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Lukasevangelium bzw Logienquelle Q



Die im Lukasevangelium enthaltenen Textanteile
des Markusevangeliums, wurden hier durch
Kursivschrift kursiv/fett) gekennzeichnet.

Die überschüssigen Textanteile entsprechen sodann
der Spruchquelle Q, dem Sondergut, der redaktionellen
Gestaltung bzw Einfügen des Evangelisten.

DAS EVANGELIUM NACH LUKAS.

1,1 Viele haben es schon unternommen, Bericht
zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen
sind,
1,2 wie uns das überliefert haben, die es von
Anfang an selbst gesehen haben und Diener des Worts
gewesen sind.
1,3 So habe auch ich's für gut gehalten, nachdem
ich alles von Anfang an sorgfältig erkundet habe,
es für dich, hochgeehrter Theophilus, in guter
Ordnung aufzuschreiben,
1,4 damit du den sicheren Grund der Lehre erfahrest,
in der du unterrichtet bist.

Die Ankündigung der Geburt Johannes des Täufers

1,5 Zu der Zeit des Herodes, des Königs von Judäa,
lebte ein Priester von der Ordnung Abija, mit
Namen Zacharias, und seine Frau war aus dem Geschlecht
Aaron und hieß Elisabeth.
1,6 Sie waren aber alle beide fromm vor Gott und
lebten in allen Geboten und Satzungen des Herrn
untadelig.
1,7 Und sie hatten kein Kind; denn Elisabeth
war unfruchtbar, und beide waren hochbetagt.
1,8 Und es begab sich, als Zacharias den Priesterdienst
vor Gott versah, da seine Ordnung an der Reihe war,
1,9 daß ihn nach dem Brauch der Priesterschaft
das Los traf, das Räucheropfer darzubringen;
und er ging in den Tempel des Herrn.
1,10 Und die ganze Menge des Volkes stand draußen
und betete zur Stunde des Räucheropfers.
1,11 Da erschien ihm der Engel des Herrn und stand
an der rechten Seite des Räucheraltars.
1,12 Und als Zacharias ihn sah, erschrak er, und
es kam Furcht über ihn.
1,13 Aber der Engel sprach zu ihm: Fürchte dich
nicht, Zacharias, denn dein Gebet ist erhört, und
deine Frau Elisabeth wird dir einen Sohn gebären,
und du sollst ihm den Namen Johannes geben.
1,14 Und du wirst Freude und Wonne haben, und
viele werden sich über seine Geburt freuen.
1,15 Denn er wird groß sein vor dem Herrn;
Wein und starkes Getränk wird er nicht trinken
und wird schon von Mutterleib an erfüllt werden
mit dem heiligen Geist.
1,16 Und er wird vom Volk Israel viele zu dem
Herrn, ihrem Gott, bekehren.
1,17 Und er wird vor ihm hergehen im Geist und
in der Kraft Elias, zu bekehren die Herzen
der Väter zu den Kindern und die Ungehorsamen zu
der Klugheit der Gerechten, zuzurichten dem Herrn
ein Volk, das wohl vorbereitet ist.
1,18 Und Zacharias sprach zu dem Engel: Woran
soll ich das erkennen? Denn ich bin alt, und
meine Frau ist betagt.
1,19 Der Engel antwortete und sprach zu ihm: Ich
bin Gabriel, der vor Gott steht, und bin gesandt,
mit dir zu reden und dir dies zu verkündigen.
1,20 Und siehe, du wirst stumm werden und nicht
reden können bis zu dem Tag, an dem dies geschehen
wird, weil du meinen Worten nicht geglaubt hast,
die erfüllt werden sollen zu ihrer Zeit.
1,21 Und das Volk wartete auf Zacharias und wunderte
sich, daß er so lange im Tempel blieb.
1,22 Als er aber herauskam, konnte er nicht mit
ihnen reden; und sie merkten, daß er eine Erscheinung
gehabt hatte im Tempel. Und er winkte ihnen und
blieb stumm.
1,23 Und es begab sich, als die Zeit seines Dienstes
um war, da ging er heim in sein Haus.
1,24 Nach diesen Tagen wurde seine Frau Elisabeth
schwanger und hielt sich fünf Monate verborgen
und sprach:
1,25 So hat der Herr an mir getan in den Tagen,
als er mich angesehen hat, um meine Schmach
unter den Menschen von mir zu nehmen.

Die Ankündigung der Geburt Jesu.

1,26 Und im sechsten Monat wurde der Engel Gabriel
von Gott gesandt in eine Stadt in Galiläa, die
heißt Nazareth,
1,27 zu einer Jungfrau, die vertraut* war
einem Mann mit Namen Josef vom Hause David; und
die Jungfrau hieß Maria.
1,28 Und der Engel kam zu ihr hinein und sprach:
Sei gegrüßt, du Begnadete! Der Herr ist mit dir!
1,29 Sie aber erschrak über die Rede und dachte:
Welch ein Gruß ist das?
1,30 Und der Engel sprach zu ihr: Fürchte dich
nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden.
1,31 Siehe, du wirst schwanger werden und
einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen
Jesus geben.
1,32 Der wird groß sein und Sohn des Höchsten
genannt werden; und Gott der Herr wird ihm den
Thron seines Vaters David geben,
1,33 und er wird König sein über das Haus Jakob
in Ewigkeit, und sein Reich wird kein Ende haben.
1,34 Da sprach Maria zu dem Engel: Wie soll das
zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?
1,35 Der Engel antwortete und sprach zu ihr:
Der heilige Geist wird über dich kommen, und die
Kraft des Höchsten wird dich überschatten; darum
wird auch das Heilige, das geboren wird, Gottes
Sohn genannt werden.
1,36 Und siehe, Elisabeth, deine Verwandte, ist
auch schwanger mit einem Sohn, in ihrem Alter,
und ist jetzt im sechsten Monat, von der man sagt,
daß sie unfruchtbar sei.
1,37 Denn bei Gott ist kein Ding unmöglich.
1,38 Maria aber sprach: Siehe, ich bin des Herrn
Magd; mir geschehe, wie du gesagt hast. Und der
Engel schied von ihr.

Marias Besuch bei Elisabeth.

1,39 Maria aber machte sich auf in diesen Tagen
und ging eilends in das Gebirge zu einer Stadt
in Juda
1,40 und kam in das Haus des Zacharias und begrüßte
Elisabeth.
1,41 Und es begab sich, als Elisabeth den Gruß
Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leibe. Und
Elisabeth wurde vom heiligen Geist erfüllt
1,42 und rief laut und sprach: Gepriesen bist
du unter den Frauen, und gepriesen ist die Frucht
deines Leibes!
1,43 Und wie geschieht mir das, daß die Mutter
meines Herrn zu mir kommt?
1,44 Denn siehe, als ich die Stimme deines Grußes
hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leibe.
1,45 Und selig bist du, die du geglaubt hast!
Denn es wird vollendet werden, was dir gesagt ist
von dem Herrn.

Marias Lobgesang.

1,46 Und Maria sprach: Meine Seele erhebt
den Herrn,
1,47 und mein Geist freut sich Gottes, meines
Heilandes;
1,48 denn er hat die Niedrigkeit seiner Magd angesehen.
Siehe, von nun an werden mich selig preisen alle
Kindeskinder.
1,49 Denn er hat große Dinge an mir getan, der
da mächtig ist und dessen Name heilig ist.
1,50 Und seine Barmherzigkeit währt von Geschlecht
zu Geschlecht bei denen, die ihn fürchten.
1,51 Er übt Gewalt mit seinem Arm und zerstreut,
die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinn.
1,52 Er stößt die Gewaltigen vom Thron und erhebt
die Niedrigen.
1,53 Die Hungrigen füllt er mit Gütern und läßt
die Reichen leer ausgehen.
1,54 Er gedenkt der Barmherzigkeit und hilft
seinem Diener Israel auf,
1,55 wie er geredet hat zu unsern Vätern, Abraham
und seinen Kindern in Ewigkeit.
1,56 Und Maria blieb bei ihr etwa drei Monate;
danach kehrte sie wieder heim.

Die Geburt Johannes des Täufers.

1,57 Und für Elisabeth kam die Zeit, daß sie gebären
sollte; und sie gebar einen Sohn.
1,58 Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten,
daß der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan
hatte, und freuten sich mit ihr.
1,59 Und es begab sich am achten Tag, da kamen
sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es
nach seinem Vater Zacharias nennen.
1,60 Aber seine Mutter antwortete und sprach:
Nein, sondern er soll Johannes heißen.
1,61 Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand
in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
1,62 Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn
nennen lassen wollte.
1,63 Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb:
Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle.
1,64 Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und
seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.
1,65 Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und
diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen
Gebirge Judäas.
1,66 Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen
und sprachen: Was meinst du, will aus diesem Kindlein
werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.

Der Lobgesang des Zacharias.

1,67 Und sein Vater Zacharias wurde vom heiligen
Geist erfüllt, weissagte und sprach:
1,68 Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn
er hat besucht und erlöst sein Volk
1,69 und hat uns aufgerichtet eine Macht des Heils
im Hause seines Dieners David
1,70 - wie er vorzeiten geredet hat durch den
Mund seiner heiligen Propheten -,
1,71 daß er uns errettete von unsern Feinden
und aus der Hand aller, die uns hassen,
1,72 und Barmherzigkeit erzeigte unsern Vätern
und gedächte an seinen heiligen Bund
1,73 und an den Eid, den er geschworen hat
unserm Vater Abraham, uns zu geben,
1,74 daß wir, erlöst aus der Hand unsrer Feinde,
1,75 ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang
in Heiligkeit und Gerechtigkeit vor seinen Augen.
1,76 Und du, Kindlein, wirst ein Prophet des Höchsten
heißen. Denn du wirst dem Herrn vorangehen,
daß du seinen Weg bereitest,
1,77 und Erkenntnis des Heils gebest seinem Volk
in der Vergebung ihrer Sünden,
1,78 durch die herzliche Barmherzigkeit unseres
Gottes, durch die uns besuchen wird das aufgehende
Licht aus der Höhe,
1,79 damit es erscheine denen, die sitzen
in Finsternis und Schatten des Todes, und richte
unsere Füße auf den Weg des Friedens.
1,80 Und das Kindlein wuchs und wurde stark im
Geist. Und er war in der Wüste bis zu dem Tag,
an dem er vor das Volk Israel treten sollte.

\2\

Jesu Geburt.

2,1 Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot
von dem Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt
geschätzt würde.
2,2 Und diese Schätzung* war die allererste und
geschah zur Zeit, da Quirinius Statthalter in Syrien war.
2,3 Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe,
ein jeder in seine Stadt.
2,4 Da machte sich auf auch Josef aus Galiläa,
aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land zur
Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, weil er aus
dem Hause und Geschlechte Davids war,
2,5 damit er sich schätzen ließe mit Maria, seinem
vertrauten Weibe;* die war schwanger.
2,6 Und als sie dort waren, kam die Zeit, daß
sie gebären sollte.
2,7 Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte
ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn
sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge.
2,8 Und es waren Hirten in derselben Gegend auf
dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts
ihre Herde.
2,9 Und der Engel des Herrn trat zu ihnen, und
die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie

fürchteten sich sehr.
2,10 Und der Engel sprach zu ihnen: Fürchtet euch
nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude,
die allem Volk widerfahren wird;
2,11 denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
2,12 Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden
das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.
2,13 Und alsbald war da bei dem Engel die
Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott
und sprachen:
2,14 Ehre sei Gott in der Höhe und Friede
auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens.
2,15 Und als die Engel von ihnen gen Himmel fuhren,
sprachen die Hirten untereinander: Laßt uns nun
gehen nach Bethlehem und die Geschichte sehen,
die da geschehen ist, die uns der Herr kundgetan hat.
2,16 Und sie kamen eilend und fanden beide, Maria
und Josef, dazu das Kind in der Krippe liegen.
2,17 Als sie es aber gesehen hatten, breiteten
sie das Wort aus, das zu ihnen von diesem Kinde
gesagt war.
2,18 Und alle, vor die es kam, wunderten sich
über das, was ihnen die Hirten gesagt hatten.
2,19 Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte
sie in ihrem Herzen.
2,20 Und die Hirten kehrten wieder um, priesen
und lobten Gott für alles, was sie gehört und gesehen
hatten, wie denn zu ihnen gesagt war.
2,21 Und als acht Tage um waren und man das
Kind beschneiden mußte, gab man ihm den Namen
Jesus, wie er genannt war von dem Engel, ehe er
im Mutterleib empfangen war.

Jesu Darstellung im Tempel. Simeon und Hanna.

2,22 Und als die Tage ihrer Reinigung nach
dem Gesetz des Mose um waren, brachten sie ihn
nach Jerusalem, um ihn dem Herrn darzustellen,
2,23 wie geschrieben steht im Gesetz des Herrn
(2. Mose 13,2.15): »Alles Männliche, das zuerst
den Mutterschoß durchbricht, soll dem Herrn geheiligt
heißen«,
2,24 und um das Opfer darzubringen, wie es gesagt
ist im Gesetz des Herrn: »ein Paar Turteltauben
oder zwei junge Tauben« (3. Mose 12,6-8).
2,25 Und siehe, ein Mann war in Jerusalem, mit
Namen Simeon; und dieser Mann war fromm und gottesfürchtig
und wartete auf den Trost Israels, und der
heilige Geist war mit ihm.
2,26 Und ihm war ein Wort zuteil geworden von
dem heiligen Geist, er solle den Tod nicht sehen,
er habe denn zuvor den Christus des Herrn gesehen.
2,27 Und er kam auf Anregen des Geistes in den
Tempel. Und als die Eltern das Kind Jesus in den
Tempel brachten, um mit ihm zu tun, wie es Brauch
ist nach dem Gesetz,
2,28 da nahm er ihn auf seine Arme und lobte Gott
und sprach:
2,29 Herr, nun läßt du deinen Diener in Frieden
fahren, wie du gesagt hast;
2,30 denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
2,31 den du bereitet hast vor allen Völkern,
2,32 ein Licht, zu erleuchten die Heiden und
zum Preis deines Volkes Israel.
2,33 Und sein Vater und seine Mutter wunderten
sich über das, was von ihm gesagt wurde.
2,34 Und Simeon segnete sie und sprach zu Maria,
seiner Mutter: Siehe, dieser ist gesetzt zum Fall
und zum Aufstehen für viele in Israel und zu einem
Zeichen, dem widersprochen wird
2,35 - und auch durch deine Seele wird ein
Schwert dringen -, damit vieler Herzen Gedanken
offenbar werden.
2,36 Und es war eine Prophetin, Hanna, eine Tochter
Phanuëls, aus dem Stamm Asser; die war hochbetagt.
Sie hatte sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt, nachdem
sie geheiratet hatte,
2,37 und war nun eine Witwe an die vierundachtzig
Jahre; die wich nicht vom Tempel und diente
Gott mit Fasten und Beten Tag und Nacht.
2,38 Die trat auch hinzu zu derselben Stunde und
pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf
die Erlösung Jerusalems warteten.
2,39 Und als sie alles vollendet hatten nach dem
Gesetz des Herrn, kehrten sie wieder zurück nach
Galiläa in ihre Stadt Nazareth.
2,40 Das Kind aber wuchs und wurde stark, voller
Weisheit, und Gottes Gnade war bei ihm.

Der zwölfjährige Jesus im Tempel.

2,41 Und seine Eltern gingen alle Jahre nach
Jerusalem zum Passafest.
2,42 Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie
hinauf nach dem Brauch des Festes.
2,43 Und als die Tage vorüber waren und sie
wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus
in Jerusalem, und seine Eltern wußten's nicht.
2,44 Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten,
und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter
den Verwandten und Bekannten.
2,45 Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder
nach Jerusalem und suchten ihn.
2,46 Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden
sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern,
wie er ihnen zuhörte und sie fragte.
2,47 Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten
sich über seinen Verstand und seine Antworten.
2,48 Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich.
Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Sohn, warum
hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich
haben dich mit Schmerzen gesucht.
2,49 Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich
gesucht? Wißt ihr nicht, daß ich sein muß in dem,
was meines Vaters ist?
2,50 Und sie verstanden das Wort nicht, das er
zu ihnen sagte.
2,51 Und er ging mit ihnen hinab und kam nach
Nazareth und war ihnen untertan. Und seine Mutter
behielt alle diese Worte in ihrem Herzen.
2,52 Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und
Gnade bei Gott und den Menschen.

\3\

Das Wirken Johannes des Täufers. Seine Gefangennahme

3,1 Im fünfzehnten Jahr der Herrschaft des Kaisers
Tiberius, als Pontius Pilatus Statthalter in Judäa
war und Herodes Landesfürst von Galiläa und sein
Bruder Philippus Landesfürst von Ituräa und der
Landschaft Trachonitis und Lysanias Landesfürst
von Abilene,
3,2 als Hannas und Kaiphas Hohepriester waren,
da geschah das Wort Gottes zu Johannes, dem
Sohn des Zacharias, in der Wüste.
3,3 Und er kam in die ganze Gegend um den Jordan
und predigte die Taufe der Buße zur Vergebung der
Sünden,
3,4 wie geschrieben steht im Buch der Reden des
Propheten Jesaja (Jesaja 40,3-5): »Es ist eine
Stimme eines Predigers in der Wüste: Bereitet den
Weg des Herrn und macht seine Steige eben!
3,5 Alle Täler sollen erhöht werden, und alle
Berge und Hügel sollen erniedrigt werden; und was
krumm ist, soll gerade werden, und was uneben ist,
soll ebener Weg werden.
3,6 Und alle Menschen werden den Heiland Gottes
sehen.«
3,7 Da sprach Johannes zu der Menge, die hinausging,
um sich von ihm taufen zu lassen: Ihr Schlangenbrut,
wer hat denn euch gewiß gemacht, daß ihr dem künftigen
Zorn entrinnen werdet?
3,8 Seht zu, bringt rechtschaffene Früchte der
Buße; und nehmt euch nicht vor zu sagen: Wir haben
Abraham zum Vater. Denn ich sage euch: Gott kann
dem Abraham aus diesen Steinen Kinder erwecken.
3,9 Es ist schon die Axt den Bäumen an die Wurzel
gelegt; jeder Baum, der nicht gute Frucht bringt,
wird abgehauen und ins Feuer geworfen.
3,10 Und die Menge fragte ihn und sprach: Was
sollen wir denn tun?
3,11 Er antwortete und sprach zu ihnen: Wer zwei
Hemden hat, der gebe dem, der keines hat; und wer
zu essen hat, tue ebenso.
3,12 Es kamen auch die Zöllner, um sich taufen
zu lassen, und sprachen zu ihm: Meister, was sollen
denn wir tun?
3,13 Er sprach zu ihnen: Fordert nicht mehr, als
euch vorgeschrieben ist!
3,14 Da fragten ihn auch die Soldaten und sprachen:
Was sollen denn wir tun? Und er sprach zu ihnen:
Tut niemandem Gewalt oder Unrecht und laßt euch
genügen an eurem Sold!
3,15 Als aber das Volk voll Erwartung war und
alle dachten in ihren Herzen von Johannes,
ob er vielleicht der Christus wäre,
3,16 antwortete Johannes und sprach zu allen:
Ich taufe euch mit Wasser; es kommt aber einer,
der ist stärker als ich, und ich bin nicht wert,
daß ich ihm die Riemen seiner Schuhe löse; der
wird euch mit dem heiligen Geist und mit Feuer
taufen.
3,17 In seiner Hand ist die Worfschaufel, und
er wird seine Tenne fegen und wird den Weizen in
seine Scheune sammeln, die Spreu aber wird er mit
unauslöschlichem Feuer verbrennen.
3,18 Und mit vielem andern mehr ermahnte er das
Volk und verkündigte ihm das Heil.
3,19 Der Landesfürst Herodes aber, der von
Johannes zurechtgewiesen wurde wegen der Herodias,
der Frau seines Bruders, und wegen alles Bösen,
das er getan hatte,
3,20 fügte zu dem allen noch dies hinzu: er warf
Johannes ins Gefängnis.

Jesu Taufe.

3,21 Und es begab sich, als alles Volk sich taufen
ließ und Jesus auch getauft worden war und betete,
da tat sich der Himmel auf,
3,22 und der heilige Geist fuhr hernieder
auf ihn in leiblicher Gestalt wie eine Taube, und
eine Stimme kam aus dem Himmel: Du bist mein
lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Jesu Stammbaum.

3,23 Und Jesus war, als er auftrat, etwa dreißig
Jahre alt und wurde gehalten für einen Sohn
Josefs, der war ein Sohn Elis,
3,24 der war ein Sohn Mattats, der war ein Sohn
Levis, der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn
Jannais, der war ein Sohn Josefs,
3,25 der war ein Sohn Mattitjas, der war ein Sohn
des Amos, der war ein Sohn Nahums, der war ein
Sohn Heslis, der war ein Sohn Naggais,
3,26 der war ein Sohn Mahats, der war ein Sohn
Mattitjas, der war ein Sohn Schimis, der war ein
Sohn Josechs, der war ein Sohn Jodas,
3,27 der war ein Sohn Johanans, der war ein Sohn
Resas, der war ein Sohn Serubbabels, der war ein
Sohn Schealtïls, der war ein Sohn Neris,
3,28 der war ein Sohn Melchis, der war ein Sohn
Addis, der war ein Sohn Kosams, der war ein Sohn
Elmadams, der war ein Sohn Ers,
3,29 der war ein Sohn Joschuas, der war ein Sohn
Elïsers, der war ein Sohn Jorims, der war ein Sohn
Mattats, der war ein Sohn Levis,
3,30 der war ein Sohn Simeons, der war ein Sohn
Judas, der war ein Sohn Josefs, der war ein Sohn
Jonams, der war ein Sohn Eljakims,
3,31 der war ein Sohn Meleas, der war ein Sohn
Mennas, der war ein Sohn Mattatas, der war ein
Sohn Nathans, der war ein Sohn Davids,
3,32 der war ein Sohn Isais, der war ein Sohn
Obeds, der war ein Sohn des Boas, der war ein Sohn
Salmas, der war ein Sohn Nachschons,
3,33 der war ein Sohn Amminadabs, der war
ein Sohn Admins, der war ein Sohn Arnis, der war
ein Sohn Hezrons, der war ein Sohn des Perez, der
war ein Sohn Judas,
3,34 der war ein Sohn Jakobs, der war ein Sohn
Isaaks, der war ein Sohn Abrahams, der war ein
Sohn Terachs, der war ein Sohn Nahors,
3,35 der war ein Sohn Serugs, der war ein Sohn

Regus, der war ein Sohn Pelegs, der war ein Sohn
Ebers, der war ein Sohn Schelachs,
3,36 der war ein Sohn Kenans, der war ein Sohn
Arpachschads, der war ein Sohn Sems, der war ein
Sohn Noahs, der war ein Sohn Lamechs,
3,37 der war ein Sohn Metuschelachs, der war ein
Sohn Henochs, der war ein Sohn Jereds, der war
ein Sohn Mahalalels, der war ein Sohn Kenans,
3,38 der war ein Sohn des Enosch, der war ein
Sohn Sets, der war ein Sohn Adams, der war Gottes.

\4\
Jesu Versuchung.

4,1 Jesus aber, voll heiligen Geistes, kam zurück
vom Jordan und wurde vom Geist in die Wüste geführt
4,2 und vierzig Tage lang von dem Teufel versucht.
Und er aß nichts in diesen Tagen, und als sie ein
Ende hatten, hungerte ihn.
4,3 Der Teufel aber sprach zu ihm: Bist du Gottes
Sohn, so sprich zu diesem Stein, daß er Brot werde.
4,4 Und Jesus antwortete ihm: Es steht geschrieben
(5. Mose 8,3): »Der Mensch lebt nicht allein vom
Brot.«*
4,5 Und der Teufel führte ihn hoch hinauf und
zeigte ihm alle Reiche der Welt in einem Augenblick
4,6 und sprach zu ihm: Alle diese Macht will ich
dir geben und ihre Herrlichkeit; denn sie ist mir
übergeben, und ich gebe sie, wem ich will.
4,7 Wenn du mich nun anbetest, so soll sie ganz
dein sein.
4,8 Jesus antwortete ihm und sprach: Es steht
geschrieben (5. Mose 6,13): »Du sollst den Herrn,
deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.«
4,9 Und er führte ihn nach Jerusalem und stellte
ihn auf die Zinne des Tempels und sprach zu ihm:
Bist du Gottes Sohn, so wirf dich von hier hinunter;
4,10 denn es steht geschrieben (Psalm 91,11.12):
»Er wird seinen Engeln deinetwegen befehlen, daß
sie dich bewahren.
4,11 Und sie werden dich auf den Händen tragen,
damit du deinen Fuß nicht an einen Stein stößt.
«
4,12 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Es ist
gesagt (5. Mose 6,16): »Du sollst den Herrn, deinen
Gott, nicht versuchen.«
4,13 Und als der Teufel alle Versuchungen
vollendet hatte, wich er von ihm eine Zeitlang.

Jesu Predigt in Nazareth.

4,14 Und Jesus kam in der Kraft des Geistes wieder
nach Galiläa, und die Kunde von ihm erscholl durch
alle umliegenden Orte.
4,15 Und er lehrte in ihren Synagogen und wurde
von jedermann gepriesen.
4,16 Und er kam nach Nazareth, wo er aufgewachsen
war, und ging nach seiner Gewohnheit am Sabbat
in die Synagoge und stand auf und wollte lesen.
4,17 Da wurde ihm das Buch des Propheten Jesaja
gereicht. Und als er das Buch auftat, fand er die
Stelle, wo geschrieben steht (Jesaja 61,1.2):
4,18 »Der Geist des Herrn ist auf mir, weil er
mich gesalbt hat, zu verkündigen das Evangelium
den Armen; er hat mich gesandt, zu predigen
den Gefangenen, daß sie frei sein sollen, und den
Blinden, daß sie sehen sollen, und den Zerschlagenen,
daß sie frei und ledig sein sollen,
4,19 zu verkündigen das Gnadenjahr des Herrn.«
4,20 Und als er das Buch zutat, gab er's dem Diener
und setzte sich. Und aller Augen in der Synagoge
sahen auf ihn.
4,21 Und er fing an, zu ihnen zu reden: Heute
ist dieses Wort der Schrift erfüllt vor euren Ohren.
4,22 Und sie gaben alle Zeugnis von ihm und wunderten
sich, daß solche Worte der Gnade aus seinem Munde
kamen, und sprachen: Ist das nicht Josefs Sohn?
4,23 Und er sprach zu ihnen: Ihr werdet mir freilich
dies Sprichwort sagen: Arzt, hilf dir selber! Denn
wie große Dinge haben wir gehört, die in Kapernaum
geschehen sind! Tu so auch hier in deiner Vaterstadt!
4,24 Er sprach aber: Wahrlich, ich sage euch:
Kein Prophet gilt etwas in seinem Vaterland.
4,25 Aber wahrhaftig, ich sage euch: Es waren
viele Witwen in Israel zur Zeit des Elia, als der
Himmel verschlossen war drei Jahre und sechs Monate
und eine große Hungersnot herrschte im ganzen Lande,
4,26 und zu keiner von ihnen wurde Elia gesandt
als allein zu einer Witwe nach Sarepta im Gebiet von Sidon.
4,27 Und viele Aussätzige waren in Israel zur
Zeit des Propheten Elisa, und keiner von ihnen
wurde rein als allein Naaman aus Syrien.
4,28 Und alle, die in der Synagoge waren, wurden
von Zorn erfüllt, als sie das hörten.
4,29 Und sie standen auf und stießen ihn zur Stadt
hinaus und führten ihn an den Abhang des Berges,
auf dem ihre Stadt gebaut war, um ihn hinabzustürzen.
4,30 Aber er ging mitten durch sie hinweg.

Jesus in Kapernaum.

4,31 Und er ging hinab nach Kapernaum, einer
Stadt in Galiläa, und lehrte sie am Sabbat.
4,32 Und sie verwunderten sich über seine Lehre;
denn er predigte mit Vollmacht.
4,33 Und es war ein Mensch in der Synagoge, besessen
von einem unreinen Geist, und der schrie laut:
4,34 Halt, was willst du von uns, Jesus von Nazareth?
Du bist gekommen, uns zu vernichten. Ich weiß,
wer du bist: der Heilige Gottes!
4,35 Und Jesus bedrohte ihn und sprach: Verstumme
und fahre aus von ihm! Und der böse Geist warf
ihn mitten unter sie und fuhr von ihm aus und tat
ihm keinen Schaden.
4,36 Und es kam eine Furcht über sie alle, und
sie redeten miteinander und sprachen: Was ist das
für ein Wort? Er gebietet mit Vollmacht und Gewalt
den unreinen Geistern, und sie fahren aus.
4,37 Und die Kunde von ihm erscholl in alle Orte
des umliegenden Landes.
4,38 Und er machte sich auf aus der Synagoge und
kam in Simons Haus. Und Simons Schwiegermutter
hatte hohes Fieber, und sie baten ihn für sie.
4,39 Und er trat zu ihr und gebot dem Fieber,
und es verließ sie. Und sogleich stand sie auf
und diente ihnen.
4,40 Und als die Sonne untergegangen war, brachten
alle ihre Kranken mit mancherlei Leiden zu ihm.
Und er legte die Hände auf einen jeden und machte
sie gesund.
4,41 Von vielen fuhren auch die bösen Geister
aus und schrien: Du bist der Sohn Gottes! Und
er bedrohte sie und ließ sie nicht reden; denn
sie wußten, daß er der Christus war.
4,42 Als es aber Tag wurde, ging er hinaus an
eine einsame Stätte; und das Volk suchte ihn, und
sie kamen zu ihm und wollten ihn festhalten, damit
er nicht von ihnen ginge.
4,43 Er sprach aber zu ihnen: Ich muß auch den
andern Städten das Evangelium predigen vom Reich
Gottes; denn dazu bin ich gesandt.
4,44 Und er predigte in den Synagogen Judäas.

\5\

Der Fischzug des Petrus.

5,1 Es begab sich aber, als sich die Menge zu
ihm drängte, um das Wort Gottes zu hören, da stand
er am See Genezareth
5,2 und sah zwei Boote am Ufer liegen; die Fischer
aber waren ausgestiegen und wuschen ihre Netze.
5,3 Da stieg er in eins der Boote, das Simon gehörte,
und bat ihn, ein wenig vom Land wegzufahren. Und
er setzte sich und lehrte die Menge vom Boot aus.
5,4 Und als er aufgehört hatte zu reden, sprach
er zu Simon: Fahre hinaus, wo es tief ist, und
werft eure Netze zum Fang aus!
5,5 Und Simon antwortete und sprach: Meister,
wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts
gefangen; aber auf dein Wort will ich die Netze
auswerfen.
5,6 Und als sie das taten, fingen sie eine große
Menge Fische, und ihre Netze begannen zu reißen.
5,7 Und sie winkten ihren Gefährten, die im andern
Boot waren, sie sollten kommen und mit ihnen ziehen.
Und sie kamen und füllten beide Boote voll, so
daß sie fast sanken.
5,8 Als das Simon Petrus sah, fiel er Jesus zu
Füßen und sprach: Herr, geh weg von mir! Ich
bin ein sündiger Mensch.
5,9 Denn ein Schrecken hatte ihn erfaßt und alle,
die bei ihm waren, über diesen Fang, den sie miteinander
getan hatten,
5,10 ebenso auch Jakobus und Johannes, die Söhne
des Zebedäus, Simons Gefährten. Und Jesus sprach
zu Simon: Fürchte dich nicht! Von nun an wirst
du Menschen fangen.
5,11 Und sie brachten die Boote ans Land und verließen
alles und folgten ihm nach.

Die Heilung eines Aussätzigen.

5,12 Und es begab sich, als er in einer Stadt
war, siehe, da war ein Mann voller Aussatz. Als
der Jesus sah, fiel er nieder auf sein Angesicht
und bat ihn und sprach: Herr, willst du, so kannst
du mich reinigen.
5,13 Und er streckte die Hand aus und rührte ihn
an und sprach: Ich will's tun, sei rein! Und sogleich
wich der Aussatz von ihm.
5,14 Und er gebot ihm, daß er's niemandem sagen
sollte. Geh aber hin und zeige dich dem Priester
und opfere für deine Reinigung, wie Mose geboten
hat, ihnen zum Zeugnis.
5,15 Aber die Kunde von ihm breitete sich immer
weiter aus, und es kam eine große Menge zusammen,
zu hören und gesund zu werden von ihren Krankheiten.
5,16 Er aber zog sich zurück in die Wüste und betete.

Die Heilung eines Gelähmten (»Der Gichtbrüchige«)

5,17 Und es begab sich eines Tages, als er lehrte,
daß auch Pharisäer und Schriftgelehrte dasaßen,
die gekommen waren aus allen Orten in Galiläa und
Judäa und aus Jerusalem. Und die Kraft des Herrn
war mit ihm, daß er heilen konnte.
5,18 Und siehe, einige Männer brachten einen Menschen
auf einem Bett; der war gelähmt. Und sie versuchten,
ihn hineinzubringen und vor ihn zu legen.
5,19 Und weil sie wegen der Menge keinen Zugang
fanden, ihn hineinzubringen, stiegen sie auf das
Dach und ließen ihn durch die Ziegel hinunter mit
dem Bett mitten unter sie vor Jesus.
5,20 Und als er ihren Glauben sah, sprach er:
Mensch, deine Sünden sind dir vergeben.
5,21 Und die Schriftgelehrten und Pharisäer fingen
an zu überlegen und sprachen: Wer ist der, daß
er Gotteslästerungen redet? Wer kann Sünden
vergeben als allein Gott?
5,22 Als aber Jesus ihre Gedanken merkte, antwortete
er und sprach zu ihnen: Was denkt ihr in euren
Herzen?
5,23 Was ist leichter, zu sagen: Dir sind deine
Sünden vergeben, oder zu sagen: Steh auf und geh
umher?
5,24 Damit ihr aber wißt, daß der Menschensohn
Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben - sprach
er zu dem Gelähmten: Ich sage dir, steh auf, nimm
dein Bett und geh heim!
5,25 Und sogleich stand er auf vor ihren Augen
und nahm das Bett, auf dem er gelegen hatte, und
ging heim und pries Gott.
5,26 Und sie entsetzten sich alle und priesen
Gott und wurden von Furcht erfüllt und sprachen:
Wir haben heute seltsame Dinge gesehen.

Die Berufung des Levi und das Mahl mit den Zöllnern

5,27 Und danach ging er hinaus und sah einen Zöllner
mit Namen Levi am Zoll sitzen und sprach zu ihm:
Folge mir nach!

5,28 Und er verließ alles, stand auf und folgte
ihm nach.
5,29 Und Levi richtete ihm ein großes Mahl zu
in seinem Haus, und viele Zöllner und andre
saßen mit ihm zu Tisch.

5,30 Und die Pharisäer und ihre Schriftgelehrten
murrten und sprachen zu seinen Jüngern: Warum eßt
und trinkt ihr mit den Zöllnern und Sündern?
5,31 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
Die Gesunden bedürfen des Arztes nicht, sondern
die Kranken.
5,32 Ich bin gekommen, die Sünder zur Buße zu
rufen und nicht die Gerechten.

Die Frage nach dem Fasten.

5,33 Sie aber sprachen zu ihm: Die Jünger des
Johannes fasten oft und beten viel, ebenso die
Jünger der Pharisäer; aber deine Jünger essen und
trinken.
5,34 Jesus sprach aber zu ihnen: Ihr könnt die
Hochzeitsgäste nicht fasten lassen, solange der
Bräutigam bei ihnen ist.
5,35 Es wird aber die Zeit kommen, daß der Bräutigam
von ihnen genommen wird; dann werden sie fasten,
in jenen Tagen.
5,36 Und er sagte zu ihnen ein Gleichnis: Niemand
reißt einen Lappen von einem neuen Kleid und flickt
ihn auf ein altes Kleid; sonst zerreißt man das
neue, und der Lappen vom neuen paßt nicht auf das
alte.
5,37 Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche;
sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche und
wird verschüttet, und die Schläuche verderben.
5,38 Sondern neuen Wein soll man in neue Schläuche
füllen.
5,39 Und niemand, der vom alten Wein trinkt, will
neuen; denn er spricht: Der alte ist milder.

\6\

Das Ährenraufen am Sabbat.

6,1 Und es begab sich an einem Sabbat, daß
er durch ein Kornfeld ging; und seine Jünger rauften
Ähren aus und zerrieben sie mit den Händen und
aßen.
6,2 Einige der Pharisäer aber sprachen: Warum
tut ihr, was am Sabbat nicht erlaubt ist?
6,3 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
Habt ihr nicht das gelesen, was David tat,
als ihn hungerte und die, die bei ihm waren?
6,4 wie er in das Haus Gottes ging und die Schaubrote
nahm und aß, die doch niemand essen durfte
als die Priester allein, und wie er sie auch denen
gab, die bei ihm waren?
6,5 Und er sprach zu ihnen: Der Menschensohn ist
ein Herr über den Sabbat.

Die Heilung eines Mannes am Sabbat.

6,6 Es geschah aber an einem andern Sabbat, daß
er in die Synagoge ging und lehrte. Und da war
ein Mensch, dessen rechte Hand war verdorrt.
6,7 Aber die Schriftgelehrten und Pharisäer lauerten
darauf, ob er auch am Sabbat heilen würde, damit
sie etwas fänden, ihn zu verklagen.
6,8 Er aber merkte ihre Gedanken und sprach zu
dem Mann mit der verdorrten Hand: Steh auf und
tritt hervor! Und er stand auf und trat vor.
6,9 Da sprach Jesus zu ihnen: Ich frage euch:
Ist's erlaubt, am Sabbat Gutes zu tun oder Böses,
Leben zu erhalten oder zu vernichten?
6,10 Und er sah sie alle ringsum an und sprach
zu ihm: Strecke deine Hand aus! Und er tat's; da
wurde seine Hand wieder zurechtgebracht.
6,11 Sie aber wurden ganz von Sinnen und beredeten
sich miteinander, was sie Jesus tun wollten.

Die Berufung der Zwölf.

6,12 Es begab sich aber zu der Zeit, daß er auf
einen Berg ging, um zu beten; und er blieb die
Nacht über im Gebet zu Gott.
6,13 Und als es Tag wurde, rief er seine Jünger
und erwählte zwölf von ihnen, die er auch Apostel
nannte:
6,14 Simon, den er auch Petrus nannte, und Andreas,
seinen Bruder, Jakobus und Johannes; Philippus
und Bartholomäus;
6,15 Matthäus und Thomas; Jakobus, den Sohn des
Alphäus, und Simon, genannt der Zelot;
6,16 Judas, den Sohn des Jakobus, und Judas Iskariot,
der zum Verräter wurde.

DIE PREDIGT AUF DEM FELDE.

(Verse 17-49).

6,17 Und er ging mit ihnen hinab und trat auf
ein ebenes Feld. Und um ihn war eine große Schar
seiner Jünger und eine große Menge des Volkes aus
ganz Judäa und Jerusalem und aus dem Küstenland
von Tyrus und Sidon,
6,18 die gekommen waren, ihn zu hören und von
ihren Krankheiten geheilt zu werden; und die von
unreinen Geistern umgetrieben waren, wurden gesund.
6,19 Und alles Volk suchte, ihn anzurühren; denn
es ging Kraft von ihm aus, und er heilte sie alle.



Die Seligpreisungen.

6,20 Und er hob seine Augen auf über seine Jünger
und sprach: Selig seid ihr Armen; denn das
Reich Gottes ist euer.
6,21 Selig seid ihr, die ihr jetzt hungert; denn
ihr sollt satt werden. Selig seid ihr, die ihr
jetzt weint; denn ihr werdet lachen.
6,22 Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen
und euch ausstoßen und schmähen und verwerfen euren
Namen als böse um des Menschensohnes willen.
6,23 Freut euch an jenem Tage und springt vor
Freude; denn siehe, euer Lohn ist groß im Himmel.
Denn das gleiche haben ihre Väter den Propheten
getan.

Die Weherufe.

6,24 Aber dagegen: Weh euch Reichen! Denn ihr
habt euren Trost schon gehabt.
6,25 Weh euch, die ihr jetzt satt seid! Denn ihr
werdet hungern. Weh euch, die ihr jetzt lacht!
Denn ihr werdet weinen und klagen.
6,26 Weh euch, wenn euch jedermann wohlredet!
Denn das gleiche haben ihre Väter den falschen
Propheten getan.

Von der Feindesliebe.

6,27 Aber ich sage euch, die ihr zuhört: Liebt
eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen;
6,28 segnet, die euch verfluchen; bittet für die,
die euch beleidigen.
6,29 Und wer dich auf die eine Backe schlägt,
dem biete die andere auch dar; und wer dir den
Mantel nimmt, dem verweigere auch den Rock nicht.
6,30 Wer dich bittet, dem gib; und wer dir das
Deine nimmt, von dem fordere es nicht zurück.
6,31 Und wie ihr wollt, daß euch die Leute tun
sollen, so tut ihnen auch!
6,32 Und wenn ihr die liebt, die euch lieben,
welchen Dank habt ihr davon? Denn auch die Sünder
lieben ihre Freunde.
6,33 Und wenn ihr euren Wohltätern wohltut, welchen
Dank habt ihr davon? Denn die Sünder tun dasselbe
auch.
6,34 Und wenn ihr denen leiht, von denen ihr etwas
zu bekommen hofft, welchen Dank habt ihr davon?
Auch die Sünder leihen den Sündern, damit sie das
Gleiche bekommen.
6,35 Vielmehr liebt eure Feinde; tut Gutes und
leiht, wo ihr nichts dafür zu bekommen hofft. So
wird euer Lohn groß sein, und ihr werdet Kinder
des Allerhöchsten sein; denn er ist gütig gegen
die Undankbaren und Bösen.

Von der Stellung zum Nächsten.

6,36 Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.
6,37 Und richtet nicht, so werdet ihr auch nicht
gerichtet. Verdammt nicht, so werdet ihr nicht
verdammt. Vergebt, so wird euch vergeben.
6,38 Gebt, so wird euch gegeben. Ein volles, gedrücktes,
gerütteltes und überfließendes Maß wird man in
euren Schoß geben; denn eben mit dem Maß, mit
dem ihr meßt, wird man euch wieder messen.
6,39 Er sagte ihnen aber auch ein Gleichnis: Kann
auch ein Blinder einem Blinden den Weg weisen?
Werden sie nicht alle beide in die Grube fallen?
6,40 Der Jünger steht nicht über dem Meister;
wenn er vollkommen ist, so ist er wie sein Meister.
6,41 Was siehst du aber den Splitter in deines
Bruders Auge, und den Balken in deinem Auge nimmst
du nicht wahr?
6,42 Wie kannst du sagen zu deinem Bruder: Halt
still, Bruder, ich will den Splitter aus deinem
Auge ziehen, und du siehst selbst nicht den Balken
in deinem Auge? Du Heuchler, zieh zuerst den Balken
aus deinem Auge und sieh dann zu, daß du den Splitter
aus deines Bruders Auge ziehst!

Vom Baum und seinen Früchten.

6,43 Denn es gibt keinen guten Baum, der faule
Frucht trägt, und keinen faulen Baum, der gute
Frucht trägt.
6,44 Denn jeder Baum wird an seiner eigenen Frucht
erkannt. Man pflückt ja nicht Feigen von den Dornen,
auch liest man nicht Trauben von den Hecken.
6,45 Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus
dem guten Schatz seines Herzens; und ein böser
bringt Böses hervor aus dem bösen. Denn wes das
Herz voll ist, des geht der Mund über.
6,46 Was nennt ihr mich aber Herr, Herr, und tut
nicht, was ich euch sage?

Vom Hausbau.

6,47 Wer zu mir kommt und hört meine Rede und
tut sie - ich will euch zeigen, wem er gleicht.
6,48 Er gleicht einem Menschen, der ein Haus baute
und grub tief und legte den Grund auf Fels. Als
aber eine Wasserflut kam, da riß der Strom an dem
Haus und konnte es nicht bewegen; denn es war gut
gebaut.
6,49 Wer aber hört und nicht tut, der gleicht
einem Menschen, der ein Haus baute auf die Erde,
ohne Grund zu legen; und der Strom riß an ihm und
es fiel gleich zusammen, und sein Einsturz war groß.

\7\

Der Hauptmann von Kapernaum.

7,1 Nachdem Jesus seine Rede vor dem Volk vollendet
hatte, ging er nach Kapernaum.
7,2 Ein Hauptmann aber hatte einen Knecht, der
ihm lieb und wert war; der lag todkrank.
7,3 Als er aber von Jesus hörte, sandte er die
Ältesten der Juden zu ihm und bat ihn, zu kommen
und seinen Knecht gesund zu machen.
7,4 Als sie aber zu Jesus kamen, baten sie ihn
sehr und sprachen: Er ist es wert, daß du ihm die
Bitte erfüllst;
7,5 denn er hat unser Volk lieb, und die Synagoge
hat er uns erbaut.
7,6 Da ging Jesus mit ihnen. Als er aber nicht
mehr fern von dem Haus war, sandte der Hauptmann
Freunde zu ihm und ließ ihm sagen: Ach Herr, bemühe
dich nicht; ich bin nicht wert, daß du unter mein
Dach gehst;
7,7 darum habe ich auch mich selbst nicht für
würdig geachtet, zu dir zu kommen; sondern sprich
ein Wort, so wird mein Knecht gesund.
7,8 Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit
untertan, und habe Soldaten unter mir; und wenn
ich zu einem sage: Geh hin!, so geht er hin; und
zu einem andern: Komm her!, so kommt er; und zu
meinem Knecht: Tu das!, so tut er's.
7,9 Als aber Jesus das hörte, wunderte er sich
über ihn und wandte sich um und sprach zu dem Volk,
das ihm nachfolgte: Ich sage euch: Solchen Glauben
habe ich in Israel nicht gefunden.
7,10 Und als die Boten wieder nach Hause kamen,
fanden sie den Knecht gesund.

Der Jüngling zu Nain.

7,11 Und es begab sich danach, daß er in eine
Stadt mit Namen Nain ging; und seine Jünger gingen
mit ihm und eine große Menge.
7,12 Als er aber nahe an das Stadttor kam, siehe,
da trug man einen Toten heraus, der der einzige
Sohn seiner Mutter war, und sie war eine Witwe;
und eine große Menge aus der Stadt ging mit ihr.
7,13 Und als sie der Herr sah, jammerte sie ihn,
und er sprach zu ihr: Weine nicht!
7,14 Und trat hinzu und berührte den Sarg, und
die Träger blieben stehen. Und er sprach: Jüngling,
ich sage dir, steh auf!
7,15 Und der Tote richtete sich auf und fing an
zu reden, und Jesus gab ihn seiner Mutter.
7,16 Und Furcht ergriff sie alle, und sie priesen
Gott und sprachen: Es ist ein großer Prophet

unter uns aufgestanden, und: Gott hat sein
Volk besucht.
7,17 Und diese Kunde von ihm erscholl in ganz
Judäa und im ganzen umliegenden Land.

Die Anfrage des Täufers.

7,18 Und die Jünger des Johannes verkündeten ihm
das alles. Und Johannes rief zwei seiner Jünger
zu sich
7,19 und sandte sie zum Herrn und ließ ihn fragen:
Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir auf
einen andern warten?
7,20 Als aber die Männer zu ihm kamen, sprachen
sie: Johannes der Täufer hat uns zu dir gesandt
und läßt dich fragen: Bist du, der da kommen soll,
oder sollen wir auf einen andern warten?
7,21 Zu der Stunde machte Jesus viele gesund von
Krankheiten und Plagen und bösen Geistern, und
vielen Blinden schenkte er das Augenlicht.
7,22 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
Geht und verkündet Johannes, was ihr gesehen und
gehört habt: Blinde sehen, Lahme gehen, Aussätzige
werden rein, Taube hören, Tote stehen auf, Armen
wird das Evangelium gepredigt;
7,23 und selig ist, wer sich nicht ärgert an mir.

Jesu Zeugnis über den Täufer.

7,24 Als aber die Boten des Johannes fortgingen,
fing Jesus an, zu dem Volk über Johannes zu reden:
Was seid ihr hinausgegangen in die Wüste zu sehen?
Wolltet ihr ein Rohr sehen, das vom Wind bewegt wird?
7,25 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?
Wolltet ihr einen Menschen sehen in weichen Kleidern?
Seht, die herrliche Kleider tragen und üppig leben,
die sind an den königlichen Höfen.
7,26 Oder was seid ihr hinausgegangen zu sehen?
Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage
euch: Er ist mehr als ein Prophet.
7,27 Er ist's, von dem geschrieben steht (Maleachi
3,1): »Siehe, ich sende meinen Boten vor dir her,
der deinen Weg vor dir bereiten soll.«
7,28 Ich sage euch, daß unter denen, die von einer
Frau geboren sind, keiner größer ist als Johannes;
der aber der Kleinste ist im Reich Gottes, der
ist größer als er.
7,29 Und alles Volk, das ihn hörte, und die
Zöllner gaben Gott recht und ließen sich taufen
mit der Taufe des Johannes.
7,30 Aber die Pharisäer und Schriftgelehrten
verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte, und
ließen sich nicht von ihm taufen.
7,31 Mit wem soll ich die Menschen dieses Geschlechts
vergleichen, und wem sind sie gleich?
7,32 Sie sind den Kindern gleich, die auf dem
Markt sitzen und rufen einander zu: Wir haben euch
aufgespielt, und ihr habt nicht getanzt; wir haben
Klagelieder gesungen, und ihr habt nicht geweint.
7,33 Denn Johannes der Täufer ist gekommen und
aß kein Brot und trank keinen Wein; so sagt
ihr: Er ist besessen.
7,34 Der Menschensohn ist gekommen, ißt und trinkt;
so sagt ihr: Siehe, dieser Mensch ist ein Fresser
und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und
Sünder!
7,35 Und doch ist die Weisheit gerechtfertigt
worden von allen ihren Kindern.

Jesu Salbung durch die Sünderin.

7,36 Es bat ihn aber einer der Pharisäer, bei
ihm zu essen. Und er ging hinein in das Haus des
Pharisäers und setzte sich zu Tisch.
7,37 Und siehe, eine Frau war in der Stadt, die
war eine Sünderin. Als die vernahm, daß er zu Tisch
saß im Haus des Pharisäers, brachte sie ein
Glas mit Salböl
7,38 und trat von hinten zu seinen Füßen, weinte
und fing an, seine Füße mit Tränen zu benetzen
und mit den Haaren ihres Hauptes zu trocknen, und
küßte seine Füße und salbte sie mit Salböl.
7,39 Als aber das der Pharisäer sah, der ihn eingeladen
hatte, sprach er bei sich selbst und sagte: Wenn
dieser ein Prophet wäre, so wüßte er, wer und was
für eine Frau das ist, die ihn anrührt; denn sie
ist eine Sünderin.
7,40 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Simon,
ich habe dir etwas zu sagen. Er aber sprach: Meister,
sag es!
7,41 Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner. Einer
war fünfhundert Silbergroschen schuldig, der andere
fünfzig.
7,42 Da sie aber nicht bezahlen konnten, schenkte
er's beiden. Wer von ihnen wird ihn am meisten lieben?
7,43 Simon antwortete und sprach: Ich denke, der,
dem er am meisten geschenkt hat. Er aber sprach
zu ihm: Du hast recht geurteilt.
7,44 Und er wandte sich zu der Frau und sprach
zu Simon: Siehst du diese Frau? Ich bin in dein
Haus gekommen; du hast mir kein Wasser für
meine Füße gegeben; diese aber hat meine Füße mit
Tränen benetzt und mit ihren Haaren getrocknet.
7,45 Du hast mir keinen Kuß gegeben; diese
aber hat, seit ich hereingekommen bin, nicht abgelassen,
meine Füße zu küssen.
7,46 Du hast mein Haupt nicht mit Öl gesalbt;
sie aber hat meine Füße mit Salböl gesalbt.
7,47 Deshalb sage ich dir: Ihre vielen Sünden
sind vergeben, denn sie hat viel Liebe gezeigt;
wem aber wenig vergeben wird, der liebt wenig.
7,48 Und er sprach zu ihr: Dir sind deine Sünden
vergeben.
7,49 Da fingen die an, die mit zu Tisch saßen,
und sprachen bei sich selbst: Wer ist dieser,
der auch die Sünden vergibt?
7,50 Er aber sprach zu der Frau: Dein Glaube
hat dir geholfen; geh hin in Frieden!

\8\

Jüngerinnen Jesu.

8,1 Und es begab sich danach, daß er durch Städte
und Dörfer zog und predigte und verkündigte das
Evangelium vom Reich Gottes; und die Zwölf waren
mit ihm,
8,2 dazu einige Frauen, die er gesund gemacht
hatte von bösen Geistern und Krankheiten, nämlich
Maria, genannt Magdalena, von der sieben böse
Geister ausgefahren waren,
8,3 und Johanna, die Frau des Chuzas, eines Verwalters
des Herodes, und Susanna und viele andere,
die ihnen dienten mit ihrer Habe.

Vom Sämann.

8,4 Als nun eine große Menge beieinander war und
sie aus den Städten zu ihm eilten, redete er in
einem Gleichnis:
8,5 Es ging ein Sämann aus, zu säen seinen Samen.
Und indem er säte, fiel einiges auf den Weg und
wurde zertreten, und die Vögel unter dem Himmel
fraßen's auf.
8,6 Und einiges fiel auf den Fels; und als es
aufging, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit
hatte.
8,7 Und einiges fiel mitten unter die Dornen;
und die Dornen gingen mit auf und erstickten's.
8,8 Und einiges fiel auf gutes Land; und es ging
auf und trug hundertfach Frucht. Als er das sagte,
rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!

Vom Sinn der Gleichnisse.

8,9 Es fragten ihn aber seine Jünger, was dies
Gleichnis bedeute.
8,10 Er aber sprach: Euch ist's gegeben, die Geheimnisse
des Reiches Gottes zu verstehen, den andern aber
in Gleichnissen, damit sie es nicht sehen,
auch wenn sie es sehen, und nicht verstehen, auch
wenn sie es hören.

Die Deutung des Gleichnisses vom Sämann.

8,11 Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same
ist das Wort Gottes.
8,12 Die aber auf dem Weg, das sind die, die es
hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort
aus ihrem Herzen, damit sie nicht glauben und selig
werden.
8,13 Die aber auf dem Fels sind die: wenn sie
es hören, nehmen sie das Wort mit Freuden an. Doch
sie haben keine Wurzel; eine Zeitlang glauben sie,
und zu der Zeit der Anfechtung fallen sie ab.
8,14 Was aber unter die Dornen fiel, sind die,
die es hören und gehen hin und ersticken unter
den Sorgen, dem Reichtum und den Freuden des Lebens
und bringen keine Frucht.
8,15 Das aber auf dem guten Land sind die, die
das Wort hören und behalten in einem feinen,
guten Herzen und bringen Frucht in Geduld.

Vom Licht und vom rechten Hören.

8,16 Niemand aber zündet ein Licht an und bedeckt
es mit einem Gefäß oder setzt es unter eine Bank;
sondern er setzt es auf einen Leuchter, damit,
wer hineingeht, das Licht sehe.
8,17 Denn es ist nichts verborgen, was nicht offenbar
werden soll, auch nichts geheim, was nicht bekannt
werden und an den Tag kommen soll.
8,18 So seht nun darauf, wie ihr zuhört; denn
wer da hat, dem wird gegeben; wer aber nicht
hat, dem wird auch das genommen, was er meint zu
haben.

Jesu wahre Verwandte.

8,19 Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder
zu ihm und konnten wegen der Menge nicht zu ihm
gelangen.
8,20 Da wurde ihm gesagt: Deine Mutter und deine
Brüder stehen draußen und wollen dich sehen.
8,21 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine
Mutter und meine Brüder sind diese, die Gottes
Wort hören und tun.

Die Stillung des Sturms.

8,22 Und es begab sich an einem der Tage, daß
er in ein Boot stieg mit seinen Jüngern; und er
sprach zu ihnen: Laßt uns über den See fahren.
Und sie stießen vom Land ab.
8,23 Und als sie fuhren, schlief er ein. Und es
kam ein Windwirbel über den See, und die Wellen
überfielen sie, und sie waren in großer Gefahr.
8,24 Da traten sie zu ihm und weckten ihn auf
und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um!
Da stand er auf und bedrohte den Wind und die Wogen
des Wassers, und sie legten sich, und es entstand
eine Stille.
8,25 Er sprach aber zu ihnen: Wo ist euer Glaube?
Sie aber fürchteten sich und verwunderten sich
und sprachen zueinander: Wer ist dieser? Auch dem
Wind und dem Wasser gebietet er, und sie sind ihm
gehorsam.

Die Heilung des besessenen Geraseners.

8,26 Und sie fuhren weiter in die Gegend der Gerasener,
die Galiläa gegenüberliegt.
8,27 Und als er ans Land trat, begegnete ihm ein
Mann aus der Stadt, der hatte böse Geister; er
trug seit langer Zeit keine Kleider mehr und blieb
in keinem Hause, sondern in den Grabhöhlen.
8,28 Als er aber Jesus sah, schrie er auf und
fiel vor ihm nieder und rief laut: Was willst du
von mir, Jesus, du Sohn Gottes des Allerhöchsten?
Ich bitte dich: Quäle mich nicht!
8,29 Denn er hatte dem unreinen Geist geboten,
aus dem Menschen auszufahren. Denn der hatte ihn
lange Zeit geplagt; und er wurde mit Ketten und
Fesseln gebunden und gefangen gehalten, doch er
zerriß seine Fesseln und wurde von dem bösen Geist
in die Wüste getrieben.
8,30 Und Jesus fragte ihn: Wie heißt du? Er antwortete:
Legion. Denn es waren viele böse Geister in ihn
gefahren.
8,31 Und sie baten ihn, daß er ihnen nicht gebiete,
in den Abgrund zu fahren.
8,32 Es war aber dort auf dem Berg eine große
Herde Säue auf der Weide. Und sie baten ihn, daß
er ihnen erlaube, in die Säue zu fahren. Und er
erlaubte es ihnen.

8,33 Da fuhren die bösen Geister von dem Menschen
aus und fuhren in die Säue; und die Herde stürmte
den Abhang hinunter in den See und ersoff.
8,34 Als aber die Hirten sahen, was da geschah,
flohen sie und verkündeten es in der Stadt und
in den Dörfern.
8,35 Da gingen die Leute hinaus, um zu sehen,

was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden
den Menschen, von dem die bösen Geister ausgefahren
waren, sitzend zu den Füßen Jesu, bekleidet und
vernünftig, und sie erschraken.
8,36 Und die es gesehen hatten, verkündeten ihnen,
wie der Besessene gesund geworden war.
8,37 Und die ganze Menge aus dem umliegenden Land
der Gerasener bat ihn, von ihnen fortzugehen; denn
es hatte sie große Furcht ergriffen. Und er stieg
ins Boot und kehrte zurück.
8,38 Aber der Mann, von dem die bösen Geister
ausgefahren waren, bat ihn, daß er bei ihm bleiben
dürfe. Aber Jesus schickte ihn fort und sprach:
8,39 Geh wieder heim und sage, wie große Dinge
Gott an dir getan hat. Und er ging hin und verkündigte
überall in der Stadt, wie große Dinge Jesus an
ihm getan hatte.

Die Heilung der blutflüssigen Frau und die Auferweckung
der Tochter des Jaïrus.

8,40 Als Jesus zurückkam, nahm ihn das Volk auf;
denn sie warteten alle auf ihn.
8,41 Und siehe, da kam ein Mann mit Namen Jaïrus,
der ein Vorsteher der Synagoge war, und fiel Jesus
zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen;
8,42 denn er hatte eine einzige Tochter von etwa
zwölf Jahren, die lag in den letzten Zügen. Und
als er hinging, umdrängte ihn das Volk.
8,43 Und eine Frau hatte den Blutfluß seit zwölf
Jahren; die hatte alles, was sie zum Leben hatte,
für die Ärzte aufgewandt und* konnte von keinem
geheilt werden.
8,44 Die trat von hinten an ihn heran und berührte
den Saum seines Gewandes; und sogleich hörte ihr
Blutfluß auf.
8,45 Und Jesus fragte: Wer hat mich berührt? Als
es aber alle abstritten, sprach Petrus: Meister,
das Volk drängt und drückt dich.
8,46 Jesus aber sprach: Es hat mich jemand berührt;
denn ich habe gespürt, daß eine Kraft von mir ausgegangen
ist.
8,47 Als aber die Frau sah, daß es nicht verborgen
blieb, kam sie mit Zittern und fiel vor ihm nieder
und verkündete vor allem Volk, warum sie ihn angerührt
hatte, und wie sie sogleich gesund geworden war.
8,48 Er aber sprach zu ihr: Meine Tochter,
dein Glaube hat dir geholfen. Geh hin in Frieden!
8,49 Als er noch redete, kam einer von den Leuten
des Vorstehers der Synagoge und sprach: Deine Tochter
ist gestorben; bemühe den Meister nicht mehr.
8,50 Als aber Jesus das hörte, antwortete er ihm:
Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gesund!
8,51 Als er aber in das Haus kam, ließ er niemanden
mit hineingehen als Petrus und Johannes und
Jakobus und den Vater und die Mutter des Kindes.
8,52 Sie weinten aber alle und klagten um sie.
Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht
gestorben, sondern sie schläft.
8,53 Und sie verlachten ihn, denn sie wußten,
daß sie gestorben war.
8,54 Er aber nahm sie bei der Hand und rief: Kind,
steh auf!
8,55 Und ihr Geist kam wieder, und sie stand sogleich
auf. Und er befahl, man solle ihr zu essen geben.
8,56 Und ihre Eltern entsetzten sich. Er aber
gebot ihnen, niemandem zu sagen, was geschehen
war.

\9\

Die Aussendung der Zwölf.

9,1 Er rief aber die Zwölf zusammen und gab
ihnen Gewalt und Macht über alle bösen Geister,
und daß sie Krankheiten heilen konnten,
9,2 und sandte sie aus, zu predigen das Reich
Gottes und die Kranken zu heilen.
9,3 Und er sprach zu ihnen: Ihr sollt nichts mit
auf den Weg nehmen, weder Stab noch Tasche noch
Brot noch Geld; es soll auch einer nicht zwei Hemden
haben.
9,4 Und wenn ihr in ein Haus geht, dann bleibt
dort, bis ihr weiterzieht.
9,5 Und wenn sie euch nicht aufnehmen, dann geht
fort aus dieser Stadt und schüttelt den Staub von
euren Füßen zu einem Zeugnis gegen sie.
9,6 Und sie gingen hinaus und zogen von Dorf zu
Dorf, predigten das Evangelium und machten gesund
an allen Orten.

Herodes und Jesus.

9,7 Es kam aber vor Herodes, den Landesfürsten,
alles, was geschah; und er wurde unruhig, weil
von einigen gesagt wurde: Johannes ist von den
Toten auferstanden;
9,8 von einigen aber: Elia ist erschienen; von
andern aber: Einer von den alten Propheten ist
auferstanden.
9,9 Und Herodes sprach: Johannes, den habe ich
enthauptet; wer ist aber dieser, über den ich solches
höre? Und er begehrte ihn zu sehen.

Die Speisung der Fünftausend.

9,10 Und die Apostel kamen zurück und erzählten
Jesus, wie große Dinge sie getan hatten. Und er
nahm sie zu sich, und er zog sich mit ihnen allein
in die Stadt zurück, die heißt Betsaida.
9,11 Als die Menge das merkte, zog sie ihm nach.
Und er ließ sie zu sich und sprach zu ihnen vom
Reich Gottes und machte gesund, die der Heilung
bedurften.
9,12 Aber der Tag fing an, sich zu neigen. Da
traten die Zwölf zu ihm und sprachen: Laß das Volk
gehen, damit sie hingehen in die Dörfer und Höfe
ringsum und Herberge und Essen finden; denn wir
sind hier in der Wüste.
9,13 Er aber sprach zu ihnen: Gebt ihr ihnen zu
essen. Sie sprachen: Wir haben nicht mehr als fünf
Brote und zwei Fische, es sei denn, daß wir hingehen
sollen und für alle diese Leute Essen kaufen.
9,14 Denn es waren etwa fünftausend Mann. Er sprach
aber zu seinen Jüngern: Laßt sie sich setzen in
Gruppen zu je fünfzig.
9,15 Und sie taten das und ließen alle sich setzen.
9,16 Da nahm er die fünf Brote und zwei Fische
und sah auf zum Himmel und dankte, brach sie und
gab sie den Jüngern, damit sie dem Volk austeilten.
9,17 Und sie aßen und wurden alle satt; und es
wurde aufgesammelt, was sie an Brocken übrigließen,
zwölf Körbe voll.

Das Bekenntnis des Petrus.

9,18 Und es begab sich, als Jesus allein war und
betete und nur seine Jünger bei ihm waren, da fragte
er sie und sprach: Wer sagen die Leute, daß ich
sei?
9,19 Sie antworteten und sprachen: Sie sagen,
du seist Johannes der Täufer; einige aber, du seist
Elia; andere aber, es sei einer der alten Propheten
auferstanden.
9,20 Er aber sprach zu ihnen: Wer sagt ihr aber,
daß ich sei? Da antwortete Petrus und sprach: Du
bist der Christus Gottes!

Die erste Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

9,21 Er aber gebot ihnen, daß sie das niemandem
sagen sollten,
9,22 und sprach: Der Menschensohn muß viel leiden
und verworfen werden von den Ältesten und Hohenpriestern
und Schriftgelehrten und getötet werden und am
dritten Tag auferstehen.

Von der Nachfolge.

9,23 Da sprach er zu ihnen allen: Wer mir folgen
will, der verleugne sich selbst und nehme sein
Kreuz auf sich täglich und folge mir nach.
9,24 Denn wer sein Leben erhalten will, der wird
es verlieren; wer aber sein Leben verliert um meinetwillen,
der wird's erhalten.
9,25 Denn welchen Nutzen hätte der Mensch, wenn
er die ganze Welt gewönne und verlöre sich selbst
oder nähme Schaden an sich selbst?
9,26 Wer sich aber meiner und meiner Worte schämt,
dessen wird sich der Menschensohn auch schämen,
wenn er kommen wird in seiner Herrlichkeit und
der des Vaters und der heiligen Engel.
9,27 Ich sage euch aber wahrlich: Einige von denen,
die hier stehen, werden den Tod nicht schmecken,
bis sie das Reich Gottes sehen.

Die Verklärung Jesu.

9,28 Und es begab sich, etwa acht Tage nach diesen
Reden, daß er mit sich nahm Petrus, Johannes und
Jakobus und ging auf einen Berg, um zu beten.
9,29 Und als er betete, wurde das Aussehen seines
Angesichts anders, und sein Gewand wurde weiß und
glänzte.
9,30 Und siehe, zwei Männer redeten mit ihm; das
waren Mose und Elia.
9,31 Sie erschienen verklärt und redeten von seinem
Ende, das er in Jerusalem erfüllen sollte.
9,32 Petrus aber und die bei ihm waren, waren
voller Schlaf. Als sie aber aufwachten, sahen sie,
wie er verklärt war, und die zwei Männer, die bei
ihm standen.
9,33 Und es begab sich, als sie von ihm schieden,
da sprach Petrus zu Jesus: Meister, hier ist für
uns gut sein! Laßt uns drei Hütten bauen, dir eine,
Mose eine und Elia eine. Er wußte aber nicht, was
er redete.
9,34 Als er aber dies redete, kam eine Wolke und
überschattete sie; und sie erschraken, als sie
in die Wolke hineinkamen.
9,35 Und es geschah eine Stimme aus der Wolke,
die sprach: Dieser ist mein auserwählter Sohn;
den sollt ihr hören!
9,36 Und als die Stimme geschah, fanden sie Jesus
allein. Und sie schwiegen davon und verkündeten
in jenen Tagen niemandem, was sie gesehen hatten.

Die Heilung eines besessenen Knaben.

9,37 Es begab sich aber, als sie am nächsten Tag
von dem Berg kamen, da kam ihm eine große Menge
entgegen.
9,38 Und siehe, ein Mann aus der Menge rief: Meister,
ich bitte dich, sieh doch nach meinem Sohn; denn
er ist mein einziger Sohn.
9,39 Siehe, ein Geist ergreift ihn, daß er plötzlich
aufschreit, und er reißt ihn, daß er Schaum vor
dem Mund hat, und läßt kaum von ihm ab und reibt
ihn ganz auf.
9,40 Und ich habe deine Jünger gebeten, daß sie
ihn austrieben, und sie konnten es nicht.
9,41 Da antwortete Jesus und sprach: O du ungläubiges
und verkehrtes Geschlecht, wie lange soll ich bei
euch sein und euch erdulden? Bring deinen Sohn her!
9,42 Und als er zu ihm kam, riß ihn der böse Geist
und zerrte ihn. Jesus aber bedrohte den unreinen
Geist und machte den Knaben gesund und gab
ihn seinem Vater wieder.
9,43 Und sie entsetzten sich alle über die Herrlichkeit
Gottes.

Die zweite Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

Als sie sich aber alle verwunderten über alles,
was er tat, sprach er zu seinen Jüngern:
9,44 Laßt diese Worte in eure Ohren dringen: Der
Menschensohn wird überantwortet werden in die Hände
der Menschen.
9,45 Aber dieses Wort verstanden sie nicht, und
es war vor ihnen verborgen, so daß sie es nicht
begriffen. Und sie fürchteten sich, ihn nach diesem
Wort zu fragen.

Der Rangstreit der Jünger.

9,46 Es kam aber unter ihnen der Gedanke auf,
wer von ihnen der Größte sei.
9,47 Als aber Jesus den Gedanken ihres Herzens
erkannte, nahm er ein Kind und stellte es neben sich
9,48 und sprach zu ihnen: Wer dieses Kind aufnimmt
in meinem Namen, der nimmt mich auf; und wer
mich aufnimmt, der nimmt den auf, der mich gesandt

hat. Denn wer der Kleinste ist unter euch allen,
der ist groß.

Der fremde Wundertäter.

9,49 Da fing Johannes an und sprach: Meister,
wir sahen einen, der trieb böse Geister aus in
deinem Namen; und wir wehrten ihm, denn er folgt
dir nicht nach mit uns.
9,50 Und Jesus sprach zu ihm: Wehrt ihm nicht!
Denn wer nicht gegen euch ist, der ist für euch.


Aufbruch nach Jerusalem. Ablehnung Jesu durch Samariter

9,51 Es begab sich aber, als die Zeit erfüllt
war, daß er hinweggenommen werden sollte, da wandte
er sein Angesicht, stracks nach Jerusalem zu
wandern.
9,52 Und er sandte Boten vor sich her; die gingen
hin und kamen in ein Dorf der Samariter, ihm Herberge
zu bereiten.
9,53 Und sie nahmen ihn nicht auf, weil er
sein Angesicht gewandt hatte, nach Jerusalem zu
wandern.
9,54 Als aber das seine Jünger Jakobus und Johannes
sahen, sprachen sie: Herr, willst du, so wollen
wir sagen, daß Feuer vom Himmel falle und sie
verzehre.
9,55 Jesus aber wandte sich um und wies sie zurecht.
9,56 Und sie gingen in ein andres Dorf.

Vom Ernst der Nachfolge.

9,57 Und als sie auf dem Wege waren, sprach einer
zu ihm: Ich will dir folgen, wohin du gehst.
9,58 Und Jesus sprach zu ihm: Die Füchse haben
Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester;
aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt
hinlege.
9,59 Und er sprach zu einem andern: Folge mir
nach! Der sprach aber: Herr, erlaube mir, daß ich
zuvor hingehe und meinen Vater begrabe.
9,60 Aber Jesus sprach zu ihm: Laß die Toten ihre
Toten begraben; du aber geh hin und verkündige
das Reich Gottes!
9,61 Und ein andrer sprach: Herr, ich will dir
nachfolgen; aber erlaube mir zuvor, daß ich Abschied
nehme von denen, die in meinem Haus sind.
9,62 Jesus aber sprach zu ihm: Wer seine Hand
an den Pflug legt und sieht zurück, der ist nicht
geschickt für das Reich Gottes.

\10\

Die Aussendung der zweiundsiebzig Jünger.

10,1 Danach setzte der Herr weitere zweiundsiebzig*
Jünger ein und sandte sie je zwei und zwei
vor sich her in alle Städte und Orte, wohin er
gehen wollte,
10,2 und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß,
der Arbeiter aber sind wenige. Darum bittet den
Herrn der Ernte, daß er Arbeiter aussende in seine
Ernte.
10,3 Geht hin; siehe, ich sende euch wie Lämmer
mitten unter die Wölfe.
10,4 Tragt keinen Geldbeutel bei euch, keine
Tasche und keine Schuhe, und, grüßt niemanden
unterwegs.
10,5 Wenn ihr in ein Haus kommt, sprecht zuerst:
Friede sei diesem Hause!
10,6 Und wenn dort ein Kind des Friedens ist,
so wird euer Friede auf ihm ruhen; wenn aber nicht,
so wird sich euer Friede wieder zu euch wenden.
10,7 In demselben Haus aber bleibt, eßt und trinkt,
was man euch gibt; denn ein Arbeiter ist seines
Lohnes wert. Ihr sollt nicht von einem Haus zum
andern gehen.
10,8 Und wenn ihr in eine Stadt kommt, und sie
euch aufnehmen, dann eßt, was euch vorgesetzt wird,
10,9 und heilt die Kranken, die dort sind, und
sagt ihnen: Das Reich Gottes ist nahe zu euch gekommen.
10,10 Wenn ihr aber in eine Stadt kommt, und sie
euch nicht aufnehmen, so geht hinaus auf ihre Straßen
und sprecht:
10,11 Auch den Staub aus eurer Stadt, der sich
an unsre Füße gehängt hat, schütteln wir ab auf
euch. Doch sollt ihr wissen: das Reich Gottes ist
nahe herbeigekommen.
10,12 Ich sage euch: Es wird Sodom erträglicher
ergehen an jenem Tage als dieser Stadt.

Jesu Weherufe über galiläische Städte.

10,13 Weh dir, Chorazin! Weh dir, Betsaida! Denn
wären solche Taten in Tyrus und Sidon geschehen,
wie sie bei euch geschehen sind, sie hätten längst
in Sack und Asche gesessen und Buße getan.
10,14 Doch es wird Tyrus und Sidon erträglicher
ergehen im Gericht als euch.
10,15 Und du, Kapernaum, wirst du bis zum Himmel
erhoben werden? Du wirst bis in die Hölle hinuntergestoßen werden.
10,16 Wer euch hört, der hört mich; und wer euch
verachtet, der verachtet mich; wer aber mich verachtet,
der verachtet den, der mich gesandt hat.

Jesu Jubelruf.

10,17 Die Zweiundsiebzig* aber kamen zurück voll
Freude und sprachen: Herr, auch die bösen Geister
sind uns untertan in deinem Namen.
10,18 Er sprach aber zu ihnen: Ich sah den Satan
vom Himmel fallen wie einen Blitz.
10,19 Seht, ich habe euch Macht gegeben, zu
treten auf Schlangen und Skorpione, und Macht über
alle Gewalt des Feindes; und nichts wird euch schaden.
10,20 Doch darüber freut euch nicht, daß euch
die Geister untertan sind. Freut euch aber, daß
eure Namen im Himmel geschrieben sind.
10,21 Zu der Stunde freute sich Jesus im heiligen
Geist und sprach: Ich preise dich, Vater, Herr
des Himmels und der Erde, weil du dies den
Weisen und Klugen verborgen hast und hast es den
Unmündigen offenbart. Ja, Vater, so hat es dir
wohlgefallen.
10,22 Alles ist mir übergeben von meinem Vater.
Und niemand weiß, wer der Sohn ist, als nur der
Vater, noch, wer der Vater ist, als nur der Sohn
und wem es der Sohn offenbaren will.
10,23 Und er wandte sich zu seinen Jüngern und
sprach zu ihnen allein: Selig sind die Augen,
die sehen, was ihr seht.
10,24 Denn ich sage euch: Viele Propheten
und Könige wollten sehen, was ihr seht, und haben's
nicht gesehen, und hören, was ihr hört, und haben's
nicht gehört.

Der barmherzige Samariter.
10,25 Und siehe, da stand ein Schriftgelehrter
auf, versuchte ihn und sprach: Meister, was muß
ich tun, daß ich das ewige Leben ererbe?
10,26 Er aber sprach zu ihm: Was steht im Gesetz
geschrieben? Was liest du?
10,27 Er antwortete und sprach: »Du sollst den
Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von
ganzer Seele, von allen Kräften und von ganzem
Gemüt*, und deinen Nächsten wie dich selbst« (5.
Mose 6,5; 3. Mose 19,18).
10,28 Er aber sprach zu ihm: Du hast recht geantwortet;
tu das, so wirst du leben.
10,29 Er aber wollte sich selbst rechtfertigen
und sprach zu Jesus: Wer ist denn mein Nächster?
10,30 Da antwortete Jesus und sprach: Es war ein
Mensch, der ging von Jerusalem hinab nach Jericho
und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und
schlugen ihn und machten sich davon und ließen
ihn halbtot liegen.
10,31 Es traf sich aber, daß ein Priester dieselbe
Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er vorüber.
10,32 Desgleichen auch ein Levit: als er zu der
Stelle kam und ihn sah, ging er vorüber.
10,33 Ein Samariter aber, der auf der Reise war,
kam dahin; und als er ihn sah, jammerte er ihn;
10,34 und er ging zu ihm, goß Öl und Wein auf
seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein
Tier und brachte ihn in eine Herberge und pflegte ihn.
10,35 Am nächsten Tag zog er zwei Silbergroschen
heraus, gab sie dem Wirt und sprach: Pflege ihn;
und wenn du mehr ausgibst, will ich dir's bezahlen,
wenn ich wiederkomme.
10,36 Wer von diesen dreien, meinst du, ist der
Nächste gewesen dem, der unter die Räuber gefallen
war?
10,37 Er sprach: Der die Barmherzigkeit an ihm
tat. Da sprach Jesus zu ihm: So geh hin und tu
desgleichen!

Maria und Marta.

10,38 Als sie aber weiterzogen, kam er in ein
Dorf. Da war eine Frau mit Namen Marta, die
nahm ihn auf.
10,39 Und sie hatte eine Schwester, die hieß Maria;
die setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner
Rede zu.
10,40 Marta aber machte sich viel zu schaffen,
ihm zu dienen. Und sie trat hinzu und sprach: Herr,
fragst du nicht danach, daß mich meine Schwester
läßt allein dienen? Sage ihr doch, daß sie mir
helfen soll!
10,41 Der Herr aber antwortete und sprach zu ihr:
Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe.
10,42 Eins aber ist not. Maria hat das gute Teil
erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden.

\11\

Das Vaterunser.

11,1 Und es begab sich, daß er an einem Ort war
und betete. Als er aufgehört hatte, sprach einer
seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie
auch Johannes seine Jünger lehrte.
11,2 Er aber sprach zu ihnen: Wenn ihr betet,
so sprecht: Vater! Dein Name werde geheiligt. Dein
Reich komme.*
11,3 Unser tägliches Brot gib uns Tag für Tag
11,4 und vergib uns unsre Sünden; denn auch wir
vergeben allen, die an uns schuldig werden. Und
führe uns nicht in Versuchung.*

Der bittende Freund.

11,5 Und er sprach zu ihnen: Wenn jemand unter
euch einen Freund hat und ginge zu ihm um Mitternacht
und spräche zu ihm: Lieber Freund, leih mir drei Brote;
11,6 denn mein Freund ist zu mir gekommen auf
der Reise, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen
kann,
11,7 und der drinnen würde antworten und sprechen:
Mach mir keine Unruhe! Die Tür ist schon zugeschlossen,
und meine Kinder und ich liegen schon zu Bett;
ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben.
11,8 Ich sage euch: Und wenn er schon nicht aufsteht
und ihm etwas gibt, weil er sein Freund ist, dann
wird er doch wegen seines unverschämten Drängens
aufstehen und ihm geben, soviel er bedarf.
11,9 Und ich sage euch auch: Bittet, so wird euch
gegeben; suchet, so werdet ihr finden; klopfet
an, so wird euch aufgetan.
11,10 Denn wer da bittet, der empfängt; und wer
da sucht, der findet; und wer da anklopft,
dem wird aufgetan.
11,11 Wo ist unter euch ein Vater, der seinem
Sohn, wenn der ihn* um einen Fisch bittet, eine
Schlange für den Fisch biete?
11,12 oder der ihm, wenn er um ein Ei bittet,
einen Skorpion dafür biete?
11,13 Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern
gute Gaben geben könnt, wieviel mehr wird der Vater
im Himmel den heiligen Geist geben denen, die ihn
bitten!

Jesus und die bösen Geister.

11,14 Und er trieb einen bösen Geist aus, der
war stumm. Und es geschah, als der Geist ausfuhr,
da redete der Stumme. Und die Menge verwunderte sich.
11,15 Einige aber unter ihnen sprachen: Er treibt
die bösen Geister aus durch Beelzebul, ihren Obersten.
11,16 Andere aber versuchten ihn und forderten
von ihm ein Zeichen vom Himmel.
11,17 Er aber erkannte ihre Gedanken und sprach
zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins
ist, wird verwüstet, und ein Haus fällt über das andre.
11,18 Ist aber der Satan auch mit sich selbst
uneins, wie kann sein Reich bestehen? Denn ihr
sagt, ich treibe die bösen Geister aus durch Beelzebul.
11,19 Wenn aber ich die bösen Geister durch Beelzebul

austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus?
Darum werden sie eure Richter sein.
11,20 Wenn ich aber durch Gottes Finger die
bösen Geister austreibe, so ist ja das Reich Gottes
zu euch gekommen.
11,21 Wenn ein Starker gewappnet seinen Palast
bewacht, so bleibt, was er hat, in Frieden.
11,22 Wenn aber ein Stärkerer über ihn kommt und
überwindet ihn, so nimmt er ihm seine Rüstung,
auf die er sich verließ, und verteilt die Beute.


11,23 Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich;
und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.

Von der Rückkehr des bösen Geistes.

11,24 Wenn der unreine Geist von einem Menschen
ausgefahren ist, so durchstreift er dürre Stätten,
sucht Ruhe und findet sie nicht; dann spricht er:
Ich will wieder zurückkehren in mein Haus, aus
dem ich fortgegangen bin.
11,25 Und wenn er kommt, so findet er's gekehrt
und geschmückt.
11,26 Dann geht er hin und nimmt sieben andre
Geister mit sich, die böser sind als er selbst;
und wenn sie hineinkommen, wohnen sie darin, und
es wird mit diesem Menschen hernach ärger als
zuvor.

Eine Seligpreisung Jesu.

11,27 Und es begab sich, als er so redete, da
erhob eine Frau im Volk ihre Stimme und sprach
zu ihm: Selig ist der Leib, der dich getragen
hat, und die Brüste, an denen du gesogen hast.
11,28 Er aber sprach: Ja, selig sind, die das
Wort Gottes hören und bewahren.

Ablehnung der Zeichenforderung.

11,29 Die Menge aber drängte herzu. Da fing er
an und sagte: Dies Geschlecht ist ein böses Geschlecht;
es fordert ein Zeichen, aber es wird ihm kein
Zeichen gegeben werden als nur das Zeichen des Jona.
11,30 Denn wie Jona ein Zeichen war für die Leute
von Ninive,* so wird es auch der Menschensohn sein
für dieses Geschlecht.
11,31 Die Königin vom Süden wird auftreten beim
Jüngsten Gericht mit den Leuten dieses Geschlechts
und wird sie verdammen; denn sie kam vom Ende
der Welt, zu hören die Weisheit Salomos. Und siehe,
hier ist mehr als Salomo.
11,32 Die Leute von Ninive werden auftreten beim
Jüngsten Gericht mit diesem Geschlecht und werden's
verdammen; denn sie taten Buße nach der Predigt
des Jona. Und siehe, hier ist mehr als Jona.

Bildworte vom Licht.

11,33 Niemand zündet ein Licht an und setzt es
in einen Winkel, auch nicht unter einen Scheffel,
sondern auf den Leuchter, damit, wer hineingeht,
das Licht sehe.
11,34 Dein Auge ist das Licht des Leibes. Wenn
nun dein Auge lauter ist, so ist dein ganzer Leib
licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein
Leib finster.
11,35 So schaue darauf, daß nicht das Licht in
dir Finsternis sei.
11,36 Wenn nun dein Leib ganz licht ist und kein
Teil an ihm finster ist, dann wird er ganz licht
sein, wie wenn dich das Licht erleuchtet mit hellem Schein.
Weherufe gegen die Pharisäer und Schriftgelehrten

11,37 Als er noch redete, bat ihn ein Pharisäer,
mit ihm zu essen. Und er ging hinein und setzte
sich zu Tisch.
11,38 Als das der Pharisäer sah, wunderte er sich,
daß er sich nicht vor dem Essen gewaschen hatte.
11,39 Der Herr aber sprach zu ihm: Ihr Pharisäer,
ihr haltet die Becher und Schüsseln außen rein;
aber euer Inneres ist voll Raubgier und Bosheit.
11,40 Ihr Narren, hat nicht der, der das Äußere
geschaffen hat, auch das Innere geschaffen?
11,41 Gebt doch, was drinnen ist, als Almosen,
siehe, dann ist euch alles rein.
11,42 Aber weh euch Pharisäern! Denn ihr gebt
den Zehnten von Minze und Raute und allerlei Gemüse,
aber am Recht und an der Liebe Gottes geht
ihr vorbei. Doch dies sollte man tun und jenes nicht lassen.
11,43 Weh euch Pharisäern! Denn ihr sitzt
gern obenan in den Synagogen und wollt gegrüßt
sein auf dem Markt.
11,44 Weh euch! Denn ihr seid wie die verdeckten
Gräber, über die die Leute laufen, und wissen es
nicht.
11,45 Da antwortete einer von den Schriftgelehrten
und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst
du uns auch.
11,46 Er aber sprach: Weh auch euch Schriftgelehrten!
Denn ihr beladet die Menschen mit unerträglichen
Lasten, und ihr selbst rührt sie nicht mit einem
Finger an.
11,47 Weh euch! Denn ihr baut den Propheten Grabmäler;
eure Väter aber haben sie getötet.
11,48 So bezeugt ihr und billigt die Taten eurer
Väter; denn sie haben sie getötet; und ihr baut
ihnen Grabmäler!
11,49 Darum spricht die Weisheit Gottes: Ich will
Propheten und Apostel zu ihnen senden, und einige
von ihnen werden sie töten und verfolgen,
11,50 damit gefordert werde von diesem Geschlecht
das Blut aller Propheten, das vergossen ist seit
Erschaffung der Welt,
11,51 von Abels Blut an bis hin zum Blut des Secharja,
der umkam zwischen Altar und Tempel. Ja, ich sage
euch: Es wird gefordert werden von diesem Geschlecht.
11,52 Weh euch Schriftgelehrten! Denn ihr habt
den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen. Ihr selbst
seid nicht hineingegangen und habt auch denen gewehrt,
die hinein wollten.
11,53 Und als er von dort hinausging, fingen die
Schriftgelehrten und Pharisäer an, heftig auf ihn
einzudringen und ihn mit vielen Fragen auszuhorchen,
11,54 und belauerten ihn, ob sie etwas aus seinem
Mund erjagen könnten.

\12\

Mahnung zum furchtlosen Bekennen.

12,1 Unterdessen kamen einige tausend Menschen
zusammen, so daß sie sich untereinander traten.
Da fing er an und sagte zuerst zu seinen Jüngern:
Hütet euch vor dem Sauerteig der Pharisäer,
das ist die Heuchelei.
12,2 Es ist aber nichts verborgen, was nicht
offenbar wird, und nichts geheim, was man nicht
wissen wird.
12,3 Darum, was ihr in der Finsternis sagt, das
wird man im Licht hören; und was ihr ins Ohr flüstert
in der Kammer, das wird man auf den Dächern predigen.
12,4 Ich sage aber euch, meinen Freunden: Fürchtet
euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach
nichts mehr tun können.
12,5 Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch
fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem
er getötet hat, auch Macht hat, in die Hölle zu
werfen. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.
12,6 Verkauft man nicht fünf Sperlinge für zwei
Groschen? Dennoch ist vor Gott nicht einer von
ihnen vergessen.
12,7 Aber auch die Haare auf eurem Haupt sind
alle gezählt. Darum fürchtet euch nicht; ihr seid
besser als viele Sperlinge.
12,8 Ich sage euch aber: Wer mich bekennt vor
den Menschen, den wird auch der Menschensohn bekennen
vor den Engeln Gottes.
12,9 Wer mich aber verleugnet vor den Menschen,
der wird verleugnet werden vor den Engeln Gottes.
12,10 Und wer ein Wort gegen den Menschensohn
sagt, dem soll es vergeben werden; wer aber den
heiligen Geist lästert, dem soll es nicht vergeben
werden.
12,11 Wenn sie euch aber führen werden in
die Synagogen und vor die Machthaber und die Obrigkeit,
so sorgt nicht, wie oder womit ihr euch verantworten
oder was ihr sagen sollt;
12,12 denn der heilige Geist wird euch in dieser
Stunde lehren, was ihr sagen sollt.

Warnung vor Habgier.

12,13 Es sprach aber einer aus dem Volk zu ihm:
Meister, sage meinem Bruder, daß er mit mir das
Erbe teile.
12,14 Er aber sprach zu ihm: Mensch, wer hat mich
zum Richter oder Erbschlichter über euch gesetzt?
12,15 Und er sprach zu ihnen: Seht zu und
hütet euch vor aller Habgier; denn niemand lebt
davon, daß er viele Güter hat.

Der reiche Kornbauer.

12,16 Und er sagte ihnen ein Gleichnis und sprach:
Es war ein reicher Mensch, dessen Feld hatte gut
getragen.
12,17 Und er dachte bei sich selbst und sprach:
Was soll ich tun? Ich habe nichts, wohin ich meine
Früchte sammle.
12,18 Und sprach: Das will ich tun: ich will meine
Scheunen abbrechen und größere bauen, und will
darin sammeln all mein Korn und meine Vorräte
12,19 und will sagen zu meiner Seele: Liebe
Seele, du hast einen großen Vorrat für viele Jahre;
habe nun Ruhe, iß, trink und habe guten Mut!
12,20 Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr! Diese
Nacht wird man deine Seele von dir fordern; und
wem wird dann gehören, was du angehäuft hast?
12,21 So geht es dem, der sich Schätze sammelt
und ist nicht reich bei Gott.

Vom falschen und rechten Sorgen.

12,22 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Darum
sage ich euch: Sorgt nicht um euer Leben, was ihr
essen sollt, auch nicht um euren Leib, was ihr
anziehen sollt.
12,23 Denn das Leben ist mehr als die Nahrung
und der Leib mehr als die Kleidung.
12,24 Seht die Raben an: sie säen nicht, sie ernten
auch nicht, sie haben auch keinen Keller und keine
Scheune, und Gott ernährt sie doch. Wieviel besser
seid ihr als die Vögel!
12,25 Wer ist unter euch, der, wie sehr er sich
auch darum sorgt, seines Lebens Länge eine Spanne
zusetzen könnte?
12,26 Wenn ihr nun auch das Geringste nicht vermögt,
warum sorgt ihr euch um das andre?
12,27 Seht die Lilien an, wie sie wachsen: sie
spinnen nicht, sie weben nicht. Ich sage euch aber,
daß auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht
gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.
12,28 Wenn nun Gott das Gras, das heute auf dem
Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird,
so kleidet, wieviel mehr wird er euch kleiden,
ihr Kleingläubigen!
12,29 Darum auch ihr, fragt nicht danach, was
ihr essen oder was ihr trinken sollt, und macht
euch keine Unruhe.
12,30 Nach dem allen trachten die Heiden in der
Welt; aber euer Vater weiß, daß ihr dessen bedürft.
12,31 Trachtet vielmehr nach seinem Reich, so
wird euch das alles zufallen.
12,32 Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn
es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich
zu geben.
12,33 Verkauft, was ihr habt, und gebt Almosen.
Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, einen
Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo
kein Dieb hinkommt und den keine Motten fressen.
12,34 Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer
Herz sein.

Vom Warten auf das Kommen Christi.

12,35 Laßt eure Lenden umgürtet sein und
eure Lichter brennen
12,36 und seid gleich den Menschen, die auf ihren
Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit,
damit, wenn er kommt und anklopft, sie ihm
sogleich auftun.
12,37 Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn
er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch:
Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten
und kommen und ihnen dienen.
12,38 Und wenn er kommt in der zweiten oder in
der dritten Nachtwache und findet's so: selig sind sie.
12,39 Das sollt ihr aber wissen: Wenn ein Hausherr
wüßte, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so
ließe er nicht in sein Haus einbrechen.
12,40 Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn
kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.
12,41 Petrus aber sprach: Herr, sagst du dies
Gleichnis zu uns oder auch zu allen?
12,42 Der Herr aber sprach: Wer ist denn der treue
und kluge Verwalter, den der Herr über seine Leute

setzt, damit er ihnen zur rechten Zeit gibt, was
ihnen zusteht?
12,43 Selig ist der Knecht, den sein Herr, wenn
er kommt, das tun sieht.
12,44 Wahrlich, ich sage euch: Er wird ihn über
alle seine Güter setzen.
12,45 Wenn aber jener Knecht in seinem Herzen
sagt: Mein Herr kommt noch lange nicht, und fängt
an, die Knechte und Mägde zu schlagen, auch zu
essen und zu trinken und sich vollzusaufen,
12,46 dann wird der Herr dieses Knechtes kommen
an einem Tage, an dem er's nicht erwartet, und
zu einer Stunde, die er nicht kennt, und wird ihn
in Stücke hauen lassen und wird ihm sein Teil geben
bei den Ungläubigen.
12,47 Der Knecht aber, der den Willen seines Herrn
kennt, hat aber nichts vorbereitet noch nach seinem
Willen getan, der wird viel Schläge erleiden müssen.
12,48 Wer ihn aber nicht kennt und getan hat,
was Schläge verdient, wird wenig Schläge erleiden.
Denn wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel
suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird
man um so mehr fordern.

Entzweiungen um Jesu willen.

12,49 Ich bin gekommen, ein Feuer anzuzünden auf
Erden; was wollte ich lieber, als daß es schon brennte!
12,50 Aber ich muß mich zuvor taufen lassen mit
einer Taufe, und wie ist mir so bange, bis sie
vollbracht ist!
12,51 Meint ihr, daß ich gekommen bin, Frieden
zu bringen auf Erden? Ich sage: Nein, sondern Zwietracht.
12,52 Denn von nun an werden fünf in einem Hause
uneins sein, drei gegen zwei und zwei gegen drei.
12,53 Es wird der Vater gegen den Sohn sein und
der Sohn gegen den Vater, die Mutter gegen die
Tochter und die Tochter gegen die Mutter, die Schwiegermutter
gegen die Schwiegertochter und die Schwiegertochter
gegen die Schwiegermutter.

Beurteilung der Zeit.

12,54 Er sprach aber zu der Menge: Wenn ihr
eine Wolke aufsteigen seht vom Westen her, so sagt
ihr gleich: Es gibt Regen. Und es geschieht so.
12,55 Und wenn der Südwind weht, so sagt ihr:
Es wird heiß werden. Und es geschieht so.
12,56 Ihr Heuchler! Über das Aussehen der Erde
und des Himmels könnt ihr urteilen; warum aber
könnt ihr über diese Zeit nicht urteilen?
12,57 Warum aber urteilt ihr nicht auch von euch
aus darüber, was recht ist?
12,58 Denn wenn du mit deinem Gegner zum Gericht
gehst, so bemühe dich auf dem Wege, von ihm loszukommen,
damit er nicht etwa dich vor den Richter ziehe,
und der Richter überantworte dich dem Gerichtsdiener,
und der Gerichtsdiener werfe dich ins Gefängnis.
12,59 Ich sage dir: Du wirst von dort nicht herauskommen,
bis du den allerletzten Heller bezahlt hast.

\13\

Der Untergang der Galiläer. Der Turm von Siloah

13,1 Es kamen aber zu der Zeit einige, die berichteten
ihm von den Galiläern, deren Blut Pilatus mit ihren
Opfern vermischt hatte.
13,2 Und Jesus antwortete und sprach zu ihnen:
Meint ihr, daß diese Galiläer mehr gesündigt haben
als alle andern Galiläer, weil sie das erlitten haben?
13,3 Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht
Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.
13,4 Oder meint ihr, daß die achtzehn, auf die
der Turm in Siloah fiel und erschlug sie, schuldiger
gewesen sind als alle andern Menschen, die in Jerusalem
wohnen?
13,5 Ich sage euch: Nein; sondern wenn ihr nicht
Buße tut, werdet ihr alle auch so umkommen.

Das Gleichnis vom Feigenbaum.

13,6 Er sagte ihnen aber dies Gleichnis: Es hatte
einer einen Feigenbaum, der war gepflanzt in seinem
Weinberg, und er kam und suchte Frucht darauf
und fand keine.
13,7 Da sprach er zu dem Weingärtner: Siehe, ich
bin nun drei Jahre lang gekommen und habe Frucht
gesucht an diesem Feigenbaum, und finde keine.
So hau ihn ab! Was nimmt er dem Boden die Kraft?
13,8 Er aber antwortete und sprach zu ihm: Herr,
laß ihn noch dies Jahr, bis ich um ihn grabe und
ihn dünge;
13,9 vielleicht bringt er doch noch Frucht; wenn
aber nicht, so hau ihn ab.

Die Heilung einer verkrümmten Frau am Sabbat.

13,10 Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat.
13,11 Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit
achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte;
und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr
aufrichten.
13,12 Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich
und sprach zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit!
13,13 Und legte die Hände auf sie; und sogleich
richtete sie sich auf und pries Gott.
13,14 Da antwortete der Vorsteher der Synagoge,
denn er war unwillig, daß Jesus am Sabbat heilte,
und sprach zu dem Volk: Es sind sechs Tage,
an denen man arbeiten soll; an denen kommt und
laßt euch heilen, aber nicht am Sabbattag.
13,15 Da antwortete ihm der Herr und sprach: Ihr
Heuchler! Bindet nicht jeder von euch am Sabbat
seinen Ochsen oder seinen Esel von der Krippe los
und führt ihn zur Tränke?
13,16 Sollte dann nicht diese, die doch Abrahams
Tochter ist, die der Satan schon achtzehn Jahre
gebunden hatte, am Sabbat von dieser Fessel gelöst
werden?
13,17 Und als er das sagte, mußten sich schämen
alle, die gegen ihn gewesen waren. Und alles Volk
freute sich über alle herrlichen Taten, die durch
ihn geschahen.

Vom Senfkorn und vom Sauerteig.

13,18 Er aber sprach: Wem gleicht das Reich Gottes,
und womit soll ich's vergleichen?
13,19 Es gleicht einem Senfkorn, das ein Mensch
nahm und in seinen Garten säte; und es wuchs und
wurde ein Baum, und die Vögel des Himmels wohnten
in seinen Zweigen.
13,20 Und wiederum sprach er: Womit soll ich das
Reich Gottes vergleichen?
13,21 Es gleicht einem Sauerteig, den eine Frau
nahm und unter einen halben Zentner Mehl mengte,
bis es ganz durchsäuert war.

Von der engen Pforte und der verschlossenen Tür

13,22 Und er ging durch Städte und Dörfer und
lehrte und nahm seinen Weg nach Jerusalem.
13,23 Es sprach aber einer zu ihm: Herr, meinst
du, daß nur wenige selig werden? Er aber sprach
zu ihnen:
13,24 Ringt darum, daß ihr durch die enge
Pforte hineingeht; denn viele, das sage ich euch,
werden danach trachten, wie sie hineinkommen, und
werden's nicht können.
13,25 Wenn der Hausherr aufgestanden ist und die
Tür verschlossen hat, und ihr anfangt, draußen
zu stehen und an die Tür zu klopfen und zu sagen:
Herr, tu uns auf!, dann wird er antworten und zu
euch sagen: Ich kenne euch nicht; wo seid ihr her?
13,26 Dann werdet ihr anfangen zu sagen: Wir
haben vor dir gegessen und getrunken, und auf unsern
Straßen hast du gelehrt.
13,27 Und er wird zu euch sagen: Ich kenne euch
nicht; wo seid ihr her? Weicht alle von mir, ihr Übeltäter!
13,28 Da wird Heulen und Zähneklappern sein,
wenn ihr sehen werdet Abraham, Isaak und Jakob
und alle Propheten im Reich Gottes, euch aber hinausgestoßen.
13,29 Und es werden kommen von Osten und von Westen,
von Norden und von Süden, die zu Tisch sitzen
werden im Reich Gottes.
13,30 Und siehe, es sind Letzte, die werden die
Ersten sein, und sind Erste, die werden die Letzten
sein.

Die Feindschaft des Herodes.

13,31 Zu dieser Stunde kamen einige Pharisäer
und sprachen zu ihm: Mach dich auf und geh weg
von hier; denn Herodes will dich töten.
13,32 Und er sprach zu ihnen: Geht hin und sagt
diesem Fuchs: Siehe, ich treibe böse Geister aus
und mache gesund heute und morgen, und am dritten
Tage werde ich vollendet sein.
13,33 Doch muß ich heute und morgen und am folgenden
Tage noch wandern; denn es geht nicht an, daß ein
Prophet umkomme außerhalb von Jerusalem.

Jesu Klage über Jerusalem.

13,34 Jerusalem, Jerusalem, die du tötest
die Propheten und steinigst, die zu dir gesandt
werden, wie oft habe ich deine Kinder versammeln
wollen wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel,
und ihr habt nicht gewollt!
13,35 Seht, »euer Haus soll euch wüst gelassen
werden« (Jeremia 22,5; Psalm 69,26). Aber ich sage
euch: Ihr werdet mich nicht mehr sehen, bis die
Zeit kommt, da ihr sagen werdet: Gelobt ist,
der da kommt in dem Namen des Herrn!

\14\

Die Heilung eines Wassersüchtigen am Sabbat.

14,1 Und es begab sich, daß er an einem Sabbat
in das Haus eines Oberen der Pharisäer kam, das
Brot zu essen, und sie belauerten ihn.
14,2 Und siehe, da war ein Mensch vor ihm, der
war wassersüchtig.
14,3 Und Jesus fing an und sagte zu den Schriftgelehrten
und Pharisäern: Ist's erlaubt, am Sabbat zu heilen
oder nicht?
14,4 Sie aber schwiegen still. Und er faßte ihn
an und heilte ihn und ließ ihn gehen.
14,5 Und er sprach zu ihnen: Wer ist unter euch,
dem sein Sohn oder sein Ochse in den Brunnen fällt,
und der ihn nicht alsbald herauszieht, auch am
Sabbat?
14,6 Und sie konnten ihm darauf keine Antwort
geben.

Von Rangordnung und Auswahl der Gäste.

14,7 Er sagte aber ein Gleichnis zu den Gästen,
als er merkte, wie sie suchten, obenan zu sitzen,
und sprach zu ihnen:
14,8 Wenn du von jemandem zur Hochzeit geladen
bist, so setze dich nicht obenan; denn es könnte
einer eingeladen sein, der vornehmer ist als du,
14,9 und dann kommt der, der dich und ihn eingeladen
hat, und sagt zu dir: Weiche diesem!, und du mußt
dann beschämt untenan sitzen.
14,10 Sondern wenn du eingeladen bist, so geh
hin und setz dich untenan, damit, wenn der kommt,
der dich eingeladen hat, er zu dir sagt: Freund,
rücke hinauf! Dann wirst du Ehre haben vor allen,
die mit dir zu Tisch sitzen.
14,11 Denn wer sich selbst erhöht, der soll erniedrigt
werden; und wer sich selbst erniedrigt, der soll
erhöht werden.
14,12 Er sprach aber auch zu dem, der ihn eingeladen
hatte: Wenn du ein Mittags- oder Abendmahl machst,
so lade weder deine Freunde noch deine Brüder noch
deine Verwandten noch reiche Nachbarn ein, damit
sie dich nicht etwa wieder einladen und dir vergolten wird.
14,13 Sondern wenn du ein Mahl machst, so
lade Arme, Verkrüppelte, Lahme und Blinde ein,
14,14 dann wirst du selig sein, denn sie haben
nichts, um es dir zu vergelten; es wird dir aber
vergolten werden bei der Auferstehung der Gerechten.

Das große Abendmahl.

14,15 Als aber einer das hörte, der mit zu Tisch
saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das
Brot ißt im Reich Gottes!
14,16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch,
der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein.
14,17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde
des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt,
denn es ist alles bereit!
14,18 Und sie fingen an alle nacheinander, sich

zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich
habe einen Acker gekauft und muß hinausgehen und
ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich.
14,19 Und der zweite sprach: Ich habe fünf Gespanne
Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen;
ich bitte dich, entschuldige mich.
14,20 Und der dritte sprach: Ich habe eine Frau
genommen; darum kann ich nicht kommen.
14,21 Und der Knecht kam zurück und sagte das
seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und
sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf
die Straßen und Gassen der Stadt und führe die
Armen, Verkrüppelten, Blinden und Lahmen herein.
14,22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen,
was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da.
14,23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus
auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige
sie hereinzukommen, daß mein Haus voll werde.
14,24 Denn ich sage euch, daß keiner der Männer,
die eingeladen waren, mein Abendmahl schmecken wird.

Von Nachfolge und Selbstverleugnung.

14,25 Es ging aber eine große Menge mit ihm; und
er wandte sich um und sprach zu ihnen:
14,26 Wenn jemand zu mir kommt und haßt nicht
seinen Vater, Mutter, Frau, Kinder, Brüder, Schwestern
und dazu sich selbst, der kann nicht mein Jünger
sein.
14,27 Und wer nicht sein Kreuz trägt und mir nachfolgt,
der kann nicht mein Jünger sein.
14,28 Denn wer ist unter euch, der einen Turm
bauen will und setzt sich nicht zuvor hin und überschlägt
die Kosten, ob er genug habe, um es auszuführen?
14,29 damit nicht, wenn er den Grund gelegt hat
und kann's nicht ausführen, alle, die es sehen,
anfangen, über ihn zu spotten,
14,30 und sagen: Dieser Mensch hat angefangen
zu bauen und kann's nicht ausführen.
14,31 Oder welcher König will sich auf einen Krieg
einlassen gegen einen andern König und setzt sich
nicht zuvor hin und hält Rat, ob er mit Zehntausend
dem begegnen kann, der über ihn kommt mit Zwanzigtausend?
14,32 Wenn nicht, so schickt er eine Gesandtschaft,
solange jener noch fern ist, und bittet um Frieden.
14,33 So auch jeder unter euch, der sich nicht
lossagt von allem, was er hat, der kann nicht mein
Jünger sein.
14,34 Das Salz ist etwas Gutes; wenn aber das
Salz nicht mehr salzt, womit soll man würzen?
14,35 Es ist weder für den Acker noch für den
Mist zu gebrauchen, sondern man wird's wegwerfen.
Wer Ohren hat zu hören, der höre!

\15\

Vom verlorenen Schaf.

15,1 Es nahten sich ihm aber allerlei Zöllner
und Sünder, um ihn zu hören.
15,2 Und die Pharisäer und Schriftgelehrten murrten
und sprachen: Dieser nimmt die Sünder an und
ißt mit ihnen.
15,3 Er sagte aber zu ihnen dies Gleichnis und sprach:
15,4 Welcher Mensch ist unter euch, der hundert
Schafe hat und, wenn er eins von ihnen verliert,
nicht die neunundneunzig in der Wüste läßt und
geht dem verlorenen nach, bis er's findet?
15,5 Und wenn er's gefunden hat, so legt er sich's
auf die Schultern voller Freude.
15,6 Und wenn er heimkommt, ruft er seine Freunde
und Nachbarn und spricht zu ihnen: Freut euch mit
mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war.
15,7 Ich sage euch: So wird auch Freude im Himmel
sein über einen Sünder, der Buße tut, mehr als
über neunundneunzig Gerechte, die der Buße nicht
bedürfen.

Vom verlorenen Groschen.

15,8 Oder welche Frau, die zehn Silbergroschen
hat und einen davon verliert, zündet nicht ein
Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß,
bis sie ihn findet?
15,9 Und wenn sie ihn gefunden hat, ruft sie ihre
Freundinnen und Nachbarinnen und spricht: Freut
euch mit mir; denn ich habe meinen Silbergroschen
gefunden, den ich verloren hatte.
15,10 So, sage ich euch, wird Freude sein vor
den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.

Vom verlorenen Sohn.

15,11 Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
15,12 Und der jüngere von ihnen sprach zu dem
Vater: Gib mir, Vater, das Erbteil, das mir zusteht.
Und er teilte Hab und Gut unter sie.
15,13 Und nicht lange danach sammelte der jüngere
Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land;
und dort brachte er sein Erbteil durch mit
Prassen.
15,14 Als er nun all das Seine verbraucht hatte,
kam eine große Hungersnot über jenes Land, und
er fing an zu darben
15,15 und ging hin und hängte sich an einen Bürger
jenes Landes; der schickte ihn auf seinen Acker,
die Säue zu hüten.
15,16 Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen
mit den Schoten, die die Säue fraßen; und niemand
gab sie ihm.
15,17 Da ging er in sich und sprach: Wie viele
Tagelöhner hat mein Vater, die Brot in Fülle haben,
und ich verderbe hier im Hunger!
15,18 Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater
gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt
gegen den Himmel und vor dir.
15,19 Ich bin hinfort nicht mehr wert, daß ich
dein Sohn heiße; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
15,20 Und er machte sich auf und kam zu seinem
Vater. Als er aber noch weit entfernt war, sah
ihn sein Vater, und es jammerte ihn; er lief und
fiel ihm um den Hals und küßte ihn.
15,21 Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich
habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir; ich
bin hinfort nicht mehr wert, daß ich dein Sohn heiße.
15,22 Aber der Vater sprach zu seinen Knechten:
Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es
ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und
Schuhe an seine Füße
15,23 und bringt das gemästete Kalb und schlachtet's;
laßt uns essen und fröhlich sein!
15,24 Denn dieser mein Sohn war tot und ist
wieder lebendig geworden; er war verloren und ist
gefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
15,25 Aber der ältere Sohn war auf dem Feld. Und
als er nahe zum Hause kam, hörte er Singen und
Tanzen
15,26 und rief zu sich einen der Knechte, und
frag, was das wäre.
15,27 Der aber sagte ihm: Dein Bruder ist gekommen,
und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet,
weil er ihn gesund wieder hat.
15,28 Da wurde er zornig und wollte nicht
hineingehen. Da ging sein Vater heraus und bat ihn.
15,29 Er antwortete aber und sprach zu seinem
Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und
habe dein Gebot noch nie übertreten, und du hast
mir nie einen Bock gegeben, daß ich mit meinen
Freunden fröhlich gewesen wäre.
15,30 Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist,
der dein Hab und Gut mit Huren verpraßt hat, hast
du ihm das gemästete Kalb geschlachtet.
15,31 Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist
allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
15,32 Du solltest aber fröhlich und guten Mutes
sein; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder
lebendig geworden, er war verloren und ist wieder gefunden.

\16\

Vom unehrlichen Verwalter.

16,1 Er sprach aber auch zu den Jüngern: Es war
ein reicher Mann, der hatte einen Verwalter; der
wurde bei ihm beschuldigt, er verschleudere ihm
seinen Besitz.
16,2 Und er ließ ihn rufen und sprach zu ihm:
Was höre ich da von dir? Gib Rechenschaft über
deine Verwaltung; denn du kannst hinfort nicht
Verwalter sein.
16,3 Der Verwalter sprach bei sich selbst: Was
soll ich tun? Mein Herr nimmt mir das Amt; graben
kann ich nicht, auch schäme ich mich zu betteln.
16,4 Ich weiß, was ich tun will, damit sie mich
in ihre Häuser aufnehmen, wenn ich von dem Amt
abgesetzt werde.
16,5 Und er rief zu sich die Schuldner seines
Herrn, einen jeden für sich, und fragte den ersten:
Wieviel bist du meinem Herrn schuldig?
16,6 Er sprach: Hundert Eimer Öl. Und er sprach
zu ihm: Nimm deinen Schuldschein, setz dich hin
und schreib flugs fünfzig.
16,7 Danach fragte er den zweiten: Du aber, wieviel
bist du schuldig? Er sprach: Hundert Sack Weizen.
Und er sprach zu ihm: Nimm deinen Schuldschein
und schreib achtzig.
16,8 Und der Herr lobte den ungetreuen Verwalter,
weil er klug gehandelt hatte; denn die Kinder
dieser Welt sind unter ihresgleichen klüger als
die Kinder des Lichts.
16,9 Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit
dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende
geht, sie euch aufnehmen in die ewigen Hütten.

Von der Treue.

16,10 Wer im Geringsten treu ist, der ist
auch im Großen treu; und wer im Geringsten ungerecht
ist, der ist auch im Großen ungerecht.
16,11 Wenn ihr nun mit dem ungerechten Mammon
nicht treu seid, wer wird euch das wahre Gut anvertrauen?
16,12 Und wenn ihr mit dem fremden Gut nicht treu
seid, wer wird euch geben, was euer ist?
16,13 Kein Knecht kann zwei Herren dienen; entweder
er wird den einen hassen und den andern lieben,
oder er wird an dem einen hängen und den andern
verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.

Die Selbstgerechtigkeit der Pharisäer. Das Gesetz

16,14 Das alles hörten die Pharisäer. Die waren
geldgierig und spotteten über ihn.
16,15 Und er sprach zu ihnen: Ihr seid's, die
ihr euch selbst rechtfertigt vor den Menschen;
aber Gott kennt eure Herzen; denn was hoch ist
bei den Menschen, das ist ein Greuel vor Gott.
16,16 Das Gesetz und die Propheten reichen
bis zu Johannes. Von da an wird das Evangelium
vom Reich Gottes gepredigt, und jedermann drängt
sich mit Gewalt hinein.
16,17 Es ist aber leichter, daß Himmel und Erde
vergehen, als daß ein Tüpfelchen vom Gesetz
fällt.
16,18 Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet
eine andere, der bricht die Ehe; und wer die von
ihrem Mann Geschiedene heiratet, der bricht auch die Ehe.

Vom reichen Mann und armen Lazarus.

16,19 Es war aber ein reicher Mann, der kleidete
sich in Purpur und kostbares Leinen und lebte alle
Tage herrlich und in Freuden.
16,20 Es war aber ein Armer mit Namen Lazarus,
der lag vor seiner Tür voll von Geschwüren
16,21 und begehrte, sich zu sättigen mit dem,
was von des Reichen Tisch fiel; dazu kamen auch
die Hunde und leckten seine Geschwüre.
16,22 Es begab sich aber, daß der Arme starb,
und er wurde von den Engeln getragen in Abrahams
Schoß. Der Reiche aber starb auch und wurde begraben.
16,23 Als er nun in der Hölle war, hob er seine
Augen auf in seiner Qual und sah Abraham von ferne
und Lazarus in seinem Schoß.
16,24 Und er rief: Vater Abraham, erbarme dich
meiner und sende Lazarus, damit er die Spitze seines
Fingers ins Wasser tauche und mir die Zunge kühle;
denn ich leide Pein in diesen Flammen.

16,25 Abraham aber sprach: Gedenke, Sohn, daß
du dein Gutes empfangen hast in deinem Leben,
Lazarus dagegen hat Böses empfangen; nun wird er
hier getröstet, und du wirst gepeinigt.
16,26 Und überdies besteht zwischen uns und euch
eine große Kluft, daß niemand, der von hier zu
euch hinüber will, dorthin kommen kann und auch
niemand von dort zu uns herüber.
16,27 Da sprach er: So bitte ich dich, Vater,
daß du ihn sendest in meines Vaters Haus;
16,28 denn ich habe noch fünf Brüder, die soll
er warnen, damit sie nicht auch kommen an diesen
Ort der Qual.
16,29 Abraham sprach: Sie haben Mose und die Propheten;
die sollen sie hören.
16,30 Er aber sprach: Nein, Vater Abraham, sondern
wenn einer von den Toten zu ihnen ginge, so würden
sie Buße tun.
16,31 Er sprach zu ihm: Hören sie Mose und die
Propheten nicht, so werden sie sich auch nicht
überzeugen lassen, wenn jemand von den Toten auferstünde.

\17\

Von Verführung zum Abfall. Von der Vergebung.

17,1 Er sprach aber zu seinen Jüngern: Es
ist unmöglich, daß keine Verführungen kommen; aber
weh dem, durch den sie kommen!
17,2 Es wäre besser für ihn, daß man einen Mühlstein
an seinen Hals hängte und würfe ihn ins Meer, als
daß er einen dieser Kleinen zum Abfall verführt.
17,3 Hütet euch! Wenn dein Bruder sündigt, so
weise ihn zurecht; und wenn er es bereut, vergib ihm.
17,4 Und wenn er siebenmal am Tag an dir sündigen
würde und siebenmal wieder zu dir käme und spräche:
Es reut mich!, so sollst du ihm vergeben.

Von der Kraft des Glaubens.

17,5 Und die Apostel sprachen zu dem Herrn: Stärke
uns den Glauben!
17,6 Der Herr aber sprach: Wenn ihr Glauben hättet
so groß wie ein Senfkorn, dann könntet ihr zu diesem
Maulbeerbaum sagen: Reiß dich aus und versetze
dich ins Meer!, und er würde euch gehorchen.

Vom Knechtslohn.

17,7 Wer unter euch hat einen Knecht, der pflügt
oder das Vieh weidet, und sagt ihm, wenn der vom
Feld heimkommt: Komm gleich her und setz dich zu Tisch?
17,8 Wird er nicht vielmehr zu ihm sagen: Bereite
mir das Abendessen, schürze dich und diene mir,
bis ich gegessen und getrunken habe; danach sollst
du auch essen und trinken?
17,9 Dankt er etwa dem Knecht, daß er getan hat,
was befohlen war?
17,10 So auch ihr! Wenn ihr alles getan habt,
was euch befohlen ist, so sprecht: Wir sind unnütze
Knechte; wir haben getan, was wir zu tun schuldig
waren.

Die zehn Aussätzigen.

17,11 Und es begab sich, als er nach Jerusalem
wanderte, daß er durch Samarien und Galiläa hin zog.
17,12 Und als er in ein Dorf kam, begegneten ihm
zehn aussätzige Männer; die standen von ferne
17,13 und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus,
lieber Meister, erbarme dich unser!
17,14 Und als er sie sah, sprach er zu ihnen:
Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und
es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein.
17,15 Einer aber unter ihnen, als er sah, daß
er gesund geworden war, kehrte er um und pries
Gott mit lauter Stimme
17,16 und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu
Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter.
17,17 Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht
die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun?
17,18 Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder
umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser
Fremde?
17,19 Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin;
dein Glaube hat dir geholfen.

Vom Kommen des Gottesreiches.

17,20 Als er aber von den Pharisäern gefragt wurde:
Wann kommt das Reich Gottes?, antwortete er ihnen
und sprach: Das Reich Gottes kommt nicht so,
daß man's beobachten kann;
17,21 man wird auch nicht sagen: Siehe, hier ist
es! oder: Da ist es! Denn siehe, das Reich Gottes
ist mitten unter euch.*
17,22 Er sprach aber zu den Jüngern: Es wird die
Zeit kommen, in der ihr begehren werdet, zu sehen
einen der Tage des Menschensohns, und werdet ihn
nicht sehen.
17,23 Und sie werden zu euch sagen: Siehe, da!
oder: Siehe, hier! Geht nicht hin und lauft ihnen
nicht nach!
17,24 Denn wie der Blitz aufblitzt und leuchtet
von einem Ende des Himmels bis zum andern, so wird
der Menschensohn an seinem Tage sein.
17,25 Zuvor aber muß er viel leiden und verworfen
werden von diesem Geschlecht.
17,26 Und wie es geschah zu den Zeiten Noahs,
so wird's auch geschehen in den Tagen des Menschensohns:
17,27 sie aßen, sie tranken, sie heirateten, sie
ließen sich heiraten bis zu dem Tag, an dem Noah
in die Arche ging und die Sintflut kam und brachte
sie alle um.
17,28 Ebenso, wie es geschah zu den Zeiten
Lots: Sie aßen, sie tranken, sie kauften, sie verkauften,
sie pflanzten, sie bauten;
17,29 an dem Tage aber, als Lot aus Sodom ging,
da regnete es Feuer und Schwefel vom Himmel und
brachte sie alle um.
17,30 Auf diese Weise wird's auch gehen an dem
Tage, wenn der Menschensohn wird offenbar werden.
17,31 Wer an jenem Tage auf dem Dach ist und seine
Sachen im Haus hat, der steige nicht hinunter,
um sie zu holen. Und ebenso, wer auf dem Feld ist,
der wende sich nicht um nach dem, was hinter ihm ist.
17,32 Denkt an Lots Frau!
17,33 Wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird
es verlieren; und wer es verlieren wird, der wird
es gewinnen.
17,34 Ich sage euch: In jener Nacht werden zwei
auf einem Bett liegen; der eine wird angenommen,
der andere wird preisgegeben werden.
17,35 Zwei Frauen werden miteinander Korn mahlen;
die eine wird angenommen, die andere wird preisgegeben
werden.*
17,37 Und sie fingen an und fragten ihn: Herr,
wo? Er aber sprach zu ihnen: Wo das Aas ist, da
sammeln sich auch die Geier.

\18\

Von der bittenden Witwe.

18,1 Er sagte ihnen aber ein Gleichnis darüber,
daß sie allezeit beten und nicht nachlassen
sollten,
18,2 und sprach: Es war ein Richter in einer Stadt,
der fürchtete sich nicht vor Gott und scheute sich
vor keinem Menschen.
18,3 Es war aber eine Witwe in derselben Stadt,
die kam zu ihm und sprach: Schaffe mir Recht gegen
meinen Widersacher!
18,4 Und er wollte lange nicht. Danach aber dachte
er bei sich selbst: Wenn ich mich schon vor Gott
nicht fürchte noch vor keinem Menschen scheue,
18,5 will ich doch dieser Witwe, weil sie
mir soviel Mühe macht, Recht schaffen, damit sie
nicht zuletzt komme und mir ins Gesicht schlage.
18,6 Da sprach der Herr: Hört, was der ungerechte
Richter sagt!
18,7 Sollte Gott nicht auch Recht schaffen seinen
Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und
sollte er's bei ihnen lange hinziehen?
18,8 Ich sage euch: Er wird ihnen Recht schaffen
in Kürze. Doch wenn der Menschensohn kommen wird,
meinst du, er werde Glauben finden auf Erden?

Vom Pharisäer und Zöllner.

18,9 Er sagte aber zu einigen, die sich anmaßten,
fromm zu sein, und verachteten die andern, dies Gleichnis:
18,10 Es gingen zwei Menschen hinauf in den Tempel,
um zu beten, der eine ein Pharisäer, der andere
ein Zöllner.
18,11 Der Pharisäer stand für sich und betete
so: Ich danke dir, Gott, daß ich nicht bin wie
die andern Leute, Räuber, Betrüger, Ehebrecher
oder auch wie dieser Zöllner.
18,12 Ich faste zweimal in der Woche und gebe
den Zehnten von allem, was ich einnehme.
18,13 Der Zöllner aber stand ferne, wollte auch
die Augen nicht aufheben zum Himmel, sondern schlug
an seine Brust und sprach: Gott, sei mir Sünder gnädig!
18,14 Ich sage euch: Dieser ging gerechtfertigt
hinab in sein Haus, nicht jener. Denn wer sich
selbst erhöht, der wird erniedrigt werden; und
wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden.

Die Segnung der Kinder.

18,15 Sie brachten auch kleine Kinder zu ihm,
damit er sie anrühren sollte. Als das aber die
Jünger sahen, fuhren sie sie an.
18,16 Aber Jesus rief sie zu sich und sprach:
Lasset die Kinder zu mir kommen und wehret ihnen
nicht, denn solchen gehört das Reich Gottes.
18,17 Wahrlich, ich sage euch: Wer nicht das Reich
Gottes annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.

Die Gefahr des Reichtums (»Der reiche Jüngling«)

18,18 Und es fragte ihn ein Oberer und sprach:
Guter Meister, was muß ich tun, damit ich das ewige
Leben ererbe?
18,19 Jesus aber sprach zu ihm: Was nennst du
mich gut? Niemand ist gut als Gott allein.
18,20 Du kennst die Gebote: »Du sollst nicht
ehebrechen; du sollst nicht töten; du sollst nicht
stehlen; du sollst nicht falsch Zeugnis reden;
du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren!«
18,21 Er aber sprach: Das habe ich alles gehalten
von Jugend auf.
18,22 Als Jesus das hörte, sprach er zu ihm: Es
fehlt dir noch eines. Verkaufe alles, was du hast,
und gib's den Armen, so wirst du einen Schatz
im Himmel haben, und komm und folge mir nach!
18,23 Als er das aber hörte, wurde er traurig;
denn er war sehr reich.
18,24 Als aber Jesus sah, daß er traurig geworden
war, sprach er: Wie schwer kommen die Reichen in
das Reich Gottes!
18,25 Denn es ist leichter, daß ein Kamel durch
ein Nadelöhr gehe, als daß ein Reicher in das Reich
Gottes komme.
18,26 Da sprachen, die das hörten: Wer kann dann
selig werden?
18,27 Er aber sprach: Was bei den Menschen unmöglich
ist, das ist bei Gott möglich.

Der Lohn der Nachfolge.

18,28 Da sprach Petrus: Siehe, wir haben, was
wir hatten, verlassen und sind dir nachgefolgt.
18,29 Er aber sprach zu ihnen: Wahrlich, ich sage
euch: Es ist niemand, der Haus oder Frau oder Brüder
oder Eltern oder Kinder verläßt um des Reiches
Gottes willen,
18,30 der es nicht vielfach wieder empfange in

dieser Zeit und in der zukünftigen Welt das ewige Leben.

Die dritte Ankündigung von Jesu Leiden und Auferstehung

18,31 Er nahm aber zu sich die Zwölf und sprach
zu ihnen: Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem,
und es wird alles vollendet werden, was geschrieben
ist durch die Propheten von dem Menschensohn.
18,32 Denn er wird überantwortet werden den Heiden,
und er wird verspottet und mißhandelt und angespien werden,
18,33 und sie werden ihn geißeln und töten; und
am dritten Tage wird er auferstehen.
18,34 Sie aber begriffen nichts davon, und
der Sinn der Rede war ihnen verborgen, und sie
verstanden nicht, was damit gesagt war.

Die Heilung eines Blinden bei Jericho.

18,35 Es begab sich aber, als er in die Nähe von
Jericho kam, daß ein Blinder am Wege saß und bettelte.
18,36 Als er aber die Menge hörte, die vorbeiging,

forschte er, was das wäre.
18,37 Da berichteten sie ihm, Jesus von Nazareth
gehe vorbei.
18,38 Und er rief: Jesus, du Sohn Davids, erbarme
dich meiner!
18,39 Die aber vornean gingen, fuhren ihn an,
er solle schweigen. Er aber schrie noch viel mehr:
Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
18,40 Jesus aber blieb stehen und ließ ihn zu
sich führen. Als er aber näher kam, fragte er ihn:
18,41 Was willst du, daß ich für dich tun soll?
Er sprach: Herr, daß ich sehen kann.
18,42 Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend!
Dein Glaube hat dir geholfen.
18,43 Und sogleich wurde er sehend und folgte
ihm nach und pries Gott. Und alles Volk, das es
sah, lobte Gott.

\19\

Zachäus.

19,1 Und er ging nach Jericho hinein und zog hindurch.
19,2 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Zachäus,
der war ein Oberer der Zöllner und war reich.
19,3 Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre,
und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war
klein von Gestalt.
19,4 Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum,
um ihn zu sehen; denn dort sollte er durchkommen.
19,5 Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf
und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter;
denn ich muß heute in deinem Haus einkehren.
19,6 Und er stieg eilend herunter und nahm ihn
auf mit Freuden.
19,7 Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen:
Bei einem Sünder ist er eingekehrt.
19,8 Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach:
Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe
ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe,
so gebe ich es vierfach zurück.
19,9 Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem
Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn.
19,10 Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen
und selig zu machen, was verloren ist.

Von den anvertrauten Pfunden.

19,11 Als sie nun zuhörten, sagte er ein weiteres
Gleichnis; denn er war nahe bei Jerusalem, und
sie meinten, das Reich Gottes werde sogleich offenbar
werden.
19,12 Und er sprach: Ein Fürst zog in ein fernes
Land, um ein Königtum zu erlangen und dann zurückzukommen.
19,13 Der ließ zehn seiner Knechte rufen und gab
ihnen zehn Pfund und sprach zu ihnen: Handelt damit,
bis ich wiederkomme!
19,14 Seine Bürger aber waren ihm feind und schickten
eine Gesandtschaft hinter ihm her und ließen sagen:
Wir wollen nicht, daß dieser über uns herrsche.
19,15 Und es begab sich, als er wiederkam, nachdem
er das Königtum erlangt hatte, da ließ er die Knechte
rufen, denen er das Geld gegeben hatte, um zu erfahren,
was ein jeder erhandelt hätte.
19,16 Da trat der erste herzu und sprach: Herr,
dein Pfund hat zehn Pfund eingebracht.
19,17 Und er sprach zu ihm: Recht so, du tüchtiger
Knecht; weil du im Geringsten treu gewesen
bist, sollst du Macht haben über zehn Städte.
19,18 Der zweite kam auch und sprach: Herr, dein
Pfund hat fünf Pfund erbracht.
19,19 Zu dem sprach er auch: Und du sollst über
fünf Städte sein.
19,20 Und der dritte kam und sprach: Herr, siehe,
hier ist dein Pfund, das ich in einem Tuch verwahrt habe;
19,21 denn ich fürchtete mich vor dir, weil du
ein harter Mann bist; du nimmst, was du nicht angelegt
hast, und erntest, was du nicht gesät hast.
19,22 Er sprach zu ihm: Mit deinen eigenen Worten
richte ich dich, du böser Knecht. Wußtest du, daß
ich ein harter Mann bin, nehme, was ich nicht angelegt
habe, und ernte, was ich nicht gesät habe:
19,23 warum hast du dann mein Geld nicht zur Bank
gebracht? Und wenn ich zurückgekommen wäre, hätte
ich's mit Zinsen eingefordert.
19,24 Und er sprach zu denen, die dabeistanden:
Nehmt das Pfund von ihm und gebt's dem, der zehn
Pfund hat.
19,25 Und sie sprachen zu ihm: Herr, er hat doch
schon zehn Pfund.
19,26 Ich sage euch aber: Wer da hat, dem wird
gegeben werden; von dem aber, der nicht hat, wird
auch das genommen werden, was er hat.
19,27 Doch diese meine Feinde, die nicht wollten,
daß ich ihr König werde, bringt her und macht sie
vor mir nieder.

Jesu Einzug in Jerusalem.

19,28 Und als er das gesagt hatte, ging er voran
und zog hinauf nach Jerusalem.
19,29 Und es begab sich, als er nahe von Betfage
und Betanien an den Berg kam, der Ölberg heißt,
da sandte er zwei Jünger
19,30 und sprach: Geht hin in das Dorf, das vor
uns liegt. Und wenn ihr hineinkommt, werdet ihr
ein Füllen angebunden finden, auf dem noch nie
ein Mensch gesessen hat; bindet es los und bringt's her!
19,31 Und wenn euch jemand fragt: Warum bindet
ihr es los?, dann sagt: Der Herr bedarf seiner.
19,32 Und die er gesandt hatte, gingen hin und
fanden's, wie er ihnen gesagt hatte.
19,33 Als sie aber das Füllen losbanden, sprachen
seine Herren zu ihnen: Warum bindet ihr das Füllen los?
19,34 Sie aber sprachen: Der Herr bedarf seiner.
19,35 Und sie brachten's zu Jesus und warfen ihre
Kleider auf das Füllen und setzten Jesus darauf.
19,36 Als er nun hinzog, breiteten sie ihre Kleider
auf den Weg.
19,37 Und als er schon nahe am Abhang des Ölbergs
war, fing die ganze Menge der Jünger an, mit Freuden
Gott zu loben mit lauter Stimme über alle Taten,
die sie gesehen hatten,
19,38 und sprachen: Gelobt sei, der da kommt,
der König, in dem Namen des Herrn! Friede sei
im Himmel und Ehre in der Höhe!
19,39 Und einige Pharisäer in der Menge sprachen
zu ihm: Meister, weise doch deine Jünger zurecht!
19,40 Er antwortete und sprach: Ich sage euch:
Wenn diese schweigen werden, so werden die Steine
schreien.

Jesus weint über Jerusalem.

19,41 Und als er nahe hinzukam, sah er die Stadt
und weinte über sie
19,42 und sprach: Wenn doch auch du erkenntest
zu dieser Zeit, was zum Frieden dient! Aber
nun ist's vor deinen Augen verborgen.
19,43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen,
da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen,
dich belagern und von allen Seiten bedrängen,
19,44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen
samt deinen Kindern in dir und keinen Stein
auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit
nicht erkannt hast, in der du heimgesucht worden
bist.
Die Tempelreinigung.

19,45 Und er ging in den Tempel und fing an, die
Händler auszutreiben,
19,46 und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben
(Jesaja 56,7): »Mein Haus soll ein Bethaus sein«;
ihr aber habt es zur Räuberhöhle gemacht.
19,47 Und er lehrte täglich im Tempel. Aber die
Hohenpriester und Schriftgelehrten und die Angesehensten
des Volkes trachteten danach, daß sie ihn umbrächten,
19,48 und fanden nicht, wie sie es machen sollten;
denn das ganze Volk hing ihm an und hörte ihn.

\20\

Die Frage nach Jesu Vollmacht.

20,1 Und es begab sich eines Tages, als er das
Volk lehrte im Tempel und predigte das Evangelium,
da traten zu ihm die Hohenpriester und Schriftgelehrten
mit den Ältesten
20,2 und sprachen zu ihm: Sage uns, aus welcher
Vollmacht tust du das? oder wer hat dir diese Vollmacht
gegeben?
20,3 Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Ich
will euch auch eine Sache fragen; sagt mir:
20,4 Die Taufe des Johannes - war sie vom Himmel
oder von Menschen?
20,5 Sie aber bedachten's bei sich selbst und
sprachen: Sagen wir, vom Himmel, so wird er sagen:
Warum habt ihr ihm nicht geglaubt?
20,6 Sagen wir aber, von Menschen, so wird uns
alles Volk steinigen; denn sie sind überzeugt,
daß Johannes ein Prophet war.
20,7 Und sie antworteten, sie wüßten nicht, wo
sie her wäre.
20,8 Und Jesus sprach zu ihnen: So sage ich euch
auch nicht, aus welcher Vollmacht ich das tue.

Von den bösen Weingärtnern.

20,9 Er fing aber an, dem Volk dies Gleichnis
zu sagen: Ein Mensch pflanzte einen Weinberg und
verpachtete ihn an Weingärtner und ging außer Landes
für eine lange Zeit.
20,10 Und als die Zeit kam, sandte er einen
Knecht zu den Weingärtnern, damit sie ihm seinen
Anteil gäben an der Frucht des Weinbergs. Aber
die Weingärtner schlugen ihn und schickten ihn
mit leeren Händen fort.
20,11 Und er sandte noch einen zweiten Knecht;
sie aber schlugen den auch und verhöhnten ihn und
schickten ihn mit leeren Händen fort.
20,12 Und er sandte noch einen dritten; sie aber
schlugen auch den blutig und stießen ihn hinaus.
20,13 Da sprach der Herr des Weinbergs: Was soll
ich tun? Ich will meinen lieben Sohn senden; vor
dem werden sie sich doch scheuen.
20,14 Als aber die Weingärtner den Sohn sahen,
dachten sie bei sich selbst und sprachen: Das ist
der Erbe; laßt uns ihn töten, damit das Erbe unser
sei!
20,15 Und sie stießen ihn hinaus vor den Weinberg
und töteten ihn. Was wird nun der Herr des Weinbergs
mit ihnen tun?
20,16 Er wird kommen und diese Weingärtner umbringen
und seinen Weinberg andern geben. Als sie das hörten,
sprachen sie: Nur das nicht!
20,17 Er aber sah sie an und sprach: Was bedeutet
dann das, was geschrieben steht (Psalm 118,22):
»Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, der
ist zum Eckstein geworden«?
20,18 Wer auf diesen Stein fällt, der wird zerschellen;
auf wen er aber fällt, den wird er zermalmen.
20,19 Und die Schriftgelehrten und Hohenpriester
trachteten danach, Hand an ihn zu legen noch in
derselben Stunde, und fürchteten sich doch
vor dem Volk; denn sie hatten verstanden, daß er
auf sie hin dies Gleichnis gesagt hatte.

Die Frage nach der Steuer (»Der Zinsgroschen«)

20,20 Und sie belauerten ihn und sandten Leute
aus, die sich stellen sollten, als wären sie fromm;

die sollten ihn fangen in seinen Worten, damit
man ihn überantworten könnte der Obrigkeit und
Gewalt des Statthalters.
20,21 Und sie fragten ihn und sprachen: Meister,
wir wissen, daß du aufrichtig redest und lehrst
und achtest nicht das Ansehen der Menschen, sondern
du lehrst den Weg Gottes recht.
20,22 Ist's recht, daß wir dem Kaiser Steuern
zahlen oder nicht?
20,23 Er aber merkte ihre List und sprach zu ihnen:
20,24 Zeigt mir einen Silbergroschen! Wessen Bild
und Aufschrift hat er? Sie sprachen: Des Kaisers.
20,25 Er aber sprach zu ihnen: So gebt dem Kaiser,
was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist!
20,26 Und sie konnten ihn in seinen Worten nicht
fangen vor dem Volk und wunderten sich über seine
Antwort und schwiegen still.

Die Frage nach der Auferstehung.

20,27 Da traten zu ihm einige der Sadduzäer, die
lehren, es gebe keine Auferstehung, und fragten
ihn und sprachen:
20,28 Meister, Mose hat uns vorgeschrieben (5.

Mose 25,5.6): »Wenn jemand stirbt, der eine Frau
hat, aber keine Kinder, so soll sein Bruder sie
zur Frau nehmen und seinem Bruder Nachkommen erwecken. «
20,29 Nun waren sieben Brüder. Der erste nahm
eine Frau und starb kinderlos.
20,30 Und der zweite nahm sie,
20,31 und der dritte; desgleichen alle sieben,
sie hinterließen keine Kinder und starben.
20,32 Zuletzt starb auch die Frau.
20,33 Nun in der Auferstehung: wessen Frau wird
sie sein unter ihnen? Denn alle sieben haben sie
zur Frau gehabt.
20,34 Und Jesus sprach zu ihnen: Die Kinder dieser
Welt heiraten und lassen sich heiraten;
20,35 welche aber gewürdigt werden, jene Welt
zu erlangen und die Auferstehung von den Toten,
die werden weder heiraten noch sich heiraten lassen.
20,36 Denn sie können hinfort auch nicht sterben;
denn sie sind den Engeln gleich und Gottes
Kinder, weil sie Kinder der Auferstehung sind.
20,37 Daß aber die Toten auferstehen, darauf hat
auch Mose gedeutet beim Dornbusch, wo er den Herrn
nennt Gott Abrahams und Gott Isaaks und Gott Jakobs
(2. Mose 3,6).
20,38 Gott aber ist nicht ein Gott der Toten,
sondern der Lebenden; denn ihm leben sie alle.
20,39 Da antworteten einige der Schriftgelehrten
und sprachen: Meister, du hast recht geredet.
20,40 Und sie wagten nicht mehr, ihn etwas zu fragen.

Die Frage nach dem Davidssohn.

20,41 Er sprach aber zu ihnen: Wieso sagen sie,
der Christus sei Davids Sohn?
20,42 Denn David selbst sagt im Psalmbuch (Psalm
110,1): »Der Herr sprach zu meinem Herrn: Setze
dich zu meiner Rechten,
20,43 bis ich deine Feinde zum Schemel deiner
Füße mache.«
20,44 David nennt ihn also einen Herrn; wie ist
er dann sein Sohn?

Warnung vor den Schriftgelehrten.

20,45 Als aber alles Volk zuhörte, sprach er zu
seinen Jüngern:
20,46 Hütet euch vor den Schriftgelehrten, die
es lieben, in langen Gewändern einherzugehen, und
lassen sich gern grüßen auf dem Markt und sitzen
gern obenan in den Synagogen und bei Tisch;
20,47 sie fressen die Häuser der Witwen und verrichten
zum Schein lange Gebete. Die werden ein um so härteres
Urteil empfangen.

\21\

Das Scherflein der Witwe.

21,1 Er blickte aber auf und sah, wie die Reichen
ihre Opfer in den Gotteskasten einlegten.
21,2 Er sah aber auch eine arme Witwe, die legte
dort zwei Scherflein ein.
21,3 Und er sprach: Wahrlich, ich sage euch: Diese
arme Witwe hat mehr als sie alle eingelegt.
21,4 Denn diese alle haben etwas von ihrem Überfluß
zu den Opfern eingelegt; sie aber hat von ihrer
Armut alles eingelegt, was sie zum Leben hatte.

JESU REDE ÜBER DIE ENDZEIT.

(Verse 5-36).

Das Ende des Tempels.

21,5 Und als einige von dem Tempel sagten, daß
er mit schönen Steinen und Kleinoden geschmückt
sei, sprach er:
21,6 Es wird die Zeit kommen, in der von allem,
was ihr seht, nicht ein Stein auf dem andern gelassen
wird, der nicht zerbrochen werde.

Die Vorzeichen.

21,7 Sie fragten ihn aber: Meister, wann wird
das geschehen? und was wird das Zeichen sein, wenn
das geschehen wird?
21,8 Er aber sprach: Seht zu, laßt euch nicht
verführen. Denn viele werden kommen unter meinem
Namen und sagen: Ich bin's, und: Die Zeit ist herbeigekommen.
- Folgt ihnen nicht nach!
21,9 Wenn ihr aber hören werdet von Kriegen und
Aufruhr, so entsetzt euch nicht. Denn das muß zuvor
geschehen; aber das Ende ist noch nicht so bald da.
21,10 Dann sprach er zu ihnen: Ein Volk wird sich
erheben gegen das andere und ein Reich gegen das
andere,
21,11 und es werden geschehen große Erdbeben und
hier und dort Hungersnöte und Seuchen; auch werden
Schrecknisse und vom Himmel her große Zeichen geschehen.

Die Verfolgung der Gemeinde.

21,12 Aber vor diesem allen werden sie Hand
an euch legen und euch verfolgen, und werden euch
überantworten den Synagogen und Gefängnissen und
euch vor Könige und Statthalter führen um meines
Namens willen.
21,13 Das wird euch widerfahren zu einem Zeugnis.
21,14 So nehmt nun zu Herzen, daß ihr euch
nicht vorher sorgt, wie ihr euch verantworten sollt.
21,15 Denn ich will euch Mund und Weisheit geben,
der alle eure Gegner nicht widerstehen noch widersprechen
können.
21,16 Ihr werdet aber verraten werden von Eltern,
Brüdern, Verwandten und Freunden; und man wird
einige von euch töten.
21,17 Und ihr werdet gehaßt sein von jedermann
um meines Namens willen.
21,18 Und kein Haar von eurem Haupt soll verloren gehen.
21,19 Seid standhaft, und ihr werdet euer Leben
gewinnen. *

Das Ende Jerusalems.

21,20 Wenn ihr aber sehen werdet, daß Jerusalem
von einem Heer belagert wird, dann erkennt, daß
seine Verwüstung nahe herbeigekommen ist.
21,21 Alsdann, wer in Judäa ist, der fliehe ins
Gebirge, und wer in der Stadt ist, gehe hinaus,
und wer auf dem Lande ist, komme nicht herein.
21,22 Denn das sind die Tage der Vergeltung,
daß erfüllt werde alles, was geschrieben ist.
21,23 Weh aber den Schwangeren und den Stillenden
in jenen Tagen! Denn es wird große Not auf Erden
sein und Zorn über dies Volk kommen,
21,24 und sie werden fallen durch die Schärfe
des Schwertes und gefangen weggeführt unter alle
Völker, und Jerusalem wird zertreten werden
von den Heiden, bis die Zeiten der Heiden erfüllt sind.

Das Kommen des Menschensohns.

21,25 Und es werden Zeichen geschehen an Sonne
und Mond und Sternen, und auf Erden wird den Völkern
bange sein, und sie werden verzagen vor dem Brausen
und Wogen des Meeres,
21,26 und die Menschen werden vergehen vor Furcht
und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über
die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden
ins Wanken kommen.
21,27 Und alsdann werden sie sehen den Menschensohn
kommen in einer Wolke mit großer Kraft und Herrlichkeit.
21,28 Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann
seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich
eure Erlösung naht.

Vom Feigenbaum.

21,29 Und er sagte ihnen ein Gleichnis: Seht den
Feigenbaum und alle Bäume an:
21,30 wenn sie jetzt ausschlagen und ihr seht
es, so wißt ihr selber, daß jetzt der Sommer nahe ist.
21,31 So auch ihr: wenn ihr seht, daß dies alles
geschieht, n wißt, daß das Reich Gottes nahe ist.

Ermahnung zur Wachsamkeit.

21,32 Wahrlich, ich sage euch: Dieses Geschlecht
wird nicht vergehen, bis es alles geschieht.
21,33 Himmel und Erde werden vergehen; aber meine
Worte vergehen nicht.
21,34 Hütet euch aber, daß eure Herzen nicht
beschwert werden mit Fressen und Saufen und mit
täglichen Sorgen und dieser Tag nicht plötzlich
über euch komme wie ein Fallstrick;
21,35 denn er wird über alle kommen, die auf der
ganzen Erde wohnen.
21,36 So seid allezeit wach und betet, daß ihr
stark werdet, zu entfliehen diesem allen, was geschehen
soll, und zu stehen vor dem Menschensohn.
21,37 Er lehrte des Tags im Tempel; des Nachts
aber ging er hinaus und blieb an dem Berg, den
man den Ölberg nennt.
21,38 Und alles Volk machte sich früh auf zu ihm,
ihn im Tempel zu hören.

\22\

LEIDEN, STERBEN UND AUFERSTEHUNG JESU.

(Kapitel 22-24).

Der Verrat des Judas.

22,1 Es war aber nahe das Fest der Ungesäuerten
Brote, das Passa heißt.
22,2 Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten
trachteten danach, wie sie ihn töten könnten; denn
sie fürchteten sich vor dem Volk.
22,3 Es fuhr aber der Satan in Judas, genannt
Iskariot, der zur Zahl der Zwölf gehörte.
22,4 Und er ging hin und redete mit den Hohenpriestern
und mit den Hauptleuten darüber, wie er ihn an
sie verraten könnte.
22,5 Und sie wurden froh und versprachen, ihm
Geld zu geben.
22,6 Und er sagte es zu und suchte eine Gelegenheit,
daß er ihn an sie verriete ohne Aufsehen.

Das Abendmahl.

22,7 Es kam nun der Tag der Ungesäuerten Brote,
an dem man das Passalamm opfern mußte.
22,8 Und er sandte Petrus und Johannes und sprach:
Geht hin und bereitet uns das Passalamm, damit
wir's essen.
22,9 Sie aber fragten ihn: Wo willst du, daß wir's
bereiten?
22,10 Er sprach zu ihnen: Siehe, wenn ihr hineinkommt
in die Stadt, wird euch ein Mensch begegnen, der
trägt einen Wasserkrug; folgt ihm in das Haus,
in das er hineingeht,
22,11 und sagt zu dem Hausherrn: Der Meister läßt
dir sagen: Wo ist der Raum, in dem ich das Passalamm
essen kann mit meinen Jüngern?
22,12 Und er wird euch einen großen Saal zeigen,
der mit Polstern versehen ist; dort bereitet es.
22,13 Sie gingen hin und fanden's, wie er
ihnen gesagt hatte, und bereiteten das Passalamm.
22,14 Und als die Stunde kam, setzte er sich nieder
und die Apostel mit ihm.
22,15 Und er sprach zu ihnen: Mich hat herzlich
verlangt, dies Passalamm mit euch zu essen, ehe
ich leide.
22,16 Denn ich sage euch, daß ich es nicht mehr
essen werde, bis es erfüllt wird im Reich Gottes.
22,17 Und er nahm den Kelch, dankte und sprach:
Nehmt ihn und teilt ihn unter euch;
22,18 denn ich sage euch: Ich werde von nun an
nicht trinken von dem Gewächs des Weinstocks, bis
das Reich Gottes kommt.
22,19 Und er nahm das Brot, dankte und brach's
und gab's ihnen und sprach: Das ist mein Leib,
der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
22,20 Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl
und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund* in
meinem Blut, das für euch vergossen wird!
22,21 Doch siehe, die Hand meines Verräters ist

mit mir am Tisch.
22,22 Denn der Menschensohn geht zwar dahin, wie
es beschlossen ist; doch weh dem Menschen, durch
den er verraten wird!
22,23 Und sie fingen an, untereinander zu fragen,
wer es wohl wäre unter ihnen, der das tun würde.

Gespräche mit den Jüngern.

22,24 Es erhob sich auch ein Streit unter
ihnen, wer von ihnen als der Größte gelten solle.
22,25 Er aber sprach zu ihnen: Die Könige herrschen
über ihre Völker, und ihre Machthaber lassen sich
Wohltäter nennen.
22,26 Ihr aber nicht so! Sondern der Größte unter
euch soll sein wie der Jüngste, und der Vornehmste
wie ein Diener.
22,27 Denn wer ist größer: der zu Tisch sitzt
oder der dient? Ist's nicht der, der zu Tisch sitzt?
Ich aber bin unter euch wie ein Diener.
22,28 Ihr aber seid's, die ihr ausgeharrt habt
bei mir in meinen Anfechtungen.
22,29 Und ich will euch das Reich zueignen, wie
mir's mein Vater zugeeignet hat,
22,30 daß ihr essen und trinken sollt an meinem
Tisch in meinem Reich und sitzen auf Thronen

und richten die zwölf Stämme Israels.
22,31 Simon, Simon, siehe, der Satan hat begehrt,
euch zu sieben wie den Weizen.
22,32 Ich aber habe für dich gebeten, daß
dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn du dereinst
dich bekehrst, so stärke deine Brüder.
22,33 Er aber sprach zu ihm: Herr, ich bin bereit,
mit dir ins Gefängnis und in den Tod zu gehen.
22,34 Er aber sprach: Petrus, ich sage dir: Der
Hahn wird heute nicht krähen, ehe du dreimal geleugnet
hast, daß du mich kennst.
22,35 Und er sprach zu ihnen: Als ich euch
ausgesandt habe ohne Geldbeutel, ohne Tasche und
ohne Schuhe, habt ihr da je Mangel gehabt? Sie
sprachen: Niemals.
22,36 Da sprach er zu ihnen: Aber nun, wer einen
Geldbeutel hat, der nehme ihn, desgleichen auch
die Tasche, und wer's nicht hat, verkaufe seinen
Mantel und kaufe ein Schwert.
22,37 Denn ich sage euch: Es muß das an mir vollendet
werden, was geschrieben steht (Jesaja 53,12): »Er
ist zu den Übeltätern gerechnet worden.« Denn was
von mir geschrieben ist, das wird vollendet.
22,38 Sie sprachen aber: Herr, siehe, hier sind
zwei Schwerter. Er aber sprach zu ihnen: Es ist
genug.

Jesus in Gethsemane.

22,39 Und er ging nach seiner Gewohnheit hinaus
an den Ölberg. Es folgten ihm aber auch die Jünger.
22,40 Und als er dahin kam, sprach er zu ihnen:
Betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!
22,41 Und er riß sich von ihnen los, etwa einen
Steinwurf weit, und kniete nieder, betete
22,42 und sprach: Vater, willst du, so nimm diesen
Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein
Wille geschehe!
22,43 Es erschien ihm aber ein Engel vom Himmel
und stärkte ihn.
22,44 Und er rang mit dem Tode und betete heftiger.
Und sein Schweiß wurde wie Blutstropfen, die auf
die Erde fielen.*
22,45 Und er stand auf von dem Gebet und kam zu
seinen Jüngern und fand sie schlafend vor Traurigkeit
22,46 und sprach zu ihnen: Was schlaft ihr? Steht
auf und betet, damit ihr nicht in Anfechtung fallt!

Jesu Gefangennahme.

22,47 Als er aber noch redete, siehe, da kam eine
Schar; und einer von den Zwölfen, der mit dem Namen
Judas, ging vor ihnen her und nahte sich zu Jesus,
um ihn zu küssen.
22,48 Jesus aber sprach zu ihm: Judas, verrätst
du den Menschensohn mit einem Kuß?
22,49 Als aber, die um ihn waren, sahen, was geschehen
würde, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwert
dreinschlagen?
22,50 Und einer von ihnen schlug nach dem Knecht
des Hohenpriesters und hieb ihm sein rechtes Ohr ab.
22,51 Da sprach Jesus: Laßt ab! Nicht weiter!
Und er rührte sein Ohr an und heilte ihn.
22,52 Jesus aber sprach zu den Hohenpriestern
und Hauptleuten des Tempels und den Ältesten, die
zu ihm hergekommen waren: Ihr seid wie gegen einen
Räuber mit Schwertern und mit Stangen ausgezogen.
22,53 Ich bin täglich bei euch im Tempel gewesen,
und ihr habt nicht Hand an mich gelegt. Aber
dies ist eure Stunde und die Macht der Finsternis.

Die Verleugnung des Petrus.

22,54 Sie ergriffen ihn aber und führten ihn ab
und brachten ihn in das Haus des Hohenpriesters.
Petrus aber folgte von ferne.
22,55 Da zündeten sie ein Feuer an mitten im Hof
und setzten sich zusammen; und Petrus setzte sich
mitten unter sie.
22,56 Da sah ihn eine Magd am Feuer sitzen und
sah ihn genau an und sprach: Dieser war auch mit ihm.
22,57 Er aber leugnete und sprach: Frau, ich kenne
ihn nicht.
22,58 Und nach einer kleinen Weile sah ihn ein
anderer und sprach: Du bist auch einer von denen.
Petrus aber sprach: Mensch, ich bin's nicht.
22,59 Und nach einer Weile, etwa nach einer Stunde,
bekräftigte es ein anderer und sprach: Wahrhaftig,
dieser war auch mit ihm; denn er ist ein Galiläer.
22,60 Petrus aber sprach: Mensch, ich weiß nicht,
was du sagst. Und alsbald, während er noch redete,
krähte der Hahn.
22,61 Und der Herr wandte sich und sah Petrus
an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, wie
er zu ihm gesagt hatte: Ehe heute der Hahn kräht,
wirst du mich dreimal verleugnen.
22,62 Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich.

Jesus vor dem Hohen Rat.

22,63 Die Männer aber, die Jesus gefangen hielten,
verspotteten ihn und schlugen ihn,
22,64 verdeckten sein Angesicht und fragten: Weissage,
wer ist's, der dich schlug?
22,65 Und noch mit vielen andern Lästerungen schmähten
sie ihn.
22,66 Und als es Tag wurde, versammelten sich
die Ältesten des Volkes, die Hohenpriester und
Schriftgelehrten und führten ihn vor ihren Rat
22,67 und sprachen: Bist du der Christus, so sage
es uns! Er sprach aber zu ihnen: Sage ich's
euch, so glaubt ihr's nicht;
22,68 frage ich aber, so antwortet ihr nicht.
22,69 Aber von nun an wird der Menschensohn
sitzen zur Rechten der Kraft Gottes.
22,70 Da sprachen sie alle: Bist du denn Gottes
Sohn? Er sprach zu ihnen: Ihr sagt es, ich bin es.
22,71 Sie aber sprachen: Was bedürfen wir noch
eines Zeugnisses? Wir haben's selbst gehört aus
seinem Munde.

\23\

Jesus vor Pilatus.

23,1 Und die ganze Versammlung stand auf, und
sie führten ihn vor Pilatus
23,2 und fingen an, ihn zu verklagen, und sprachen:
Wir haben gefunden, daß dieser unser Volk aufhetzt
und verbietet, dem Kaiser Steuern zu geben,
und spricht, er sei Christus, ein König.
23,3 Pilatus aber fragte ihn und sprach: Bist
du der Juden König? Er antwortete ihm und sprach:
Du sagst es.
23,4 Pilatus sprach zu den Hohenpriestern und
zum Volk: Ich finde keine Schuld an diesem Menschen.
23,5 Sie aber wurden noch ungestümer und sprachen:
Er wiegelt das Volk auf damit, daß er lehrt hier
und dort in ganz Judäa, angefangen von Galiläa
bis hierher.

Jesus vor Herodes.

23,6 Als aber Pilatus das hörte, fragte er, ob
der Mensch aus Galiläa wäre.
23,7 Und als er vernahm, daß er ein Untertan
des Herodes war, sandte er ihn zu Herodes, der
in diesen Tagen auch in Jerusalem war.
23,8 Als aber Herodes Jesus sah, freute er sich
sehr; denn er hätte ihn längst gerne gesehen;
denn er hatte von ihm gehört und hoffte, er würde
ein Zeichen von ihm sehen.
23,9 Und er fragte ihn viel. Er aber antwortete
ihm nichts.
23,10 Die Hohenpriester aber und Schriftgelehrten
standen dabei und verklagten ihn hart.
23,11 Aber Herodes mit seinen Soldaten verachtete
und verspottete ihn, legte ihm ein weißes Gewand
an und sandte ihn zurück zu Pilatus.
23,12 An dem Tag wurden Herodes und Pilatus Freunde;
denn vorher waren sie einander feind.

Jesu Verurteilung.

23,13 Pilatus aber rief die Hohenpriester und
die Oberen und das Volk zusammen
23,14 und sprach zu ihnen: Ihr habt diesen Menschen
zu mir gebracht als einen, der das Volk aufwiegelt;
und siehe, ich habe ihn vor euch verhört und habe
an diesem Menschen keine Schuld gefunden, deretwegen
ihr ihn anklagt;
23,15 Herodes auch nicht, denn er hat ihn uns
zurückgesandt. Und siehe, er hat nichts getan,
was den Tod verdient.
23,16 Darum will ich ihn schlagen lassen und losgeben.
23,18 Da schrien sie alle miteinander: Hinweg
mit diesem, gib uns Barabbas los!
23,19 Der war wegen eines Aufruhrs, der in der
Stadt geschehen war, und wegen eines Mordes ins
Gefängnis geworfen worden.
23,20 Da redete Pilatus abermals auf sie ein,
weil er Jesus losgeben wollte.
23,21 Sie riefen aber: Kreuzige, kreuzige ihn!
23,22 Er aber sprach zum dritten Mal zu ihnen:
Was hat denn dieser Böses getan? Ich habe nichts
an ihm gefunden, was den Tod verdient; darum will
ich ihn schlagen lassen und losgeben.
23,23 Aber sie setzten ihm zu mit großem Geschrei
und forderten, daß er gekreuzigt würde. Und ihr
Geschrei nahm überhand.
23,24 Und Pilatus urteilte, daß ihre Bitte erfüllt werde,
23,25 und ließ den los, der wegen Aufruhr und
Mord ins Gefängnis geworfen war, um welchen sie
baten; aber Jesus übergab er ihrem Willen.

Jesu Weg nach Golgatha.

23,26 Und als sie ihn abführten, ergriffen sie
einen Mann, Simon von Kyrene, der vom Feld kam,
und legten das Kreuz auf ihn, daß er's Jesus nachtrüge.
23,27 Es folgte ihm aber eine große Volksmenge
und Frauen, die klagten und beweinten ihn.
23,28 Jesus aber wandte sich um zu ihnen und sprach:
Ihr Töchter von Jerusalem, weint nicht über mich,
sondern weint über euch selbst und über eure Kinder.
23,29 Denn siehe, es wird die Zeit kommen, in
der man sagen wird: Selig sind die Unfruchtbaren
und die Leiber, die nicht geboren haben, und die
Brüste, die nicht genährt haben!
23,30 Dann werden sie anfangen, zu sagen zu den
Bergen: Fallt über uns! und zu den Hügeln: Bedeckt uns!
23,31 Denn wenn man das tut am grünen Holz, was
wird am dürren werden?

Jesu Kreuzigung und Tod.

23,32 Es wurden aber auch andere hingeführt, zwei
Übeltäter, daß sie mit ihm hingerichtet würden.
23,33 Und als sie kamen an die Stätte, die da
heißt Schädelstätte, kreuzigten sie ihn dort und
die Übeltäter mit ihm, einen zur Rechten und einen
zur Linken.
23,34 Jesus aber sprach: Vater, vergib ihnen;
denn sie wissen nicht, was sie tun! Und (c)
sie verteilten seine Kleider und warfen das Los darum.
23,35 Und das Volk stand da und sah zu. Aber die
Oberen spotteten und sprachen: Er hat andern geholfen;
er helfe sich selber, ist er der Christus, der
Auserwählte Gottes.
23,36 Es verspotteten ihn auch die Soldaten, traten
herzu und brachten ihm Essig
23,37 und sprachen: Bist du der Juden König, so
hilf dir selber!
23,38 Es war aber über ihm auch eine Aufschrift:
Dies ist der Juden König.
23,39 Aber einer der Übeltäter, die am Kreuz hingen,
lästerte ihn und sprach: Bist du nicht der Christus?
Hilf dir selbst und uns!
23,40 Da wies ihn der andere zurecht und sprach:
Und du fürchtest dich auch nicht vor Gott, der
du doch in gleicher Verdammnis bist?
23,41 Wir sind es zwar mit Recht, denn wir empfangen,
was unsre Taten verdienen; dieser aber hat nichts
Unrechtes getan.
23,42 Und er sprach: Jesus, gedenke an mich,
wenn du in dein Reich kommst!
23,43 Und Jesus sprach zu ihm: Wahrlich, ich sage
dir: Heute wirst du mit mir im Paradies sein.
23,44 Und es war schon um die sechste Stunde,
und es kam eine Finsternis über das ganze Land
bis zur neunten Stunde,
23,45 und die Sonne verlor ihren Schein, und der
Vorhang des Tempels riß mitten entzwei.
23,46 Und Jesus rief laut: Vater, ich befehle
meinen Geist in deine Hände! Und als er das gesagt

hatte, verschied er.
23,47 Als aber der Hauptmann sah, was da geschah,
pries er Gott und sprach: Fürwahr, dieser ist ein
frommer Mensch gewesen!
23,48 Und als alles Volk, das dabei war und zuschaute,
sah, was da geschah, schlugen sie sich an ihre
Brust und kehrten wieder um.
23,49 Es standen aber alle seine Bekannten von
ferne, auch die Frauen, die ihm aus Galiläa
nachgefolgt waren, und sahen das alles.

Jesu Grablegung.

23,50 Und siehe, da war ein Mann mit Namen Josef,
ein Ratsherr, der war ein guter, frommer Mann
23,51 und hatte ihren Rat und ihr Handeln nicht
gebilligt. Er war aus Arimathäa, einer Stadt der
Juden, und wartete auf das Reich Gottes.
23,52 Der ging zu Pilatus und bat um den Leib Jesu
23,53 und nahm ihn ab, wickelte ihn in ein Leinentuch
und legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch nie
jemand gelegen hatte.
23,54 Und es war Rüsttag, und der Sabbat brach an.
23,55 Es folgten aber die Frauen nach, die mit
ihm gekommen waren aus Galiläa, und beschauten
das Grab und wie sein Leib hineingelegt wurde.
23,56 Sie kehrten aber um und bereiteten wohlriechende
Öle und Salben. Und den Sabbat über ruhten
sie nach dem Gesetz.

\24\

Jesu Auferstehung.

24,1 Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen
sie zum Grab und trugen bei sich die wohlriechenden
Öle, die sie bereitet hatten.
24,2 Sie fanden aber den Stein weggewälzt von dem Grab
24,3 und gingen hinein und fanden den Leib des
Herrn Jesus nicht.
24,4 Und als sie darüber bekümmert waren, siehe,
da traten zu ihnen zwei Männer mit glänzenden Kleidern.
24,5 Sie aber erschraken und neigten ihr Angesicht
zur Erde. Da sprachen die zu ihnen: Was sucht ihr
den Lebenden bei den Toten?
24,6 Er ist nicht hier, er ist auferstanden. Gedenkt
daran, wie er euch gesagt hat, als er noch in Galiläa war:
24,7 Der Menschensohn muß überantwortet werden
in die Hände der Sünder und gekreuzigt werden und
am dritten Tage auferstehen.
24,8 Und sie gedachten an seine Worte.
24,9 Und sie gingen wieder weg vom Grab und verkündigten
das alles den elf Jüngern und den andern allen.
24,10 Es waren aber Maria von Magdala und
Johanna und Maria, des Jakobus Mutter, und die
andern mit ihnen; die sagten das den Aposteln.
24,11 Und es erschienen ihnen diese Worte, als
wär's Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht.
24,12 Petrus aber stand auf und lief zum Grab
und bückte sich hinein und sah nur die Leinentücher
und ging davon und wunderte sich über das, was
geschehen war.

Die Emmausjünger.

24,13 Und siehe, zwei von ihnen gingen an demselben
Tage in ein Dorf, das war von Jerusalem etwa zwei
Wegstunden entfernt; dessen Name ist Emmaus.
24,14 Und sie redeten miteinander von allen diesen
Geschichten.
24,15 Und es geschah, als sie so redeten und sich
miteinander besprachen, da nahte sich Jesus selbst
und ging mit ihnen.
24,16 Aber ihre Augen wurden gehalten, daß sie
ihn nicht erkannten.
24,17 Er sprach aber zu ihnen: Was sind das für
Dinge, die ihr miteinander verhandelt unterwegs?
Da blieben sie traurig stehen.
24,18 Und der eine, mit Namen Kleopas, antwortete
und sprach zu ihm: Bist du der einzige unter den
Fremden in Jerusalem, der nicht weiß, was in diesen
Tagen dort geschehen ist?
24,19 Und er sprach zu ihnen: Was denn? Sie aber
sprachen zu ihm: Das mit Jesus von Nazareth, der
ein Prophet war, mächtig in Taten und Worten
vor Gott und allem Volk;
24,20 wie ihn unsre Hohenpriester und Oberen zur
Todesstrafe überantwortet und gekreuzigt haben.
24,21 Wir aber hofften, er sei es, der Israel
erlösen werde. Und über das alles ist heute der
dritte Tag, daß dies geschehen ist.
24,22 Auch haben uns erschreckt einige Frauen
aus unserer Mitte, die sind früh bei dem Grab gewesen,
24,23 haben seinen Leib nicht gefunden, kommen
und sagen, sie haben eine Erscheinung von Engeln
gesehen, die sagen, er lebe.
24,24 Und einige von uns gingen hin zum Grab und
fanden's so, wie die Frauen sagten; aber ihn sahen
sie nicht.
24,25 Und er sprach zu ihnen: O ihr Toren, zu
trägen Herzens, all dem zu glauben, was die Propheten
geredet haben!
24,26 Mußte nicht Christus dies erleiden und in
seine Herrlichkeit eingehen?
24,27 Und er fing an bei Mose und allen Propheten
und legte ihnen aus, was in der ganzen Schrift
von ihm gesagt war.
24,28 Und sie kamen nahe an das Dorf, wo sie hingingen.
Und er stellte sich, als wollte er weitergehen.
24,29 Und sie nötigten ihn und sprachen: Bleibe
bei uns; denn es will Abend werden, und der Tag
hat sich geneigt. Und er ging hinein, bei ihnen
zu bleiben.
24,30 Und es geschah, als er mit ihnen zu Tisch
saß, nahm er das Brot, dankte, brach's und gab's ihnen.
24,31 Da wurden ihre Augen geöffnet, und sie erkannten
ihn. Und er verschwand vor ihnen.
24,32 Und sie sprachen untereinander: Brannte
nicht unser Herz in uns, als er mit uns redete
auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?
24,33 Und sie standen auf zu derselben Stunde,
kehrten zurück nach Jerusalem und fanden die Elf
versammelt und die bei ihnen waren;
24,34 die sprachen: Der Herr ist wahrhaftig auferstanden
und Simon erschienen.
24,35 Und sie erzählten ihnen, was auf dem Wege
geschehen war und wie er von ihnen erkannt wurde,
als er das Brot brach.

(Die Verse Markus16,9-20 wurden erst im zweiten
Jahrhundert hinzugefügt.)

Jesu Himmelfahrt.

24,50 Er führte sie aber hinaus bis nach Betanien
und hob die Hände auf und segnete sie.
24,51 Und es geschah, als er sie segnete, schied
er von ihnen und fuhr auf gen Himmel.
24,52 Sie aber beteten ihn an und kehrten zurück
nach Jerusalem mit großer Freude
24,53 und waren allezeit im Tempel und priesen Gott.