich sehr und sprachen: Ja, wer kann dann selig werden?
19,26 Jesus aber sah sie an und sprach zu ihnen:
Bei den Menschen ist's unmöglich; aber bei
Gott sind alle Dinge möglich.

Der Lohn der Nachfolge.

19,27 Da fing Petrus an und sprach zu ihm: Siehe,
wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt;
was wird uns dafür gegeben?
19,28 Jesus aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich
sage euch: Ihr, die ihr mir nachgefolgt seid, werdet
bei der Wiedergeburt, wenn der Menschensohn sitzen
wird auf dem Thron seiner Herrlichkeit, auch
sitzen auf zwölf Thronen und richten die zwölf
Stämme Israels.
19,29 Und wer Häuser oder Brüder oder Schwestern
oder Vater oder Mutter oder Kinder oder Äcker verläßt
um meines Namens willen, der wird's hundertfach
empfangen und das ewige Leben ererben.
19,30 Aber viele, die die Ersten sind, werden
die Letzten und die Letzten werden die Ersten sein.

\20\
Von den Arbeitern im Weinberg.

20,1 Denn das Himmelreich gleicht einem Hausherrn,
der früh am Morgen ausging, um Arbeiter für seinen
Weinberg einzustellen.
20,2 Und als er mit den Arbeitern einig wurde
über einen Silbergroschen als Tagelohn, sandte
er sie in seinen Weinberg.
20,3 Und er ging aus um die dritte Stunde und
sah andere müßig auf dem Markt stehen
20,4 und sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in
den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist.
20,5 Und sie gingen hin. Abermals ging er aus
um die sechste und um die neunte Stunde und tat dasselbe.
20,6 Um die elfte Stunde aber ging er aus und
fand andere und sprach zu ihnen: Was steht ihr
den ganzen Tag müßig da?
20,7 Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand eingestellt.
Er sprach zu ihnen: Geht ihr auch hin in den Weinberg.
20,8 Als es nun Abend wurde, sprach der Herr des
Weinbergs zu seinem Verwalter: Ruf die Arbeiter
und gib ihnen den Lohn und fang an bei den letzten
bis zu den ersten.
20,9 Da kamen, die um die elfte Stunde eingestellt
waren, und jeder empfing seinen Silbergroschen.
20,10 Als aber die ersten kamen, meinten sie,
sie würden mehr empfangen; und auch sie empfingen
ein jeder seinen Silbergroschen.
20,11 Und als sie den empfingen, murrten sie gegen
den Hausherrn
20,12 und sprachen: Diese letzten haben nur eine
Stunde gearbeitet, doch du hast sie uns gleichgestellt,
die wir des Tages Last und Hitze getragen haben.
20,13 Er antwortete aber und sagte zu einem von
ihnen: Mein Freund, ich tu dir nicht Unrecht. Bist
du nicht mit mir einig geworden über einen Silbergroschen?
20,14 Nimm, was dein ist, und geh! Ich will aber
diesem letzten dasselbe geben wie dir.
20,15 Oder habe ich nicht Macht zu tun, was
ich will, mit dem, was mein ist? Siehst du scheel
drein, weil ich so gütig bin?
20,16 So werden die Letzten die Ersten und die
Ersten die Letzten sein.*

Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

20,17 Und Jesus zog hinauf nach Jerusalem und
nahm die zwölf Jünger beiseite und sprach zu ihnen
auf dem Wege:
20,18 Siehe, wir ziehen hinauf nach Jerusalem,
und der Menschensohn wird den Hohenpriestern
und Schriftgelehrten überantwortet werden; und
sie werden ihn zum Tode verurteilen
20,19 und werden ihn den Heiden überantworten,
damit sie ihn verspotten und geißeln und kreuzigen;
und am dritten Tage wird er auferstehen.

Vom Herrschen und vom Dienen (»Die Söhne des Zebedäus«)

20,20 Da trat zu ihm die Mutter der Söhne
des Zebedäus mit ihren Söhnen, fiel vor ihm nieder
und wollte ihn um etwas bitten.
20,21 Und er sprach zu ihr: Was willst du? Sie
sprach zu ihm: Laß diese meine beiden Söhne sitzen
in deinem Reich einen zu deiner Rechten und den
andern zu deiner Linken.
20,22 Aber Jesus antwortete und sprach: Ihr wißt
nicht, was ihr bittet. Könnt ihr den Kelch
trinken, den ich trinken werde?* Sie antworteten
ihm: Ja, das können wir.
20,23 Er sprach zu ihnen: Meinen Kelch werdet
ihr zwar trinken,* aber das Sitzen zu meiner Rechten
und Linken zu geben, steht mir nicht zu. Das wird
denen zuteil, für die es bestimmt ist von meinem Vater.

20,24 Als das die Zehn hörten, wurden sie
unwillig über die zwei Brüder.
20,25 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach:
Ihr wißt, daß die Herrscher ihre Völker niederhalten
und die Mächtigen ihnen Gewalt antun.
20,26 So soll es nicht sein unter euch; sondern
wer unter euch groß sein will, der sei euer Diener;
20,27 und wer unter euch der Erste sein will,
der sei euer Knecht,
20,28 so wie der Menschensohn nicht gekommen ist,
daß er sich dienen lasse, sondern daß er diene
und gebe sein Leben zu einer Erlösung für viele.

Die Heilung von zwei Blinden bei Jericho.

20,29 Und als sie von Jericho fortgingen, folgte
ihm eine große Menge.
20,30 Und siehe, zwei Blinde saßen am Wege; und
als sie hörten, daß Jesus vorüberging, schrien
sie: Ach Herr, du Sohn Davids, erbarme dich unser!
20,31 Aber das Volk fuhr sie an, daß sie schweigen
sollten. Doch sie schrien noch viel mehr: Ach Herr,
du Sohn Davids, erbarme dich unser!
20,32 Jesus aber blieb stehen, rief sie und sprach:
Was wollt ihr, daß ich für euch tun soll?
20,33 Sie sprachen zu ihm: Herr, daß unsere Augen
aufgetan werden.
20,34 Und es jammerte Jesus, und er berührte ihre
Augen; und sogleich wurden sie wieder sehend, und
sie folgten ihm nach.

\21\

Jesu Einzug in Jerusalem.
21,1 Als sie nun in die Nähe von Jerusalem kamen,
nach Betfage an den Ölberg, sandte Jesus zwei Jünger voraus
21,2 und sprach zu ihnen: Geht hin in das Dorf,
das vor euch liegt, und gleich werdet ihr eine
Eselin angebunden finden und ein Füllen bei ihr;
bindet sie los und führt sie zu mir!
21,3 Und wenn euch jemand etwas sagen wird, so
sprecht: Der Herr bedarf ihrer. Sogleich wird er
sie euch überlassen.
21,4 Das geschah aber, damit erfüllt würde, was
gesagt ist durch den Propheten, der da spricht
(Sacharja 9,9):
21,5 »Sagt der Tochter Zion: Siehe, dein König
kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel

und auf einem Füllen, dem Jungen eines Lasttiers.«
21,6 Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen
Jesus befohlen hatte,
21,7 und brachten die Eselin und das Füllen und
legten ihre Kleider darauf, und er setzte sich darauf.
21,8 Aber eine sehr große Menge breitete ihre
Kleider auf den Weg; andere hieben Zweige von den
Bäumen und streuten sie auf den Weg.
21,9 Die Menge aber, die ihm voranging und nachfolgte,
schrie: Hosianna dem Sohn Davids! Gelobt sei,
der da kommt in dem Namen des Herrn! Hosianna in der Höhe!
21,10 Und als er in Jerusalem einzog, erregte
sich die ganze Stadt und fragte: Wer ist der?
21,11 Die Menge aber sprach: Das ist Jesus, der
Prophet aus Nazareth in Galiläa.

Die Tempelreinigung.

21,12 Und Jesus ging in den Tempel hinein und
trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel
und stieß die Tische der Geldwechsler um und die
Stände der Taubenhändler
21,13 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben
(Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«;
ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus.
21,14 Und es gingen zu ihm Blinde und Lahme im
Tempel, und er heilte sie.
21,15 Als aber die Hohenpriester und Schriftgelehrten
die Wunder sahen, die er tat, und die Kinder, die
im Tempel schrien: Hosianna dem Sohn Davids!,
entrüsteten sie sich
21,16 und sprachen zu ihm: Hörst du auch, was
diese sagen? Jesus antwortete ihnen: Ja! Habt ihr
nie gelesen (Psalm 8,3): »Aus dem Munde der Unmündigen
und Säuglinge hast du dir Lob bereitet«?
21,17 Und er ließ sie stehen und ging zur Stadt
hinaus nach Betanien und blieb dort über Nacht.

Der verdorrte Feigenbaum.

21,18 Als er aber am Morgen wieder in die Stadt
ging, hungerte ihn.
21,19 Und er sah einen Feigenbaum an dem Wege,
ging hin und fand nichts daran als Blätter
und sprach zu ihm: Nun wachse auf dir niemals mehr
Frucht! Und der Feigenbaum verdorrte sogleich.
21,20 Und als das die Jünger sahen, verwunderten
sie sich und fragten: Wie ist der Feigenbaum so
rasch verdorrt?
21,21 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen:
Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr Glauben habt
und nicht zweifelt, so werdet ihr nicht allein
Taten wie die mit dem Feigenbaum tun, sondern,
wenn ihr zu diesem Berge sagt: Heb dich und
wirf dich ins Meer!, so wird's geschehen.
21,22 Und alles, was ihr bittet im Gebet, wenn
ihr glaubt, so werdet ihr's empfangen.

Die Frage nach Jesu Vollmacht.

21,23 Und als er in den Tempel kam und lehrte,
traten die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes
zu ihm und fragten: Aus welcher Vollmacht tust
du das, und wer hat dir diese Vollmacht gegeben?
21,24 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen:
Ich will euch auch eine Sache fragen; wenn ihr
mir die sagt, will ich euch auch sagen, aus welcher
Vollmacht ich das tue.
21,25 Woher war die Taufe des Johannes? War sie
vom Himmel oder von den Menschen? Da bedachten
sie's bei sich selbst und sprachen: Sagen wir,
sie war vom Himmel, so wird er zu uns sagen: Warum
habt ihr ihm dann nicht geglaubt?
21,26 Sagen wir aber, sie war von Menschen, so
müssen wir uns vor dem Volk fürchten, denn sie
halten alle Johannes für einen Propheten.
21,27 Und sie antworteten Jesus und sprachen:
Wir wissen's nicht. Da sprach er zu ihnen: So sage
ich euch auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.

Von den ungleichen Söhnen.

21,28 Was meint ihr aber? Es hatte ein Mann zwei
Söhne und ging zu dem ersten und sprach: Mein Sohn,
geh hin und arbeite heute im Weinberg.
21,29 Er antwortete aber und sprach: Nein, ich
will nicht. Danach reute es ihn, und er ging hin.
21,30 Und der Vater ging zum zweiten Sohn und
sagte dasselbe. Der aber antwortete und sprach:
Ja, Herr! und ging nicht hin.
21,31 Wer von den beiden hat des Vaters Willen
getan? Sie antworteten: Der erste. Jesus sprach
zu ihnen: Wahrlich, ich sage euch: Die Zöllner
und Huren kommen eher ins Reich Gottes als ihr.
21,32 Denn Johannes kam zu euch und lehrte euch
den rechten Weg, und ihr glaubtet ihm nicht; aber
die Zöllner und Huren glaubten ihm. Und obwohl
ihr's saht, tatet ihr dennoch nicht Buße, so daß
ihr ihm dann auch geglaubt hättet.

Von den bösen Weingärtnern.

21,33 Hört ein anderes Gleichnis: Es war ein Hausherr,
der pflanzte einen Weinberg und zog einen Zaun
darum und grub eine Kelter darin und baute einen
Turm und verpachtete ihn an Weingärtner und ging
außer Landes.
21,34 Als nun die Zeit der Früchte herbeikam,
sandte er seine Knechte zu den Weingärtnern, damit
sie seine Früchte holten.
21,35 Da nahmen die Weingärtner seine Knechte:
den einen schlugen sie, den zweiten töteten sie,
den dritten steinigten sie.
21,36 Abermals sandte er andere Knechte, mehr
als das erste Mal; und sie taten mit ihnen dasselbe.
21,37 Zuletzt aber sandte er seinen Sohn zu ihnen
und sagte sich: Sie werden sich vor meinem Sohn scheuen.
21,38 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen,
sprachen sie zueinander: Das ist der Erbe; kommt,
laßt uns ihn töten und sein Erbgut an uns bringen!
21,39 Und sie nahmen ihn und stießen ihn zum Weinberg
hinaus und töteten ihn.
21,40 Wenn nun der Herr des Weinbergs kommen wird,
was wird er mit diesen Weingärtnern tun?
21,41 Sie antworteten ihm: Er wird den Bösen ein
böses Ende bereiten und seinen Weinberg andern
Weingärtnern verpachten, die ihm die Früchte zur
rechten Zeit geben.
21,42 Jesus sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen
in der Schrift (Psalm 118,22.23): »Der Stein,
den die Bauleute verworfen haben, der ist zum Eckstein
geworden. Vom Herrn ist das geschehen und ist ein
Wunder vor unsern Augen«?
21,43 Darum sage ich euch: Das Reich Gottes wird
von euch genommen und einem Volk gegeben werden,
das seine Früchte bringt.
21,44 Und wer auf diesen Stein fällt, der wird
zerschellen; auf wen aber er fällt, den wird er zermalmen.*
21,45 Und als die Hohenpriester und Pharisäer
seine Gleichnisse hörten, erkannten sie, daß er
von ihnen redete.
21,46 Und sie trachteten danach, ihn zu ergreifen;
aber sie fürchteten sich vor dem Volk, denn es
hielt ihn für einen Propheten.

\22\
Die königliche Hochzeit.

22,1 Und Jesus fing an und redete abermals in
Gleichnissen zu ihnen und sprach:
22,2 Das Himmelreich gleicht einem König, der
seinem Sohn die Hochzeit ausrichtete.
22,3 Und er sandte seine Knechte aus, die Gäste
zur Hochzeit zu laden; doch sie wollten nicht kommen.
22,4 Abermals sandte er andere Knechte aus und
sprach: Sagt den Gästen: Siehe, meine Mahlzeit
habe ich bereitet, meine Ochsen und mein Mastvieh
ist geschlachtet, und alles ist bereit; kommt zur Hochzeit!
22,5 Aber sie verachteten das und gingen weg,
einer auf seinen Acker, der andere an sein Geschäft.
22,6 Einige aber ergriffen seine Knechte, verhöhnten
und töteten sie.
22,7 Da wurde der König zornig und schickte seine
Heere aus und brachte diese Mörder um und zündete
ihre Stadt an.
22,8 Dann sprach er zu seinen Knechten: Die Hochzeit
ist zwar bereit, aber die Gäste waren's nicht wert.
22,9 Darum geht hinaus auf die Straßen und ladet
zur Hochzeit ein, wen ihr findet.
22,10 Und die Knechte gingen auf die Straßen hinaus
und brachten zusammen, wen sie fanden, Böse
und Gute; und die Tische wurden alle voll.
22,11 Da ging der König hinein, sich die Gäste
anzusehen, und sah da einen Menschen, der hatte
kein hochzeitliches Gewand an,
22,12 und sprach zu ihm: Freund, wie bist du hier
hereingekommen und hast doch kein hochzeitliches
Gewand an? Er aber verstummte.
22,13 Da sprach der König zu seinen Dienern: Bindet
ihm die Hände und Füße und werft ihn in die Finsternis
hinaus! Da wird Heulen und Zähneklappern sein.
22,14 Denn viele sind berufen, aber wenige sind auserwählt.

Die Frage nach der Steuer (»Der Zinsgroschen«)

22,15 Da gingen die Pharisäer hin und hielten
Rat, wie sie ihn in seinen Worten fangen könnten;
22,16 und sandten zu ihm ihre Jünger samt den
Anhängern des Herodes. Die sprachen: Meister,
wir wissen, daß du wahrhaftig bist und lehrst den
Weg Gottes recht und fragst nach niemand; denn
du achtest nicht das Ansehen der Menschen.
22,17 Darum sage uns, was meinst du: Ist's recht,
daß man dem Kaiser Steuern zahlt oder nicht?
22,18 Als nun Jesus ihre Bosheit merkte, sprach
er: Ihr Heuchler, was versucht ihr mich?
22,19 Zeigt mir die Steuermünze! Und sie reichten
ihm einen Silbergroschen.
22,20 Und er sprach zu ihnen: Wessen Bild und
Aufschrift ist das?
22,21 Sie sprachen zu ihm: Des Kaisers. Da sprach
er zu ihnen: So gebt dem Kaiser, was des Kaisers
ist, und Gott, was Gottes ist!
22,22 Als sie das hörten, wunderten sie sich,
ließen von ihm ab und gingen davon.

Die Frage nach der Auferstehung.

22,23 An demselben Tage traten die Sadduzäer zu
ihm, die lehren, es gebe keine Auferstehung,
und fragten ihn
22,24 und sprachen: Meister, Mose hat gesagt (5.
Mose 25,5.6): »Wenn einer stirbt und hat keine
Kinder, so soll sein Bruder die Frau heiraten und
seinem Bruder Nachkommen erwecken.«
22,25 Nun waren bei uns sieben Brüder. Der erste
heiratete und starb; und weil er keine Nachkommen
hatte, hinterließ er seine Frau seinem Bruder;
22,26 desgleichen der zweite und der dritte bis
zum siebenten.
22,27 Zuletzt nach allen starb die Frau.
22,28 Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird
sie sein von diesen sieben? Sie haben sie ja alle gehabt.
22,29 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen:
Ihr irrt, weil ihr weder die Schrift kennt noch
die Kraft Gottes.
22,30 Denn in der Auferstehung werden sie weder
heiraten noch sich heiraten lassen, sondern sie
sind wie Engel im Himmel.
22,31 Habt ihr denn nicht gelesen von der Auferstehung
der Toten, was euch gesagt ist von Gott, der da
spricht (2. Mose 3,6):
22,32 »Ich bin der Gott Abrahams und der Gott
Isaaks und der Gott Jakobs«? Gott ist nicht ein
Gott der Toten, sondern der Lebenden.
22,33 Und als das Volk das hörte, entsetzten sie
sich über seine Lehre.

Die Frage nach dem höchsten Gebot.

22,34 Als aber die Pharisäer hörten, daß er den
Sadduzäern das Maul gestopft hatte, versammelten sie sich.
22,35 Und einer von ihnen, ein Schriftgelehrter,
versuchte ihn und fragte:
22,36 Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz?
22,37 Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den
Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von

ganzer Seele und von ganzem Gemüt*« (5. Mose 6,5).
22,38 Dies ist das höchste und größte Gebot.
22,39 Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst
deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3. Mose 19,18).
22,40 In diesen beiden Geboten hängt das ganze
Gesetz und die Propheten.

Die Frage nach dem Davidssohn.

22,41 Als nun die Pharisäer beieinander waren,
fragte sie Jesus:
22,42 Was denkt ihr von dem Christus? Wessen Sohn
ist er? Sie antworteten: Davids.
22,43 Da fragte er sie: Wie kann ihn dann David
durch den Geist Herr nennen, wenn er sagt (Psalm 110,1):
22,44 »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze
dich zu meiner Rechten, bis ich deine Feinde unter
deine Füße lege«?
22,45 Wenn nun David ihn Herr nennt, wie ist er
dann sein Sohn?
22,46 Und niemand konnte ihm ein Wort antworten,
auch wagte niemand von dem Tage an, ihn hinfort zu fragen.

\23\
Gegen die Schriftgelehrten und Pharisäer.

23,1 Da redete Jesus zu dem Volk und zu seinen Jüngern
23,2 und sprach: Auf dem Stuhl des Mose sitzen
die Schriftgelehrten und Pharisäer.
23,3 Alles nun, was sie euch sagen, das tut und
haltet; aber nach ihren Werken sollt ihr nicht
handeln; denn sie sagen's zwar, tun's aber nicht.
23,4 Sie binden schwere und unerträgliche
Bürden und legen sie den Menschen auf die Schultern;
aber sie selbst wollen keinen Finger dafür krümmen.
23,5 Alle ihre Werke aber tun sie, damit sie
von den Leuten gesehen werden. Sie machen ihre
Gebetsriemen* breit und die Quasten* an ihren
Kleidern groß.
23,6 Sie sitzen gern obenan bei Tisch und
in den Synagogen
23,7 und haben's gern, daß sie auf dem Markt gegrüßt
und von den Leuten Rabbi genannt werden.
23,8 Aber ihr sollt euch nicht Rabbi nennen lassen;
denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder.
23,9 Und ihr sollt niemanden unter euch Vater
nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater, der
im Himmel ist.
23,10 Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen;
denn einer ist euer Lehrer: Christus.
23,11 Der größte unter euch soll euer Diener sein.
23,12 Denn wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt;
und wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht.
23,13 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr das Himmelreich zuschließt
vor den Menschen! Ihr geht nicht hinein, und die
hinein wollen, laßt ihr nicht hineingehen.*
23,15 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr Land und Meer durchzieht,
damit ihr einen Judengenossen gewinnt; und wenn
er's geworden ist, macht ihr aus ihm ein Kind der
Hölle, doppelt so schlimm wie ihr.
23,16 Weh euch, ihr verblendeten Führer,
die ihr sagt: Wenn einer schwört bei dem Tempel,
das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem
Gold des Tempels, der ist gebunden.
23,17 Ihr Narren und Blinden! Was ist mehr: das
Gold oder der Tempel, der das Gold heilig macht?
23,18 Oder: Wenn einer schwört bei dem Altar,
das gilt nicht; wenn aber einer schwört bei dem
Opfer, das darauf liegt, der ist gebunden.
23,19 Ihr Blinden! Was ist mehr: das Opfer oder
der Altar, der das Opfer heilig macht?
23,20 Darum, wer schwört bei dem Altar, der schwört
bei ihm und bei allem, was darauf liegt.
23,21 Und wer schwört bei dem Tempel, der schwört
bei ihm und bei dem, der darin wohnt.
23,22 Und wer schwört bei dem Himmel, der schwört
bei dem Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.
23,23 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr den Zehnten gebt von
Minze, Dill und Kümmel und laßt das Wichtigste
im Gesetz beiseite, nämlich das Recht, die Barmherzigkeit
und den Glauben! Doch dies sollte man tun und jenes
nicht lassen.
23,24 Ihr verblendeten Führer, die ihr Mücken
aussiebt, aber Kamele verschluckt!
23,25 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr die Becher und Schüsseln
außen reinigt, innen aber sind sie voller Raub und Gier!
23,26 Du blinder Pharisäer, reinige zuerst
das Innere des Bechers, damit auch das Äußere rein wird!
23,27 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr seid wie die übertünchten
Gräber, die von außen hübsch aussehen, aber innen
sind sie voller Totengebeine und lauter Unrat!
23,28 So auch ihr: von außen scheint ihr vor den
Menschen fromm, aber innen seid ihr voller Heuchelei
und Unrecht.
23,29 Weh euch, Schriftgelehrte und Pharisäer,
ihr Heuchler, die ihr den Propheten Grabmäler baut
und die Gräber der Gerechten schmückt
23,30 und sprecht: Hätten wir zu Zeiten unserer
Väter gelebt, so wären wir nicht mit ihnen schuldig
geworden am Blut der Propheten!
23,31 Damit bezeugt ihr von euch selbst, daß ihr
Kinder derer seid, die die Propheten getötet haben.
23,32 Wohlan, macht auch ihr das Maß eurer Väter voll!
23,33 Ihr Schlangen, ihr Otternbrut! Wie wollt
ihr der höllischen Verdammnis entrinnen?
23,34 Darum: siehe, ich sende zu euch Propheten
und Weise und Schriftgelehrte; und von ihnen werdet
ihr einige töten und kreuzigen, und einige werdet
ihr geißeln in euren Synagogen und werdet sie verfolgen
von einer Stadt zur andern,
23,35 damit über euch komme all das gerechte Blut,
das vergossen ist auf Erden, von dem Blut des gerechten
Abel an bis auf das Blut des Secharja,
des Sohnes Berechjas, den ihr getötet habt zwischen
Tempel und Altar.
23,36 Wahrlich, ich sage euch: das alles wird
über dieses Geschlecht kommen.

Klage über Jerusalem.

23,37 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest die
Propheten und steinigst, die zu dir gesandt sind!
Wie oft habe ich deine Kinder versammeln wollen,
wie eine Henne ihre Küken versammelt unter ihre
Flügel; und ihr habt nicht gewollt!
23,38 Siehe, »euer Haus soll euch wüst gelassen
werden« (Jeremia 22,5; Psalm 69,26).
23,39 Denn ich sage euch: Ihr werdet mich von
jetzt an nicht sehen, bis ihr sprecht: Gelobt
sei, der da kommt im Namen des Herrn!

\24\
JESU REDE ÜBER DIE ENDZEIT.

(Kapitel 24-25).

Das Ende des Tempels.

24,1 Und Jesus ging aus dem Tempel fort, und seine
Jünger traten zu ihm und zeigten ihm die Gebäude
des Tempels.
24,2 Er aber sprach zu ihnen: Seht ihr nicht das
alles? Wahrlich, ich sage euch: Es wird hier
nicht ein Stein auf dem andern bleiben, der nicht
zerbrochen werde.

Der Anfang der Wehen.

24,3 Und als er auf dem Ölberg saß, traten seine
Jünger zu ihm und sprachen, als sie allein waren:
Sage uns, wann wird das geschehen? und was wird
das Zeichen sein für dein Kommen und für das Ende
der Welt?
24,4 Jesus aber antwortete und sprach zu ihnen:
Seht zu, daß euch nicht jemand verführe.
24,5 Denn es werden viele kommen unter meinem
Namen und sagen: Ich bin der Christus, und
sie werden viele verführen.
24,6 Ihr werdet hören von Kriegen und Kriegsgeschrei;
seht zu und erschreckt nicht. Denn das muß so geschehen;
aber es ist noch nicht das Ende da.
24,7 Denn es wird sich ein Volk gegen das andere
erheben und ein Königreich gegen das andere; und
es werden Hungersnöte sein und Erdbeben hier und dort.
24,8 Das alles aber ist der Anfang der Wehen.
24,9 Dann werden sie euch der Bedrängnis preisgeben
und euch töten. Und ihr werdet gehaßt werden um
meines Namens willen von allen Völkern.
24,10 Dann werden viele abfallen und werden sich
untereinander verraten und werden sich untereinander hassen.
24,11 Und es werden sich viele falsche Propheten
erheben und werden viele verführen.
24,12 Und weil die Ungerechtigkeit überhand nehmen
wird, wird die Liebe in vielen erkalten.
24,13 Wer aber beharrt bis ans Ende, der wird
selig werden.
24,14 Und es wird gepredigt werden dies Evangelium
vom Reich in der ganzen Welt zum Zeugnis für
alle Völker, und dann wird das Ende kommen.

Die große Bedrängnis.

24,15 Wenn ihr nun sehen werdet das Greuelbild
der Verwüstung stehen an der heiligen Stätte, wovon
gesagt ist durch den Propheten Daniel (Daniel 9,27;
11,31), - wer das liest, der merke auf! -,
24,16 alsdann fliehe auf die Berge, wer in Judäa ist;
24,17 und wer auf dem Dach ist, der steige
nicht hinunter, etwas aus seinem Hause zu holen;

24,18 und wer auf dem Feld ist, der kehre nicht
zurück, seinen Mantel zu holen.
24,19 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden
zu jener Zeit!
24,20 Bittet aber, daß eure Flucht nicht geschehe
im Winter oder am Sabbat.
24,21 Denn es wird dann eine große Bedrängnis
sein, wie sie nicht gewesen ist vom Anfang der
Welt bis jetzt und auch nicht wieder werden wird.
24,22 Und wenn diese Tage nicht verkürzt würden,
so würde kein Mensch selig werden; aber um der
Auserwählten willen werden diese Tage verkürzt.
24,23 Wenn dann jemand zu euch sagen wird: Siehe,
hier ist der Christus! oder da!, so sollt ihr's nicht glauben.
24,24 Denn es werden falsche Christusse und
falsche Propheten aufstehen und, große Zeichen
und Wunder tun, so daß sie, wenn es möglich wäre,
auch die Auserwählten verführten.
24,25 Siehe, ich habe es euch vorausgesagt.
24,26 Wenn sie also zu euch sagen werden:
Siehe, er ist in der Wüste!, so geht nicht hinaus;
siehe, er ist drinnen im Haus!, so glaubt es nicht.
24,27 Denn wie der Blitz ausgeht vom Osten und
leuchtet bis zum Westen, so wird auch das Kommen
des Menschensohns sein.
24,28 Wo das Aas ist, da sammeln sich die Geier.

Das Kommen des Menschensohns.

24,29 Sogleich aber nach der Bedrängnis jener
Zeit wird die Sonne sich verfinstern und der
Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden
vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel
werden ins Wanken kommen.
24,30 Und dann wird erscheinen das Zeichen des
Menschensohns am Himmel. Und dann werden wehklagen
alle Geschlechter auf Erden und werden sehen
den Menschensohn kommen auf den Wolken des Himmels
mit großer Kraft und Herrlichkeit.
24,31 Und er wird seine Engel senden mit hellen
Posaunen, und sie werden seine Auserwählten
sammeln von den vier Winden, von einem Ende des
Himmels bis zum andern.

Mahnung zur Wachsamkeit.

24,32 An dem Feigenbaum lernt ein Gleichnis: wenn
seine Zweige jetzt saftig werden und Blätter treiben,
so wißt ihr, daß der Sommer nahe ist.
24,33 Ebenso auch: wenn ihr das alles seht, so
wißt, daß er nahe vor der Tür ist.
24,34 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht
wird nicht vergehen, bis dies alles geschieht.
24,35 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine

Worte werden nicht vergehen.
24,36 Von dem Tage aber und von der Stunde weiß
niemand, auch die Engel im Himmel nicht, auch der
Sohn nicht, sondern allein der Vater.
24,37 Denn wie es in den Tagen Noahs war,
so wird auch sein das Kommen des Menschensohns.
24,38 Denn wie sie waren in den Tagen vor der
Sintflut - sie aßen, sie tranken, sie heirateten
und ließen sich heiraten bis an den Tag, an dem
Noah in die Arche hineinging;
24,39 und sie beachteten es nicht, bis die Sintflut
kam und raffte sie alle dahin -, so wird es auch
sein beim Kommen des Menschensohns.
24,40 Dann werden zwei auf dem Felde sein; der
eine wird angenommen, der andere wird preisgegeben.
24,41 Zwei Frauen werden mahlen mit der Mühle;
die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben.
24,42 Darum wachet; denn ihr wißt nicht, an welchem
Tag euer Herr kommt.
24,43 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausvater
wüßte, zu welcher Stunde in der Nacht der Dieb
kommt, so würde er ja wachen und nicht in sein
Haus einbrechen lassen.
24,44 Darum seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn
kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.

Vom treuen und vom bösen Knecht.

24,45 Wer ist nun der treue und kluge Knecht,
den der Herr über seine Leute gesetzt hat, damit
er ihnen zur rechten Zeit zu essen gebe?
24,46 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn
er kommt, das tun sieht.
24,47 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über
alle seine Güter setzen.
24,48 Wenn aber jener als ein böser Knecht in
seinem Herzen sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht,
24,49 und fängt an, seine Mitknechte zu schlagen,
ißt und trinkt mit den Betrunkenen:
24,50 dann wird der Herr dieses Knechts kommen
an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und
zu einer Stunde, die er nicht kennt,
24,51 und er wird ihn in Stücke hauen lassen und
ihm sein Teil geben bei den Heuchlern; da wird
sein Heulen und Zähneklappern.

\25\
Von den klugen und törichten Jungfrauen.

25,1 Dann wird das Himmelreich gleichen zehn Jungfrauen,
die ihre Lampen nahmen und gingen hinaus, dem Bräutigam
entgegen.
25,2 Aber fünf von ihnen waren töricht, und fünf waren klug.
25,3 Die törichten nahmen ihre Lampen, aber sie
nahmen kein Öl mit.
25,4 Die klugen aber nahmen Öl mit in ihren Gefäßen,
samt ihren Lampen.
25,5 Als nun der Bräutigam lange ausblieb, wurden
sie alle schläfrig und schliefen ein.
25,6 Um Mitternacht aber erhob sich lautes Rufen:
Siehe, der Bräutigam kommt! Geht hinaus, ihm entgegen!
25,7 Da standen diese Jungfrauen alle auf und
machten ihre Lampen fertig.
25,8 Die törichten aber sprachen zu den klugen:
Gebt uns von eurem Öl, denn unsre Lampen verlöschen.
25,9 Da antworteten die klugen und sprachen: Nein,
sonst würde es für uns und euch nicht genug sein;
geht aber zum Kaufmann und kauft für euch selbst.
25,10 Und als sie hingingen zu kaufen, kam
der Bräutigam; und die bereit waren, gingen mit
ihm hinein zur Hochzeit, und die Tür wurde verschlossen.
25,11 Später kamen auch die andern Jungfrauen
und sprachen: Herr, Herr, tu uns auf!
25,12 Er antwortete aber und sprach: Wahrlich,
ich sage euch: Ich kenne euch nicht.
25,13 Darum wachet! Denn ihr wißt weder Tag noch Stunde.*

Von den anvertrauten Zentnern.

25,14 Denn es ist wie mit einem Menschen, der
außer Landes ging: er rief seine Knechte und vertraute
ihnen sein Vermögen an;
25,15 dem einen gab er fünf Zentner Silber, dem
andern zwei, dem dritten einen, jedem nach
seiner Tüchtigkeit, und zog fort.
25,16 Sogleich ging der hin, der fünf Zentner
empfangen hatte, und handelte mit ihnen und gewann
weitere fünf dazu.
25,17 Ebenso gewann der, der zwei Zentner empfangen
hatte, zwei weitere dazu.
25,18 Der aber einen empfangen hatte, ging hin,
grub ein Loch in die Erde und verbarg das Geld
seines Herrn.
25,19 Nach langer Zeit kam der Herr dieser Knechte
und forderte Rechenschaft von ihnen.
25,20 Da trat herzu, der fünf Zentner empfangen
hatte, und legte weitere fünf Zentner dazu und
sprach: Herr, du hast mir fünf Zentner anvertraut;
siehe da, ich habe damit weitere fünf Zentner gewonnen.
25,21 Da sprach sein Herr zu ihm: Recht so, du
tüchtiger und treuer Knecht, du bist über wenigem
treu gewesen, ich will dich über viel setzen; geh
hinein zu deines Herrn Freude!
25,22 Da trat auch herzu, der zwei Zentner empfangen
hatte, und sprach: Herr, du hast mir zwei Zentner
anvertraut; siehe da, ich habe damit zwei weitere
gewonnen.
25,23 Sein Herr sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger
und treuer Knecht, du bist über wenigem treu gewesen,
ich will dich über viel setzen; geh hinein zu deines
Herrn Freude!
25,24 Da trat auch herzu, der einen Zentner empfangen
hatte, und sprach: Herr, ich wußte, daß du ein
harter Mann bist: du erntest, wo du nicht gesät
hast, und sammelst ein, wo du nicht ausgestreut hast;
25,25 und ich fürchtete mich, ging hin und verbarg
deinen Zentner in der Erde. Siehe, da hast du das Deine.
25,26 Sein Herr aber antwortete und sprach zu
ihm: Du böser und fauler Knecht! Wußtest du, daß
ich ernte, wo ich nicht gesät habe, und einsammle,
wo ich nicht ausgestreut habe?
25,27 Dann hättest du mein Geld zu den Wechslern
bringen sollen, und wenn ich gekommen wäre, hätte
ich das Meine wiederbekommen mit Zinsen.
25,28 Darum nehmt ihm den Zentner ab und gebt
ihn dem, der zehn Zentner hat.
25,29 Denn wer da hat, dem wird gegeben werden,
und er wird die Fülle haben; wer aber nicht hat,
dem wird auch, was er hat, genommen werden.
25,30 Und den unnützen Knecht werft in die Finsternis
hinaus; da wird sein Heulen und Zähneklappern.

Vom Weltgericht.

25,31 Wenn aber der Menschensohn kommen wird
in seiner Herrlichkeit, und alle Engel mit ihm,
dann wird er sitzen auf dem Thron seiner Herrlichkeit,
25,32 und alle Völker werden vor ihm versammelt
werden. Und er wird sie voneinander scheiden,
wie ein Hirt die Schafe von den Böcken scheidet,
25,33 und wird die Schafe zu seiner Rechten stellen
und die Böcke zur Linken.
25,34 Da wird dann der König sagen zu denen zu
seiner Rechten: Kommt her, ihr Gesegneten meines
Vaters, ererbt das Reich, das euch bereitet ist
von Anbeginn der Welt!
25,35 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr
habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen,
und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein
Fremder gewesen, und ihr habt mich aufgenommen.
25,36 Ich bin nackt gewesen, und ihr habt mich
gekleidet. Ich bin krank gewesen, und ihr habt
mich besucht. Ich bin im Gefängnis gewesen, und
ihr seid zu mir gekommen.
25,37 Dann werden ihm die Gerechten antworten
und sagen: Herr, wann haben wir dich hungrig gesehen
und haben dir zu essen gegeben? oder durstig und
haben dir zu trinken gegeben?
25,38 Wann haben wir dich als Fremden gesehen
und haben dich aufgenommen? oder nackt und haben
dich gekleidet?
25,39 Wann haben wir dich krank oder im Gefängnis
gesehen und sind zu dir gekommen?
25,40 Und der König wird antworten und zu ihnen
sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan
habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern,
das habt ihr mir getan.
25,41 Dann wird er auch sagen zu denen zur Linken:
Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige
Feuer, das bereitet ist dem Teufel und seinen Engeln!
25,42 Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt
mir nicht zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen,
und ihr habt mir nicht zu trinken gegeben.
25,43 Ich bin ein Fremder gewesen, und ihr habt
mich nicht aufgenommen. Ich bin nackt gewesen,
und ihr habt mich nicht gekleidet. Ich bin krank
und im Gefängnis gewesen, und ihr habt mich nicht besucht.
25,44 Dann werden sie ihm auch antworten und sagen:
Herr, wann haben wir dich hungrig oder durstig
gesehen oder als Fremden oder nackt oder krank
oder im Gefängnis und haben dir nicht gedient?
25,45 Dann wird er ihnen antworten und sagen:
Wahrlich, ich sage euch: Was ihr nicht getan habt
einem von diesen Geringsten, das habt ihr mir auch
nicht getan.
25,46 Und sie werden hingehen: diese zur ewigen
Strafe, aber die Gerechten in das ewige Leben.

\26\
LEIDEN, STERBEN UND AUFERSTEHUNG JESU.
(Kapitel 26-28).

Der Plan der Hohenpriester und Ältesten.

26,1 Und es begab sich, als Jesus alle diese Reden
vollendet hatte, daß er zu seinen Jüngern sprach:
26,2 Ihr wißt, daß in zwei Tagen Passa ist;
und der Menschensohn wird überantwortet werden,
daß er gekreuzigt werde.
26,3 Da versammelten sich die Hohenpriester und
die Ältesten des Volkes im Palast des Hohenpriesters,
der hieß Kaiphas,
26,4 und hielten Rat, wie sie Jesus mit List ergreifen
und töten könnten.
26,5 Sie sprachen aber: Ja nicht bei dem Fest,
damit es nicht einen Aufruhr gebe im Volk.

Die Salbung in Betanien.

26,6 Als nun Jesus in Betanien war im Hause Simons
des Aussätzigen,
26,7 trat zu ihm eine Frau, die hatte ein Glas
mit kostbarem Salböl und goß es auf sein Haupt,
als er zu Tisch saß.
26,8 Als das die Jünger sahen, wurden sie unwillig
und sprachen: Wozu diese Vergeudung?
26,9 Es hätte teuer verkauft und das Geld den
Armen gegeben werden können.
26,10 Als Jesus das merkte, sprach er zu ihnen:
Was betrübt ihr die Frau? Sie hat ein gutes Werk
an mir getan.
26,11 Denn Arme habt ihr allezeit bei euch,
mich aber habt ihr nicht allezeit.
26,12 Daß sie das Öl auf meinen Leib gegossen
hat, das hat sie für mein Begräbnis getan.
26,13 Wahrlich, ich sage euch: Wo dies Evangelium
gepredigt wird in der ganzen Welt, da wird man
auch sagen zu ihrem Gedächtnis, was sie getan hat.

Der Verrat des Judas.

26,14 Da ging einer von den Zwölfen, mit Namen
Judas Iskariot, hin zu den Hohenpriestern
26,15 und sprach: Was wollt ihr mir geben?
Ich will ihn euch verraten. Und sie boten ihm
dreißig Silberlinge.
26,16 Und von da an suchte er eine Gelegenheit,
daß er ihn verriete.

Das Abendmahl.

26,17 Aber am ersten Tage der Ungesäuerten
Brote traten die Jünger zu Jesus und fragten: Wo
willst du, daß wir dir das Passalamm zum Essen bereiten?
26,18 Er sprach: Geht hin in die Stadt zu einem
und sprecht zu ihm: Der Meister läßt dir sagen:
Meine Zeit ist nahe; ich will bei dir das Passa
feiern mit meinen Jüngern.
26,19 Und die Jünger taten, wie ihnen Jesus befohlen
hatte, und bereiteten das Passalamm.

26,20 Und am Abend setzte er sich zu Tisch mit den Zwölfen.
26,21 Und als sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich
sage euch: Einer unter euch wird mich verraten.
26,22 Und sie wurden sehr betrübt und fingen an,
jeder einzeln, ihn zu fragen: Herr, bin ich's?
26,23 Er antwortete und sprach: Der die Hand mit
mir in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.
26,24 Der Menschensohn geht zwar dahin, wie von
ihm geschrieben steht; doch weh dem Menschen,
durch den der Menschensohn verraten wird! Es wäre
für diesen Menschen besser, wenn er nie geboren wäre.
26,25 Da antwortete Judas, der ihn verriet, und
sprach: Bin ich's, Rabbi? Er sprach zu ihm: Du sagst es.
26,26 Als sie aber aßen, nahm Jesus das Brot,
dankte und brach's und gab's den Jüngern und sprach:
Nehmet, esset; das ist mein Leib.
26,27 Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen
den und sprach: Trinket alle daraus;
26,28 das ist mein Blut des Bundes,* das
vergossen wird für viele zur Vergebung der Sünden.
26,29 Ich sage euch: Ich werde von nun an nicht
mehr von diesem Gewächs des Weinstocks trinken
bis an den Tag, an dem ich von neuem davon trinken
werde mit euch in meines Vaters Reich.
26,30 Und als sie den Lobgesang gesungen hatten,
gingen sie hinaus an den Ölberg.

Die Ankündigung der Verleugnung des Petrus.

26,31 Da sprach Jesus zu ihnen: In dieser Nacht
werdet ihr alle Ärgernis nehmen an mir. Denn es
steht geschrieben (Sacharja 13,7): »Ich werde den
Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden
sich zerstreuen.«
26,32 Wenn ich aber auferstanden bin, will ich
vor euch hingehen nach Galiläa.
26,33 Petrus aber antwortete und sprach zu ihm:
Wenn sie auch alle Ärgernis nehmen, so will ich
doch niemals Ärgernis nehmen an dir.
26,34 Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage
dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst
du mich dreimal verleugnen.
26,35 Petrus sprach zu ihm: Und wenn ich mit dir
sterben müßte, will ich dich nicht verleugnen.
Das gleiche sagten auch alle Jünger.

Jesus in Gethsemane.

26,36 Da kam Jesus mit ihnen zu einem Garten,
der hieß Gethsemane, und sprach zu den Jüngern:
Setzt euch hier, solange ich dorthin gehe und bete.
26,37 Und er nahm mit sich Petrus und die
zwei Söhne des Zebedäus und fing an zu trauern
und zu zagen.
26,38 Da sprach Jesus zu ihnen: Meine Seele
ist betrübt bis an den Tod; bleibt hier und wacht mit mir!
26,39 Und er ging ein wenig weiter, fiel nieder
auf sein Angesicht und betete und sprach: Mein
Vater, ist's möglich, so gehe dieser Kelch
an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern
wie du willst!
26,40 Und er kam zu seinen Jüngern und fand sie
schlafend und sprach zu Petrus: Könnt ihr denn
nicht eine Stunde mit mir wachen?
26,41 Wachet und betet, daß ihr nicht in
Anfechtung fallt! Der Geist ist willig; aber das
Fleisch ist schwach.
26,42 Zum zweiten Mal ging er wieder hin, betete
und sprach: Mein Vater, ist's nicht möglich, daß
dieser Kelch an mir vorübergehe, ohne daß ich ihn
trinke, so geschehe dein Wille!
26,43 Und er kam und fand sie abermals schlafend,
und ihre Augen waren voller Schlaf.
26,44 Und er ließ sie und ging abermals hin und
betete zum dritten Mal und redete dieselben Worte.
26,45 Dann kam er zu seinen Jüngern und sprach
zu ihnen: Ach, wollt ihr weiter schlafen und ruhen?
Siehe, die Stunde ist da, daß der Menschensohn
in die Hände der Sünder überantwortet wird.
26,46 Steht auf, laßt uns gehen! Siehe, er ist
da, der mich verrät.

Jesu Gefangennahme.

26,47 Und als er noch redete, siehe, da kam Judas,
einer von den Zwölfen, und mit ihm eine große Schar
mit Schwertern und mit Stangen, von den Hohenpriestern
und Ältesten des Volkes.
26,48 Und der Verräter hatte ihnen ein Zeichen
genannt und gesagt: Welchen ich küssen werde, der
ist's; den ergreift.
26,49 Und alsbald trat er zu Jesus und sprach:
Sei gegrüßt, Rabbi! und küßte ihn.
26,50 Jesus aber sprach zu ihm: Mein Freund, dazu
bist du gekommen? Da traten sie heran und legten
Hand an Jesus und ergriffen ihn.
26,51 Und siehe, einer von denen, die bei Jesus
waren, streckte die Hand aus und zog sein Schwert
und schlug nach dem Knecht des Hohenpriesters und
hieb ihm ein Ohr ab.
26,52 Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert
an seinen Ort! Denn wer das Schwert nimmt,
der soll durchs Schwert umkommen.
26,53 Oder meinst du, ich könnte meinen Vater
nicht bitten, daß er mir sogleich mehr als zwölf
Legionen Engel schickte?
26,54 Wie würde dann aber die Schrift erfüllt,
daß es so geschehen muß?
26,55 Zu der Stunde sprach Jesus zu der Schar:
Ihr seid ausgezogen wie gegen einen Räuber mit
Schwertern und mit Stangen, mich zu fangen. Habe
ich doch täglich im Tempel gesessen und gelehrt,
und ihr habt mich nicht ergriffen.
26,56 Aber das ist alles geschehen, damit erfüllt
würden die Schriften der Propheten. Da verließen
ihn alle Jünger und flohen.

Jesus vor dem Hohen Rat.

26,57 Die aber Jesus ergriffen hatten, führten
ihn zu dem Hohenpriester Kaiphas, wo die Schriftgelehrten
und Ältesten sich versammelt hatten.
26,58 Petrus aber folgte ihm von ferne bis zum
Palast des Hohenpriesters und ging hinein und setzte
sich zu den Knechten, um zu sehen, worauf es hinaus wollte.
26,59 Die Hohenpriester aber und der ganze Hohe
Rat suchten falsches Zeugnis gegen Jesus, daß sie
ihn töteten.
26,60 Und obwohl viele falsche Zeugen herzutraten,
fanden sie doch nichts. Zuletzt traten zwei herzu
26,61 und sprachen: Er hat gesagt: Ich kann
den Tempel Gottes abbrechen und in drei Tagen aufbauen.
26,62 Und der Hohepriester stand auf und sprach
zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese
gegen dich bezeugen?
26,63 Aber Jesus schwieg still. Und der Hohepriester
sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen
Gott, daß du uns sagst, ob du der Christus
bist, der Sohn Gottes.
26,64 Jesus sprach zu ihm: Du sagst es. Doch sage
ich euch: Von nun an werdet ihr sehen den Menschensohn
sitzen zur Rechten der Kraft und kommen
auf den Wolken des Himmels.
26,65 Da zerriß der Hohepriester seine Kleider
und sprach: Er hat Gott gelästert! Was bedürfen
wir weiterer Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die
Gotteslästerung gehört.
26,66 Was ist euer Urteil? Sie antworteten und
sprachen: Er ist des Todes schuldig.
26,67 Da spien sie ihm ins Angesicht und schlugen
ihn mit Fäusten. Einige aber schlugen ihn ins Angesicht
26,68 und sprachen: Weissage uns, Christus, wer
ist's, der dich schlug?

Die Verleugnung des Petrus.

26,69 Petrus aber saß draußen im Hof; da trat
eine Magd zu ihm und sprach: Und du warst auch
mit dem Jesus aus Galiläa.
26,70 Er leugnete aber vor ihnen allen und sprach:
Ich weiß nicht, was du sagst.
26,71 Als er aber hinausging in die Torhalle,
sah ihn eine andere und sprach zu denen, die da
waren: Dieser war auch mit dem Jesus von Nazareth.
26,72 Und er leugnete abermals und schwor dazu:
Ich kenne den Menschen nicht.
26,73 Und nach einer kleinen Weile traten hinzu,
die da standen, und sprachen zu Petrus: Wahrhaftig,
du bist auch einer von denen, denn deine Sprache
verrät dich.
26,74 Da fing er an, sich zu verfluchen und zu
schwören: Ich kenne den Menschen nicht. Und alsbald
krähte der Hahn.
26,75 Da dachte Petrus an das Wort, das Jesus
zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst
du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus
und weinte bitterlich.

\27\
Jesus vor Pilatus. Das Ende des Judas.

27,1 Am Morgen aber faßten alle Hohenpriester
und die Ältesten des Volkes den Beschluß über Jesus,
ihn zu töten,
27,2 und sie banden ihn, führten ihn ab und überantworteten
ihn dem Statthalter Pilatus.
27,3 Als Judas, der ihn verraten hatte, sah, daß
er zum Tode verurteilt war, reute es ihn, und er
brachte die dreißig Silberlinge den Hohenpriestern
und Ältesten zurücka
27,4 und sprach: Ich habe Unrecht getan, daß ich
unschuldiges Blut verraten habe. Sie aber sprachen:
Was geht uns das an? Da sieh du zu!
27,5 Und er warf die Silberlinge in den Tempel,
ging fort und erhängte sich.
27,6 Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge
und sprachen: Es ist nicht recht, daß wir sie
in den Gotteskasten legen; denn es ist Blutgeld.
27,7 Sie beschlossen aber, den Töpferacker davon
zu kaufen zum Begräbnis für Fremde.
27,8 Daher heißt dieser Acker Blutacker bis auf
den heutigen Tag.
27,9 Da wurde erfüllt, was gesagt ist durch
den Propheten Jeremia, der da spricht: »Sie haben
die dreißig Silberlinge genommen, den Preis für
den Verkauften, der geschätzt wurde bei den Israeliten,
27,10 und sie haben das Geld für den Töpferacker
gegeben, wie mir der Herr befohlen hat« (Jeremia
32,9; Sacharja 11,12.13).
27,11 Jesus aber stand vor dem Statthalter; und
der Statthalter fragte ihn und sprach: Bist du
der König der Juden? Jesus aber sprach: Du sagst es.
27,12 Und als er von den Hohenpriestern und Ältesten
verklagt wurde, antwortete er nichts.
27,13 Da sprach Pilatus zu ihm: Hörst du nicht,
wie hart sie dich verklagen?
27,14 Und er antwortete ihm nicht auf ein einziges
Wort, so daß sich der Statthalter sehr verwunderte.

Jesu Verurteilung und Verspottung.

27,15 Zum Fest aber hatte der Statthalter die
Gewohnheit, dem Volk einen Gefangenen loszugeben,
welchen sie wollten.
27,16 Sie hatten aber zu der Zeit einen berüchtigten
Gefangenen, der hieß Jesus Barabbas.
27,17 Und als sie versammelt waren, sprach Pilatus
zu ihnen: Welchen wollt ihr? Wen soll ich euch
losgeben, Jesus Barabbas oder Jesus, von dem gesagt
wird, er sei der Christus?
27,18 Denn er wußte, daß sie ihn aus Neid
überantwortet hatten.
27,19 Und als er auf dem Richterstuhl saß, schickte
seine Frau zu ihm und ließ ihm sagen: Habe du nichts
zu schaffen mit diesem Gerechten; denn ich habe
heute viel erlitten im Traum um seinetwillen.
27,20 Aber die Hohenpriester und Ältesten überredeten
das Volk, daß sie um Barabbas bitten, Jesus aber
umbringen sollten.
27,21 Da fing der Statthalter an und sprach zu
ihnen: Welchen wollt ihr? Wen von den beiden soll
ich euch losgeben? Sie sprachen: Barabbas!
27,22 Pilatus sprach zu ihnen: Was soll ich denn
machen mit Jesus, von dem gesagt wird, er sei der
Christus? Sie sprachen alle: Laß ihn kreuzigen!
27,23 Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan?

Sie schrien aber noch mehr: Laß ihn kreuzigen!
27,24 Als aber Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete,
sondern das Getümmel immer größer wurde, nahm er
Wasser und wusch sich die Hände vor dem Volk
und sprach: Ich bin unschuldig an seinem Blut; seht ihr zu!
27,25 Da antwortete das ganze Volk und sprach:
Sein Blut komme über uns und unsere Kinder!
27,26 Da gab er ihnen Barabbas los, aber Jesus
ließ er geißeln und überantwortete ihn, daß er
gekreuzigt werde.
27,27 Da nahmen die Soldaten des Statthalters
Jesus mit sich in das Prätorium und sammelten die
ganze Abteilung um ihn.
27,28 Und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an
27,29 und flochten eine Dornenkrone und setzten
sie ihm aufs Haupt und gaben ihm ein Rohr in seine
rechte Hand und beugten die Knie vor ihm und verspotteten
ihn und sprachen: Gegrüßet seist du, der Juden König!
27,30 und spien ihn an und nahmen das Rohr und
schlugen damit sein Haupt.

Jesu Kreuzigung und Tod.

27,31 Und als sie ihn verspottet hatten, zogen
sie ihm den Mantel aus und zogen ihm seine Kleider
an und führten ihn ab, um ihn zu kreuzigen.
27,32 Und als sie hinausgingen, fanden sie einen
Menschen aus Kyrene mit Namen Simon; den zwangen
sie, daß er ihm sein Kreuz trug.
27,33 Und als sie an die Stätte kamen mit Namen
Golgatha, das heißt: Schädelstätte,
27,34 gaben sie ihm Wein zu trinken mit Galle
vermischt; und als er's schmeckte, wollte er nicht trinken.
27,35 Als sie ihn aber gekreuzigt hatten,
verteilten sie seine Kleider und warfen das Los darum.*
27,36 Und sie saßen da und bewachten ihn.
27,37 Und oben über sein Haupt setzten sie eine
Aufschrift mit der Ursache seines Todes: Dies ist
Jesus, der Juden König.
27,38 Und da wurden zwei Räuber mit ihm gekreuzigt,
einer zur Rechten und einer zur Linken.
27,39 Die aber vorübergingen, lästerten ihn und
schüttelten ihre Köpfe
27,40 und sprachen: Der du den Tempel abbrichst
und baust ihn auf in drei Tagen, hilf dir selber,
wenn du Gottes Sohn bist, und steig herab vom Kreuz!
27,41 Desgleichen spotteten auch die Hohenpriester
mit den Schriftgelehrten und Ältesten und sprachen:
27,42 Andern hat er geholfen und kann sich selber
nicht helfen. Ist er der König von Israel, so steige
er nun vom Kreuz herab. Dann wollen wir an ihn glauben.
27,43 Er hat Gott vertraut; der erlöse ihn
nun, wenn er Gefallen an ihm hat; denn er hat gesagt:
Ich bin Gottes Sohn.
27,44 Desgleichen schmähten ihn auch die Räuber,
die mit ihm gekreuzigt waren.
27,45 Und von der sechsten Stunde an kam eine
Finsternis über das ganze Land bis zur neunten Stunde.
27,46 Und um die neunte Stunde schrie Jesus laut:
Eli, Eli, lama asabtani? das heißt: Mein Gott,
mein Gott, warum hast du mich verlassen?
27,47 Einige aber, die da standen, als sie das
hörten, sprachen sie: Der ruft nach Elia.
27,48 Und sogleich lief einer von ihnen, nahm
einen Schwamm und füllte ihn mit Essig und
steckte ihn auf ein Rohr und gab ihm zu trinken.
27,49 Die andern aber sprachen: Halt, laß sehen,
ob Elia komme und ihm helfe!
27,50 Aber Jesus schrie abermals laut und verschied.
27,51 Und siehe, der Vorhang im Tempel zerriß
in zwei Stücke von oben an bis unten aus.
27,52 Und die Erde erbebte, und die Felsen zerrissen,
und die Gräber taten sich auf, und viele Leiber
der entschlafenen Heiligen standen auf
27,53 und gingen aus den Gräbern nach seiner Auferstehung
und kamen in die heilige Stadt und erschienen vielen.
27,54 Als aber der Hauptmann und die mit ihm Jesus
bewachten das Erdbeben sahen und was da geschah,
erschraken sie sehr und sprachen: Wahrlich, dieser
ist Gottes Sohn gewesen!
27,55 Und es waren viele Frauen da, die von ferne
zusahen; die waren Jesus aus Galiläa nachgefolgt
und hatten ihm gedient;
27,56 unter ihnen war Maria von Magdala und Maria,
die Mutter des Jakobus und Josef, und die Mutter
der Söhne des Zebedäus.

Jesu Grablegung.

27,57 Am Abend aber kam ein reicher Mann aus
Arimathäa, der hieß Josef und war auch ein Jünger Jesu.
27,58 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib
Jesu. Da befahl Pilatus, man sollte ihm ihn geben.
27,59 Und Josef nahm den Leib und wickelte ihn
in ein reines Leinentuch
27,60 und legte ihn in sein eigenes neues Grab,
das er in einen Felsen hatte hauen lassen, und
wälzte einen großen Stein vor die Tür des Grabes
und ging davon.
27,61 Es waren aber dort Maria von Magdala und
die andere Maria; die saßen dem Grab gegenüber.

Die Bewachung des Grabes.

27,62 Am nächsten Tag, der auf den Rüsttag
folgt, kamen die Hohenpriester mit den Pharisäern zu Pilatus
27,63 und sprachen: Herr, wir haben daran gedacht,
daß dieser Verführer sprach, als er noch lebte:
Ich will nach drei Tagen auferstehen.
27,64 Darum befiehl, daß man das Grab bewache
bis zum dritten Tag, damit nicht seine Jünger kommen
und ihn stehlen und zum Volk sagen: Er ist auferstanden
von den Toten, und der letzte Betrug ärger wird
als der erste.
27,65 Pilatus sprach zu ihnen: Da habt ihr die
Wache; geht hin und bewacht es, so gut ihr könnt.
27,66 Sie gingen hin und sicherten das Grab mit
der Wache und versiegelten den Stein.

\28\
Jesu Auferstehung.

28,1 Als aber der Sabbat vorüber war und der
erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala
und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen.
28,2 Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben.
Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab,
trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte
sich darauf.
28,3 Seine Gestalt war wie der Blitz und sein
Gewand weiß wie der Schnee.
28,4 Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor
ihm und wurden, als wären sie tot.
28,5 Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet
euch nicht! Ich weiß, daß ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht.
28,6 Er ist nicht hier; er ist auferstanden,
wie er gesagt hat. Kommt her und seht die Stätte,
wo er gelegen hat;
28,7 und geht eilends hin und sagt seinen Jüngern,
daß er auferstanden ist von den Toten. Und siehe,
er wird vor euch hingehen nach Galiläa; dort
werdet ihr ihn sehen. Siehe, ich habe es euch gesagt.
28,8 Und sie gingen eilends weg vom Grab mit Furcht
und großer Freude und liefen, um es seinen Jüngern
zu verkündigen.
28,9 Und siehe, da begegnete ihnen Jesus und sprach:
Seid gegrüßt! Und sie traten zu ihm und umfaßten
seine Füße und fielen vor ihm nieder.
28,10 Da sprach Jesus zu ihnen: Fürchtet euch
nicht! Geht hin und verkündigt es meinen Brüdern,
daß sie nach Galiläa gehen: dort werden sie mich sehen.
28,11 Als sie aber hingingen, siehe, da kamen
einige von der Wache in die Stadt und verkündeten
den Hohenpriestern alles, was geschehen war.
28,12 Und sie kamen mit den Ältesten zusammen,
hielten Rat und gaben den Soldaten viel Geld
28,13 und sprachen: Sagt, seine Jünger sind in
der Nacht gekommen und haben ihn gestohlen, während
wir schliefen.
28,14 Und wenn es dem Statthalter zu Ohren kommt,
wollen wir ihn beschwichtigen und dafür sorgen,
daß ihr sicher seid.
28,15 Sie nahmen das Geld und taten, wie sie angewiesen
waren. Und so ist dies zum Gerede geworden bei
den Juden bis auf den heutigen Tag.

Der Missionsbefehl.

28,16 Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa
auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte.
28,17 Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm
nieder; einige aber zweifelten.
28,18 Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen:
Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.

28,19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern
alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters
und des Sohnes und des heiligen Geistes
28,20 und lehret sie halten alles, was ich euch
befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch
alle Tage bis an der Welt Ende.

Einschub Matthäus 28,19.20)
28,19 Darum gehet hin und machet zu Jüngern
alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters
und des Sohnes und des heiligen Geistes
ml;nen