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Vom Sehen des Auferstandenen

Auferweckung Jesu



Vom Sehen des Auferstandenen

http://www.daffy3000.de/Sehen.htm

Zur Veröffentlichung freigegeben Quellenangabe:
Dr. Winfried Dalferth Jugendpfarrer in Reutlingen
"Vom Sehen des Auferstandenen" eine wissenschaftliche
Annäherung an ein "unglaubliches" Phänomen

Vorbemerkung:

Wir sollten uns über unsere Denkvoraussetzungen Klarheit verschaffen: Glaube ich die Auferstehung von vorneherein schon vor dem Bedenken? Oder halte ich sie für naturwissenschaftlich sowieso für unmöglich? Nur der offen Fragende wird neue Horizonte wahrnehmen können. Diese Ausführungen wollen dem tatsächlich Geschehenen nachspüren.

1. Jesus lebte als Mensch und starb als Verbrecher am Kreuz

Daß Jesus als Mensch lebte und als Verbrecher hingerichtet wurde und am Kreuz starb wird heutzutage nicht mehr ernstzunehmend bestritten. Dafür sind die Belege zu zahlreich und historisch zu gut gesichert.

· In der Bibel berichten besonders die Evangelien und Paulus davon.

· Auch zahlreiche außerbiblische Quellen dokumentieren Existenz und Tod Jesu. Sie werden hier wiedergegeben nach Bruce, siehe Literaturverzeichnis.

1.1. Die Prozeßakten

Berichte, die Pontius Pilatus oder irgendein anderer römischer Gouverneur von Judäa über irgendein Thema nach Rom gesandt hätte, gibt es nicht. Nicht über Jesus, nicht über irgendjemand anders. Nur sehr selten ist überhaupt ein offizieller Bericht dieser Art erhalten geblieben. "Es mag sein, daß Berichte regelmäßig eingesandt wurden, aber zum großen Teil waren diese Berichte kurzlebige Dokumente, und nach einer gewissen Zeit verschwanden sie." (Bruce, S. 10).

Justin der Märtyrer verweist um 150 in seiner Apologie des Christentums an Kaiser Antonius Pius auf die (nicht existenten) Pilatusakten. (Bruce, S.10).

Der Apologet Tertullian (ca 40 Jahre jünger als Justin) ist sicher, daß die Volkszählung in den Regierungsarchiven des Kaisers Augustus nachzuweisen sei. Dokumente sind nicht nachweisbar (Bruce, S.10f). Später aufgekommene, fälschlich (zum Schutz oder Angriff der Christen) verfasste "Pilatusakten" (um 311 n Chr) sollten dem Mißstand abhelfen.

1.2. Sueton

Um 49 n Chr. verbannt Kaiser Claudius alle Juden aus Rom wegen Unruhen in der großen Judenschaft Roms. Der röm Schriftsteller Sueton schreibt diesbezüglich in seiner Biographie der ersten 12 röm. Kaiser, im "Leben des Claudius" (ca. 120 n.Chr.): "Die Juden vertrieb er aus Rom, weil sie, von Chrestos aufgehetzt, fortwährend Unruhe stifteten." Chrestos, ein verbreiteter Sklavenname, erscheint hier als eine Verschreibung des Namens Christus. Dieses Zitat ist auch ein Beleg für die großen Spannungen der ersten Christen in Rom mit der dortigen jüdischen Gemeinde. (schon um 49 n Chr, also 19 Jahre nach der Kreuzigung! Bruce, S.11).

1.3. Tacitus

Im Jahre 64 n Chr. wütete eine Feuersbrunst in Rom. Das Gerücht ging um, daß Kaiser Nero (Stiefsohn und Nachfolger von Claudius) den Brand gelegt hätte. Nero machte die Christen für die Brandstiftung verantwortlich. Deshalb wurden viele an Pfählen verbrannt oder den wilden Tieren vorgeworfen. Der röm. Historiker Tacitus erwähnt in seinen "Römischen Annalen" (verfasst zwischen 115 und 117 n. Chr.) den Brand und Neros Versuch, dafür die Christen zu beschuldigen. Tacitus gibt als Ursprung der Christen an: "Dieser Name stammt von Christus, der unter Tiberius vom Prokurator Pontius Pilatus hingerichtet worden war." Aus dem verächtlichen und feindseligen Ton, den Tacitus gegenüber den Christen anschlug, ist zu vermuten, daß er seine Quellen über die Existenz Jesu nicht im christlichen Hintergrund fand. (Bruce, S.12).

1.4. Plinius der Jüngere

Plinius der Jüngere ist Zeitgenosse von Tacitus und Sueton. Ca 111 n. Chr. wird Plinius kaiserlicher Legat der röm. Provinz Bithynien im Nordwesten Kleinasiens. Dort erlebt er die Seuche des (christlichen) Aberglaubens wie ein Flächenbrand in Städten und Dörfern. Wer (durch Denunzianten) als Christ erkannt wird, kommt vor Gericht und muß vor den Staatsgöttern und Kaiserstandbildern anbeten. Wer nicht abschwörte, wurde bestraft, auch hingerichtet. Röm. Staatsbürger wurden nach Rom deportiert. Die Vielzahl der Fälle und ihr unterschiedliches Alter von alt bis jung läßt Plinius beim Kaiser nach der rechten Vorgehensweise nachfragen. Trajans Antwort:

"Bei der Untersuchung der Fälle derer, die bei Dir als Christen angezeigt worden sind, hast Du den rechten Weg eingeschlagen. Denn insgesamt läßt sich überhaupt nichts festlegen, was gleichsam als feste Norm dienen könnte. Nachspionieren soll man ihnen nicht; werden sie angezeigt und überführt, sind sie zu bestrafen, so jedoch, daß, wer leugnet, Christ zu sein, und das durch die Tat, das heißt: durch Anrufung unserer Götter beweist, wenn er auch für die Vergangenheit verdächtig bleibt, auf Grund seiner Reue Verzeihung erhält. Anonym eingereichte Klageschriften dürfen bei keiner Straftat Berücksichtigung finden, denn das wäre ein schlimmes Beispiel und paßt nicht in unsere Zeit. (zitiert nach Bruce, S.17).





1.5. Flavius Josephus

Flavius Josephus war ein durch Kriegswirren am Kaiserhof in Rom emporgestiegener jüdischer Günstling. Gegen Ende der Regierungszeit Domitians (81-96 n.Chr.) berichtete er in seinen "jüdischen Altertümern" in rund 20 Bänden von der Geschichte des jüdischen Volkes von den Anfängen bis in seine Zeit. Dabei erwähnt er auch Johannes den Täufer und Jakobus den Gerechten, den Bruder des Christus genannten Jesus. Josephus kommt noch weiter auf Christus zu sprechen, allerdings liegt der Text nur in einer christlich überarbeiteter Variante vor, so daß nur noch sicher gesagt werden kann, daß Josephus von der Existenz Jesu wußte, von seiner Verwandtschaft mit Jakobus dem Gerechten, von seinem Ruf als Wundertäter, von seiner Kreuzigung unter Pontius Pilatus, von seinem Messiasanspruch und von seinem Wirken als Ursprung der Christen. (Bruce, S.26 - 30).

Auch in der rabbinischen Überlieferung und in außerkanonischen (dh. außerbiblischen) Schriften finden sich Hinweise auf Jesus, so daß seine Existenz ausreichend historisch belegt ist.

2. Die historische Problematik der Auferstehung Jesu

Weder das Neue Testament noch die ältere kirchliche oder apokryphe Literatur bieten einen "Bericht" vom Ostergeschehen selbst oder von einem mehrtägigen Wandel des Auferstandenen inmitten seiner Jünger. Seinem kerygmatischen Charakter entsprechend zeugt das NT zunächst vom urchristlichen Glauben an die Auferstehung als die zentrale Heilstat Gottes in der Heilsgeschichte zwischen Schöpfung und Parousie. (LTHK I, 1028). Glauben wecken war also vorrangiges Interesse der Auferstehungsberichte, vorrangig vor der historischen Dokumentation der Ereignisse. Aber in den neutestamentlichen Auferstehungsberichten erschließen sich uns auch für das Verstehen des historischen Ereignisses bedeutsame Quellen, da auch Glaubenserzählungen historische Elemente enthalten.

Einerseits sind katechetische Glaubensformeln aus urapostolischer Zeit hineinverwoben (1.Kor.15,3ff; Lk.24,34; Röm.1,3f), also schlicht früheste Glaubensbekenntnisse. Zum andern enthalten die neutestamentlichen Auferstehungstexte kultische Glaubensformeln, die traditionsgeschichtlich in die ersten Jahre unmittelbar nach dem Tod Jesu zurückreichen und dort gebildet wurden. (Phil.2,6-11; Eph.5,14; 1.Tim.3,16). Diese Formeln fanden sehr wahrscheinlich Verwendung bei urchristlichen Taufen oder Gottesdiensten.

Übereinstimmend sehen alle Exegeten die Osterüberlieferungen des Urchristentums verteilt auf zwei Traditionsstänge: Die Überlieferungen von Erscheinungen des Auferstandenen und die Überlieferungen von der Auffindung des leeren Grabes

2.1. Überlieferungen von Erscheinungen des Auferstandenen

2.1.1. Paulus über die Auferstehung

Von zentraler Bedeutung ist der Briefabschnitt von Paulus an die Korinther in 1. Kor.15, 1-11, weil er deutlich älter ist als die Evangelienquellen (Die Abfassungszeit des 1. Korintherbriefes wird im Frühjahr 56/57 n Chr in Ephesus angenommen - Pannenberg, S.86. Die Evangelien werden erst ab 70 n Chr geschrieben). Die Erscheinungen des Auferstandenen haben hier wie auch schon in den Evangelien stark legendäre Züge. Ihr historischer Kern ist schwer auffindbar, aber dennoch eher in den Paulusbriefen auszumachen (Besonders 1.Kor. und Gal.), da diese zeitlich näher am Geschehen abgefasst wurden. (vgl. Pannenberg 85).

Die grundlegende Erscheinungen des Auferstandenen sind nach Paulus in 1. Kor. 15, 3-8:

· zuerst erschien der Auferstandene dem Kephas, also dem Petrus (V5),

· dann erschien er vor den Zwölfen (V5),

· dann vor 500 christl. Brüdern auf einmal (V6),

· dann vor dem Bruder Jesu, Jakobus (V7),

· dann vor allen Aposteln (V7),

· dann zuletzt vor Paulus (V8).

Die Absicht der Aufzählung liegt auf der Hand: Es soll der Zeugenbeweis der Auferweckung Jesu gegeben werden. Denn die meisten der in V6 genannten 500 christlichen Brüder leben ja noch und können dazu befragt werden. (V6: "Danach ist er gesehen worden von mehr als 500 Brüdern auf einmal, von denen die meisten heute noch leben, einige sind aber entschlafen.").

Diese Aufzählung ist den historischen Ereignissen zeitlich sehr nahe abgefasst: Nach Gal. 1,18 war Pls 3 Jahre nach seiner Bekehrung in Jerusalem und hat dort mit Petrus und Jakobus gesprochen. Daraus ergibt sich folgende Zeitleiste:

· ca 30: Tod Jesu

· 6-8 Jahre danach: Pls in Jerusalem. Er hat dort Kontakte zu Urgemeindemitglieder und Auferstehungszeugen, besonders Petrus und Jakobus (nach Gal. 1,18).

· ca 25 Jahre später Abfassung von 1.Kor., dabei sind Pls Zeitzeugen bekannt (und leben zum Teil noch).

2.1.2. Die von Paulus zitierteBekenntnisformel

In 1. Kor. 15, 3-8 nennt Paulus nicht nur eigene Erfahrungen, sondern zitiert geprägte Bekenntnisformulierungen (aus katechetischer Lehrtradition zur Unterweisung der Gläubigen), die aus nichtpaulinischen Quellen zwischen 30 und 56 n Chr entstanden sind. Pannenberg vermutet deren Entstehung vor dem Besuch des Paulus in Jerusalem, also vor 36 n Chr.

Kernaussage dieser Formel war wohl: "Christus ist für unsere Sünden gestorben nach der Schrift und wurde gesehen von Kephas, danach von den Zwölfen." (Pannenberg, S.87). Dann wäre diese Formulierung entstanden in den ersten 5 Jahren nach dem Tod Jesu, zwischen 30 und 35 n Chr.!


Möglicherweise hat Paulus diese Formel schon bei seiner Taufe durch Ananias in Damaskus kennengelernt (vgl. Apg.9,17ff; 22,12-16; so LTHK, I, 1028). Dann wäre sie in den ersten drei Jahren nach dem Tod Jesu entstanden, also zwischen 30 und 33 n Chr, da Paulus ca. 3 Jahre nach dem Tod Jesu bekehrt und getauft wurde. Dann hätten wir in 1.Kor.15,3-5 das möglicherweise älteste Textzeugnis zu Auferstehung, das in den ersten drei Jahren nach dem Tod Jesu abgefasst wurde.

Lüdemann erweitert dieses älteste Auferstehungszeugnis um die Verse 6 und 7 ("Er erschien mehr als 500 Brüdern auf einmal (V6), er erschien Jakobus, dann allen Aposteln (V7)". Er nimmt an, daß sämtliche Traditionselemente in die ersten beiden Jahren nach der Kreuzigung Jesu zu datieren sind." (Lüdemann, S.51, vgl. auch S.37). Damit wäre zumindest 1.Kor.15, 5-7 das älteste Zeugnis der Auferstehung in der Bibel, entstand in den ersten drei Jahren nach der Auferstehung.

Weitere älteste Auferstehungshinweise finden sich ebenfalls in den Paulusbriefen. "Diese Formulierungen sind durchweg formelhaft, also älter als das jeweilige Schreiben, und reichen damit zum Teil noch in die Zeit vor dem ältesten Paulusbrief (1.Thess) zurück. Sie stammen also -je nach Datierung dieses Briefes - zumindest aus den vierziger oder dreißiger Jahren des 1. Jahrhunderts." (Lüdemann, S.36; 1.Thess 1,10; 2.Kor.4,14; Gal.1,1,; Röm.4,24b; Röm.8,11a; Eph.1,20; Kol.2,12; 1.Petr.1,21).

2.1.3. Exegese von 1.Kor.15, 3-9

Zunächst der Text insgesamt (nach Luther ´84):

Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Daß Christus gestorben ist für unsre Sünden nach der Schrift; (1 KOR 15,3) und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; (1 KOR 15,4) und daß er gesehen worden ist von Kephas, danach von den Zwölfen. (1 KOR 15,5) Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. (1 KOR 15,6) Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. (1 KOR 15,7) Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. (1 KOR 15,8) Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. (1 KOR 15,9)

Exegetische Überlegungen im einzelnen:

Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: (V3)

Paulus erklärt, daß er den Korinthern weitergibt, was er als Glaubensneuling an Information empfangen hat über Christus. Da anzunehmen ist, daß auch seiner Taufe (Apg.9,18) eine katechetische Unterweisung vorgegangen ist, besteht die Vermutung zurecht, daß Paulus jetzt Worte zitiert, die er als katechetisches Traditionsstück vorgebildet vorgefunden hat und die ihm im Taufunterricht übermittelt wurden.1

Daß Christus gestorben ist....

Das Faktum des Todes Jesu als Folge der Kreuzigung ist historisch unbestreitbar und ja auch durch außerchristliche Quellen bei römischen Schriftstellern belegt.

...für unsre Sünden...

entsprechend alttestamentlichem Sühneverständnis (Sündenbock) interpretierten die ersten Christen den Tod Jesu sehr früh im Sühnegedanken. Sozusagen: Einem wurde die Last stellvertretend für alle aufgeladen.

... nach der Schrift; (1 KOR 15,3)

Im Nach - Denken des Weges Jesu sind den Jüngern schon sehr bald alttestamentliche Schriftstellen aufgefallen, die vor allem nach dem Tod Jesu interpretiert wurden als alttestamentliche Weissagungen auf Jesus hin.

und daß er begraben worden ist;

Die Grablegung Jesu wird in frühchristlichen Schriften auf zweierlei Weise berichtet:

· Joseph von Arimatäa hat Jesus begraben (Mk.15,42 parr),

· Juden haben Jesus beerdigt (Joh.19,31-37).

Die röm. Rechtspraxis sah normalerweise vor, am Kreuz Gestorbene dort verwesen bzw. von Geiern, Schakalen oder anderen Tieren verzehren zu lassen. Dies als Mahnung für die Lebenden. Die Traditionen berichten aber übereinstimmend von einer Kreuzabnahme Jesu. Daher dürfte das Begräbnis Jesu zu jenen Fällen gehören, in denen die römische Behörde den Leichnam freigab.

Nach Lüdemann haben vermutlich Juden Jesus vom Kreuz genommen, weil ein Gestorbener Gekreuzigter nicht über Nacht am Holz hängen sollte (Dtn 21,23) und weil ein Feiertag (= Passahfest) bevorstand. Außerdem war die Freigabe und Abnahme Jesu vom Kreuz auch im Sinne des Pilatus, weil so von vorneherein einer Unruhe angesichts der großen Zahl von Festbesuchern vorgebeugt war. (Lüdemann, S.57).

Die Person des Joseph von Arimatäa als Mitglied des Hohen Rates hält Lüdemann für nicht historisch. Die Evanglien schmücken ihn mit zunehmender Distanz zum historischen Geschehen immer freundlicher aus (Jünger Jesu - Mt,27,57; guter und gerechter Mann, der sich nicht am Richterspruch (des Hohen Rates) gegen Jesus beteiligt hatte - Lk.23,50/51). Aus dem Ratsherrn ist ein Jünger Jesu geworden - aus dem Feind ein Freund. (Lüdemann, S.55).

Auch das Begräbnis wird zunehmend positiv ausgemalt. Mk spricht noch von einem Felsengrab, Mt weiß schon , daß es Josephs eigenes Grab war (Mt.27,60; Petr.Ev 6,24 - apokryph), und Johannes lokalisiert es sogar im Garten, was einer Auszeichnung gleichkäme.

Lüdemann vermutet, daß die Erzählung vom Begräbnis Jesu zunehmend zu einer Ehrenbezeugung gegenüber Jesus wurde. Damit sollte möglicherweise eine unehrenhafte Bestattung Jesu verdrängt werden. (Verbrecher wurden nämlich schlicht in Massengräbern bestattet.) Wäre der ersten christlichen Gemeinde ein Grab Jesu bekannt gewesen, hätten sich - angesichts der Bedeutung der Heiligengräber zur Zeit Jesu - dazu mit Sicherheit sehr früh Traditionen gebildet. (Lüdemann, S.58).

Anders argumentiert Bösen. Er hält Joseph von Arimatäa aufgrund der übereinstimmenden Berichten der markinischen wie johanneischen Tradition für eine bekannte Persönlichkeit und ein angesehenes Mitglied der obersten jüdischen Behörde. Nur eine Person von seinem Rang hätte die Möglichkeit gehabt, zu Pilatus zu gehen und um die Abnahme des Leichnames zu bitten. Joseph war kein Jesusjünger, handelte wohl aber aus großer Symphatie für Jesus. Nur drängte die Zeit. Jesus ist gegen 15.00 Uhr gestorben und der Abend bricht im Orient rasch herein -der erste Stern leuchtet bereits gegen 18.00 Uhr. Wegen der knappen Zeit konnten die jüdischen Beerdigungsbräuche wohl kaum vollständig ausgeführt werden (Waschung, Salbung mit Öl, Bekleidung des Toten mit einem schlichten Linnengewand - Bösen, S.331f). Zeit für einen größeren Transport (zB zu einem Massengrab außerhalb der Stadt) bestand nicht. Nachdem die Archäologie Felsengräber nahe der Hinrichtungsstätte Golgatha nachgewiesen hat (1885 beim Bau einer Zisterne im koptischen Kloster nahe der Grabeskirche), und Joseph als hochgestellte Persönlichkeit sich hätte ein Felsengrab leisten können, kommt Bösen zu dem Schluß, daß Jesus tatsächlich an dem Ort der heutigen Grabeskirche bestattet wurde (Bösen, S.336ff). Auch die Anwesenheit der Frauen unter dem Kreuz lege dies nahe. Nach Bösen bleiben sie in der Nähe des Leichnams bis zu dessen Bestattung, helfen aber nicht, da ihnen Joseph eine unbekannte, fremde Person war. (Bösen, S.336). Der Stein vor dem Grab diente zum Schutz vor Tieren.

und daß er auferstanden ist am dritten Tage nach der Schrift; (1 KOR 15,4)

Auch hier wieder die Anspielung auf den Schriftbeweis, der signalisiert, daß die Jünger im Nachhinein alttestamentliche Schriftstellen als auf Jesus bezogen erkannt haben.

Das Datum "am dritten Tage" entspricht möglicherweise auch schriftgelehrter Reflexion. Im NT erstaunlicherweise nicht zitiert, erscheint es in der rabbinischen Exegese Hos.6,2 ("Er macht uns lebendig nach zwei Tagen, er wird uns am dritten Tage aufrichten, daß wir vor ihm leben werden." HOS 6,2).

und daß er gesehen worden ist von Kephas,

Petrus hatte schon vor Jesu Tod eine Sonderrolle in der Jüngerschar. Während die anderen Jünger bei der Verhaftung Jesu flohen, blieb Petrus dabei, auch wenn er sich in seiner Verleugnung von seinem Meister distanzierte, um sein Leben zu retten (Mk.14,54 und 66-72). In der allerersten Zeit nach der Auferweckung hatte Petrus die Leitung der Jerusalemer Urgemeinde inne (so zu schließen aus Gal. 1,18, wo Paulus sich nach drei Jahren seiner Bekehrung nach Jerusalem begab, um Petrus kennenzulernen). Petrus gelangte in diese Position wohl am ehesten, aufgrund seiner Christophanie, also weil ihm der Auferstandene als erstem erschienen war. (Lüdemann, S.100)

danach von den Zwölfen. (1 KOR 15,5)

Außer dieser Stelle gibt es dazu keine weiteren Belege im NT. Lk 24 oder Joh. 20 sprechen nur allgemein von "Jüngern". Die Anzahl ist offengelassen.

Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen. (1 KOR 15,6)

Wahrscheinlich ist dies der früheste Beleg des Pfingstereignisses. Eine Erscheinung vor 500 Personen kann eigentlich nicht ohne Spuren in der Geschichte vorübergehen. Es gibt allerdings keine vergleichbare Erwähnung im NT. Dabei betont Paulus, daß Augenzeugen dieses Ereignisses noch leben und befragt werden könnten. Dies läßt auf eine grundlegende Bedeutung dieser Christophanie vor 500 Brüdern in der frühen Christenheit schließen. Diese Zahl ist übertragen zu verstehen im Sinne von "riesige Zahl von Menschen".

Voraussetzung für dieses Ereignis ist, daß irgendwo eine sehr große Menschenmenge auf einmal versammelt ist. Dies war frühestens möglich in Jerusalem beim nächsten großen jüdischen Wochenfest nach dem Todespassah, dem Pfingstfest. Hier waren auch Menschen aus aller Herren Länder in Jerusalem, so daß sich ein Ereignis, wie beschrieben in Apg.2,1ff hätte abspielen können, bei dem Menschen in allen möglichen Sprachen von Jesus reden.

Lüdemann interpretiert unter Berücksichtigung der Forschungen zur Massenpsychologie (Die Macht der Masse ist umso größer, je mehr die Mitglieder sich einander ähneln und die Dinge, die sie unterscheiden, zur Seite legen - vgl. Lüdemann, S.122) die Christophanie vor mehr als 500 als Massenekstase: "Petrus hatte denn gekreuzigten Jesus lebendig gesehen (ebenso die 12). Sie erzählten davon z.B. auch bei dem nächsten großen Fest (nach dem Todespassah Jesu) in Jerusalem, dem jüdischen Wochenfest (=Pfingsten), auf dem viele Festpilger zusammenwaren. (Ein solches Fest ermöglicht ja erst die Erscheinung vor einer größeren Anzahl von Menschen).) Diese Predigt und allgemein vorhandene Erinnerungen an Jesus führten förmlich zu einem religiösen Rausch und einer Begeisterung, die als Gegenwart Jesu erfahren wurde, und zwar als Präsenz des Auferstandenen, wie ihn bereits Petrus gesehen hatte." (Lüdemann, 123). Diese Erscheinung bestätigte alle bisherigen Einzelerscheinungen und verlieh der Gruppe einen Kraftschub ohnegleichen.


Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach von allen Aposteln. (1 KOR 15,7)

Von Jakobus, dem Bruder Jesu wird als einzigem neben Petrus namentlich behauptet, er habe eine Christophanie gehabt. Wann, wo und wie ist nicht mehr erschließbar. Bei der Frage nach dem Grund hilft ein Blick in die außerkanonischen Schriften (Schriften, die nicht dem neutestamentlichen Kanon zugeordnet wurden. Der Abschluß der Kanonbildung erfolgte Ende des 2. und im Verlauf des 3. Jahrhunderts). Kirchenvater Hieronymus (ca. 347-419/20) zitiert aus dem Hebräerevangelium: "Als aber der Herr das Leintuch dem Knecht des Priesters gegeben hatte, ging er zu Jakobus und erschien ihm. Jakobus hatte nämlich geschworen, er werde kein Brot mehr essen von jener Stunde an, in der er den Kelch des Herrn getrunken hatte, bis er ihn von den Entschlafenen auferstanden sähe. Und kurz darauf sagte der Herr: Bringt einen Tisch und Brot! Und sogleich wird hinzugefügt: Er nahm das Brot, segnete es und brach es und gabe es Jakobus dem Gerechten und sprach zu ihm: "Mein Bruder, iß dein Brot, denn der Menschensohn ist von den Entschlafenen auferstanden." (zit. nach Lüdemann, 124)

Demzufolge wurde Jakobus vom Auferstandenen von einem Gelübde entbunden und ist der erste Auferstehungszeuge. Da der Text sehr spät belegt ist, ist seine Aussagekraft minimal. Jedenfalls signalisiert er im Kontrast zu dem Bericht des Paulus Spannungen zwischen Petrus und Jakobus, wer von beiden der erste Auferstehungszeuge war. Spannungen um die leitende Position in der Urgemeinde dürften damit nur bedingt zuammenhängen. "Daß Jakobus später Leiter der Urgemeinde wurde, hat mehr mit seiner Familienzugehörigkeit zu tun. In der Antike dachte man familienpolitisch. ... Möglicherweise hat man eine Art Kalifat auch im frühen Christentum ins Auge gefasst (Lüdemann, S.126).

Zuletzt von allen ist er auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden. (1 KOR 15,8). Denn ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe. (1 KOR 15,9).

Paulus gibt damit damit seine Damaskusvision wieder. Der urspüngliche Christenverfolger erhält als letzter eine Christusvision. Er erlebt dies als Berufungsgeschichte und differenziert sie sehr deutlich von anderen Visionen. D.h. die Visionen des Auferstandenen sind spätestens 3 Jahre nach dem Tod Jesu abgeschlossen.

Über die Christophanie haben wir die Selbstzeugnisse des Paulus in 2.Kor.12, 2+3 und Gal.1,1 und 12. Ausgeschmücktere Versionen davon überliefert Lukas in Apg.9,1ff (in der 3.Person) sowie in Apg.22,3-16 und 26,12-18 (in der 1. Person).

Während Paulus schlicht von einer Entrückung (innerhalb oder außerhalb des Leibes - in Ekstase?), einer Himmelsreise, verbunden mit einer Vision und wohl auch Audition spricht, sind die lukanischen Berichte kräftig ausgemalter. Der Kern aller Paulus widerfahrenen Christusoffenbarungen ist derselbe: Paulus sieht sich dadurch zum Apostel berufen.

2.2. Überlieferungen von der Auffindung des leeren Grabes.

Die Überlieferungen von der Auffindung des leeren Grabes sind bei Paulus nicht bekannt oder nicht erwähnt - sie spielen keine Rolle. Sie sind aber in allen Evangelien nachzuweisen, allerdings in unterschiedlicher Gewichtung. (vgl. Pannenberg, 85).

· Mk 16, 1-8 (verfasst ca. 70 n Chr, also etwa 40 Jahre nach den Osterereignissen) endet ursprünglich beim Bericht vom leeren Grab, das bei seinen Entdeckerinnen, Maria von Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus und Salome blankes Entsetzen auslöst. Dies als Evangelienschluß erschien schon in der Urchristenheit als unzumutbar. Während älteste Textzeugen mit Mk,16,8 enden, sind den Textzeugen ab dem zweiten Jahrhundert die Verse 9 - 20 mit Erscheinungen des Auferstandenen angefügt.

· Lk 24,1ff (verfasst ca 80 n Chr) trennt noch deutlich zwischen Berichten vom leerem Grab und Auferstehungserscheinungen. Die Frauen entdeckten das leere Grab und sagten es den Jüngern. Denen "erschienen ... diese Worte als wärs Geschwätz, und sie glaubten ihnen nicht" (Lk.24,11). Erst als sich der Auferstandene auf dem Weg nach Emmaus den Jüngern offenbarte (Lk.24,13ff), wuchs die Erkenntnis: "Er ist wahrhaftig auferstanden" (Lk.24,34).

Übrigens: Es ist nicht anzunehmen, daß die Auffindung des leeren Grabes durch die Frauen eine apologetische Legende (eine erfundene Geschichte zur Verteidigung des Auferstehungsglaubens) ist. Nach jüdischem Recht waren Frauen nicht zeugnisfähig (LTHK,I,1036). Demzufolge stützt die Entdeckung des leeren Grabes durch Frauen eher die Historizität des leeren Grabes.

· Erst Mt 28,1ff (verfasst nach 70 - dem Jahr der Zerstörung Jerusalems) mischt Berichte vom leeren Grab mit Erscheinung des Auferstandenen (V9f). Mt reagiert auch schon auf die jüdischen Vorwürfe, der Leichnam Jesu sei gestohlen worden, da er eine Wache am Grab und die Versiegelung des Grabes erwähnt (Mt. 27,62-66).

· Joh 20,1ff: (verfasst ca 90 - 100 n Chr) ist das zeitlich späteste Evangelium. Bei ihm steht der Auferstandene schon am leeren Grab (V 14f). Maria von Magdala hält ihn jedoch für einen Gärtner. Sie erkennt ihn erst aufgrund seiner Offenbarung.

Nach allen Evangelien ist das Grab am Morgen des dritten Tages leer gefunden worden und hat blankes Entsetzen bei den ersten Zeugen hervorgerufen (Mk. 16,8). Die Auferstehungspredigt in Jerusalem wäre unmöglich gewesen, wenn die Jünger nicht genau gewußt hätten, daß Jesu Grab wirklich leer war. Das Faktum des leeren Grabes mußte also nicht bewiesen werden, dies bestätigt auch der jüdische Vorwurf des Leichendiebstahls. Die jüdische Polemik hat wohl ebenfalls verbreitet, daß der Gärtner den Leichnam Jesu beiseite geschafft habe ( Joh.20,15; vgl. Pannenberg, S.98; Klappert S.12). Somit wird das leere Grab auch durch die "Gegner" der ersten Christen bestätigt. (Zum Grab Jesu vgl. auch oben die Exegese zu "und daß er begraben worden ist" ).Das leere Grab bewirkt jedoch noch keinen Auferstehungsglauben, sondern eher Angst und Verunsicherung. Für die Jünger bedeutete das schmähliche Ende Jesu während seines Passahaufenthaltes in Jerusalem eine Katastrophe. Sie sind nach dem Passahfest in ihre galiläische Heimat zurückgekehrt. Die Erscheinungen des Auferstandenen in Galiläa haben dann den Osterglauben der Jünger begründet und ihre Rückkehr nach Jerusalem veranlaßt. Dort fanden sie den Bericht der Frauen von der Entdeckung des leeren Grabes vor, der ihnen als zeichenhafte Bestätigung ihres schon aus Galiläa mitgebrachten Osterglaubens galt. Die Furcht der Frauen bei der Entdeckung des leeren Grabes wich ebenso erst in der Selbstoffenbarung des Auferstandenen. (vgl. Klappert, S.13). Die Wahrnehmung des Auferstandenen war also nur möglich durch dessen Selbstoffenbarung, nicht durch die Entdeckung des leeren Grabes.

Die Berücksichtigung der Abfassungszeit der Evangelien zeigt außerdem auf, daß mit zunehmender Distanz zum historischen Geschehen die legendenhafte Ausschmückung der Auferstehungsberichte und der Berichte vom leeren Grab wächst!

2.2.1. Zwischenergebnis zu den Berichten vom leeren Grab:

1. Historisch zuverlässig belegt ist die Tatsache des leeren Grabes. Gegen seine Existenz nahe der Hinrichtungsstätte Golgatha gibt es begründete Zweifel.

2. Historisch sehr wahrscheinlich, aber nicht definitiv nachweisbar ist die Auferstehung Jesu Christi als ein wirkliches Ereignis in der Geschichte, insofern sich der Auferstandene zu einer ganz bestimmten Zeit, in einer begrenzten Zahl von Ereignissen und gegenüber ganz bestimmten Menschen kundgetan hat. Der Auferstandene wurde "gesehen" und "gehört", er hatte eine neue "be-greif-bare" Leiblichkeit.

3. Historisch gesichert ist jedenfalls der Todesmut der ersten Auferstehungszeugen am Ort der Hinrichtung in Jerusalem nach nur drei Tagen. Als Jesus der Prozeß gemacht wurde, waren die Jünger noch verängstigt und verzweifelt. Sie blieben unter sich unter Ausschluß der Öffentlichkeit oder flohen. Da war keinerlei Auferstehungsgewißheit oder Siegessicherheit, sondern nackte Angst. Sie gaben die Sache Jesu verloren (Lk.24,21: "Wir hatten gehofft, daß er Israel erlösen werde."). Dann muß etwas eingetreten sein, was binnen kurzem nicht nur einen völligen Umschwung ihrer Stimmung hervorrief, sondern die Jünger auch zu neuer Aktivität und zur Gründung der Gemeinde befähigte. Es muß etwas eingetreten sein, das die Schar der Verzweifelten so stärkte, daß sie sich binnen drei Tagen todesmutig mit der neuen Botschaft an die Öffentlichkeit trauten, auch bereit zum persönlichen Tod. Dieses "ETWAS" ist der historische Kern des Osterglaubens. (Klappert, S.11f - Fußnote). Demzufolge wäre die Auferstehung zwar nicht bewiesen, aber ein historisch weitgehend gesichertes Ereignis.

2.3. Die Auferweckung Jesu als schwer durchsetzbares religiongeschichtliches Novum

Die Vorstellung einer allgemeinen Auferweckung zum ewigen Leben in einer neuen Welt hatte die alttestamentliche-jüdische Apokalyptik entwickelt (Jes.25,8; 26,19). Sie war zur Zeit Jesu verbindliche Lehre des pharisäischen Rabbinismus geworden (Klappert, S.11). Die damalige Zeit und Umwelt in Palästina war außerdem erfüllt von der Hoffnung auf das Kommen eines Messias, der die Juden von den verhassten Römern befreit (spätjüdische Apokalyptik; Zeloten, Makkabäeraufstand, usw).

Daß Jesus nicht mit Macht als politischer Messias kam und daß er gewissermaßen als einzelner zeitlich vor der allgemeinen Totenerweckung auferweckt wurde, setzte sich nur schwer im Verlauf mehrerer Jahre durch. Noch nie wurde zuvor von jemandem behauptet, er sei vor der allgemein erwarteten Totenauferweckung auferstanden. Die allgemeine Totenerweckung erwartete man erst beim Anbruch der kommenden neuen Welt. Jesu Vorab - Auferweckung ist religionsgeschichtlich ein Novum, ohne Parallele. Dies wiederum erhöht die historische Wahrscheinlichkeit des damals Geschehenen.

2.4. Zweifel erlaubt - Glaube gefordert?

Interessant sind die Gedanken im Evangelischen Erwachsenenkatechismus und im katholischen Weltkatechismus zur historischen Frage der Auferweckung Jesu.


Der EEK schließt: "Zweifel können ein Zeichen dafür sein, daß ein Mensch der Wirklichkeit des lebendigen Christus begegnet ist, sie befragt und sich mit ihr auseinandersetzt. In der Ostergeschichte vom ungläubigen Thomas (Joh.20,24 - 29) nimmt der Auferstandene den Zweifler ernst und hilft ihm zum Glauben" (EEK 379).

Der Weltkatechismus argumentiert gut fundiert, doch wenig zweifelnd. Ihm zufolge ist die Auferstehung historisch klar:

"Angesichts dieser Zeugnisse ist es unmöglich,die Auferstehung als etwas zu interpretieren, das nicht der physischen Ordnung angehört, und sie nicht als ein geschichtliches Faktum anzuerkennen. Aus den Ereignissen ergibt sich, daß der Glaube der Jünger die überaus harte Prüfung des Leidens und des Kreuzestodes ihres Meisters durchmachen mußte, die dieser vorausgesagt hatte. Die Jünger (jedenfalls einige von ihnen) waren durch die Passion so sehr erschüttert worden, daß sie der Kunde von der Auferstehung nicht ohne weiteres Glauben schenkten. Die Evangelien zeigen uns keineswegs eine mystisch hingerissene Gemeinde, sondern Jünger, die niedergeschlagen ("trübe dreinblickend": Lk.24,17) und erschrocken waren. Darum schenkten sie denn heiligen Frauen, die vom Grabe zurückkehrten, keinen Glauben und "hielten das alles für Geschwätz" (Lk.24,11). Als Jesus sich am Osterabend den Elfen zeigte, tadelte er ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auffassung gesehen hatten (Mk.16,14).

Sogar angesichts des auferstandenen Jesus selbst zweifeln die Jünger noch, da ihnen die Sache so unmöglich erscheint: Sie meinen ein Gespenst zu sehen. "Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben" (Lk.24,41). Thomas wird die gleiche Prüfung des Zweifels durchmachen, und noch bei der letzten Erscheinung in Galiläa, von der Matthäus berichtet, hatten einige "Zweifel" (Mt.28,17). Darum läßt sich die Hypothese, daß die Auferstehung ein "Erzeugnis" des Glaubens (oder der Leichtgläubigkeit) der Apostel gewesen sei, nicht halten. Ganz im Gegegenteil, ihr Glaube an die Auferstehung - unter dem Wirken der göttlichen Gnade- ist aus der unmittelbaren Erfahrung der Wirklichkeit des auferstandenen Christus selbst hervorgegangen." (Weltkatechismus, S.198)

2.5. Erklärungsversuche der Osterereignisse

Die Deutungsversuche der Osterereignisse, die in verschiedenen Abwandlungen immer wieder von sich reden machen, lassen sich kurz etwa folgendermaßen skizzieren.

2.5.1. Die "objektive Visionshypothese": Gott offenbart den Auferweckten Gekreuzigten

Nach der objektiven Visionshypothese sind die Erscheinungen des Auferstandenen außerordentliche Gesichte, die nicht allen Anwesenden zuteil wurden, also Visionen. Die Visionen werden dabei auf das Handeln Gottes zurückgeführt. Gott hat Christus zu neuem Leben erweckt und ihn in einer Reihe von Visionen einigen Menschen gegenüber als lebendig offenbart. (EEK, S.378)

Auffällig ist, daß nach dem Textbefund der Paulusbriefe und der Apostelgeschichte die Vision des Auferstandenen bei Paulus plötzlich, angstmachend und unerwartet eingetreten ist. Pls sehnte sie nicht herbei, sie wurde ihm mitgeteilt.

Nach dem Textbefund der Evangelien gilt dasselbe auch für die Jerusalemer Auferstehungszeugen. Übereinstimmend berichten die Evangelien vom Erschrecken und Entsetzen der ersten Auferstehungszeugen, den Frauen am Grab. Ebenso reagierten die Jünger auf die Erscheinungen des Auferstandenen zunächst mit Ensetzen und Unglauben. Es ist mehr als unwahrscheinlich, daß sich die Frauen oder die Jünger diese Schreckenserfahrung mit dem Auferstandenen herbeigesehnt hätten.

Deshalb gilt - und dieser These schließe ich mich an: Die Erscheinung des Auferstandenen wirkt den Osterglauben, nicht umgekehrt. (vgl. Pannenberg, S. 93).

2.5.2. Die "subjektive Visionshypothese": Auferstehung als Wirklichkeitsphantasie der Jünger

Die subjektive Visionshypothese erklärt die Erscheinungen des Auferstandenen psychologisch und verlegt die Visionen in das Innere der Jünger. Nach der Katastrophe am Karfreitag sei eine Besinnung der Jünger eingetreten. Die religiöse Persönlichkeit Jesu hätte aber so nachgewirkt, daß die Jünger zu dem Glauben gekommen seien, er sei auferstanden. Was sie glaubten, meinten sie dann auch zu sehen. Demzufolge wären die Auferstehungserscheinungen ein Produkt des Jüngerglaubens (Klappert, S.11; EEK S.377). Die Ostererscheinungen wären so nicht Grund, sondern Wirkung des Osterglaubens. Neuere Forschungen (zB Lüdemann) scheinen verstärkt in diese Richtung zu weisen.

2.5.3. Die Interpretamenthypothese: Die Sache Jesu geht weiter.

Nach dieser Theorie widerfuhr den Jüngern ein "Sehen des Gekreuzigten". Als Menschen, die die jüdische Vorstellung der Totenauferstehung kannten, hätten die Jünger aus diesem Sehen den Schluß gezogen, daß Jesus auferstanden ist. Die Auferstehung Jesu wäre somit kein Ereigniss, sondern eine Deutung, ein Interpretament. Diese Deutung war in der damaligen Zeit verständlich, muß aber heute in neuem Kontext eine neue Deutung erfahren: "Die Sache Jesu geht weiter." Trotz Kreuzestod wird die Botschaft Jesu weiter überleben. (EEK S.378f.)

2.5.4. Die Auferweckung als seelische Kettenreaktion besonders visionär veranlagter Menschen

Diese Annahme ist unwahrscheinlich, da die einzelnen Erscheinungen des Auferstandenen zeitlich weit voneinander getrennt lagen:

Die Erscheinung vor Petrus (Lk.24,34; 1.Kor.15,5) ereignete sich bald nach seiner Rückkehr nach Galiläa.

Die Erscheinung vor Jakobus fand erst statt, als die Gemeinde in Jerusalem schon gegründet war (1.Kor.15,6), da Jakobus erst später zur Jerusalemer Gemeinde stieß und Petrus an Autorität überflügelte (Gal.2,9).

Die Erscheinung vor Paulus ereignete sich erst drei Jahre nach dem Tod Jesu in Jerusalem. (Klappert, S.12).

2.6. Die Erscheinungsform (Manifestation) des Auferstandenen

Die Art und Weise, wie der Auferstandene wahrgenommen wurde ist eine gesonderte Betrachtung wert. Wegen der früh eingesetzenden Legendenbildung und Glorifizierung der Auferstehungsberichte im NT ist der histor. Kern schwer auszumachen. Grundsätzlich wendet sich das ntl. Auferstehungsdenken gegen die hellenistische Vorstellung, "nach welchem der Körper das Grab oder das Gefängnis der Seele ist und die Erlösung in der Befreiung aus diesem Gefängnis besteht" (LTHK,I, 1046). In der spätjüdischen oder rabbinischen Literatur gibt es kein einheitliches Bild, wie die Auferstehung zu denken sei. Uneinigkeit herrscht über den Zeitpunkt der Auferstehung, "als auch darüber, ob alle Menschen oder nur ein Teil von ihnen auferstehen werden, ferner über den Schauplatz des Lebens der Auferstandenen." (LTHK,I.1045f.). Die Vorab - Auferstehung eines Einzelenen ist völlig unbekannt.

Zur Manifestation des Auferstandenen erhalten wiederum die Paulusbriefe wegen ihrer Nähe zum historischen Geschehen ein besonderes Gewicht.

Gal.1,12+ 16: Gt hat Pls seine Sohn geoffenbart, dh: Es muß der Erschienene eine Beziehung zu Jesus v Nazareth gehabt haben. Anders und doch gleich. Nicht Paulus konnte identifizieren, sondern die Erscheinung hat sich Paulus als Jesus geoffentbart.

1. Kor.9,1: Pls hat den Herrn Jesus Christus gesehen. Wieder ist "sehen" der zentrale Begriff.

Nach Apg.9,1ff sah Paulus bei Damaskus einen Geistleib, eine Erscheinung von der Höhe, vom Himmel her, keine irdisch- leibhaftige Person (Pls selbst spricht nur von"sehen" oder "erscheinen" und schmückt nicht aus wie später Lk in Apg.) War die Damaskus-Erscheinung ein Lichtphänomen? (Pannenberg S.89.). Außerdem hat Pls etwas "gehört". Pls "sieht" und "hört" die Erscheinung - und definiert sie als den auferstandenen Jesus. Diese VISION und AUDITION des Auferstandenen. nimmt nur Paulus wahr - kein Begleiter. Der Leib des Auferstandenen muß also von anderer Art gewesen sein, als der Leib des irdischen Jesus.

1. Kor.15,35-44 bestätigt dies (s.u.). Der irdische Leib wird verwandelt in den himmlischen. (so auch Phil.3,20f). Anders und doch gleich, bei demselben ICH.

Die Berichte der Evangelien sind nicht frei von redaktioneller Bearbeitung. Deshalb kann nicht davon ausgegangen werden, daß die aufgeführten Beschreibungen des Auferstehungsleibes Jesu historisch zutreffend sind. Im Kern unterstreichen sie jedoch ebenfalls, daß der Auferstandene leiblich gesehen wurde, auch wenn er anderer Natur war, als der irdische Körper.

Lk. 24, 39-42: Der Auferstandene zeigt seine Wundmale und verlangt nach Essen und Trinken. Damit will Lukas nicht die Wiederbelebung des irdischen Jesus begründen, sondern, daß der Auferstandene eine Art von Leib hat und kein Geist oder Gespenst war. (ähnlich auch Joh. 20,27).

Lk. 24,36 und Joh.20, 19.26: Jesus tritt durch verschlossene Türen mitten unter die Jünger. Auch hier steht die Leibhaftigkeit des Auferstandenen im Vordergrund, dessen Körperlichkeit allerdings von anderer Natur ist, als sein irdischer Leib. Jedenfalls ist es kein Scheinleib (gegen den Doketismus = Jesus trägt einen Scheinleib) und kein "Gespenst". (Lk. 24,34: Der Herr ist wirklich auferstanden und dem Petrus erschienen; vgl. auch EEK, S.376). Die Identifizierung des Auferstehungsleibes mit dem irdischen Leib ist nicht ohne weiteres möglich. Immer erst die Selbstoffenbarung Jesu ermöglicht den Jüngern das Wahrnehmen.

Die Beschreibungen der Erscheinungen Christi gewinnen neue Aktualität aus Ergebnissen der Sterbeforschung, auf die hier nicht näher eingegangen werden kann. Lichtphänomene , Visionen und Auditionen wäre auf ihre Ähnlichkeit mit neueren Erfahrungen aus der Sterbeforschung hin zu untersuchen. Im ntl. Kontext erweist sich der Begriff "sehen - orav" zentral bei den Christophanien. Deshalb hierzu eine Begriffsexegese.2.7. "Sehen" als zentraler Begriff

In 1. Kor.15,3-8 erscheint der Begriff "sehen" -vjqh- 4 mal. Dieser Begriff ist also zentral, um die Erscheinung des Auferstandenen zu beschreiben. vjqh ist auch an anderen Erscheinungsberichten traditionelles Stichwort (Lk.24,34; Apg.9,17 26,16 13,31. Conzelmann, 312).

Wilhelm Michaelis stellt in seiner Begriffsexegese zu "orav" bezüglich der Erscheinungen des Auferstandenen folgende Übereinstimmungen fest (Kittel, V, 355ff):· Die einzelnen Erscheinungen sind in sich geschlossene, also isolierte, nach Zeit und Ort voneinander getrennte Vorgänge (S.355)


· Unter besonderer Berücksichtigung der Damaskuserscheinung ergibt sich, daß der Auferstandene "vom Himmel her" (ek tou ouranou - ek tou ouranou Apg.9,3; 22,6 - S.356) erscheint. "Die Himmelfahrt bedeutet also nicht neben der Auferstehung eine weitere Änderung der Existenzweise des Auferstandenen" (S.356).

· Von keiner der Erscheinungen wird gesagt, daß sie "während des Schlafes, im Traum oder auch nur in der Nacht stattgefunden habe" (S.356). Die Erscheinungen sind demnach keine Träume oder visuell orientierte Traumgesichte. Sie werden auch nirgends so bezeichnet. Vergleiche mit Träumen, die sich "nicht in der Wirklichkeit abspielen , die mit den natürlichen Sinnen wahrgenommen werden kann" (S.357) scheiden begriffsexegetisch aus. (Sie werden im NT mit vramaqa - horámata bezeichnet - zB Apg.16,9 u.ö.).

· Vision und Audition kommen immer zusammen: Die Erscheinungen sind "durchgehend mit Wortoffenbarung verbunden; nirgends ist nur das visuelle Moment betont. Auch die Erscheinung vor Damaskus macht hier keine Ausnahme. Somit darf die Wortoffenbarung als konstitutives Element der Erscheinungen gelten". (S.357).

· "In allen Erscheinungen ist die Gegenwart des Auferstandenen eine Gegenwart in verklärter Leiblichkeit" (1.Kor.15,42ff; S.360).

An Unterschiedenem macht Michaelis geltend:

· In 2.Kor.12,1 spricht Paulus zwar von Erscheinungen und Offenbarungen des Herrn, meint damit aber NICHT die Damaskuserscheinung. Hier redet Paulus von ekstatischem Erleben. Im Blick auf die Christophanie vor Damaskus spricht aber Paulus von einem "Sehen" des Herrn (1.Kor.9,1; S. 358; gegen Lüdemann, S.87f).

· Der in der Aufzählung von 1.Kor.15, 3ff vorkommende Begriff "vjqh - óphthä" bzw. "vjqhnai - ophthänai" wird auch so im übrigen NT in Bezug auf die Erscheinungen des Auferstandenen verwendet (Lk.24,34; Apg.9,17; 13,31; 26,16). Der Begriff wurde also zum "terminus technicus für die Offenbarungsgegenwart als solche ohne Hinweis auf die Art der Wahrnehmung" (S.359). Also wird hier nicht in erster Linie das Sehen als sinnliche oder geistige Wahrnehmung betont, sondern die geoffenbarte Gegenwart des Auferstandenen.

Auch wenn sich die Präsenz des Auferstanden in der nicht-visionären Wirklichkeit ereignet, kann doch keine Kategorie menschlichen Sehens ihr ohne Weiteres gewachsen sein. Deshalb sind die Erscheinungen nicht als Sichtbarmachung sondern als Offenbarwerden zu bestimmen. (S.360). Also weniger "ich habe gesehen" als vielmehr "mir wurde offenbart".

Fazit: Die Grauzone um die Erscheinungen des Auferstandenen bleibt erhalten. Nach den ältesten Zeungnissen wurde der Auferstandene gesehen, unerwartet, mitten am Tage, nicht nachts in visionären Traumgesichten, jeweils nur an einem Ort. Vision und Audition ist dabei immer zusammen zu denken: Er wurde gesehen und gehört. Die Christophanien waren nicht herbeisehnbar oder in irgendeiner menschlichen Weise herbeiführbar. Handelnder ist Gott: Er zeigt, offenbart, gibt zu erkennen, für Menschen unerwartet, nicht kalkuliertbar.

Die Christuserscheinungen, die am dritten Tage nach dem Tod Jesu angefangen haben, enden mit der letzten Erscheinung vor Paulus. Weitere oder spätere Christusvisionen sind aufgrund anderen Sprachgebrauchs auch in anderer Natur zu denken.

Über die Art des Auferstehungsleibes kann also nach wie vor nur spekuliert werden. Zu weniges steht fest. Selbst Paulus beschreibt die den Auferstehungsleib nicht, er umschreibt ihn nur:

"Es könnte aber jemand fragen: Wie werden die Toten auferstehen, und mit was für einem Leib werden sie kommen? (1 KOR 15,35) Du Narr: Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht stirbt. (1 KOR 15,36) Und was du säst, ist ja nicht der Leib, der werden soll, sondern ein bloßes Korn, sei es von Weizen oder etwas anderem. (1 KOR 15,37) Gott aber gibt ihm einen Leib, wie er will, einem jeden Samen seinen eigenen Leib. (1 KOR 15,38) Nicht alles Fleisch ist das gleiche Fleisch, sondern ein anderes Fleisch haben die Menschen, ein anderes das Vieh, ein anderes die Vögel, ein anderes die Fische. (1 KOR 15,39) Und es gibt himmlische Körper und irdische Körper; aber eine andere Herrlichkeit haben die himmlischen und eine andere die irdischen. (1 KOR 15,40) Einen andern Glanz hat die Sonne, einen andern Glanz hat der Mond, einen andern Glanz haben die Sterne; denn ein Stern unterscheidet sich vom andern durch seinen Glanz. (1 KOR 15,41) So auch die Auferstehung der Toten. Es wird gesät verweslich und wird auferstehen unverweslich. (1 KOR 15,42) Es wird gesät in Niedrigkeit und wird auferstehen in Herrlichkeit. Es wird gesät in Armseligkeit und wird auferstehen in Kraft. (1 KOR 15,43) Es wird gesät ein natürlicher Leib und wird auferstehen ein geistlicher Leib. Gibt es einen natürlichen Leib, so gibt es auch einen geistlichen Leib. (1 KOR 15,44) Wie geschrieben steht: Der erste Mensch, Adam, »wurde zu einem lebendigen Wesen« (1. Mose 2,7), und der letzte Adam zum Geist, der lebendig macht. (1 KOR 15,45) Aber der geistliche Leib ist nicht der erste, sondern der natürliche; danach der geistliche. (1 KOR 15,46) Der erste Mensch ist von der Erde und irdisch; der zweite Mensch ist vom Himmel. (1 KOR 15,47) Wie der irdische ist, so sind auch die irdischen; und wie der himmlische ist, so sind auch die himmlischen. (1 KOR 15,48) Und wie wir getragen haben das Bild des irdischen, so werden wir auch tragen das Bild des himmlischen. (1 KOR 15,49)"

3. Zur Analogie alles Seienden: Gibt es der Auferstehung vergleichbares?

Paulus bringt als Beleg, daß ein dem irdischen Leib unterschiedlicher, himmlischer Leib denkbar sei, den Vergleich vom Samenkorn und der Pflanze (1 KOR 15,38) Oder er erwähnt, daß schon im irdischen Bereich "Fleisch" in verschiedenen Körpern existiert (1 KOR 15,39).

Dem die Natur beobachtenden Zeitgenossen werden weitere Analogien auffallen, aus dem Bereich der Lebewesen und darüber hinaus. Einige Beispiele:

Die Raupe - der Schmetterling

Der Engerling - der Maikäfer

Die Kaulquappe - der Frosch

Grenzüberschreitendes wird auch in der Mathematik deutlich, die rein rechnerisch mehr Dimensionen berücksichtigen kann, als wir wahrnehmen können. In der Physik können wir beispielsweise den Regenbogen "sehen" als Wassertropfen oder als Farbenspiel durch Lichtbrechung. Die Sterbeforschung bringt neue Sichtweisen über Lichtphänomene oder Seinsweisen in einer anderen Welt.

Demzufolge erscheint die Auferstehung durchaus auch naturwissenschaftlich denkbar. Auch die Naturgesetze sind ja nur zum Teil bekannt und das Einzelgeschehen ist naturgesetzlich nie restlos determiniert. "Deshalb spricht die Naturwissenschaft zwar allgemein die Geltung von Naturgesetzen aus, muß sich aber für außerstande erklären, von daher über die Möglichkeit oder Unmöglichkeit eines Einzelgeschehens definitiv zu urteilen, so sicher sie wenigstens im Prinzip das Maß für die Wahrscheinlichkeit seines Eintretens anzugeben vermag." (Pannenberg, S.96).

Trotz alledem bleibt die Auferstehung Jesu unbeweisbar. (Gegen LTHK,I,1035: "Obwohl ein Geschehen "am Rand der Geschichte" (da Jesus in ihr den innerweltlichen Bereich verläßt) und in ihrem tieferen Wesen Mysterium, steht sie doch mit einer Reihe innergeschichtlichen Gegebenheiten in so unlösbarem Zusammenhang, daß wir von ihnen aus zur (wenigstens in analogem Sinn historischen) Gewißheit über die Tatsache der Auferstehung Christi gelangen können. ").

Wir haben historisch faßbar nur den historischen Rand des Geschehens (vgl. Klappert, S. 299):

· Die Ostererscheinungen der Jünger

· Das leere Grab

· Das Bekenntnis zum Auferstandenen einer noch kurz zuvor verzweifelten Jüngerschar .

So bleibt die Annahme der Auferstehung Jesu auch weiterhin eine Glaubensfrage (Wunder entziehen sich ihrem Wesen nach der Beweisbarkeit).

4. Die wahrscheinlich historischen Ereignisse:

Der römische Präfekt Pontius Pilatus ließ Jesus von Nazareth nach dem übereinstimmenden Zeugnis aller ntl. Evangelien an einem Freitag um 30 n Chr hinrichten. Gerichtsakten oder ähnliche Unterlagen der römischen Behörde können nicht nachgewiesen werden. Pilatus ist als historische Person erwiesen.

Die männlichen Jünger, die von Galiläa mit Jesus nach Jerusalem zum Passahfest hinaufgezogen waren, verließen ihn vor bzw. während der Festnahme fluchtartig. Nach anfänglichem Zögern auch Simon Petrus, der unter den Jüngern eine Vorrangstellung innehatte. Die Anhängerinnen Jesu, die ebenfalls mit von Galiläa nach Jerusalem zum Passahfest gezogen waren , hielten länger aus.

Das Motiv für Pilatus, Jesus hinzurichten, ist klar. Er sah in Jesus einen politischen Aufrührer, den es vor dem Passahfest unschädlich zu machen galt.

Das Motiv der Jerusalemer Priesterschaft, Jesus an Pilatus zu überantworten, lag im messianisch - eschatologischen Auftreten Jesu. Sein Verhalten wurde als Gotteslästerung empfunden.

Prozeß, Hinrichtung und Tod fielen auf einen Tag. Nachdem der darauffolgende Sabbat in jenem Jahr der erste Tag des darauf folgenden Passahfestes war und es nach jüdischer Sitte nicht statthaft war, einen verstorbenen Gekreuzigten über Nacht hängen zu lassen (Dtn.21,23), ergab sich das Problem, wie mit dem Leichnam Jesu zu verfahren sei.

Der Wunsch einer hochgestellten jüdischen Persönlichkeit kam Pilatus deshalb gerade recht und er gab Joseph von Arimatäa die Erlaubnis zur Kreuzabnahme und Bestattung Jesu.

Die Anhängerinnen Jesu hielten sich in Jesu letzten Stunden in allernächster Nähe auf. Mit Sicherheit dabei war Maria aus Magdala, einem galiläischen Fischerort, die Jesus von einer schweren Krankheit geheilt hatte (Lk.8,2). Die Frauen halfen nicht bei seiner Bestattung, da ihnen die Person des Joseph und seine Helfer fremd waren. Der Ort der Grabelege Jesu war ihnen aber somit bekannt.

Jesu letzte Worte am Kreuz "mein Gott mein Gott, warum hast du mich verlassen" sind ihm nachträglich in den Mund gelegt worden (Zitat aus Psalm 22). Aller Wahrscheinlichkeit nach schrie er laut auf ( Mk.15,37) und starb im Gefühl völliger Gottverlassenheit.

Am dritten Tage, also am Sonntag nach dem Sabbat, fanden die Anhängerinnen das Grab Jesu leer.


Etwa gleichzeitig auf ihrem Weg nach Galiläa hatten die Jünger, allen voran Kephas (Petrus) eine Vision des Auferstandenen, die auditive Züge einschloß.

Sie kehrten um nach Jerusalem und hörten dort von den Frauen vom leeren Grab. Weitere Visionen (verbunden mit Auditionen) folgten. Die Christophanien hatten einen explosiv ermutigenden Charakter, so daß in kürzester Zeit aus den völlig verzweifelten Jüngern mutige Bekenner wurden.

Auch die leiblichen Brüder Jesu (vgl. 1.Kor.9,5) wurden in den Strudel mit hineingerissen, und Jakobus, der zu Lebzeiten Jesu nicht viel von seinem Bruder hielt, erhielt eine Einzelvision.

Die öffentliche Rede vom Auferstandenen setzte ein. Jüdische Vorwürfe des Leichendiebstahls bzw. der Vorwurf, der Auferstandene sei in Wirklichkeit doch der Gärtner gewesen folgten. Sie signalisieren größte Spannungen zwischen Juden und ersten Christen.

An dem Wochenfest, das auf das Todespassah folgte, ereignete sich jene Erscheinung vor mehr als 500, das lukanische Pfingstereignis. Da Menschen aus vielen Nationen beim Fest in Jerusalem anwesend waren, hörte man bald das Christusbekenntnis in vielen Sprachen.

Bei diesem Pfingstereignis - oder kurze Zeit später- schlossen sich auch griechischsprachige Juden der Gemeinde in Jerusalem an und verbreiteten die Jesusbotschaft in Gegenden außerhalb Jerusalems.

Die Spannungen der Urchristen mit den Juden wuchs zusehens, die ersten Christen wurden von den Juden verstärkt verfolgt. Der Pharisäer Saulus war einer, der wie andere in der weiten Umgegend Christen verfolgte, bis ihm vor Damaskus der Auferstandene erschien. Diese Erscheinung verstand Paulus als Berufung zum Apostel.

Die Berufung des Paulus ist von vielen Jerusalemern nicht anerkannt worden. Durch seine Missionserfolge konnte er jedoch später einige günstiger stimmen. Drei Jahre nach seinem "Sehen" und "Hören" Jesu sucht Paulus Petrus in Jerusalem auf und lernt von ihm weitere wichtige Einzelheiten über Predigt und Wirken Jesu. Er traf dort auch mit Jakobus dem Herrnbruder zusammen.

Mit der Christophanie vor Damaskus endeten die Erscheinungen des Auferstandenen. Wenn Jesus in der Folgezeit "erschien", wurde dies auch von Paulus als in anderer Qualität erlebt und beschrieben.

5. Literaturangaben:

Das Neue Testament Griechisch und Deutsch, Griechischer Text verantwortet von Kurt Aland, Matthew Black, Carlo M. Martini, Bruce M. Mezger und Allen Wikgren, 26. Auflage, 7. Druck, deutsche Texte: Revidierte Fassung der Lutherbibel von 1984, und Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift, 1979, hrsg. im Institut für neutestamentliche Textforschung Münster/Westfalen von Kurt Aland und Barbara Aland, Deutsche Bibelgesellschaft, Katholische Bibelanstalt,1986

Die Bibel, Stuttgarter Erklärungsbibel, Bibeltext nach der revidierten Fassung von 1984, hrsg. von der Evangelischen Kirche in Deutschland, dt. Bibelgesellschaft Stuttgart 1992

Bösen, Willibald, Der letzte Tag des Jesus von Nazareth, Was wirklich geschah, Herder Freibug Basel Wien, 3. Auflage1994

Bruce, F.F., Außerbiblische Zeugnisse über Jesus und das frühe Christentum, hrsg. von Eberhard Güting, Brunnen Verlag Giessen/Basel, 1991

Conzelmann, Hans, Der erste Brief an die Korinther, Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen, 2. Aufl. 1981, (Kritisch - exegetischer Kommentar über das Neue Testament - KEK - Band 5 )

EEK - Evangelischer Erwachsenenkatechismus, Kursbuch des Glaubens, hrsg von Werner Jentsch, Hartmut Jetter, Manfred Kießig, Horst Reller, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 3. Auflage 1977

Kittel, Theologisches Wörterbuch zum Neuen Testament, begründet von Gerhard Kittel, hrsg. von Gerhard Friedrich, W. Kohlhammer Verlag Stuttgart, Band V, 1954

Lüdemann, Gerd, die Auferstehung Jesu, Historie, Erfahrungen, Theologie, Radius Verlag Stuttgart 1994

LTHK, Lexikon für Theologie und Kirche, begründet von Dr. Michael Buchberger, hrsg. von Josef Höfer, Rom, und Karl Rahner, Innsbruck, Verlag Herder Freiburg, 2. Auflage 1957

Pannenberg, Wolfhart, Grundzüge der Christologie, Gütersloher Verlagshaus Gerd Mohn, 4. Auflage 1972

Klappert, Bertold, Diskussion um Kreuz und Auferstehung, Aussaat Verlag Wuppertal, 4. Aufl. 1971

Weltkatechismus, Kathechismus der Katholischen Kirche,Oldenbourg Benno Paulus Verlag Veritas, 1993